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    6 April 2018
    #1

    Perspektive, Generationen und Gesellschaft

    "Lacht nur darüber wie viel ich verdiene. Aber wenn ich sehe was ihr tut, dann lache ich."

    Das Zitat habe ich heute gehört. Und ich kann es (momentan) so sehr auf mich beziehen.

    Nach dem Abi gehen alle nach Thailand, studieren Sport, oder wissen nicht was sie tun wollen.
    Dann gibt es die, die nachdem sie aus Thailand zurückkehren (oder alles vergeblich auf eine Bewerbung gesetzt haben) immer noch nicht wissen wo es mit ihnen hingeht.
    Mal hier Jobben, dort Reisen, Papa macht das schon.

    Sich selbst zu finden ist ja schön und gut. Aber mich kotzt diese Einstellung an.

    Ich persönlich kenne niemanden, der sich bei so einem Trip wirklich in dem Maße "selbst gefunden hat", dass er oder sie wenigstens auch kurzfristig in die Zukunft geplant haben. Abgesehen vom nächsten Urlaub natürlich.

    Ich habe direkt mitbekommen, wie eine "Freundin" in meinem Umfeld einen Hilfsjob geschmissen hat, um mit ihrer besten Freundin spontan zu verreisen. Kann man mal machen. Nach drei Tagen.

    Klar bin auch ich ziemlich priviligiert. Wer hat schon mit knapp 19 ein Auto, ohne wirklich viel dafür gearbeitet zu haben? Ein Erbstück, aber dennoch.

    Manche Menschen sehen das als so ekelhaft selbstverständlich an. Gymnasium, Abi, Saufen, Studieren, Saufen, Erfolgreich sein. Selbst mal wirklich für etwas ackern? Nö. Funktioniert doch auch so. Und Ziele braucht man eh nicht.

    Und wer räumt den Dreck weg? Das interessiert so lange keinen, bis man selbst mal entweder in die Situation kommt, seine eigenen Fehler ausmerzen zu müssen oder sieht, was für ein Knochenjob das sein kann.

    Aber kann man wirklich zufrieden mit sich sein, wenn man anstatt sich selbst zu entscheiden und bewusst zu handeln, sich treiben lässt?
    Am Ende kommt man eventuell an einer Stelle wieder heraus, an der man glücklich und zufrieden ist. Ist man das dann wirklich? Im Grunde hat man ja nichts dafür getan.

    Gleichzeitig gibt es die, die immer politisch korrekt sind.

    Rassisten? Schweine sind das. Und an Vorschriften hält sich hier aber gefälligst sowieso jeder! Auch ein Flüchtling.

    Und dann setzen sie sich in der Bahn extra nochmal ein Stück weiter weg, lassen den Flüchtling im Krankenhaus extra länger warten als nötig, lassen ihre eigenen Vorschriften, auf die sie ja so pochen, aussen vor.


    Das hat auf den ersten Blick vermutlich wenig gemein. Trotzdem stelle ich mir tausende Fragen.

    Gab's das schon immer so, oder ist das ein Problem in meiner Generation?
    Merken die überhaupt noch was?
    Was macht jemand, der seiner selbst sucht, wenn er oder sie sich findet?
    Oder im schlimmsten Fall, etwas unvorhergesehenes passiert?

    Fehler machen ist ja kein Problem. Irgendwo muss jeder mal Fehler machen.
    Solange man auch mal Kritik ertragen kann. Und sich seiner Fehler bewusst ist bzw. wird.



    Und keine Angst, ich weiß dass auch ich Fehler machen und für ein (arrogantes) Arschloch sein kann. Ich erkenne das. Bekanntlich sieht man ja nur Fehler, die man selbst hat.
    Trotzdem bleibt mir manchmal nur Unverständnis.
     
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    6 April 2018
    #2
    Ich würd die Sachen nicht in einen Topf werfen.

    Ich kann deine Gedanken tw. nachvollziehen, aber sieh's mal so: Das Leben ist nicht fair, und auch wenn's einem nicht gefällt, ist das halt trotzdem so. Du kannst versuchen, ein fairer, gerechter Mensch zu sein, aber du kannst nicht verlangen, dass andere es auch sind.

