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    vergeben und glücklich
    27 September 2020
    #1

    Eltern Irgendwie haltlos

    Ich habe beschlossen, nicht meinen alten Thread hervorzukramen sondern einen neuen zu öffnen.
    Ich bin einfach ratlos und weiß nicht weiter und werde die nächsten Wochen viel Zeit mit dem Suchen nach einer passenden Therapieform und einem passenden Therapeuten verbringen... meine alte Threapie habe ich durch den Umzug abgebrochen (und weil ich das Gefühl habe, die Therapieform bringt mich nicht weiter, und weil meine Therapeutin bald in Rente will).
    Aber vielleicht hat hier ja jemand ein paar Tipps wie ich das beschleunigen oder die Zeit überbrücken kann.

    - ich bin hochsensibel und komme daher auch sehr schlecht mit Veränderungen klar
    - ich hatte sehr lange keine Freunde weshalb meine Eltern lange mein einziger sozialer Bezugspunkt waren
    - ich war im Winter letzten Jahres ein halbes Jahr im Ausland und kam Weihnachten wieder. Die Zeit im Ausland war absolut grauenvoll für mich und ich habe gelitten wie sonst was. Ich denke nicht gerne daran zurück, da es aber relevant fürs Studium ist kommt das Thema immer wieder hoch und ich kann damit nicht abschließen
    - im Januar diesen Jahres hat mein bester Freund (F+) mir die Freundschaft gekündigt.
    - Am selben Tag kündigte meine Mutter an, sich von meinem Vater scheiden lassen zu wollen. Das Haus in dem ich aufgewachsen bin soll verkauft werden. Finanziell sieht es ziemlich schwer aus, insbesondere was meine Uni und Unterhalt angeht, weil meine Mutter kein eigenes Einkommen hat. Dass unser Familienleben deutlich harmonischer wurde lag nur daran, dass meine Mutter meinem Vater im Sommer zuvor angekündigt hatte, dass sie sich trennen möchte, woraufhin mein Vater sich um sie und uns bemühte. Mit dem Aussprechen der Trennung hörte all das schlagartig auf - auch sein Bemühen um uns Kinder.
    - Im Nachgang haben meine Eltern mich als Kummerkasten missbraucht und ihr allgemeiner Umgang mit mir und die Prioritätensetzung der beiden die nicht eindeutig uns Kindern galt haben mir für sehr vieles die Augen geöffnet. Ich kann inzwischen damit leben, verzeihen kann ich ihnen all ihre Fehler noch lange nicht.
    - Ich bin gegen den Willen meiner Eltern ausgezogen und habe das Wichtigste für mich mitgenommen. Durch Corona war ich daher sehr oft sehr alleine.
    - Bezüglich der Scheidung hat sich seitdem nicht viel getan, meine Mutter hat ihr Vorhaben allerdings noch nicht aufgegeben, auch wenn sie wenig dafür tut. Das schürt Hoffnungen die am Ende wohl unberechtigt bleiben werden.
    - Ich habe einen Freund gefunden den ich absolut liebe, der aber leider am anderen Ende Deutschlands wohnt.
    - Ich kämpfe seit Juli mit wiederkehrenden Pilzinfektionen durch die meine Haut inzwischen auf alles allergisch reagiert. Das ist extrem belastend, gestaltet den Alltag schwierig und hat mein Verhältnis zu meinem Körper sehr gestört.

    In meinem Leben hat sich sehr viel verändert. Ich hatte immer ein Zuhause hier in Deutschland zu dem ich zurückkehren konnte und wo alles wie immer war, egal wo ich war. Das gibt es nicht mehr. Ich lebe inzwischen an drei Standorten und muss mental hin und her wechseln wo ich gerade bin, was mir noch nie leichtgefallen ist.
    Nachdem die letzten Monate nichts passiert ist hatte ich tatsächlich die Hoffnung, dass meine Mutter für immer untätig herumsitzt und irgendwann die Scheidung aufgibt. Doof für sie, gut für uns Kinder. Leider sieht es danach nicht mehr aus.
    Dieses Haus, insbesondere mein Zimmer, war der Ausgleich zur Schule und Uni die mich unglücklich gemacht haben. Das ist jetzt weg. Egal wo ich bin, irgendetwas fehlt immer, weil alles das ich habe überall zerstreut ist.

    Ich fühle mich ziemlich elendig weil ich die Normalität vermisse, das Zuhausesein, die Stabilität und die Sicherheit. Und das Gefühl, mich elendig zu fühlen, ist mir so vertraut wie kaum etwas anderes, insbesondere in diesen vier Wänden. Ich fühle mich in der Dunkelheit im Moment so sicher und aufgehoben wie sonst nur ab und an bei meinem Freund. Und letzterer ist selten da und kann mir durch die Entfernung und seine Arbeit auch oft nicht das geben was ich brauche.
    Gleichzeitig traue ich mich nicht, mich bei meinen Eltern noch wohlzufühlen, weil es dann nur wieder wehtun wird, wenn dann doch alles zu Ende geht. Jedes Mal wenn ich mich hier wohlfühle bekommt das Gefühl einen bitteren Beigeschmack.

    Ich kann dieses neue Leben das mir vor die Füße geschmissen wurde nicht in Dunkelheit verbringen. Aber genau dahin will ich zurück, weil ich es nicht anders kenne. Mein Freund und die Beziehung mit ihm tut mir so gut und es ist so wundervoll zwischen uns und er macht mich glücklich, und gerade deswegen zweifle ich, ob das mit uns so passt, weil ich das Mädchen bin, das immer unglücklich ist. Nur bei ihm nicht, und das zu verbinden ist schwer.

    Ich will einfach, dass alles wie früher ist. Da ging es mir auch nicht gut, aber wenigstens kannte ich das alles schon. Und „es gibt neue schöne Dinge“ scheint nicht zu funktionieren.

    Ich wusste früher immer, dass ich alles irgendwie überstehe und immer irgendwie weitermache. Jetzt muss ich für mich selbst sorgen seit ich alleine wohne, was mich total überfordert (hat es die ersten Monate nicht, aber Essen machen und Putzen, Wäsche waschen oder Müll raustragen fallen mir immer schwerer) und weiß auch sonst nicht was die nächsten Monate so passieren wird.
    Vielleicht schwingt da eine große Portion Selbstmitleid mit, aber genau das ist das Problem...Selbstmitleid ist mir so vertraut wie kaum etwas anderes, darin fühle ich mich inzwischen einfach wohl, auch wenn es mir nicht gut damit geht.

    Ich vermisse meinen besten Freund, den ich seit über einem Jahr nicht gesehen habe durch den Auslandsaufenthalt. Es ist total scheiße auseinander gegangen und es lief schon vorher nicht mehr so gut zwischen uns.... aber er hat mir sehr viel als Person bedeutet und mein Freund ist kein Ersatz dafür. Mein Freund ist wundervoll auf seine Weise und ich liebe ihn, aber mein bester Freund war einfach nochmal eine andere Person die ich wirklich mochte bevor er sich so verändert hat... Mein Freund ist ziemlich eifersüchtig was ihn angeht weshalb ich das Thema nicht gerne anschneide, aber ich habe auch meinen besten Freund verloren zusammen mit allem anderen das damals mein Weltbild ausmachte und er fehlt. Ich konnte mich nie mit ihm aussprechen. Ich bin nicht sicher, ob ich noch mit ihm zu tun haben wollen würde so wie er sich geändert hat, aber manchmal hoffe ich einfach, dass er wiederkommt... wie alles andere.

    Ich bekomme die drei Leben, die ich lebe (bei meinen Eltern, in meiner Wohnung und bei meinem Freund) nicht zusammen, geschweige denn das alles mit dem vereint was vorher war. Ich konnte mir durch Corona keinen Alltag aufbauen, war noch nie der Typ für einen geregelten Tagesablauf, meine Routinen die ich brauche laufen auch ohne das, und die einzige Stabilität die ich derzeit habe ist eine, die mir nicht guttut. Ich bin aber auch unsicher, wie ich die aufbauen kann, denn wie gesagt, ich habe meine Routinen und versuche zumindest ein wenig regelmäßiger zu machen aber das ändert nichts. Meine Eltern machen einen klaren Cut nicht möglich und ich bin nicht sicher wie ich diesen fließenden Übergang gestaltet kriege. Ich war nie gut mit Veränderungen, ich muss sowas eigentlich eins nach dem anderen machen und dann sehr viel Routine reinbringen, das kann ich hier aber vergessen.

