?

Wer wart ihr?

  1. Mobber

    10 Stimme(n)
    12,3%
  2. Gemobbter

    66 Stimme(n)
    81,5%
  3. Bystander

    18 Stimme(n)
    22,2%
  4. Eingreifer

    19 Stimme(n)
    23,5%
  5. Nichts davon, sondern... (im Post angeben)

    7 Stimme(n)
    8,6%
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  • User 91095
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    17 Februar 2019
    #1

    Mobbing-Umfrage

    Wart ihr Mobber oder Gemobbte? Oder beides? Oder keines von beidem? Wart ihr Bystander oder habt ihr eingegriffen, wenn ihr Mobbing beobachtet habt?

    Wenn ihr Mobber wart, wann ist es euch bewusst geworden? Wie habt ihr euch gefühlt, als ihr euch dessen bewusst wurdet? Habt ihr euch später entschuldigt? Warum habt ihr gemobbt?

    Wenn ihr Gemobbte wart, inwiefern hat es euer Leben beeinflusst? Seid ihr drüber hinweg gekommen? Spielt es heute noch eine Rolle für euch?

    Wenn ihr Bystander wart, würdet ihr euch heute anders verhalten oder findet ihr es nachvollziehbar und vertretenswert, Bystander zu sein?

    Und, gibt es in eurem Erwachsenenleben noch Mobbing? Wie geht ihr damit um?
     
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    nicht angegeben
    17 Februar 2019
    #2
    Bei uns gab es kein gezieltes Mobbing einzelner Personen durch eine Gruppe, aber es gab Menschen, die zu den coolen gehörten und Menschen, die zu den uncoolen gehörten und dieser Hierarchie war sich auch jeder bewusst. Die "uncoolen" haben auf jeden Fall häufiger Sprüche einstecken müssen.

    Ich war ziemlich dazwischen: von den coolen toleriert, aber nie so richtig dabei.

    Wenn dann Sprüche fielen, war ich nur froh nicht selbst im Fokus zu sein und habe meistens die Klappe gehalten.

    Mache ich heute anders. Ich kann mein Verhalten aber auch verstehen.
     
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  • User 107106
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    17 Februar 2019
    #3
    Das war hier auch so. Wir gehörten zu dem Untersatz, aber wir waren nicht alleine, sondern eine größere Gruppe (10 Leute). Wir waren alle recht gute Schüler, daher hatte man uns gerne in Gruppenarbeiten, etc dabei. Im Laufe der Oberstufe wurde diese Hierarchie weniger wichtig.
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 17 Februar 2019 ---
    Mein Mann war DAS Mobbingopfer der Klasse.
     
  • User 169839
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    17 Februar 2019
    #4
    Gab es zu genüge das Leute angemacht wurden, aus völlig bescheuerten Gründen.
    Was für Kleingeister sich jemanden raus zu picken und den fertig zu machen. Dieses scheint ja Mode zu sein Menschen zu beleidigen sie in den Dreck zu ziehen zu schlagen oder sonst was!

    Geht gar nicht sowas.
     
  • Anarchist1
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    17 Februar 2019
    #5
    Meistens gemobbter, am Schluss dann selbst Mobber um "Freunde" zu finden, und dass, es endlich aufhörte. Der "neue" gemobbte war zum Glück stark genug, hat es verstanden und hat mir sogar geholfen.
     
  • BrooklynBridge
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    17 Februar 2019
    #6
    ..
     
    Zuletzt bearbeitet: 9 März 2019
  • User 36171
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    17 Februar 2019
    #7
    Richtig gemobbt wurde ich nicht. Ich war ein bisschen ein Streber, eher kindlich, unsportlich, stand nicht auf Partys, ein bisschen moppelig, ... so richtig uncool halt. Das hab ich zeitweise auch zu spüren bekommen von den Klassen-Anführern. Einer davon war regelmäßig ziemlich fies zu mir, aber es war kein gezieltes Mobbing. Ich hatte immer Freunde, daher war es auszuhalten. Ich war auch nicht die einzige, der es so erging. (Bei uns war es ähnlich wie von reed beschrieben.)