    Ich bin auf eine Schule gegangen, wo es sehr viele Kinder richtig reicher Eltern gab. Ich habe die anderen zuerst beneidet und dann so getan, als wäre ich etwas besseres, weil ich an den Wochenenden und in den Ferien gearbeitet habe und mir jeden Dreck selbst erarbeitet habe, ohne Vitamin B und einflussreichen Eltern. Ich hab mir gedacht, irgendwann wird es ihnen noch auf den Kopf fallen, dass sie alles von den Eltern in den Arsch geschoben bekommen. Was ist am Ende passiert? Nichts. Ich lebe mein Leben, sie ihres. Manche haben versucht zu studieren, sind aus Faulheit gescheitert, aber haben trotzdem mittlerweile einen gut bezahlten Management-Job in der Firma der Familie, manche sind kluge, nette Menschen geworden, obwohl ich sie früher verachtet habe, andere sind geblieben wie sie immer waren, viele haben ebenfalls reiche Partner geheiratet. Auf die Nase geflogen ist keiner. Ich auch nicht. Warum hätten sie sich früher den Arsch aufreißen sollen, um ihr eigenes Taschengeld zu verdienen, wenn sie es für ihr Leben nicht wirklich brauchen und stattdessen die Zeit zum Reisen nutzen können? Am Ende ist das eigentlich doch egal. Jeder lebt sein Leben, und man sollte anderen nicht vorschreiben, wie sie ihres zu leben haben.

    Ich krieg nur die Krise, wenn Leute mit wenig Lebenserfahrung auf einmal in Entscheidungspositionen sitzen, wo sie über Dinge zu entscheiden haben, von denen sie keine Ahnung haben, aber sich dessen gar nicht bewusst sind. Dann werd ich zynisch. Aber ansonsten: Who cares. Glücklich sind die meistens auch. Oder zumindest nicht unglücklicher als andere. Denen fehlt es nicht an Lebensinhalt. Deswegen haben die auch keinen Bedarf, etwas dran zu ändern. Wenn ich's mir leisten könnte und es mit meinem Charakter kompatibel wäre, wäre ich vllt auch so. Es lebt sich nämlich glücklicher ohne der Konfrontation mit dem Elend. Ignoranz tut halt einfach der Seele gut, deswegen kann ich's kaum wem vorwerfen. Nur, ein Vorbild für die Gesellschaft sollten solche Leute halt nicht sein.

    Sich seiner eigenen Privilegiertheit bewusst zu sein, ist philosophisch gesehen übrigens ein sinnvoller Vorsatz. Aber lebenspraktischer wird man dadurch tatsächlich auch nicht. Und ob man automatisch ein besserer Mensch deswegen ist, bezweifle ich auch.

    Zu deiner Frage: Ja, das gab's immer schon, ist kein Problem deiner Generation. Nur, deine Generation hat das Problem, dass sowas mittels Social Media stilisiert und idealisiert wird. Und somit zum Vorbild wird und andere Leute neidisch macht. Und DAS ist ein Problem, weil so ein Lebensstil ist für die meisten Menschen einfach nicht erreichbar.
     
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    Diana_im_A (20)
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    7 April 2018
    #3
    "Lacht nur darüber wie viel ich verdiene. Aber wenn ich sehe was ihr tut, dann lache ich."
    Also wenn ich das lese, dann denk ich an was völlig anderes. Nämlich an die Floristen, Frisuere, Designer und Gestalter, die etwas tun, was ihnen Spaß macht und dafür vom Mindestlohn leben müssen. Dennoch dies tun, weil ihnen die Tätigkeit Spaß macht. Und dann auf der Gegenseite diejenigen, die in irgendeiner langweiligen Tätigkeit festhängen - Bürotätigkeit oder so - aber halt gutes Geld verdienen, weil es der Wirtschaft in dem Bereich gerade sehr gut geht.
     
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    7 April 2018
    #4
    Ich finde dass das nicht unbedingt was mit Wohlstand zu tun hat sondern mit den Prioritäten, die man sich im Leben setzt.

    Ich hab auch schonmal spontan Jobs hingeschmissen, auf Geld verzichtet um Spaß zu haben und bin viel mit Interrail herumgereist. Geld hab ich aber kaum von meinen Eltern gesehen und ich bin neben dem Studium putzen gegangen.
    Ich habs in dem Alter halt wichtiger gefunden mein Leben zu genießen und dafür hats halt auch ein paar Wochen lang nur Nudeln umd Kartoffeln gegeben.
    Und ich würds wieder so machen :smile:
     
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    7 April 2018
    #5
    Das ist wohl wahr.

    Das finde ich tatsächlich einen wirklich spannenden Ansatz. Vermutlich sind wirklich viele (was grundsätzlich ja auch nicht verwerflich ist) durch Netzwerke wie Instagram etc. überhaupt erst auf den Trichter gekommen, zu reisen.

    Denn wenn ich mich so auf Instagram herumtreibe sind das die aktivsten der Leute, denen ich folge.