    Falls ihr also
    1) Ideen habt wie ich an eine richtige Therapieform für mich komme und da einen Therapieplatz finde (die Therapie ist bei der KK derzeit wie gesagt gekündigt und meine Therapeutin hat sich nicht dazu geäußert wie ich weiter vorgehen sollte)
    2) Ideen habt, wie ich meinen Eltern ihre Fehler verzeihen kann die ich noch heute ausbade damit ich ihnen gegenüber entspannter sein kann
    3) Ideen habt, wie ich meine verschiedenen Leben zu einem verbunden kriege
    4) Mich in diesem neuen Leben aufgehoben fühlen kann
    wäre ich sehr dankbar :smile:

    Entschuldigt all den Text, Kurzfassungen waren nie meine Stärke.
    Edit: Erfolglose Versuche zu kürzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27 September 2020
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  • wild_rose
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    27 September 2020
    #2
    Ich kann dazu gerade nichts sagen, deshalb: :knuddel:
     
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    27 September 2020
    #3
    wild_rose Ich bin schon froh dass du es überhaupt gelesen zu haben scheinst...ich bin soo schlecht darin mich kurz zu fassen :frown:
     
  • User 162572
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    27 September 2020
    #4
    Ich frage glaube ich bei jedem deiner Threads danach, aber wie lang studierst du noch? Du bist ja wenn ich das weiß an deine Hochschule gebunden.

    Ansonsten wäre mein Instinkt gewesen (auch wenn das nach so kurzer Zeit nichts für mich wäre), dass du vielleicht in die Nähe deines Freundes ziehst sobald es geht und du dir es leisten kannst.

    Hat mehrere Vorteile. Du bist weiter weg von daheim und den Problemen dort, siehst deinen Freund, und kannst dich auf einen Ort konzentrieren. Solang du in der Nähe deiner Eltern wohnst, also greifbar bist, desto eher wirst du auch in Anspruch genommen. Für eine Hilfsaktion mal eine halbe Stunde fahren - machbar. Dass du aber ein mal quer durchs Land fährst wird dafür kaum jemand verlangen. Ergo, du bist da ein Stück weit aus dem Schneider.

    Dein Bruder hat dann halt etwas die Arschkarte. Aber hier geht es mir um Vorschläge die primär mal dich betreffen.

    Du sagst einen geregelten Tagesablauf kannst du nicht gebrauchen. Bist du dir da sicher? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Mir persönlich geht es meist schlechter wenn mir dieser rote Faden verloren geht, wie es eben durch Corona kam.

    Daher noch eine Idee: Bestimmte Routinen mit den verschiedenen Orten verknüpfen.
    Beispielsweise wenn du zurück in deine Wohnung kommst erst mal aufräumen, etwas kochen, die Wäsche machen, einen Tee am Fenster trinken,...
    Bei deinem Freund erst Mal gemeinsam einen kleinen Spaziergang (immer den gleichen Weg) machen, usw.

    Damit du das Ankommen etwas mehr greifen kannst, und vielleicht etwas besser zurück in deine jeweilige Umgebung findest.
     
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  • User 172046
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    vergeben und glücklich
    27 September 2020
    #5
    Noch anderthalb Jahre. Ich kann aber theoretisch auch zu meinem Freund ziehen weil da auch ein Standort meiner Uni ist. Ich muss aber nächstes Semester eh ins Praktikum und würde dann versuchen, da eines zu bekommen (der Markt ist durch Corona eh super beschissen...kann also sein dass das nicht klappt).
    Dieses Semester hätte das nicht mehr geklappt, ich bin ja gerade erst ausgezogen, aber der Umzug steht auf jeden Fall im Raum.


    Ich kriege ihn eher nicht zustande. Ich bin mal hier und mal da und überall läuft es anders. Mein Freund steht sehr früh auf weil er arbeiten muss da stehe ich meist mit auf, hier frühstücke ich mit meinen Eltern eher mittags und daheim in der Wohnung halt wann ich von alleine aufwache. Ich habe andere Möglichkeiten, andere Dinge zu tun...und null Selbstdisziplin was sowas angeht.
    Deine Idee klingt zwar gut, ABER manchmal bringt mein Freund mich heim, manchmal meine Mutter, manchmal fahre ich selber, also ist selbst beim Ankommen nicht alles gleich...die Situationen sind einfach immer anders... das dann nochmal bewusst alles zu separieren endet wahrscheinlich wieder im Chaos...mal schauen was mir in der Situation so einfällt. Vielleicht gibt es ja was, das immer passt.
     
  • User 178113
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    27 September 2020
    #6
    Hm, schwierige, aber doch nicht ausweglose Situation. Ich kenne weder Dein Alter noch Deine Ausbildung, Studium. Bist Du noch im Studium oder schon im Beruf?
    Du schreibst, dass es Dir schwer fällt, Dein Leben so zu strukturieren, damit Du besser zurecht kommst. Hast Du es schon einmal mit Ritualen versucht, also bestimmte Dinge immer gleichförmig, ggfs. zur gleichen Zeit ablaufen zu lassen, völlig unabhängig davon, ob es in der konkreten Situation vielleicht auch anders getan werden könnte?
    Bzgl. Therapie, schon einmal an klinische Hypnose gedacht? Wäre auch eine Möglichkeit, Deinen Eltern über einen „Stellvertreter“ verzeihen zu können. Suche im Netz mal nach Milton Erickson. Seine Methode der klinischen Hypnose hat schon vielen Menschen, auch in scheinbar ausweglosen Situationen weiter helfen können! Ich wünsche Dir viel Mut und Kraft, Dein Tief zu überwinden!
     
  • User 162572
    Öfters im Forum
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    27 September 2020
    #7
    Genau das war ja der Gedanke, die Gleichheit für dich zu schaffen. Egal wer dich heim bringt, insofern du keinen Besuch hast kannst du ja für dich ein kleines Ritual schaffen.
     
  • Federeule
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    27 September 2020
    #8
    Welche Fehler haben denn deine Eltern gemacht die du ihnen verzeihen willst?
    Wenn ich es recht verstanden habe, dann haben sie sich getrennt?
     
  • User 172636
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    27 September 2020
    #9
    Zu deinen Eltern weiß fällt mir leider nichts ein. Wie gesagt: ich finde es nicht fair, dass sie es nicht regeln, worunter eben nicht nur die beiden, sondern auch ihr als Kinder leidet.
    Davon abgesehen lebe ich mittlerweile seit etwa sechs Jahren an mindestens zwei, manchmal auch an drei Standorten, von daher kenne ich dein Problem.
    Vor einiger Zeit kam mein altes Zimmer bei meinen Eltern weg, welches ich oft als Lager verwendet habe, was ich aber gerade in den letzten Jahren aber auch mit Freude genutzt habe, wenn ich dort zu Besuch war.
    Mittlerweile hat sich vieles eingespielt, aber ich habe immernoch das Problem, dass ich am jeweiligen Standort oftmals einzelne Sachen vermisse, was du ebenfalls erwähnst. Dem beuge ich vor, indem ich an allen Orten eine Art „Basisausstattung“ habe. Damit komme ich ein paar Tage über die Runden, ohne dass etwas fehlt und dann fahre ich meistens ohnehin wieder. Das ist eine Sache, die zumindest das Packen und Planen einfacher macht.
    Der nächste Schritt ist, dass ich meine „Basis“ verlegt habe. Zwischenzeitlich war sie in Bayern, mittlerweile in NRW. Dadurch habe ich an diesem einen Ort dann zumindest das Gefühl „alles“ zu haben. An und für sich lassen die Hauptorte auch wechseln. Es ist wichtig aus meiner Sicht, dass man sich einen Ort schafft, an dem man „ankommt“, wo man auch mal etwas liegenlassen kann und dass dort trotzdem niemand drangeht. Das ist eine recht bewusste Entscheid und wäre auch meine Empfehlung an dich: Definiere deine „Homebase“, das ist dein Rückzugsort. Mache das ganze zu deiner Hauptanschrift und plane dort herum. Schlage dort gegebenenfalls auch Wurzeln, suche dir einen Sportverein oder eine Bar in der Nähe, Hauptsache irgendwelchen Bezugspunkte. Das kann aber auch z.B. ein See sein, an dem eine Bank steht, wo du dich gerne hinsetzt oder den du umrundest, um zu Ruhe zu kommen. Rituale sind ein nicht zu unterschätzender Faktor, die beim „Heimkommen“ (um das Gefühl aufzubauen) helfen können.
    Der zweite Ratschlag wäre, dass du dich wegverlagerst von Orten, die dir nicht guttun. Bei dir wäre das dein Elternhaus. Klar, das ist Gewohnheit, aber wann war es wirklich das letzte Mal ein „sicherer Hafen“, in dem du eben keine Angst vor erneuten Konflikten haben musstest? Wo du dich unbeschwert auf den Besuch freuen kannst? Damit meine ich nicht, dass du die Brücken abbrichst, aber grenze dich ab, indem du das Zimmer dort eher als „Gästezimmer“ nutzt. Sodass du dahin zurückkommen kannst, es aber keine Belastung darstellt. Im Umkehrschluss würde ich dir ans Herz legen, nochmal zu versuchen, dich mehr mit deiner Wohnung auseinanderzusetzen. Du scheinst dich dort noch nicht heimisch zu fühlen, vielleicht liegt das auch daran, dass du noch versuchst, an deinem Elternhaus festzuhalten.
     