    Ich kann mich daran erinnern, dass es ein Mädchen und einen Jungen an unserer Schule hab, die über ihre Klassenstufen hinaus bekannt waren und über die generell gelästert und gelacht wurde. Ich weiß, dass ich mit 12 oder so auch mal auf einen von denen gezeigt und zu einer Freundin so etwas gesagt habe wie "Guck mal, das ist der Verrückte aus der 10.", an mehr Mobbing hab ich mich zum Glück nicht beteiligt.

    In meinem Erwachsenen-Leben gibt es kein Mobbing, typische Büro-Lästereien schon eher, aber ich mag das nicht so.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17 Februar 2019
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    17 Februar 2019
    #8
    Hmm, also in den Klassen 7 - 9 gab´s noch keine Whatsapp-Gruppen oder ähnliches und ob virtuell viel gemobbt wurde, weiß ich nicht. Ich hatte sowohl Whatsapp als auch Facebook erst nach dem Abí.

    Sprüche anhören, klar, das kam bei manchen Kandidaten öfter vor. Ich gehe auch davon aus, dass diese durchaus mehr weh tun können als körperliche Gewalt, die quasi nie vorkam. Ich war da eher ambivalent. Nicht cool, aber doch relativ sportlich und immer da, wenn jemand Latein abschreiben musste. Guter Schüler, aber nie richtig Streber. Trotzdem war ich froh als es keine Klassen mehr gab. Es war erträglich, aber nie wirklich schlimm.
     
  • User 158340
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    17 Februar 2019
    #9
    Ich wurde gemobbt. Nicht von allen, ich hatte auch noch Freunde, aber die "Coolen" haben mich schon bisweilen fühlen lassen, dass ich eben nciht Cool bin.
    Ich war auch wohl so wie Hyrna: Bisschen Streber, Comicleser, unsportlich, kein Bock auf Party oder Besäufnis. Ich war auch schon immer jeder der 2-3 Freunde hatte und damit zufrieden war und nie so dieses "mit 20 Leuten um die Höuser ziehen" gebraucht hat.
    In der Grundschule gab es ein Mädel, das meine gutmütige und ruhige Art dazu ausgenutzt hat, mich an den langen Haaren regelmäßig zu ziehen und mir regelmäßig ihren Schlüsselbund, der an so einem Gummi (ähnlich einer Telefonschnur, also so geringeltes Zeug) hing, zwischen die Beine zu flitschen. Meine Mutter hat da auch lange immer beschwichtigt mit "ja, ignorieren, die hört von alleine auf" etc.. Hörte es aber nicht. Die Lehrerin hat auch "nie was gesehen" und die anderen Mitschüler haben auch nur daneben gestanden oder gelacht, wenn ich geheult hab (weil so ein Schlüsselbund tut verdammt weh). Ich war SO FROH, als meine Mutter irgendwann sagte "Hau ihr eine rein, du kriegst keinen Ärger von mir". Hab ich gemacht, dann war ENDLICH Ruhe. Ich hab der so eine reingezimmert, dass ihre Nase geblutet hat.

    Fies war auch 5. - 7. Klasse. Da gab es einen Mitschüler, der seinen Freundeskreis gezielt gegen mich aufgestachelt hat. Inklusive rumschubsen, Schultasche klauen etc.. Die Lehrer fühlten sich auch hier wieder so semi-zuständig und haben einzig darauf bestanden, dass mir mein Zeug zurückgegeben wird und sich sonst rausgehalten.
    Irgendwann auf dem Nachhause-Weg wollten da die drei Jungs mich auch schnappen und... ich nehme an, wieder rumschubsen etc.. Keine Ahnung. Ich hab einen geschnappt und so in den Arm gebissen, dass der geblutet hat und wirklich wochenlang einen blauen Fleck an der stelle hatte. An dem Abend stand dann auch ein wütender Vater bei meinen Eltern vor der Tür und hat gefragt, was das soll, dass ich seinen Sohn beiße. Als meine Mutter dann erklärt hat, was da im Vorfeld abliefm bekam mein Mitschüler an Ort und Stelle eine Schwungschelle von seinem Vater - und ich wusste ab dem Zeitpunkt, dass der Typ von uns beiden in Wirklichkeit die arme Wurst und das Opfer ist. Und hatte auch danach dann weitestgehend meine Ruhe.