    Andererseits auch klar, dass jemand der hier bleibt und studiert vermutlich nicht so interessante Bilder hochlädt. Nur so ein Gedankengang.

    Das ist für mich ehrlich gesagt nichts großartig anderes. Das Zitat will genau darauf anspielen. Ob das jetzt Frisöre, Designer (die in meinen Augen nicht unbedingt schlecht verdienen) oder Krankenschwestern sind.

    Gerade zu Krankenschwestern etc. habe ich gerade einen engen Bezug. Durch mein FSJ bin ich zeitweise auch eine Stütze unseres Gesundheitssystems, das ohne sehr gering bezahlte Pfleger, Arzthelfer etc. so garnicht funktionieren würde.

    Das ist aber der Klassiker, in der freien Wirtschaft verdient es sich einfach besser.

    Das ist ja der Punkt. Klar kann man Jobs etc. für anderes hinschmeissen. Man muss sich aber der Konsequenzen bewusst sein.

    Work hard play hard. Finde ich legitim. Auch wenn das nichts zur Sache tut, wie ich das finde.
     
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    7 April 2018
    #6
    Nachdem ich mich mein Leben lang reingehaengt habe wie irr, mit der Aussicht, das lohne sich, muss ich heute mit 46 sagen, die Muessiggaenger haben nicht ganz unrecht.

    Wenn ich heute nochmal 19 waere, wuerde ich ganz anders vorgehen, als ich es getan habe. Und zwar wuerde ich meine Lebensentscheidungen am gewuenschten Endergebnis festmachen, statt an Traeumen. Dazu muss man zwar wissen, was man will - aber so schwer ist das nicht. Das kann man etablieren.

    Was mich heute wurmt, ist, dass fast mein gesamtes Leben von einer selbstgemachten Atmosphaere des Drucks, der Enthaltsamkeit, und der Versagensangst ueberschattet sind. Was einem naemlich spaeter im Leben ausser Erinnerungen an Gerueche bleibt, sind die Erinnerungen an die Gefuehlswelt. Und da wuerde ich heute sehen, dass ich so viele positive Erlebnisse wie moeglich erschaffe, denn an denen fehlt es mir, egal, wie witzig ich hier auch immer schreiben mag. Wie sagte schon Ephraim Kishon, wer nie gelitten hat, kann keinen Humor haben.

    Die von Dir in Frage gestellten Thailandreisenden haben vermutlich ein paar sonnige Erinnerungen fuer sich geschaffen, die ihnen lebenslang gute Dienste tun werden. Das hat also durchaus seine Berechtigung.

    Und zuguterletzt sind wir ja doch alle nur ab 65 eine Person in einer Behausung mit begrenztem Budget. Was vorher emotional stattfand, ist das, wovon wir dann zehren.
     
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    7 April 2018
    #7
    Die Frage ist für mich: Was kümmert's dich?

    Ich war auch auf einer Schule, auf der sehr viele "höhere Töchter" unterwegs waren, die dann halt mal zum 18. ne New York-Reise bekommen haben. Eifersüchtig? Nein, war ich nicht. Hab ich sie ein Stück weit verachtet und mich als was Besseres gefühlt? Ja, hab ich. Weil ich ehrenamtlich/politisch engagiert war, Vegetarierin, whatnot. Weil ich mehr über Dinge nachgedacht habe als "die".

    Heute mach ich das nicht mehr, das "mich als was Besseres fühlen". Ich zähle solche Menschen nicht zu meinen Freunden, weil unsere Lebenswelten auseinander klaffen und sie mir meistens auf die Nerven gehen. Wir haben schlicht keine gemeinsamen Themen, weil ich immer noch politisch engagiert bin yaddayadda. Aber ich muss nicht mehr auf sie herabsehen... wenn das ihre Art zu leben ist, dann ist das halt so. Unsere Leben überschneiden sich nicht. Wenn sie jetzt eine Diskussion mit mir anfangen würden, würde ich auch meine Meinung sagen, aber so... Koexistenz.

    Das ist halt vermutlich das Leid der Schule (und der Zeit nach der Schule): Da kann man sich die Leute halt nicht aussuchen. Im Studium - je nach Fach - ist man schneller mit Leuten in Kontakt, die so ticken wie man selbst. Ich landete nach einigen Irritationen in der Sonderpädagogik, und siehe da, plötzlich war ich umgeben von Menschen, die ähnliche Werthaltungen hatten. Das war deutlich angenehmer.