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    28 September 2020
    #10
    Ich bin 20, studiere noch. Aber bin mit dem Studium auch super unglücklich.

    Ich habe Rituale... die müssen auch jeden Tag so ablaufen, vorher kann ich nicht schlafen gehen. Das reicht aber leider nicht weil die unabhängig von einer bestimmten Tageszeit laufen, also unbegrenzt in ihrer Dauer sind. Und sehr angepasst an meine Stimmung.

    Die Form suche ich mir mal raus, der Name kommt mir vage bekannt vor.

    Das ist der Haken dabei. Meinen Freund kriege ich evtl. überzeugt aber wenn die eh schon zu hochsensible Tochter jetzt auch noch will dass alles beim Bringen und Abholen gleich abläuft kriegt meine Mutter nen Föhn...
    Ich überlege es mir, Tee trinken klingt machbar zum Beispiel. Das kann ich immer.


    Etwas lange Geschichte, aber kurz: sie haben mich als Kind und Jugendliche mit meinen Problemen alleine gelassen und nicht ernstgenommen, weder die Hochsensiblität noch das Gefühl, unterfordert zu sein, und haben das Mobbing durch meine Klasse einfach so weiterlaufen und mich bei ihnen ausheulen lassen. Um meinen Bruder wurde sich jedoch bis zum Erbrechen gekümmert und er ist zwar unselbstständig wie sonst was, ist dafür aber psychisch und sozial um Längen fähiger und stabiler als ich, obwohl er auch hochsensibel ist.
    Getrennt haben sie sich eben noch nicht, das ist zwar seit Januar angekündigt aber meine Mutter tut nichts...mein Vater will die Scheidung nicht. Mein Bruder will das auch alles nicht und ich will es einfach endlich hinter mir haben.

    axis mundi Zumindest was Kosmetika angeht habe ich alles überall. Aber ich habe eben vieles nur einmal und das mehrfach anzuschaffen würde kosten (Piano, Gitarre, zeichensachen, Handwerkszeug etc.). In der Wohnung fehlt mir also das Rätselheft oder die Gesellschaft, bei meinen Eltern fehlt der Nintendo oder dieses eine Stifteset... ich kann aber nicht jedes Mal meinen halben Hausrat anschleppen...

    In meiner Wohnung bin ich wirklich noch nicht angekommen, a) weil ich selten da bin b) weil ich sehr alleine da bin (mein Verein ist ja bei meinen Eltern) c) weil ich die Stadt in der ich wohne HASSE und in dem Viertel nicht gerne unterwegs bin (zu viele schlecht erzogene Hunde und ich habe Angst vor Hunden) d) Ich ja eh zum Praktikum im März wohl wieder ausziehen muss wenn ich dann zu meinem Freund will und es sich da irgendwie nicht lohnt sich die Mühe mit Deko etc. zu machen und e) weil es einfach so schön ist wenn alles kurz so ist wie früher....
    Ich bin nicht hilfreich ich weiß...
     
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    28 September 2020
    #11
    Nur zwei Dinge, relativ kurz:
    - ziehe nicht zu Deinem Freund, mache besser auch das Praktikum nicht dort. Ich bin der Meinung, dass Du lernen solltest, Dich von anderen Menschen unabhägiger zu machen. Nicht immer bei Anderen eine Höhle suchen, in der Du Dich vor dem/Deinem Leben verkriechen kannst. Natürlich hast Du ein paar heftige Dinge durchmachen müssen, die auch noch nicht zu Ende sind, und da ist es wichtig, nicht ganz alleine durch zu müssen. Aber Andere sollten Dich unterstützen, Deinen Weg zu gehen. Dein Weg sollte nicht von diesen anderen Menschen abhängig sein. Du weißt, dass ich Dich für sehr stark halte, Du weißt auch, dass ich der Meinung bin, dass Du das noch nicht realisiert hast, wie stark Du eigentlich bist. Aber das kann man lernen, heraus zu finden. Indem man seinen eigenen Weg sucht und dann auch geht. Selbst wenn er schlingernd, unsicher erscheint und Umwege beinhaltet.
    - Du redest sehr oft von Deinem alten Zimmer bei Deinen Eltern. Dass Du da Alles das um Dich und bei Dir hattest, was Dir Spaß macht und Dir wichtig ist. Ich denke, Du solltest Dir wieder so einen Raum erschaffen. Das meine ich nicht übertragen, sondern wortwörtlich. Verteile nicht Deine Sachen, nimm so viel Du kannst und baue Dir wieder einen Wohlfühlraum. Dieses Mal aber einen, der wirklich nur Deiner ist und nicht wieder abhängig von Anderen ist.
    Ich denke schon, dass solch ein Raum Einem auch Ruhe und Kraft geben kann, die man dann wieder in andere Dinge des Lebens stecken kann
    - nimm endlich mehr Distanz zu Deinen Eltern. Sie rauben Dir Kraft und Nerven, die Du für andere Dinge brauchst. Du bist nicht für sie verantwortlich.

    Aber eigentlich wollte ich Dir nur sagen: :knuddel:
     
