• 23 Juni 2020
    #1

    Liebe und Verliebt sein

    Eine Frage die mir oft begegnet und oft Grübeln oder Kopfzerbrechen hervorruft.

    Da ich sie mittels Suchfunktion nicht fand (was mich überraschte) starte ich sie mal.

    Die obige Frage ist auch eine, die sich durch die Menschheitsgeschichte zieht und bei Missverständnissen diesbezüglich auch mal richtige Fehden wurden. Also ein richtig/falsch gibts ds nicht. Auch ist Liebe in nicht westlich geprägten Kulturen oft ganz anders konotiert, gelegentlich existiert auch kein Konzept dieser Art.

    Wie trennt ihr das?
    Ist das für euch überhaupt wichtig?

    Für mich ist das z.b. absolut Elementar um meine Gefühlswelt zu verstehen. Da ich auch keine feste Partnerin habe, sondern da eher offen und liberal lebe ist das wichtig, damit zwischen mir und den Damen gefühlsmäßig keine Missverständnisse aufkommen und das ich ehrlich mit meinen und ihren Gefühlen umgehen und kommunizieren kann.
    Das hat für mich auch was mit Respekt (wörtl. Rücksicht - etwas nicht flüchtig wahnehmen) gegenüber der Partnerin und der gemeinsamen Intimität zu tun.

    Für mich ist das so geregelt:
    Verliebt sein oder auch "Schwärmen" ist ein durch Sinnesreize ausgelöster Zustand des Begehrens. Es kann sehr willkürlich auftreten durch Optik, Geruch, Berührung, Charme oder den Dingen die wir am Anderen anziehend finden. Da spielen auch Hormone eine große Rolle aber im Kern ist es eher eine körperliche Kategorie. Es ist oft flüchtig und nichtsbedeutend, aber es ist quasi die "Aktivierung des Hingezogenfühlens"

    Liebe hingegen ist für mich eine bewusste Entscheidung. Liebe tritt nicht willkürlich auf und Liebe muss man machen. Verliebt sein kann man nicht machen. Liebe erwächst durch Erfahrung. Daher existiert für mich sowas wie "Liebe auf den ersten Blick" nicht.

    Verliebt sein auf den ersten Blick auf jeden Fall - passiert mir regelmäßig.

    Verliebt sein ist quasi die "leibliche Seite" von dem was Liebe/Sex ausmacht und Liebe ist quasi die "geistige Seite". Es erhebt das Verliebt sein auf etwas Besonderes zwischen zwei Menschen und macht es erhaltenswert über die flüchtlige Verliebtheit hinaus.
    Das gegenseitige Bekräftigen dieser Annahme (Liebe machen, Beziehung und Leben teilen und gestalten) durch Gesten, Beweise usw. schaffen im Idealfall einen Raum, in dem "Verliebt sein" immer wieder auftreten kann oder erhalten bleibt.

    Ich bin gespannt auf eure Perspektiven. Besonders von denen, die schon lange in guten Liebesverhältnissen leben.
     
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  • Armorika
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    23 Juni 2020
    #2
    Das sind für mich definitiv auch zwei unterschiedliche Dinge/Zustände, ich empfinde sie aber anders.

    Verlieben kann ich mich recht schnell und heftig, da passen die Beschreibungen der Schmetterlinge im Bauch und eines euphorischen Zustandes, bei dem ich nicht schlafen und nicht essen kann, gut für mich.
    Das ist immer auch, aber nie nur körperlich, da geht es immer auch um Gefühl und Persönlichkeit, wenn auch natürlich erstmal oberflächlich.

    Daraus kann später zusätzlich Liebe wachsen, das passiert bei mir aber selten. Diese Weiterentwicklung der Gefühle kann ich zuverlässig unterbinden, wenn ich den Kontakt weitestgehend abbreche. Mit intensivem Kontakt ist Liebe bei jemandem, dem gegenüber ich sie überhaupt empfinden kann, dann aber nichts, was ich kontrollieren könnte, keine bewusste Entscheidung. Deshalb kann sie für mich auch sehr, sehr schmerzhaft sein.
    Und Liebe ist bei mir absolut nicht nur die geistige Seite, sie ist auch sehr körperlich und hebt den sexuellen Bereich noch einmal auf eine ganz andere Ebene als in der bloßen Verliebtheit.
     
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    23 Juni 2020
    #3
    Verliebtsein und Liebe trenne ich auch, aber für mich ist Liebe einfach die Weiterentwicklung von Verliebtheit und wesentlich komplexer.
     
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  • 23 Juni 2020
    #4
    Ja das kam bei mir etwas flach rüber. Natürlich denke ich bekommt durch Liebe gerade Sex eine ganz andere Qualität.
    Schöne Perspektive
     
  • User 83901
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    23 Juni 2020
    #5
    Für mich wäre romantische Liebe ohne Sex* gar nicht denkbar. :hmm:

    *Sex muss nicht Penetration bedeuten.
     
