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  • Soleja
    Soleja (33)
    Benutzer gesperrt
    7
    1
    0
    Single
    6 Juli 2012
    #1

    Kontaktstörung

    Hallo, liebes Forum,

    ich wage mich jetzt mal an den zweiten Thread für heute. :zwinker:

    Ich fühle mich sehr einsam, hatte eigentlich schon immer Probleme mit Kontakten und Freundschaften aufzubauen.

    Ich schreibe euch jetzt erst mal ein bisschen, wie bei mir alles so verlaufen ist.

    Ich bin als Einzelkind aufgewachsen. Meine Eltern hatten mich nicht gewollt und sich dementsprechend kaum mit mir beschäftigt.
    Ich wurde oft zu meinen Großeltern abgeschoben.

    Mir wurde früh bewusst, daß ich wohl "anders" bin als andere.
    Ich war schüchtern, konnte aber bei einer gewissen Frustration völlig ausrasten. Zum Beispiel, wenn meine Freundin nicht das gleiche wie ich spielen wollte oder ich bei Gesellschaftsspielen verlor.
    Aber meistens hatte ich gar keine Freundinnen, weil die meisten mit mir nichts zu tun haben wollten.
    Sie fanden mich albern oder zu blöd, reagierten auf mich oft aggressiv. Ich ließ sie auch nicht gern an mein Spielzeug ran.
    Ich empfand mich in vielem als so eigenartig plump und ungeschickt.
    Am meisten verhasst war mir Sport, weil ich sehr ungelenkig bin und wegen meiner fehlenden Koordinationsfähigkeit keinen Ball fangen konnte. Vor Geräteturnen hatte ich eine Höllenangst und wurde deswegen oft ausgelacht.
    Ich war eine schlechte Schülerin, fiel nur durch meine Leistungen in Englisch und Latein auf. Konnte auch seitenweise auswendig lernen, ohne manchmal den Sinn zu erfassen.
    Ansonsten hatte ich keine Fähigkeiten. Vor allem Mathe und Physik und das Analysieren von Texten fiel mir sehr schwer. Der Inhalt war meistens mangelhaft.
    Trotzdem liebe ich Zahlen!
    Ich kann mir alle möglichen Daten merken, Telefonnummern, Geburtstage und welches private Ereignis in welchem Jahr war.
    In der Berufsschule hat mich Buchführung fasziniert.

    Ich hatte auch lange Zeit ein eigenartiges Ritual, das mich bis spät abends vom Schlafen abhielt.
    Ich erzählte mir im Bett meinen kompletten Tagesablauf und wenn ich nur einen Fehler machte, wiederholte ich die ganze Erzählung bis sie ganz korrekt war.
    Auch weinte ich oft, wenn meine Mutter mich zu Bett brachte, weil die Bettdecke am nächsten Morgen nicht mehr so akurat liegen würde.
    Ich musste auch zwanghaft immer dieselben Wege mit dem Rad fahren. Selbst wenn ich wusste, da würden wieder Kinder sein, die mich ärgern und anspucken würden. Ich konnte einfach keinen anderen Weg nehmen!
    Ich glaube, diese Rituale sollten mir Sicherheit geben.

    Da ich Probleme mit sozialen Kontakten hatte, zog ich mich sehr häufig in meine eigene Welt zurück. Dort bastelte ich mir meine Freundinnen zurecht und erfand irgendwelche Personen, mit denen ich mich unterhielt.
    Auch las ich ein Buch nach dem anderen.
    Ein Zufluchtsort wurde für mich der Reitstall, wo ich jahrelang jeden Nachmittag nach der Schule verbrachte. Der Umgang mit den Tieren und der Reitsport sorgten dafür, daß ich überhaupt ein bisschen Selbstbewusstsein entwickeln konnte.
    Doch bei meinen Klassenkameraden machte es mich noch unbeliebter, wenn ich wieder ganz verliebt von meinem Pflegepferd erzählte, was sie null interessierte.