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    28 September 2020
    #12
    Hey :smile:
    Auch von mir erstmal :knuddel:
    Wie beschissen doch immer alles auf einmal kommt, hm? :unsure:
    Auch meine Stärke liegt nicht im Kurzfassen, sorry schon mal.
    zu 1) weißt du denn, welche Therapieform du willst? Und weißt du, wie lange du voraussichtlich warten musst auf einen Platz? Falls ja, kleiner Vorschlag von mir: Mach dir einen Countdown. Z.B. eine Art Kalender zum umblättern, oder es gibt bestimmt auch sowas als App... Und für jeden Meilenstein (z.B. nur noch drei/zwei/eins Monate) gibt es eine Belohnung. Dann hast du Etappenziele und es fühlt sich nicht so schrecklich lang an
    zu 2) Wie wäre es, wenn du versuchst, fürs erste zu akzeptieren, dass du ihnen eben nicht verzeihen kannst? Das muss ja nicht auf ewig so sein. Leg die Gefühle ihnen gegenüber auf Standby und finde einen annehmbaren Umgang mit deinen Eltern auf Zeit. Wenn alles weniger frisch ist und nicht so viel anderes los ist, hast du vielleicht mehr innere Stärke, um ihnen zu vergeben. Wenn du das dann möchtest, es ist nicht deine Pflicht.
    zu 3) Ich bin viel umgezogen in meinem Leben, schon immer. Ein wirkliches Zuhause, also einen Ort, habe ich nicht. Deshalb musste manchmal in kurzer Zeit ein neuer Ort mein neuer Wohlfühlraum werden. Das geht aber nur, wenn ich nach Hause kommen kann und keine Konflikte zu erwarten sind.
    Was axis mundi über die "Basis" geschrieben hat, finde ich genau den richtigen Ansatz.
    Hinzufügen möchte ich: Mach dein Zimmer/deine Wohnung zu DEINEM Ort. Mit allem, was du findest und dich glücklich macht, ob Fotos, Teppich, Deko, Farbe, whatever. Muss ja nicht auf einmal sein, das kann wachsen und sich ändern über die Zeit. Mir hat das sehr viel mehr Wohlbefinden gebracht. Inzwischen kann man an meinem Zimmer nach kurzer Zeit meine Persönlichkeit ablesen. Das lohnt sich noch bis März! Oder möchtest du dich ein weiteres halbes Jahr unwohl fühlen wo du den Großteil de Zeit bist?
    zu 4) Es wollen. Das neue annehmen, weil es nicht zurück geht. Loslassen ist halt oft unangenehm und schmerzhaft.
    Dann kommst du nicht drum herum, dir mit viel Beharrlichkeit eine neue Stabilität aufzubauen. Hast du irgendeine Sache, die wirklich regelmäßig ist? Kannst du sie die nächsten zwei Wochen durchhalten? Dann bau nach zwei Wochen den nächsten Routineteil ein. Und dann nochmal einen. Wenn dir eine Gewohnheit nicht mehr guttut, dann wirf sie weg, aber nicht ersatzlos.
    Jetzt im Moment vielleicht. Und in der Vergangenheit. Die Zukunft ist länger. Und in der wird es dir helfen, wenn du dich genau NICHT über dein Unglücklichsein definierst.
    Kann ich nur zustimmen.
    Da darfst du auch egoistischer sein.

    Ein letztes (dann ist wirklich mal Schluss hier): Schreibst du Tagebuch? Ich frage das, weil ich mir denken könnte, dass es für die Überbrückungszeit bis zur Therapie helfen könnte. Auch als neues Ritual. Explizit kein auskotzen, sondern über alle positiven Dinge schreiben. Nichtmal unbedingt so ein Dankbarkeitstagebuch, wobei das sicher auch hilfreich ist. Aber einfach ein tägliches sich auf die gar nicht so blöden Seiten deines neuen Lebens Besinnen.
     
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    28 September 2020
    #13
    Ich ziehe nicht zu meinem Freund sondern nur in dieselbe Stadt...definitiv in eine eigene Wohnung.
    Und da wäre ich auch ohne ihn wahrscheinlich fürs Praktikum hingezogen. Es gibt auf dem Markt nicht so viel. Ich wollte in diese Stadt als meine Eltern die Trennung verkündet haben. Ich hasse die Gegend in der ich aufgewachsen bin abseits der Nostalgie. Ich mag die Stadt in der er wohnt bisher. Wegzuziehen ist eine Entscheidung die ich für mich treffe, nur für ihn würde ich niemals da hin ziehen nach so kurzer Zeit.

    Der Meinung bin ich auch, aber mein Freund ist jetzt halt da und ich will nicht viel länger eine Fernbeziehung haben. Dafür würde in der selben Stadt zu leben bedeuten, dass ich wieder mehr Sozialleben hätte, weil ich bei ihm sein und trotzdem mein eigenes Leben leben kann. Im Moment habe ich entweder Verein und Freunde ODER Freund und dann verliert immer eine Seite. Das macht eher abhängig als alles an einem Ort haben zu können. Ergibt das Sinn? I see your point...aber ich sehe es halt auch ein wenig anders.

    Abgesehen davon bin ich hochsensibel und psychisch ziemlich im Eimer also ja, ich sehe nicht wo ich stark sein soll...

    Und was mache ich dann wenn ich zweimal wöchentlich wegen des Trainings oder einem Punktspiel bei meinen Eltern bin? Ich brauche irgendetwas bei meinen Eltern. Zumal meine Wohnung für allen Kram der mir was bedeutet einfach zu klein ist...
    Ich habe tatsächlich den Drang, mehr mitzunehmen in die Wohnung wenn ich hier war und tue das auch meist. Aber irgendetwas muss ich auch noch hier haben...
    Ich kann das natürlich noch erweitern aber wenn mich die Kreativität halt hier trifft und nicht in der Wohnung und dann hier gerade die Stifte dafür fehlen...ist das eine Ausrede? Es klingt so aber es passiert mir jetzt schon so oft...

    Also physisch ist das wegen Training etc. im Moment echt schwer, aber psychisch ist das abgesehen davon dass ich sauer auf sie bin besser geworden. Mein Vater drängt mich gerne dazu doch mal was mit meiner Mutter im Fernsehen zu schauen abends und inzwischen kann ich nein dazu sagen wenn ich nicht will ohne mich zu lange zu schlecht dafür zu fühlen. Es wird besser. Langsam, aber es wird. Ich tue nichts mehr für meine Eltern. Ich spreche vieles nicht mehr an. Es wird. Langsam, aber es wird.
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 28 September 2020 ---
    Nein, leider nicht. Ich hatte vorher Verhaltenstherapie, das war ganz gut für den Anfang, aber ich merke im Moment, dass mich viel unterbewusst beschäftigt an das ich nicht herankomme und das entweder spät oder gar nicht hervorbricht. Das macht es schwer, gegenzusteuern, und ich muss immer auf die Katastrophe warten um irgendetwas zu klären. Ohne zu wissen was das Problem ist gibt es keine Lösung...ich musste auf meine erste Therapie gar nicht warten deswegen habe ich von sowas gar keine Ahnung, ich habe da angerufen, hatte einen Termin und durfte vorbeikommen....

    Aber es kommt immer wieder hoch, triggert mich, schiebt das Gedankenkarussel unbewusst an und dann passiert sowas wie heute. Es raubt mir Energie. Holt Probleme wieder hoch wie Wellen mit dem Sand spielen. Ich weiß nicht ob das hinnehmen so produktiv ist.

    Aber wenn ich jetzt Nägel in die Wand packe und Kleber aufklebe und dann muss ich das beim Auszug reparieren aber ich kann gar nicht Handwerken...*seufz* ich sehe schon ich stehe mir selbst im Weg...es lebe die Faulheit...

    Weißt du, wenn ich ins Ausland bin oder daraus wiederkam war das so einfach...hier fällt mir das so schwer. Hier kann ich nicht Offen für Neues sein...ich versuche es.. aber irgendwie klappt es nicht und ich weiß nicht wieso...
    ich habe das Gefühl wenn meine Mutter endlich die Trennung durchziehen würde könnte ich das alles abhaken und neu beginnen aber so...irgendetwas fehlt mir dafür...

    Im Moment kann ich gar nichts durchhalten...ich finde es schon schwer genug genug zu trinken und zu essen und dann am besten noch regelmäßig. Ich kann nichtmal jeden Tag zur gleichen Uhrzeit aufstehen, ich KANN einfach nicht, der Wecker klingelt ich bin wach aber ich KOMME nicht aus dem Bett, manchmal für Stunden...
    Ich hätte so gern irgendetwas das jeden Tag gleich ist aber das klappt alles nicht weil ich viel zu sehr danach gehe wonach mir gerade ist...ich habe zu lange nach Vernunft und dem Willen anderer gelebt, da finde ich es irgendwie auch wichtig das zu tun was ich gerade will und nicht das was irgendeine Routine mir gerade vorschreibt...ich bin mir nicht ganz sicher was mir im Moment wichtiger ist.
    Emotional gesehen die Freiheit mich auf mich zu konzentrieren.


    Ja, aber unregelmäßig. Erfahrungsgemäß steigere ich mich beim täglichen Schreiben mehr hinein und da mein Arm chronisch kaputt ist kann ich auch oft dann nicht schreiben wenn ich gerne würde. Aber da schreibe ich dann oft meine Gedanken auf und schreibe mich dabei oft in zuversichtlichere Stimmung.
    Nur wenn ich mal bei etwas nicht weiter weiß und Rat brauche müssen Menschen die antworten können dafür herhalten :zwinker:.
     