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  • 23 Juni 2020
    #6
    Gerade dieses komplexe interessiert mich sehr.
    Dieser Thread ist für mich auch deswegen interessant weil ich seit 8 Jahren in keiner Partnerschaft war und oft feststelle, dass diese Zeit einige Ansichten stark verändert hat.

    Es ist wohl auch ein wenig aus meinem Blick gerutscht wie das eigentlich ist, so rein gefühlsmäßig. Evtl ist Liebe für mich daher so pragmatisch.

    Magst du mir ein bisschen beschreiben was Liebe für dich ist?
     
  • Damian
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    23 Juni 2020
    #7
    Ich schmeisse auch hier nochmal die "Dreieckstheorie der Liebe" in den Raum. Sie ist zwar nicht so gut auf Deutsch zu übersetzen (wenn du das gut kannst, empfehle ich die Englische Wikipedia Seite "Triangual theory of love")

    Auch das ist in meinen Augen noch zu kurz gegriffen, aber es ist eine ganz gute Annäherung an den Begriff der "Liebe". Der größte Fehler, der meines erachtens begangen wird ist, dass man Liebe als EIN Gefühl sieht und behandelt. Es ist aber immer eine Kombination aus mehreren Gefühlen und diese ist nicht nur von Person zu Person unterschiedlich, sondern verändert sich auch über die Zeit. Diese Veränderung oder auch dieses anders sein muss dabei gar nicht negativ sein...sondern eben nur anders.
     
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    23 Juni 2020
    #8
    Was Liebe für mich ist?
    Vertrauen ineinander, Zusammenhalt, Nähe, Zuneigung, Zärtlichkeit, wortloses Verstehen, mein Kopf in seinem Schoß, sein Lachen für immer in meinem Kopf, einander kennen und wollen, zusammen lachen, zusammen weinen, diskutieren, den Alltag immer irgendwie meistern, zocken :whoot:, Musik, unsere Musik, unser Kind – eine wild zusammengewürfelte Suppe aus Empfindungen und Erinnerungen; Träumen und Hoffnungen. Garniert mit dem Willen, ein gutes Leben, eine gute Zeit zusammen zu haben. :smile:

    Ich kann Liebe schlecht definieren. Aber die Liebe zu meinem Mann füllt mich mit einer sanften Wärme, die ich tief in meiner Brust spüre. Wie ein Lächeln im Herzen.
     
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    23 Juni 2020
    #9
    Off-Topic:
    Andere Sprachen unterscheiden das wesentlich deutlicher in ihrem Sprachgebrauch, als wir es tun.
    Im Deutschen haben wir "Ich hab dich lieb", "Ich bin verliebt in dich" und "Ich liebe dich."
    Das Englische hat da nur "I love you" oder "I'm in love with you". Vielleicht noch "I like you".
    Im Japanischen jedoch gibt es "suki" und "dai suki", was mit "ich bin verliebt in dich" und "Ich liebe dich" ("Ich bin sehr verliebt in dich") übersetzt werden kann. Daneben gibt es aber auch "aishiteru", das auch "Ich liebe dich" heißt, allerdings auf deutlich tieferer, fundamentalerer Ebene, in etwa wie eine Mutter ihr Kind liebt oder ein Mensch einen langjährigen Partner.

    Deswegen scheitert es für mich oft schon am Sprachgebrauch im Deutschen.

    Ich liebe meine Freunde. Allerdings nicht auf romantische Weise.
    "Ich hab dich lieb" ist da oft zu schwach. "Ich liebe dich" wird aber oft romantisch aufgefasst.
    Und wer sagt jemandem schon "Ich bin verliebt in dich" als gängige Floskel?


    Ich war noch nie verliebt, jedenfalls nicht bewusst, also kann ich dazu wenig sagen.
    Aber auch wenn man annimmt, dass Verliebtheit sich zu Liebe steigern lässt, ist nicht jede Liebe gleich auf Verliebtheit begründet.
    Verliebtheit hat für mich immer romantischen Charakter, Liebe nicht unbedingt.

    Mit jemandem, in den man verliebt ist, assoziiert man andere Dinge als mit jemandem, den man liebt.
    Ich weiß nicht, ob man sich für Liebe entscheiden muss.
    Auf jeden Fall aber muss man sich dafür entscheiden, die Verliebtheit so auszuweiten, dass man weitere Assoziationen knüpft.
    Menschen, die man liebt, nehmen weit mehr Platz im eigenen Leben ein, als Menschen, in die man verliebt ist - auch wenn man in der Verliebtheitsphase gedanklich vielleicht mehr beim anderen ist.
     
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    23 Juni 2020
    #10
    Ich frag mich grade, wieso "Liebe" hier nur auf den Partner und Sex beschränkt wird. Das hängt bei mir jetzt nicht so strikt zusammen.