    Alles in allem führte das aber dazu, dass ich mich nie wirklich als Teil der Klasse gefühlt hab und immer mein eigenes Ding durchgezogen hab. Ich WOLLTE einfach irgendwann nciht mehr dazugehören. Wenn die alle so doof waren und nicht geholfen haben oder selber so blöd waren, wollte ich mit denen einfach ncihts mehr zu tun haben.
    In der Oberstufe hätte ich wahrscheinlich beliebt sein können - ich war immer eine der besten, hab diversen Mitschülern auch Nachhilfe gegeben - aber da war ich schon so weit in mir selber, dass ich das nicht genutzt hab und auch nicht nutzen wollte.
    Ein weiterer Rückschlag war im Abitur, als ich meine LK-Lehrerin zufällig im Gespräch mit zwei Schülerinnen erwischt hab - ich stand halt zufällig um die Ecke an der Wand - wie die sich bei ihren schülern darüber ausgelassen hat, wie nervig ich wäre, weil ich mich zu jeder Frage melde und immer alles weiß. Dachte ich mir auch nur "Du Arschloch, mach deinen Unterricht halt allein" und hab mich danach nicht mehr gemeldet. Woraufhin der Unterricht für besagte Lehrerin sehr zäh und extreeeem langweilig wurde. Ich war halt die einzige, die immer mitgearbeitet hatte.

    Und das alles hatte ganz sicher diversen Einfluss auf mich und mein Leben. Ich tu mir sehr schwer damit, neue Leute kennenzulernen, weil ich immer unterbewusst Angst vor Verurteilung hab. Wenn es mir egal ist, was der andere von mir denkt, beeinflusst mich das nciht. Aber Bewerbungsgespräche etc.? Die sind für mich der blanke Horror, denn ich will ja, dass die mich gern haben.
    Und ich kann es absolut nicht ausstehen, wenn jemand auf Schwächere losgeht und geh da dann heftig dazwischen. Ich engagiere mich auch regelmäßig für Kinderrechte und ähnliches und werd fuchsteufelswild, wenn diese ignoriert werden.
    War dann auch schon in der Oberstufe so, was dazu geführt hat, dass in der Mittagspause regelmäßig sich diverse Fünftklässler um mich gruppiert und in meine Nähe gesetzt haben, weil die wussten: Hier haben die ihre Ruhe. Hier traut sich kein Idiot, denen Stress zu machen, weil ich die beschützt hätte (und habe. Nicht nur einmal).
     
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    17 Februar 2019
    #10
    Doch, so im Nachhinein kann ich schon sagen, dass ich gemobbt wurde.

    Ich war zwar auch eher der Mensch, der zwischen den "coolen" und "uncoolen" stand, war also häufig eher neutral, aber es gab dann doch Erlebnisse, die mich definitiv verletzt haben. Und die kamen von den "coolen" Leuten.

    Ich bin noch nie das "klassische" Mobbingopfer gewesen, ich hab mich schon immer gewehrt - auch körperlich. Aber das schien einige Leute auch entertaint und dazu bewogen zu haben, mich immer wieder zu testen. Es gab eine Schlüsselsituation, da wollte ein hinter mir sitzender Klassenkamerad in der Schulstunde meine Haare mit einem Feuerzeug anzünden.

    Da war es bei mir vorbei, ich hab rot gesehen und ihm mit der Faust so eine verpasst, dass er rückwärts vom Stuhl flog und blutete. Daraufhin musste ich zum Direktor und wurde nach Hause geschickt. Es glaubte mir keiner, was der Typ da versuchte, ich hatte die Arschkarte, musste so gar zum Schulpsychologen (danke für nichts, du Weichei) - es war in der 7. Klasse und ich hatte noch 3 Jahre mit dem Arschgesicht vor mir.