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    28 September 2020
    #14
    Erst mal das Wichtigste: :knuddel:

    Und jetzt habe ich ewig deinen ersten Beitrag zerpflückt und werde von vielen neuen Antworten überrollt, die mich an meiner gerade geschriebenen Antwort zweifeln lassen... deshalb nun etwas gekürzt und nochmals überarbeitet:
    Hm... wäre es für euch Kinder wirklich so toll, wenn eure Eltern ewig eine nicht richtig funktionierende Beziehung führen würden?

    Hm... dein Wechseln zwischen verschiedenen Standorten ist sicherlich keine leichte Situation.
    Aber ich will dir einfach mal von einer anderen Sichtweise auf den Wegfall des Elternhauses erzählen:
    Ich finde es super, dass meine Eltern ihr Haus fast zeitgleich mit meinem Auszug verkauft haben und in eine andere Wohnung gezogen sind. So blieb mir überhaupt nichts anderes übrig, meine neue Wohnung von Anfang an als mein neues Zuhause zu betrachten.
    Ich bin bei meinen Eltern jederzeit ein gern gesehener Gast, bekomme bei Bedarf auch über Nacht Asyl im Gästezimmer, usw. Aber ich bin dort Gast. Und ich galube, dieser beidseitige Neuanfang hat nicht nur für mich, sondern auch für meine Eltern diese Umstellung deutlich erleichtert.
    Ich bin ja bis heute echt überrascht, wie gut diese Umstellung für uns alle von Anfang an geklappt hat.

    Und so würde ich dir - ähnlich, wie Mark11 auch empfehlen, dir ein einziges neues Zuhause zu schaffen: Einen Wohlfühl-Ort, an dem du alles hast, was du brauchst, statt diese Dinge auf drei Orte zu verteilen, an denen dir immer irgendwas fehlt.
    Wenn dir der Ort, in dem deine eigene Wohnung liegt, nicht gefällt, ist das natürlich ziemlich unpraktisch. Aber dann musst du vielleicht doch dieses Semester noch irgendwie mit diesem blöden Zustand überstehen und dann schauen, dass du dir in der Nähe von deinem Freund ein richtiges neues Zuhause aufbaust.

    Hm... warum misstraust du diesem neuen Glück so sehr?

    Und warum? Glaubst du nicht, dass ein neuer Zustand besser sein kann, als der Alte, der ja auch alles andere, als perfekt war?

    Das kenne ich wiederum leider auch von mir: Am Anfang hatte ich überhaupt kein Problem damit, meinen Haushalt in Schuss zu halten... aber im Laufe der Zeit wurde das irgendwie immer lästiger... und so ist es in meiner Wohnung schon etwas chaotischer und nicht mehr ganz so sauber, wie früher, da ich mich nur schwer zur Hausarbeit aufraffen kann.

    Und auch sonst kommt mir das irgendwie bekannt vor. Auch ich finde es teilweise schwer, mich auf neue Dinge einzulassen und schwelge lieber in Selbstmitleid. - Auch wenn das natürlich alles andere, als sinnvoll und zielführend ist.

    Auch wenn mir die Beziehungserfahrung fehlt, glaube ich schon, dass eine Beziehung eine langjährige Freundschaft nicht ersetzen kann. Und ich denke, dass soll sie auch überhaupt nicht können.

    Und ich weiß auch selbst, wie blöd sich zerbrechende Freundschaften anfühlen. Ich hatte das mal vor vielen Jahren mit einem sehr guten Schulfreund und jetzt erst in letzter Zeit wieder mit meiner ehemals besten Freundin und ihrem Mann. Und die ganze Sache wird nicht leichter, wenn man insgesamt nur wenige Freunde hat. Da hat die einzelne, wegfallende Freundschaft dann einen viel größeren Anteil am gesamten Freundeskries und hinterlässt somit auch gefühlt eine sehr große Lücke.
    Allerdings bin ich inzwischen auch einfach zur Erkenntnis gekommen, dass nicht alle Freundschaften für die Ewigkeit gemacht sind. Mit meinem Schulfreund hatte ich einen ganz tollen Abschnitt meines Lebens. Wir haben viele Dinge erlebt und unternommen. Und diese tollen Erfahrungen kann man mir nicht mehr nehmen. Und dann hat es sich eben im Laufe der Zeit auseinanderetwickelt, weshalb wir schon lange unsere eigenen Wege gehen.
    Und auch mit meiner ehemals besten Freundin wird mir niemand die vielen schönen Dinge nehmen, die wir erlebt haben. Aber es hat sich auseinanderentwickelt... und es ist auch irgendwie bezeichnend, dass ich gerade den Kontakt mit ihrer Tochter (die für mich wohl immer das süßeste Baby und Kleinkind des Universums bleiben wird :love:) und teilweise auch den Kontakt mit ihrem Mann mehr vermisse, als den Kontakt mit ihr.

    Warum machen deine Eltern diesen klaren Cut nicht möglich? Und könnte nicht ein Zusammenziehen mit deinem Freund (was ja nach dem aktuellen Semester evtl. möglich sein könnte) ein solcher klarer Cut sein?

    Vielleicht wäre ja so ein klarer Cut mit einem neuen, vom Elternhaus unabhängigen Zuhause eine Sache, die das Verhältnis zu deinen Eltern wieder verbessern könnte.
    Ich hatte nie ein wirklich schlechtes Verhältnis zu meinen Eltern... aber vor meinem Auszug gab es doch immer mehr nervige Reibungspunkte. Und so hat der klare Cut mit Auszug und Verkauf des Elternhauses unser Verhältnis schon deutlich entspannt und verbessert.

    Ich unterstütze den Vorschlag von Mark11: Baue dir ein neues Zuhause auf, in dem du dich wohl fühlst und das unabhängi von deinem Elternhaus und (vielleicht?) auch unabhängig von deinem Freund ist, um mal richtig auf eigenen Beinen zu stehn.

    Und auch wenn du in die Nähe deines Freundes ziehst, solltest du dir dort auch weitere Sozialkontakte suchen, Freundschaften aufbauen, usw., statt dich nur auf ihn zu konzentrieren und zu verlassen. (Auch wenn ich selbst weiß, dass dieser Aufbau von Sozialkontakten viel leichter gesagt, als getan ist.)

    Wenn der Heimweg unterschiedlich ausfallen kann, kann das Ritual ja danach beginnen, wenn du zum ersten Mal alleine in deiner Wohnung bist. - Egal, ob dich zuvor dein Freund, oder deine Mutter dort hingebracht hat, oder ob du alleine heimgefahren bist.

    Mir wäre zwar nicht das Wort "stark" als Erstes in den Sinn gekommen (was nicht heißt, dass du nicht stark wärst, Fantasy. - Es gibt nur andere Begriffe, die mir bei dir zuerst in den Sinn kommen.), aber insgesmat geht meine Meinung in eine ganz ähnliche Richtung:

    Auch wenn ich mich wiederhole, Fantasy.:
    Du bist eine tolle Frau. Und du bist richtig - genau so, wie du bist. Glaube mir, glaube Mark11 und vor Allem: Glaube an dich! :jaa:
    (Und schau dir vielleicht noch mal meine alte PN an. Die gilt immer noch. :zwinker:)
     