    Ich liebe meine Eltern, und habe mit denen keinen Sex. Ich liebe meinen Sohn, und habe mit dem keinen Sex. Früher hab ich meinen Kater geliebt und hatte mit dem keinen Sex. Es gibt in meinem Freundeskreis ein paar Menschen, die ich liebe, ohne mit denen eine Beziehung oder Sex zu wollen.
    Und ich finde da auch den Begriff "platoische Liebe" recht abwertend, weil der irgendwie impliziert, dass das ja keine richtige Liebe sei. Warum nicht? Weil man nicht pimpert? Bedeutet dass, dass sich alte Leute, bei denen der Sexualtrieb gestorben ist, sich auf einmal nicht mehr lieben?

    Ja, das war jetzt provokant, geb ich zu. Aber für mich hat Liebe nun wirklich nichts mit Sex zu tun, nur weil ich mit einer Person, die ich wirklich sehr liebe, auch Sex habe und der Sex dadurch für mich besser wird, dass ich diese Person liebe.

    Der Unterschied zwischen Liebe und Verliebtsein ist nicht ganz einfach. Verliebtsein ist plötzlicher, heftiger, das sind die Schmetterlinge im Bauch, das Herzklopfen, diese explosionsartige Ausschüttung von Endorphinen.
    Liebe ist für mich ruhiger, aber auch beständiger, verlässlicher, tiefer, sehr viel schwerer zu erschüttern oder loszulassen.

    Und Liebe braucht im allgemeinen mehr Zeit. Aber nicht immer. Frag mal frischgebackene Eltern :zwinker:
     
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  • 23 Juni 2020
    #11
    Halb Schotte :zwinker: Läuft.
    Ist für mich ein nettes induktives Theorem.
    Kein Informationsgewinn.
     
  • User 154004
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    #12
    Das Thema gab es hier mal recht ausführlich meine ich. Ich versuche es mal zu finden.
     
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  • Lena-Marie
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    23 Juni 2020
    #13
    Für mich ist Verliebtsein Schwärmerei. Hervorgerufen meist durch oberflächliche Dinge.
    Um jemanden lieben zu können, braucht es dann schon mehr. Dafür muss ich denjenigen wirklich kennen, um dieses tiefgreifende Gefühl zu entwickeln. Liebe lässt sich auch nicht an einer bestimmten Sache festmachen, sondern setzt sich aus ganz vielen Dingen zusammen.

    Ich widerspreche dir aber, dass Liebe eine bewusste Entscheidung ist. Weder Verliebtsein noch Liebe lassen sich bewusst steuern.
     
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  • User 172046
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    23 Juni 2020
    #14
    caotica würde da widersprechen und wohl sagen, dass das Typsache ist...
    Man muss sich auf jemanden einlassen können, also irgendwie etwas mitbringen muss man schon, damit sowas passieren kann.
     
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  • 23 Juni 2020
    #15
    Weil es mir explizit um diese Liebe und Verliebt sein in diesem Kontext ging und nicht um Liebe allgemein.
    Ausserdem geht es in diesem Forum ja weniger um Liebe zu deinen Kids oder Familienangehörigen, sondern explizit diese die in Partnerschaften oder verbunden mit Sex auftritt.

    Da müssten wir ansonsten auch Liebe zu Göttern, Geistern, Gegenständen und sich selbst besprechen und das knackt das Thema wohl auf.
     
  • User 154004
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    23 Juni 2020
    #16
    Off-Topic:
    Ich finde es nicht. Vielleicht erinnert sich jemand und kann helfen.
     
  • Damian
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    23 Juni 2020
    #17
    Es beinhaltet aber eben genau das "verliebt sein" und das "Lieben" durchaus. :zwinker:
     
  • User 172046
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    23 Juni 2020
    #18
    Off-Topic:
    Ich erinnere mich auch vage.
    banane0815 hatte mal einen Thread, der leicht in die Richtung abschweifte. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das das ist, an das ich mich erinnere...Ich glaube da war noch etwas anderes, das ich aber auch gerade nicht finde.
     
  • User 169839
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    23 Juni 2020
    #19
    Eröffne ein Thema dazu, du wirst dich Wundern auch das wird dann diskutiert :whoot:! Nicht uninteressant
     
  • Armorika
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    23 Juni 2020
    #20
    Hier beschränke ich das z.B. auf die partnerschaftliche Liebe, weil es meinem Empfinden nach um die Abgrenzung von Verliebtheit zur Liebe geht und das für mich nur im Zusammenhang mit romantischer Liebe Sinn macht.
    Das heißt aber keineswegs, dass ich der Liebe zu Familie, Freunden, Tieren..keine Bedeutung zumesse oder diese abwerte, wobei partnerschaftliche/romantische Liebe für mich (!) tatsächlich einige Facetten hat, die in den anderen emotionalen Beziehungen nicht vorkommen und teilweise eine noch größere Tiefe hat.
    Und bisher ist für mich romantische Liebe auch immer mit (nicht zwingend gelebter) Sexualität verknüpft.

    Ob und wie sich das ändert, wenn der Fall Deines Beispiels mit dem älteren Ehepaar eintritt, vermag ich jetzt nunmal nicht zu sagen.
     

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