    Ansonsten wurde ich mit Edding angemalt, dabei von zweien festgehalten, auch da hab ich mich gewehrt, ich hab alle 3 vermöbelt. Nachhaltig hat das irgendwie nie lange angehalten, dass man mich in Ruhe gelassen hat.

    Trotz der ganzen Geschichten war ich nicht "uncool" und hatte immer viele Freunde. Ich wurde auch immer auf alle Partys eingeladen und gemocht - aber trotzdem kam es immer wieder zu solchen Momenten. Warum das so war, weiß ich nicht, ich hab nie provoziert, ich vermute wirklich, meine Reaktionen waren es wert mich so zu ärgern.

    Als meine Brüste dann wuchsen, so mit 10, wurde ich auch "Baywatch" genannt. Ich hab aber gelernt vieles zu ignorieren, ich konnte ja schlecht immer weiter die halbe Klasse verprügeln - vor allem, weil ich meist die Gearschte war. Also habe ich gelernt wegzuhören. Kampfsport hat bei mir da viel geholfen, um meine Aggression zu kanalisieren und zu beherrschen.

    Ansonsten habe ich mich auch für Andere eingesetzt, wenn sie gemobbt wurden - aber nur bei denen, die ich mochte. Bei allen anderen habe ich bewusst weggesehen, ich hatte selbst schon genug eigene Probleme.

    Mir hat auch keiner geholfen, ich war immer alleine und hab für mich selbst kämpfen müssen. Hat mich stark gemacht und trotz pubertärer Unsicherheiten habe ich nie daran gezweifelt, dass alle Anderen Arschkinder waren, mich habe ich nie verantwortlich gemacht. Höchstens ab und zu bemitleided, wenn ich ein Tief hatte.

    Eigentlich war meine Schulzeit bis auf diese Erlebnisse auch schön, ich bin immer gerne zur Schule gegangen. Wenn ich jetzt drüber nachdenke schon komisch, kann mir bis heute nicht erklären, warum ich da stellenweise so drangsaliert wurde.
     
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    17 Februar 2019
    #11
    Bei der Klassenzählung in Deutschland bin ich immer verwirrt - ich wurde gemobbt so ca. als ich 10 bis 14 Jahre alt war. Teilweise bin ich auch körperlich angegangen worden, das war schon richtig blöd.
    Nach dem Ende der Klasse wenn man 14 ist, wird jedoch alles neu durchmischt, wegen anderen Schulformen etc. und als dann viele neue Leute in der Klasse waren und die ja auch erwachsener wurden hat das dann aufgehört. Ich hab mir halt auswärts Freunde gesucht, da hat mich das schon länger kaltgelassen und es hat ihnen keinen Spaß mehr gemacht.

    Später haben sich mehrere dafür entschuldigt (als man sich dann so in den Nachtlokalen als Studenten zufällig getroffen hat).

    Ich glaube nicht, dass mich das groß beeinflusst hat - aber vielleicht kommt mein starkes Selbstbewusstsein auch daher? Keine Ahnung, ich denke ehrlich gesagt nie daran, heute ist mir das komplett egal.

    Ich wurde allerdings vor ein paar Jahren auf einer Arbeitsstelle gemobbt, da gibt es eine Clique die es total auf mich abgesehen hat und ich hab dann auch von anderen, netten Arbeitskollegen gehört, dass sie sich regelmäßig jemanden aussuchen und dann rausekeln, einer davon war einer meiner zwei Chefs. Aber ich hab mir dann einfach eine neue Stelle nebenbei gesucht und bin da raus.
     
  • User 165615
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    17 Februar 2019
    #12
    Damals hat es dazu geführt, dass meine Schullaufbahn klar unter dem lag was ich im Stande gewesen wäre zu leisten, vielleicht hätte ich studiert und nun etwas völlig anderes gemacht. Ich wollte nur noch das es aufhört und vorbei ist. Es hat mir aber auch gezeigt, das mich so schnell psychisch nichts "einfallen" lassen wird. Keine Ahnung ob man das "resilient" nennen kann oder ob es einfach eine Art und Weise ist mit der Situation umzugehen. Heute schockt mich wenig und erschüttert mich in meinem Wesen, vielleicht etwas positives.