    Es hat für mich auch auf den zweiten Blick wenig gemein, außer dass beide Gruppen für mich zu den "Freunden der Realität" zählen. Wobei ich diese zweite, von dir beschriebene Gruppe gar nicht so richtig fassen kann. Ich verstehe darunter eher so die "Ich bin kein Rassist, aber..."-Fraktion oder halt Egoisten, die dem Wort nach gerne menschenfreundlich sind, wenn es dann aber um Handlungen geht, dann geht man selbst halt grundsätzlich vor.
    Das ist kein Problem deiner Generation - wobei ich das Kernproblem noch nicht ganz sehe, Unsympathen gibt es immer und überall, Menschen die keine zehn Meter weit denken wollen obwohl sie es könnten ebenso - also: Was genau empfindest du als "Problem"?

    Ich würde dieses "sich selbst suchen" auch ehrlich gesagt nicht so abwerten. Ich war in meiner Unizeit, dann mit den finanziellen Mitteln die ich vorher nicht hatte, auch im Ausland. Ich hatte Phasen in denen es mir derbe beschissen ging, das Reisen hat dabei geholfen, wieder zu mir zu kommen. Ich bin tausend Mal umgezogen und wusste nicht, wo ich am Ende landen will. Mein Lebenslauf ist alles andere als lückenlos, aber ich bin jetzt da, wo ich bin, und das macht mich glücklich. Dabei hatte ich bis zum Berufseinstieg nie viel Geld und musste immer sparsam haushalten, grade zu Studienzeiten. Reich bin ich immer noch nicht, aber ich hab jetzt mehr als genug zum Leben (mit Kind muss ich mal gucken, wie gut es reicht...).

    Ich frage mich einfach, worin du wirklich ein Problem siehst.
    Ist es die Dimension, dass Armut auch durch Reichtum erzeugt wird? (Dann müsste man sich aber fragen, wo man sinnvoll ansetzen kann und das nicht an Einzelpersonen festmachen.)
    Ist es schlichtes Genervtsein vom Verhalten der Anderen?
    Ist es dein eigener Frust, der sich aus irgendwelchen Gründen da niederschlägt?
     
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    7 April 2018
    #8
    Vielleicht sind sich die Leute das ja? :zwinker: Ob jemand Ersparnisse hat, von wohlhabenden Eltern unterstützt wird oder einfach zu Verzicht bereit ist, um sich an anderer Stelle was zu gönnen, kann dir als Außenstehendem doch egal sein. Ich finde es auch etwas vermessen, dass du meinst, in deinem Umfeld wärst du der einzige, dem klar ist, dass Privilegien nicht selbstverständlich sind. Der Unterschied, den du zwischen deinem nicht selbst bezahlten Auto und den nicht selbst bezahlten Reisen anderer machst, ist ziemlich willkürlich, und dass du den Menschen absprichst, Entscheidungen zu treffen, nur weil sie nicht die treffen, die du für richtig hältst, ergibt auch nicht so richtig Sinn. Wieso sollte es kein "bewusstes Handeln" sein, einen Aushilfsjob zu kündigen, um etwas anderes zu machen?

    Da du anscheinend gern an die Zukunft denkst: Wie viele ältere Menschen kennst du, die sich rückblickend wünschen, sie hätten härter geschuftet und sich mehr "selbst verdient"? Und wie viele, die sich wünschen, sie wären mehr gereist und hätten sich etwas weniger Druck gemacht? Also in meinem Umfeld sind die Quoten da sehr unterschiedlich.
    Gegenwärtig junge Menschen haben in einem reichen Land wie Deutschland eben mehr Möglichkeiten, auf ihre Work-Life-Balance zu achten, als es kurz nach dem Krieg der Fall war, das ist nur logisch. Für mich ist das eine positive Entwicklung, die zu weniger Reue auf dem Sterbebett führen würde, wenn man sie konsequent durchzöge. Dass man davon noch weit entfernt ist, Politik und Wirtschaft verkorkst sind und man kaum davon leben kann, einem für die Gesellschaft dringend notwendigen Beruf nachzugehen, ist eine vollkommen andere Baustelle, für die die Selbstgeißelung einzelner im Namen der harten Arbeit aber auch keine Patentlösung ist.
    Auf mich wirken deine Beiträge, als würdest du dir unbedingt selbst etwas beweisen wollen. Ob du dir für einen Job den Arsch aufgerissen oder ihn durch Vitamin B nachgeworfen bekommen hast, wird in einigen Jahren aber niemanden mehr interessieren, ob dir das passt oder nicht. Da erscheint es nur rational, dass jeder Mensch die Möglichkeiten, die er persönlich hat, auch ausschöpft (idealerweise, solange das nicht auf dem Rücken anderer stattfindet).