    Als ich 11 Jahre alt war, wurde ich zum Kinderpsychologen geschickt. Ich sollte sagen "ich habe das Problem, nicht so aus mir rausgehen zu können". Als ich das in der Gruppe mit den anderen Kindern und dem Psychologen sagte, wurde ich ausgelacht. Wieder mal empfand ich mich als komisch und anders. Die Therapie brachte mir nichts.
    Wir lernten dort auch autogenes Training, das wir zu Hause üben sollten. Doch ich konnte mich nie darauf konzentrieren.

    Konzentrationsschwäche war für mich immer ein großes Thema.
    Bei den Hausaufgaben war es schlimm, wenn mich etwas nicht interessierte. Wenn ich auswendig lernen musste, konnte ich das nicht, wenn meine Eltern im Wohnzimmer fernsahen. Ich musste mich dann in einen anderen Teil des Hauses verziehen, weil ich absolute Ruhe brauchte.

    Ich konnte nicht empathisch sein, wahrscheinlich weil ich es zu Hause nicht gelernt habe.
    Wenn eine Klassenkameradin neben mir weinte, saß ich reglos daneben und tat nichts! Bis ich angeschrien wurde, ich solle sie trösten!
    Ich schäme mich auch noch heute dafür, daß ich meine Oma im Stich gelassen habe, als sie wegen des Todes meines Opas so traurig war. Ich aber fühlte nichts...

    Ich verstand auch nie, wann bei anderen etwas harmloses Necken war oder wann es wirklich bösartig wurde.
    So war ich schnell beleidigt bei leichtem Spott bzw. stand ganz naiv da, wenn man mich mal wieder verarscht hatte.

    Ich habe auch heute immer noch Probleme mit sozialen Kontakten.
    Die Leute empfinden mich als befremdlich und wollen oft nichts mit mir zu tun haben. Irgendwie scheinen wir nicht die gleiche Sprache zu sprechen. Wenn ich etwas erzähle, langweilen sie sich oft. Oder sie lachen über Dinge, die ich nicht lustig finde. Mir ist es gerade früher auch oft passiert, daß ich plötzlich lachen musste, wo es gar nicht angebracht war. Zum Beispiel erzählte eine Kollegin, in der Zeitung hätte gestanden, daß ein Klavierlehrer einer Schülerin den Kopf abgeschlagen habe, weil sie sich einmal verspielt hat. Ich kam aus dem Lachen nicht mehr raus, während ich verständnislos angeguckt wurde.

    Nach der Schule wusste ich nicht, was ich werden sollte, da ich fast keine Interessen hatte.
    Ich wurde dann Industriekauffrau, wo ich aus der ersten Firma nach der Ausbildung sehr bald rausflog, weil ich zu viele Flüchtigkeitsfehler machte.
    Auch erreichte ich nie das erforderliche Arbeitspensum.
    Die Kollegen fanden mich auch merkwürdig, zu schüchtern und langweilig.
    In der nächsten Firma konnte ich mich etwas länger halten.

    Privat blieb es auch immer schwierig.
    Ich bin mehr der Typ für ruhige Unternehmungen wie DVD- oder Spieleabende, Spaziergänge, Radtouren...
    Ich bin kein Disco-und Partymensch und bin verschrien als eine mit der man keinen Spaß haben kann.
    Deswegen hatte ich immer nur sehr wenige Bekannte.
    Viele stört auch, daß ich nicht flexibel bin. Ich mag es nicht, eine Stunde vorher angerufen zu werden, ob man sich treffen kann.
    Noch weniger, wenn jemand unangemeldet vor der Tür steht!

    Ich habe zwei Beziehungen gehabt, aber es waren die falschen Männer. Sie respektierten mich nicht, sondern trampelten auf meinen Gefühlen herum.