    Ich bin mir aber ziemlich sicher das meine kurze Zündschnur und der Jähzorn auch aus der Lebensphase herrührt. Vielleicht, wenn mir diese physische Gewalt nicht angetan worden wäre, wäre mein Unrechtssinn vielleicht weniger ausgeprägt und ich würde seltener sofort an die Decke gehen bei Banalitäten. Aber was hilft mir das schon, dieses "was wäre wenn?" es ist nicht und wird es nicht sein. Zeitverschwendung darüber nachzudenken.
     
  • User 44981
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    17 Februar 2019
    #13
    In diesen Kategorien sehe ich mich am ehesten in der Gruppe "Gemobbter" - auch wenn ich das, was ich erlebt habe, nicht direkt als Mobbing, sondern eher als massives Hänseln bezeichnen würde. Die ganzen Dinge fanden vor allem in meiner Schulzeit in der Grundschule, sowie der gymnasialen Unter- und Mittelstufe statt.

    Letztendlich haben diese Hänseleien den Leidensdruck erzeugt, der nötig war, dass ich es geschafft habe, eine Charaktereigenschaft abzustellen, die mir sonst nach wie vor massive Probleme machen würde. (Ich war ein kleiner Choleriker und bin wegen jeder Kleinigkeit zum HB-Männchen mutiert.)

    Heute sehe ich meine Erfahrungen als harte Schule, die meinen Charakter geformt hat. - Nicht schön, aber letztendlich doch ziemlich sinnvoll.

    Als ich mir das HB-Männchen ausgetrieben hatte und auch die Mitschüler in der Oberstufe etwas vernünftiger wurden, war ich nur noch ein wenig der Streber, Nerd und Außenseiter, der aber z.B. gerne um Rat gefragt wurde, wenn die Mitschüler etwas im Unterricht nicht verstanden haben.

    Meiner Erfahrung nach ist das aber auch eine typische Schul-Sache:
    In die Schule muss man nunmal gehen - ob man will, oder nicht und wird mit allen möglichen anderen ungefähr gleich alten Kindern in eine Klasse geworfen, wobei es völlig egal ist, ob einen irgendwas mit diesen anderen Kindern verbindet, oder nicht.So eine heterogene Gruppe, die unter Zwang ziemlich viel Zeit gemeinsam verbringt, ist einfach der ideale Nährboden für alle möglichen Formen von Konflikten, Machtspielchen, usw. - Insbesondere, wenn man auch noch bedenkt, dass das alles auch noch in der Kindheit und Jugend abspielt, wo man viel ausprobiert, aus Erfahrungen lernt und erst so richtig seinen Charakter bildet.

    Alle anderen Umgebungen, in denen ich Zeit mit einer Gruppe von Menschen verbringe, habe ich mir - genau wie alle anderen anwesenden Leute - selbst ausgesucht: Das Studium, den Arbeitsplatz, den Sportverein, die Gruppenreise, usw.
    Und viele dieser Leute haben sich das wohl auch aus ähnlichen Beweggründen ausgesucht, wie ich, haben ähnliche Interessen, Ziele, teilweise eine ähnliche Mentalität, usw. Das ist einfach ein Klima, in dem man normalerweise deutlich besser miteinander auskommen kann.

    Dementsprechend habe ich nach meiner Schulzeit auch nie wieder so etwas, wie Mobbing erlebt. - Weder als direkt beteiligter, noch als Außenstehender.
     
  • User 116134
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    17 Februar 2019
    #14
    Ich habe zwar auch in einigen Dingen sehr viel Glück, aber ich muss auch sagen – eigentlich war die Schulzeit im Vergleich zu allem was danach kam ziemlich hart.
     