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    28 September 2020
    #15
    Deshalb sieht es Mark11 für dich, und solange musst du es ihm halt glauben. Ich seh es übrigens auch und ich glaub eine Menge andere Menschen hier auch und irgendwann, im Rückblick, siehst du das auch wieder.
    Musst du oder glaubst du zu müssen? Je mehr deine Habseligkeiten verteilt sind, desto zerrissener bist doch auch du mit deinen drei Leben. Dann improvisierst du eben im Notfall und nimmst einen stinknormalen Bleistift. Finde
    Na siehste. Fortschritt klappt. Wird auch in anderen Dingen klappen.
    Das darf natürlich kein Dauerzustand sein. Ich hab leider auch wenig bis keine Ahnung. Ruf so viele an wie möglich, und frag bei allen nach der Wartezeit. Und sag dem Therapeuten, wie es ist: Dass du irgendwie die Wurzel(n) des Problems finden möchtest.
    Nicht hinnehmen. Nur pausieren, bewusst, solange bis dafür Raum da ist.
    Ja, tust du :zwinker: Versuch mal, für jede Ausrede, die dein Kopf dir als Riegel vorschiebt, gleich selber ein ABER in der anderen Richtung zu finden.
    Das glaube ich weniger. Auch hier machst du dich wieder abhängig. Es wird immer irgendwas sein, mal mehr, mal weniger schwerwiegend. So ist da Leben. Man muss trotzdem lernen, damit auf seine eigene Weise fertig zu werden und im besten Fall trotzdem zufrieden leben zu können. *Kalenderspruchmodus aus*
    Das kenne ich sooooooo gut. Auch wenn es bei mir persönliche Schwäche ist und kein Rebellieren gegen frühere Widerstände. Termine in der Frühe helfen mir. Vereinbarungen mit mir selbst halte ich nämlich eh nicht ein. Aber abends schaffst du es ja schon. Vielleicht kannst du "rückwärts" arbeiten? Vom Abend her nach hinten Rituale aufbauen? Und dir für Essen und Trinken z.B. auch den Wecker stellen, ich finde das hilft manchmal ganz gut.
    Timer stellen. Maximal 30 Minuten. Oder maximal eine DIN A 4 Seite.
    Aufnehmen am Handy? Musst es ja danach nicht mehr anhören (ich zumindest hasse meine Stimme aufgenommen).
     
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    28 September 2020
    #16
    Das tun sie sowieso schon immer... dann bliebe alles beim Alten. Klar wäre das uncool...aber zu wissen dass sie sich trennen und es dann nicht durchziehen ist viel schlimmer. Und wir verlieren so EINIGES und dürfen die gescheiterte Ehe unserer Eltern voll ausbaden wenn die Trennung kommt. Wenn es nach meinem Vater ginge gäbe es für mich in den Wohnungen meiner Eltern ja nur ein Fach im Keller für ein paar Sachen und die Couch im Wohnzimmer falls ich über Nacht bleibe... als meine Mutter mir das gesagt hat sind mir auch die Augen aus dem Schädel gefallen aber so tickt der halt.


    Darauf wird es hinauslaufen... Oder dass meine Mutter ihren Arsch hochkriegt und Nägel mit Köpfen macht.

    Weil ich es nicht kenne. Weil ich so nicht bin. Ich bin nicht glücklich mit meinem Leben, nie, wirklich noch nie gewesen. Obwohl ich objektiv nichts zu Meckern habe. Das ist so wie wenn du plötzlich herausfindest dass du in Wahrheit total extravertiert bist und super mit allen Arten von Menschen kannst.. würde dir auch falsch vorkommen, oder? Ich schätze dich vom Schreiben her jedenfalls eher introvertiert ein.

    Ist er aber derzeit nicht. Ich war dieses Jahr statt im Sommerurlaub bei meinem Freund und hatte Flashbacks vom letzten Urlaub weil der übliche Familienurlaub mir so gefehlt hat, ich hab ständig geweint weil ich lieber da gewesen wäre dabei war ich eigentlich froh, bei meinem Freund zu sein. Tja. Ich wünschte echt du hättest Recht...


    Mein Freund hat das hier jetzt gelesen und ist eifersüchtig und fühlt sich schlecht ich fühle mich schuldig und es ist einfach doof...es war ja eben mehr als eine Freundschaft... deswegen ist es jetzt schwer, da die Grenze zu ziehen... zudem war ich sehr abhängig von ihm...es war also in jeder Hinsicht mehr als nur eine Freundschaft und davon loszukommen...hmmm.


    Da musst du meine Mutter fragen warum sie eine Trennung ankündigt und dann NICHTS dafür tut, dass das auch passiert. Aber ja, ausziehen könnte ein guter cut werden. Aber bis dahin dauert es noch und das alles führt auch zu Problemen in meiner Beziehung zu meinem Freund und das will ich nicht für uns.

    In den meisten Fällen finde ich mich im Rückblick peinlich, aber es ist gut, wenn das hier anders rüberkommt, ich finde einen guten Eindruck immer angenehmer.


    Realistisch gedacht: was tue ich bei meinen Eltern wenn all mein Zeug in der Wohnung liegt?
    Ich sage meiner Mutter ich vermisse irgendwas, sie kauft es für mich und ich habe noch mehr Zeug.
    Ich sage es niemandem und kaufe das Zeug.
    Ich kaufe gar nichts und langweile mich zu Tode oder hänge noch mehr am Tablet als eh schon.
    Vielleicht kann ich die Anzahl dessen was ich noch hier habe auf je eins pro Art reduzieren (nur ein Stifteset, nur ein Rätselheft etc.). Aber irgendetwas brauche ich hier. Sonst muss ich am Ende noch was mit meinen Eltern machen. Und das will ja keiner.

    Dafür müsste ich erstmal wissen welche Art Therapeut ich brauche...

    Was mache ich wenn irgendetwas (ein Post auf Twitter oder Ähnliches) das triggert? Bin inzwischen auch der Meinung dass sowas eher von alleine weggeht, aber bis dahin macht es keinen Spaß dem so ausgeliefert zu sein. Ablenkung hilft dann nicht mein Kopf rattert durch...

    Das hat mich zum Lachen gebracht. Aber ja, das ist ein guter Tipp von dir, danke.

    Ja...das ändert nichts an den Tatsachen dass die Trennung das leichter machen würde...selbst ausziehen ist dann die nicht ganz so elegante, kompliziertere und eventuell auch etwas weniger effektivere Lösung...noch so eine Sache wo meine Elfern mir das Leben schwerer machen aber an Herausforderungen wächst man...oder so...

    Ich habe leider nicht viel das Termine erfordert...außer Arztbesuche aber da ich gerade erst jede Menge Mist hinter mir und noch Einiges vor mir habe möchte ich das lieber bis auf die Therapiesuche verschieben...was für Termine hast du denn da?
    Timer stellen verbessert mein Zeitgefühl, bringt mich aber nicht zum Trinken. Essen klappt vielleicht, mal sehen.

    Da würde dann das Gedanken schriftlich strukturieren fehlen. (Seit ich in der Grundschule Texte schreiben gelernt habe hat auch der Text im Tagebuch immer eine feste Struktur...einfach drauflosschlschreiben ist nicht. Aber wenn es ganz akut ist führe ich Selbstgespräche, zählt sowas auch? Dann mache ich das schon. Dann auch mit Timer.
     
  • SAMSARA
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    28 September 2020
    #17
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    28 September 2020
    #18
    Fantasy. Meiner Meinung nach sind die Punkte, die du ansprichst, Teil des Erwachsenwerdens. Du musst dich ihnen stellen, um dich weiterzuentwickeln.

    Von der Idee direkt zu deinem Freund zu ziehen, würde ich Abstand nehmen. Ich kann dir gerne berichten, dass ich damals in deinem Alter auch dachte, meinem Ex hinterher ziehen zu müssen. Was war? Er machte am Tag des Umzugs Schluss und ich saß in einer Stadt, in die ich ohne ihn vielleicht nie gezogen wäre. Das war für ganz lange Zeit erstmal eine tiefe seelische Wunde, die ihre Zeit brauchte, um zu heilen.

    Bzgl Studium würde ich mich unabhängig von deinen Eltern machen. Du hast noch 3 Semester. Für diese Zeit kannst du einen Studienkredit aufnehmen oder wie viele andere Studenten auch, arbeiten gehen.

    Weiter würde ich an deiner Stelle versuchen, mich in der aktuellen Stadt einzuleben und bis Ende des Studiums noch so angenehm wie möglich zu gestalten. Wenn du jetzt direkt zu deinem Freund ziehst, ist das so eine Art Flucht in eine Welt, die er sich aufgebaut hat. Für mich gehört zum Wohlbefinden in deiner jetzigen Stadt auch dazu, dass du dir einen anderen Therapeuten suchst. Bitte warte nicht länger, weil du planst dein Praktikum woanders zu machen. Du weißt nicht, was kommt. Es ist gut, wenn du auf einer Warteliste stehst und selbst wenn du dann nur wenige Termine hast vor einen etwaigen Umzug, hat es vielleicht geholfen, dass es dir besser geht. Ich kann nicht ganz glauben, dass Verhaltenstherapie nicht das Richtige ist. Vielleicht probierst du erstmal einen anderen Therapeuten aus, kann ja auch immer an der Person liegen. Oder du suchst nach einem Therapeuten, der auf hochsensible Menschen spezialisiert ist, dort fühlst du dich eventuell besser aufgehoben.
     