    Ende letzten Jahres beschloss ich, daß es vielleicht Zeit wäre mein leben zu ändern und woanders neu anzufangen.
    Daher war ich froh, im März den Job weit weg von meinem Heimatort zu finden. Aber was Kontakte betrifft, hat sich nichts geändert. In der Firma ist es schwer Kontakte zu finden, weil die meisten liiert sind oder auch Familie haben.
    Deswegen bin ich auch so auf den Mann angesprungen, der aber im Grunde nur Sex von mir will.

    Verein wäre nichts für mich.
    Zum einen, wüsste ich nicht, was für ein Verein.
    Zum anderen kann ich nicht einfach so auf fremde Menschen zugehen.

    Könnt ihr mir einen Rat geben?
    Meint ihr, ist meine Kontaktstörung schon behandlungsbedürftig?

    Viele Grüße,
    Soleja
     
  • Krille
    Krille (33)
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    nicht angegeben
    6 Juli 2012
    #2
    Weil du dich eingeschränkt fühlst und anscheinend Leidensdruck verspürst, würde ich mir an deiner Stelle Hilfe suchen. Ich würde noch einmal einen Anlauf mit einem Psychologen starten.

    Evtl. liegt bei dir tatsächlich eine Störung vor. Einige deiner Aussagen deuten auf Autismusspektrum hin.
     
  • User 106548
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    5.059
    Single
    7 Juli 2012
    #3
    Off-Topic:
    Ich halte es für ziemlich gewagt, auf einen einzigen Forums-Beitrag basierend, eine quasi-Diagnose aufzustellen.

    @TS: ich habe Null Ahnung, ob bei Dir eine Störung oder Anderes, Behandlungsbedürftiges vorliegt. Oder ob Du z.B. bisher eher an die falschen (im Sinne von: nicht zu Dir passenden) Leute und Jobs geraten bist. Vielleicht ist ja der gesamte Berufszweig ja auch nicht Dein Ding, den Du nur mangels anderer Ideen eingeschlagen hast. Klar ist: wenn man nicht Mainstream ist, hat man es immer schwerer, andere Menschen kennenzulernen.
    Dennoch würde ich mir an Deiner Stelle therapeutische Unterstützung holen. Nicht weil ich der Meinung bin, dass Du das jetzt unbedingt "nötig" hättest, sondern schlicht nur, um einfach mal mit jemandem gut ausgebildeten Menschen über Dich zu sprechen. Damit Du mal eine seriöse Meinung von außen bekommst.
    Und, egal, ob Krilles Vermutung in die richtige Richtung geht, ob etwas Anderes vorliegt oder eben gar nix: es kann Dir etwas mehr Sicherheit geben als Basis, dass Du beginnen kannst, Dein Leben anders anzupacken, damit es sich ändert.

    Mark11
     
  • abraxax
    Verbringt hier viel Zeit
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    93
    17
    nicht angegeben
    7 Juli 2012
    #4


    Ich stimme Mark hier teilweise zu. Du solltest dir auf jeden Fall therapeutische Unterstützung suchen. Um halt genau raus zu finden wie man dir am besten helfen soll.

    Da kann man dann auch falls etwas vorliegt dir besser helfen.

    Und jetzt kommt mein aber wo ich Marc nicht so ganz zustimme ... vielleicht lehne ich mich da auch weit aus dem Fenster ;-)

    Als ich deinen Beitrag gelesen habe käme mir auch in den Sinn das es etwas in Richtung Autismus sein "könnte". Wenigstens deuten ein paar Dinge darauf hin und würden ein paar Sachen erklären. Meine Ex Freundin hatte z.B. Asperger Autismus und bei dir gibt es da auch starke Parallelen.


    Ich würde auf JEDEN Fall zu einem Psychologen gehen und ihm deine Probleme schildern. Ihm oder Ihr deine ganzen Probleme und Werdegang so ähnlich wie hier schildern. Das wäre schon ein großer Schritt um die Situation zu verbessern.
     

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