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  • User 162074
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    17 Februar 2019
    #15
    Off-Topic:
    Ich finde das Thema sehr interessant und wichtig. Mir ist jedoch gerade als ich meine Geschichte niedergeschrieben habe und überlegt habe sie abzuschicken, bewusst geworden, was eigentlich alles damals abgelaufen ist und wie schnell man sowas verdrängt. Ich finde es als Mobbingopfer irgendwie doch schwer über die Dinge zuschreiben, warum weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht, weil ich das Alles noch nie so chronologisch aufgeschrieben habe, obwohl mir schon sehr genau bewusst ist, was damals passiert ist. Es hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt!
     
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  • User 111070
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    17 Februar 2019
    #16
    In meiner Klasse gab es auch so ein Rudel cooler Jungs, die in der Mittelstufe versucht haben, ihre eher einzelgängerischen Mitschüler zu mobben, zu denen ich hin und wieder auch gehörte. Glücklicherweise war ich immer gut darin, Betroffenheit zu überspielen und mich verbal zur Wehr zu setzen, so habe ich den einen mit geheucheltem Gleichmut den Spaß daran genommen und die anderen ein paarmal vor Publikum (auch Lehrern) vorgeführt, danach wurde ich weitgehend in Frieden gelassen.
    Wenn andere gemobbt wurden, habe ich mich manchmal auch eingeschaltet - zum Teil aus Gerechtigkeitsempfinden, zum Teil aber ehrlich gesagt auch einfach, weil ich es konnte und die Konfrontation mit den mir verhassten Idioten gesucht habe. An irgendeinem Punkt war das nur noch Sparring.

    Büßen musste ich das nie, aber rückblickend war die Situation an meiner Schule wohl einfach noch relativ entspannt. Wir hatten keine intakte Klassengemeinschaft, aber jeder war mindestens halbwegs in irgendeine kleine Clique eingebunden und es gab niemanden, den alle zusammen aufs Korn genommen hätten. Die selbsternannten Stars der Klasse waren zudem auch keine eingeschworene Gemeinschaft, sondern oft genug mit Egotrips und Machtkämpfen untereinander beschäftigt, wir hatten in meinen Augen keine klare Hackordnung.
    Körperliche Gewalt, die über ein wenig Schubsen hinausgegangen wäre, gab es meines Wissens auch nicht. Wie ich mich verhalten hätte, wenn ich ernsthafte Angst vor Vergeltung gehabt hätte, kann ich also nicht sagen.

    Inwiefern mich das nachhaltig beeinflusst hat, da bin ich mir nicht sicher. Wahrscheinlich haben die Konflikte mit meinen Mitschülern durchaus zu meinen soziophoben Tendenzen beigetragen und meine Introversion weiter verschärft, aber an dieser Entwicklung hatten andere Probleme sowie meine Abneigung gegenüber den typischen Interessen der meisten Gleichaltrigen vermutlich den weitaus größeren Anteil.
    Geblieben ist mir auf jeden Fall der innere Drang, Schikaneure ihre eigene Medizin schmecken zu lassen. Ein bisschen gelassener als damals bin ich inzwischen hoffentlich, aber man muss natürlich trotzdem aufpassen, nicht irgendwann mit Flöhen aufzuwachen...
     
  • User 91095
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    17 Februar 2019
    #17
    Übrigens, hier ein Blickwinkel eines Opfers, das im Erwachsenenalter die Täter konfrontiert. Fand ich ganz interessant, weil die Mobber sich ihrer Rolle wohl nicht wirklich bewusst waren:
     
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  • Nevery
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    17 Februar 2019
    #18
    von der 1. bis zur 10. klasse war ich das opfer, nicht nur jeweils für die klasse, sondern jeweils für die ganze schule. bis auf eine kurze ausnahme, da haben sie sich ein anderes mädel gekrallt, aber die hat darunter derartig gelitten und mir leid getan, dass ich das lieber wieder auf mich gezogen habe (jaaa, tank! :grin:) - hart wars schon, ging von sprüchen, einsperren, verarschen und spott bis hin zu prügeln.