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    28 September 2020
    #19
    Guten Morgen,
    hoffentlich hast du die Nacht einigermaßen überstanden. Der heutige Tag wird bestimmt wieder besser.
    Lies diesen Teil durch... da ist ein schädlicher Glaubenssatz nach dem anderen drin. Zuerst: Ja, du warst nicht glücklich bisher — verstehe ich. Ehrlich gesagt: ich glaube nicht, dass es viele Menschen gibt, die aus einem Elternhaus wie deinem kommen und dann am Ende sagen, sie wären okay... von daher verstehe ich es ein Stück weit. Andererseits ist es jetzt an dir, das eben hinter dir zu lassen und auch anzunehmen, dass es anders geht. Anders laufen muss, damit sich auf Dauer tatsächlich etwas ändert. Du schreibst hier seit einigen Jahren und es handelt oft davon, wie deine Eltern schwanken, Verantwortung an ihre Kinder übertragen, ihre Emotionen nicht kontrollieren und schlichtweg nicht in der Lage sind, euch vor sich selbst und der eigenen schädlichen Beziehung zu sehen. Wie sollt ihr lernen, glücklich zu sein, wenn ihr nur die beiden wirklich kennt?
    Jetzt kommt das Aber: Du hast bis zum jetzigen Zeitpunkt überlebt. Mit einigen Schäden, aber trotz allem hast du es geschafft, erwachsen zu werden, empathiefähig zu bleiben und lernst nach und nach, wie du glückliche Beziehungen aufbauen kannst. Ja, das ist etwas Neues — gerade auch mit dem Umzug als Basis, um dir ein anderes Umfeld aufzubauen, aber das ist der Zustand, wie er eigentlich sein sollte. Dass sich infolge dessen auch emotional etwas tut ist wichtig. Und natürlich kann es sein, dass du — mit mehr Kraft — auch entdeckst, was du auf einmal tun kannst. Vielleicht als Vergleich: Stell dir vor, du hättest jahrzehntelang nie aus- und durchgeschlafen... du lebst irgendwie, aber wirklich fit bist du nicht, wirklich wach bist du nicht und eigentlich hast du auch andauernd Kopfschmerzen und auf nichts Lust. Du bist wirklich todmüde. Wenn du jetzt irgendwann einen Tag mal ausschlafen kannst, wirst du wohl erstmal müder werden... aber nach ein paar Monaten wirst du merken, dass du tatsächlich wach geworden bist. Dass du soetwas wie Freude empfindest, dass du auf einmal auf Menschen tatsächlich auch wirkst und dass sie sich zu dir gesellen oder du tatsächlich Lust hast, dich zu ihnen zu gesellen. Vielleicht fällt dir dein ganzes Leben auf einmal auch deutlich leichter — einfach weil der Alltag keine komplette Überforderung mehr darstellt. Im Prinzip machst du gerade diese Erfahrung — nur dass du eben noch sehr an deinen Eltern hängst, was es aus meiner Sicht schwermacht, da hinter dir zu lassen.

    Passiert. Ich würde es auch als sinnvoll erachten, dass du tatsächlich reflektierst, wie schön oder nicht schön das wär. Dass du dich nicht auf schöne, neue Momente einlassen kannst, hängt für mich auch damit zusammen, dass du dir nicht zugestehst wütend zu sein und tatsächlich auch (temporär) um deine Kindheit zu trauern. In schönen Momenten überlagert das und führt dazu, dass das gewohnte Gefühl deiner Kindheit wieder hochsteigt. Könnte es sein, dass du dir diese „Trauerarbeit“ verweigerst, weil du Angst davor hast, dann nicht mehr zu deinen Eltern zurückzukönnen?

    Passiert. Du musstest lernen, wie du Beziehungen zu anderen eingehst und führst. Mittlerweile hast du es einigermaßen drauf und die Beziehung zu deinem Freund läuft mitunter auch deswegen so gut, weil du die zu deiner F+ nachträglich zum Lernen nutzen konntest.

    Naja... weil es vielleicht irgendwann jemand für sie tut? Weil sie dann vor sich sagen kann, sie hätte tatsächlich alles gemacht— auch wenn sie nichts tut? Weil die beiden so sehr darin gewöhnt sind, miteinander in dieser angespannten Beziehung zu verbleiben, dass sie keine Kraft mehr finden, zu sehen, wie unglücklich sie sich selbst und ihre Kinder damit machen und die Konsequenzen zu ziehen? Wie gesagt: Alles sehr ungesund. Die beiden sollten dringend ihre Probleme lösen. Alleine, zu zweit, völlig egal. Du liebst sie, aber Abstand ist wohl das einzige, was davor hilft, dass sie dich auch über die nächsten Jahre herunterziehen.

    Dann gehe das an. Mache es anders. Im Moment seid ihr glücklich und das ist gut so. Sprecht miteinander, löst eure Probleme konstruktiv und wenn jemand Emotionen hat, die schwierig sind, dann geht das gemeinsam an. Ich würde mir an deiner Stelle an deinem Wohnort tatsächlich nochmal eine Therapeutin suchen. Könnte mir vorstellen, dass es dir spätestens nach einem weiteren Umzug besser gehen könnte. Dennoch solltest du nicht nur auf diesen Tag hinleben.

    Wenn der „Beschäftigungsdruck“ bei deinen Eltern so hoch ist, wäre die Frage, inwiefern es tatsächlich gut ist, dass du dort übernachtest. Die nächste, ob du tatsächlich dort deine Basis haben solltest — denn mit all deinen Sachen dort tust du das. Klar, Instrumente nehmen Platz weg und sind nicht leicht zu transportieren... aber dort sind sie eben Ballast und binden dich weiterhin an einen Ort, der einen sehr negativen Einfluss auf dich hat und halten dich zusätzlich davon ab, dir einen Wohlfühlort abseits davon aufzubauen.
    Ein Stifteset würde z.B. auch in einen Rucksack passen, genauso wie ein Rätselheft und ähnliche Dinge. Stell dir einen solchen Rucksack zusammen, den du dann mitnehmen kannst — aber hole die großen Dinge zu dir. Ich vermute, dass du zum Teil unterbewusst Angst davor hast, was passiert, wenn du nichts mehr hast, was dich bei deinen Eltern hält — auch vor dem Hintergrund, dass das Haus womöglich irgendwann verschwindet. Es hilft aber nichts, wenn du an einem Ort festhältst, der dir nicht guttut, schon gar nicht, nur weil das E-Piano noch dasteht und du nur an dieses kommst, wenn du dich dann auch mit deinen Eltern auseinandersetzt.

    Und das tust du. Erinnerst du dich noch, was die beiden an Nummern abgezogen haben, als du gesagt hast, du willst ausziehen? Das war mies, auch wenn sie am Ende geholfen haben. Es wird Zeit, dass du andere Lösungen findest. Ich habe den Eindruck, dass du bei deinen Eltern immer und immer wieder in deine alte Rolle zurückfällst... und mittlerweile verwechselst du das aber mit dem Gesamtzustand deines Lebens, der seit deinem Auszug eigentlich nicht mehr so ist. Seitdem ist so vieles besser geworden. Wäre es möglich, dass du gelegentlich bei einer Freundin aus deinem Verein unterkommst? Damit du eben nicht darauf angewiesen bist, was deine Eltern mit ihrem Haus tun, wie die Stimmung dort ist und du dich tatsächlich lösen kannst, ohne den Verein aufgeben zu müssen? Davon abgesehen, ist deine Herausforderung, dir ein Zuhause aufzubauen. Das hat erfahrungsgemäß mehr mit deinem Inneren zu tun als mit Einrichtungsgegenständen. Es ist ein sich einlassen auf den Ort, aber eben auch das loslassen von einem anderen. Höre auf, dich an dein Elternhaus zu klammern, im Gegenteil: Versuche, dich davon zu lösen, solange die Situation dort so ist wie sie ist. Wie du selbst festgestellt hast, lassen sich viele Dinge eigentlich mit einem geringen Mehraufwand (Mitnahme eines Rucksacks) lösen, die Schwierigkeit für den Kopf besteht darin, das zu akzeptieren. Ist eigentlich zu einfach in Anbetracht der gefühlten Größe des Problems.
    Mein Gepäck wird übrigens größer, je „unaufgeräumter“ mein Kopf ist. Weil es mir dann schwerer fällt, von einem Ort zum nächsten zu gehen, aber eigentlich brauche ich das meiste wohl nicht, wenn ich tatsächlich alles so platziert habe, wie es Sinn ergibt (v.a. Klamotten). Unterhaltung habe ich dank der Zugfahrten ohnehin dabei.
    Vielleicht ist das ein Ansatz, der dir hilft, deine eigene Lösung zu finden.
     