    ich hatte aber immerhin das glück, im privatleben guten rückhalt zu haben, dort auch respektiert und geschätzt zu werden, auch hin und wieder einzelne freunde zu haben - das ließ mich daran zweifeln, ob ich wirklich so ein erbärmliches stück scheisse wäre, wie mir in der schule immer suggeriert wurde.

    ausgewirkt hat sichs trotzdem noch etliche jahre nach schulende, irgendwie wars schon eingeimpft, jedes lachen auf mich zu beziehen (als auslachen), mich ständig angegriffen zu fühlen, mich verachtet zu fühlen - und mich gleichzeitig über die maßen beweisen zu wollen. da haben auch meine partner es nicht einfach mit mir gehabt.

    so mit ~anfang bis mitte 20 hab ich dann so langsam die kurve bekommen, und als es mit mitte 20 dann nochmal "berufsschule" hieß... hatte ich zwar nen ziemlichen bammel davor, aber, oh wunder, ich war zwar immernoch anders, konnte diese rolle aber so ausfüllen, dass ich auch so respektiert wurde. gut, da waren die menschen dann auch etwas älter, aber ich hab da meine aussenseiter-rolle auch willig angenommen und war trotzdem irgendwie teil der gruppe, wenn auch eher am rand. dazu zu stehen gibt ne ganz andere wirkung, als wenn man versucht, es zu leugnen.

    langfristig ausgewirkt hat sichs auf jeden fall, ich kanns nicht sehen, wenn jemand bedrängt, runtergemacht, bedroht oder verspottet wird. is mir scheissegal was ich riskiere, ich werfe mich immer dazwischen, teilweise zugegeben auch recht unüberlegt. den punkt finde ich aber trotz aller konsequenzen gut.
    ich fürchte aber auch, dass ein gewisses "übermäßig leicht angegriffen/kritisiert fühlen" ebenfalls noch davon zurückgeblieben ist... naja, ich arbeite daran.

    nachvollziehbar finde ichs, wenn sich jemand nicht traut, sich einzumischen (oder so nen armes würstchen ist, dass es sich über mobbing von anderen profilieren muss - sorry, is meine meinung dazu) - menschliche abgründe und schwäche eben. ganz und in jeder hinsicht freisprechen kann sich von solchen abgründen wohl niemand, und wers nie erlebt hat - oder es nie verarbeiten konnte - wird verständlicherweise wenig motivation verspüren, sich selber in gefahr zu bringen, nur, um anderen zu helfen.
     
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    17 Februar 2019
    #19
    ..
     
    Zuletzt bearbeitet: 9 März 2019
  • HarleyQuinn
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    17 Februar 2019
    #20
    Die Zeit von der 6. bis zur 10. war schulisch die Hölle für mich. Mobbing zuerst zwecks "Streber-Dasein", dann aufgrund familiärer Umstände und Gewicht und am Ende waren es Brüste und das generelle Aussehen.

    Ich war immer das uncoolste Kind und hatte in dem Zeitraum auch keinerlei Freunde in der Umgebung. Die waren alle mindestens 2.5h mit dem Zug entfernt.

    Das Mobbing bestand aus Beleidigungen, Ignorieren bis hin zu tätlichen Angriffen. Bis auf 2 Ausnahmen war es den Lehrern egal.

    Nach der 10. hab ich die Schule gewechselt und es war schlagartig besser. An der neuen Schule gab es keinerlei Mobbing, das war ein so friedlicher Umgang dass ich viele Jahre bereut habe nicht früher gewechselt zu haben.

    Ich hatte auch noch lange Zeit damit zu kämpfen, psychisch war ich eh angeschlagen und es tat mir nicht gut. Gerade weil mir der Rückhalt zu Hause gefehlt hat. Klar habe ich mich gewehrt aber irgendwann ging mir die Kraft aus.

    Heute habe ich keine Probleme mehr davon aber es war ein harter Weg bis dahin. Das ganze hat mich auch nicht stärker gemacht oder meinen Charakter entwickelt. Es war eine furchtbare Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte.
     
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