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    28 September 2020
    #20
    Ich wollte auch ohne ihn dorthin ziehen...ich habe dort auch viel Familie also wäre ich da sowieso nicht ganz alleine und ein paar Leute von meiner Uni kenne ich da auch schon. Die Praktikumsplätze die es da gibt sprechen mich einfach am meisten an. Wenn es dann doch was anderes wird ist das auch ok, ich muss nehmen was ich kriegen kann, aber ich will es zumindest versuchen.
    Ich sehe das nicht als mich zu etwas flüchten das mein Freund sich aufgebaut hat. Auch wenn er jetzt dort lebt wo ich eh hinwollte muss ich mir meine Sportvereine und Freunde da selber aufbauen. Aber ich könnte das alles ohne meine Eltern im Nacken tun und das ist viel wichtiger. Meine Mutter kam gerade an sie müsste eh in die Stadt ob ich was aus meiner Wohnung brauche. Derzeit wohne ich so nah dran dass die einfach auf der Matte stehen können wenn sie eh in der Nähe sind.

    Inwiefern bin ich da abhängig von meinen Eltern? Der Unterhalt ist per Gesetz verpflichtend und die Uni zahlen die mir auch unabhängig davon wo ich grade bin oder was ich mache. Notfalls käme ich ohne das klar, aber wieso sollte ich das müssen? Ist doch besser, finanziell ein Polster für schlechte Zeiten zu haben als jetzt das Geld zu verpulvern solange meine Eltern noch zahlen.
    Abgesehen davon ist die Uni sauteuer. Ich kriege die also sowieso selbst mit Kredit nicht bezahlt. Eine Kommilitonin hat das versucht und musste nach dem zweiten Semester abbrechen weil es echt finanziell nicht ging. Die hatte etwa so viel gespart wie ich, das ist alles weg. Nein, danke.

    Für später halte ich das für richtig. Aber wenn ich gar nicht benennen oder verstehen kann was mich eigentlich genau stört oder worum es mir geht und wie ich unterbewusst ticke kann ich in der Verhaltenstherapie an nichts arbeiten. Eine Bekannte studiert Psychologie und hat es ähnlich gemacht, also erst tiefenpsychologisch vieles aufgearbeitet und dann mit Verhaltenstherapie die Folgen davon bearbeitet. Das war deutlich längerfristiger wirksam als das was ich mit meiner Therapeutin gemacht habe, und die war eigentlich ebenfalls der Meinung, dass Verhaltenstherapie nicht ganz tief genug geht. Das müssten mir die Therapeuten dann aber selbst sagen was sie denken. Vielleicht gibt es welche die beides machen.
    Ich habe mir jetzt vorgenommen, bis ich zu meinem Freund fahre (Mitte Oktober) entschieden zu haben welche Therapieform ich versuchen möchte und nach Therapeuten gesucht zu haben. Wenn ich dann wiederkomme mache ich einen Termin sofern ich einen kriege und lasse mich dann auf die Liste setzen.

    Ich arbeite ja daran das zu ändern. Zu Punktspielen fahre ich zum Beispiel ab und an mit der Bahn wenn die in der Nähe sind und gar nicht mehr nach Hause dafür. Und wenn ich nicht eh Freunde treffe gehe ich auch nur noch einmal statt zweimal die Woche zum Training. Und wenn ich bald Uni habe bin ich hoffentlich noch weniger da. Ansonsten hilft da echt nur räumliche Distanz wie es bei meinem ersten Auslandsaufenthalt war aber die ist hier so gar nicht gegeben.

    Eigentlich nicht. Ich habe meinem Freund wochenlang heulend in den Armen gelegen und endlos geredet und ich dachte echt ich wäre damit durch. Dass das Thema erledigt ist und ich mich damit abgefunden habe das hier zu verlieren. Und dass das vielleicht gar nicht so schlecht ist. Bis meine Mutter mir dann wieder Hoffnung gemacht hat dass alles beim Alten bleibt weil sie sich um nichts gekümmert hat... und ich bin ehrlich gesagt nicht wild auf eine zweite Runde traurig sein, auf das hier sein und sich fragen wie lange ich wohl hier noch habe, ob ich das richtig ausnutzen kann bevor es weg ist oder ob ich nicht einfach jetzt schon weg gehe vorsorglich...

    Schon, aber wie komme ich dann jetzt darüber hinweg, dass diese Person mir trotzdem fehlt? Kommt das einfach mit der Zeit? Bei der Person vor ihm hat das fünf Jahre gedauert, ich bin nicht sicher ob ich wieder so viel Geduld habe.

    Wo kriege ich den her? Ich bin ja schon nur noch zum Training und für Spiele hier.
    Ich verabrede mich ja sogar mit meinen Freundinnen meist in meiner Stadt obwohl die dafür ewig fahren müssen.

    Versuchen wir, aber er ist langsam echt am Limit. Ich brauche einfach professionelle Hilfe und da bin ich ja auch dran. Mehr oder weniger.

    Ohne Corona sicher, aber meine Freundinnen wohnen alle entweder wo anders oder bei ihrer Familie, und aus dem Verein kenne ich keinen der alleine wohnt und mit dem ich gut auskomme. Sonst wäre das auch eine Option.

    Ich denke als Nächstes steht auf meiner To Do Liste die Suche nach einer Therapie, die Dekoration meiner Wohnung die ich seit Wochen plane (alleine wird das aber nichts, aber vielleicht helfen Freunde oder mein Freund hier beim befestigen) und das Mitnehmen von so viel Kram wie geht. Vielleicht ändert das schon was. Ich mag meine Wohnung. Ich mag nicht, wo sie steht, und dass ich da immer komplett isoliert bin weil ich (noch) keinen Grund habe, raus zu gehen, aber die Wohnung an sich ist super.
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 28 September 2020 ---
    Meine Mutter hat einen Tischgrill gekauft weil mein Bruder Steaks nur gegrillt isst und sie ja bald keinen Grill im Garten mehr haben werden und der gerade im Angebot war. Die Steaks damit waren wirklich, wirklich gut, mein Bruder hatte auch nur wenig zu meckern (wahrscheinlich hat er nur gemeckert, weil er hier nicht raus will).
    Mir war trotzdem schlecht beim Essen weil die ganze Situation so einen Beigeschmack von „wir haben das hier nicht für immer“ hatte.
    Mit dem Kauf von diesem scheiß Grill hat das alles jetzt wieder angefangen.
    Ich habe überlegt den Aufenthalt hier abzubrechen (wollte mich morgen mit Freunden treffen und ausnahmsweise Mittwoch auch noch zum Training (eine mit der ich mit gut verstehe kommt nur mittwochs) und bin deswegen ausnahmsweise länger hier) und jetzt beschlossen die Woche zu nutzen um weiter auszumisten und alles zu suchen das noch in meine Wohnung muss. Dann bestelle ich noch ein paar Dekoartikel (Post kommt besser bei meinen Eltern an weil da immer wer da ist der sie annimmt) und kann nächste Woche loslegen.
    Dann wird diese Woche halt schwer aber vielleicht tut das Ausmisten ja gut.
    Ich trinke jetzt einen Tee gegen die Übelkeit und mache mich dann ans Werk...
     
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