    Political Correctness ist nochmal ein völlig anderes Thema, das meinen Eindruck, dass du hier einfach ein wenig dein hohes Ross Gassi führen möchtest, nur zementiert.
    Mit zweierlei Maß zu messen ist natürlich nie gut oder intelligent, aber wenn eine Frau sich diffus unwohl fühlt und wegsetzt, wenn ein Migrant in die Bahn einsteigt, ist mir persönlich ja lieber, ihr ist bewusst, dass sie sich da gerade irrational und vorurteilsbehaftet verhält und Rassismus scheiße ist (nachdem das ein paarmal passiert ist, fühlt sie sich ja vielleicht auch nicht mehr bedroht), als wenn sie sich dann zu Hause ins AfD-Forum einloggt und postet, sie sei beinahe von einem dieser Flüchtlinge vergewaltigt worden. Wenn es um Stumpfsinn geht, ist Konsequenz halt nicht automatisch der bessere Weg.
     
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    7 April 2018
    #9
    Was das Weggehen nach dem Abi angeht ... ich war nicht weg, hab gearbeitet, ein Jahr lang. Fand ich das gut? Ja, ich hab (zumindest am Anfang) die richtige Stelle bekommen. Das hat mir verdammt viel gebracht, bisher noch nicht so sehr nach außen, aber innerlich wäre ich wohl ohne all diese Erfahrungen von meinen Träumen noch viel weiter weg.
    Dennoch kann ich aber auch die verstehen, die erstmal was von der Welt sehen wollen! Ich hab auch gemerkt, nach den ersten zwei Monaten Arbeit, als ich noch ein paar Wochen mit meinen Eltern im Urlaub war, wie gut mir das getan hat! Für mich ging es am Montag nach dem Abiball mit der Arbeit los, da war kaum Zeit, zu verschnaufen.

    Ich verstehe aber nicht, warum du das so verurteilst. Ich finde, solange es nicht auf Kosten anderer geht, ist es das wichtigste im Leben, dass man glücklich ist mit dem, was man tut. Und wo ist es auf Kosten anderer, zu vereisen? Egal, ob man sich das Geld dazu selbst verdient hat oder ob es die Eltern spendieren?
    Ich hab meinen zweiten Job auch hingeschmissen. Nicht nach drei Tagen, aber nach drei Monaten - von denen ich einen krank war. Warum? Weil es die richtige Entscheidung war. Natürlich sollte man darüber nachdenken, sich der Konsequenzen bewusst werden. Aber ich denke, dass sind sich schon viele junge Menschen - und die anderen sammeln Erfahrungen für die Zukunft.

    Was Rassismus angeht, ist das etwas, was mir einfach unverständlich ist. Ich kann das nicht nachvollziehen! Von den Flüchtlingen, die ich kennenlernen durfte, könnten sich viele Deutsche noch eine Scheibe abschneiden.
    Natürlich gibt es schwarze Schafe - die gibt es überall. Aber deswegen sollte man nicht alle verurteilen.
    Ist deshalb jeder, der in gewissen Maße rassistisch handelt ein schlechter Mensch? Nein. Wer definiert überhaupt Rassismus?
    Gerade wenn es Diskussionen um Begrifflichkeiten gibt, wird, wie ich finde, auch oftmals übertrieben. Es werden teils Begriffe verurteilt, die die meisten betroffenen gar nicht als schlimm empfinden.
    Aber viele, die rassistisch denken, tun das, weil sie es denke ich nicht besser wissen. Und solange daraus anderen kein realer Schaden entsteht, ist das eben so. Und macht sie nicht zu schlechten Menschen.
     
  • froschteich
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    7 April 2018
    #10
    Ich verstehe nicht, warum das nichts zur Sache tut. Ich hab auch sicherlich nicht hart gearbeitet, sondern gerne mal was hingeschmissen, um mein Leben mehr zu genießen. Was da jetzt der Unterschied zwischen meinem Verzicht und des Lebens mit dem Geld der Eltern ist, verstehe ich ehrlich gesagt nicht.
    Ich hab sicherlich sehr, sehr viel mehr den Wert des Geldes gekannt und geschätzt - aber fleißiger war ich deswegen trotzdem nicht :grin:

    Auch später nach dem Studium hab ich nur Teilzeit gearbeitet und mich immer grad so über Wasser gehalten, dafür hatte ich verdammt viel Freizeit und einen großartigen Job. Ob da jetzt irgendwer über mich lacht, weil er das Vier- bis Zehnfache verdient, war mir ziemlich egal - Geld ist ja nicht alles im Leben.
     
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  • VersatileGuy
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    7 April 2018
    #11
    Interessanter Punkt, ich kann es dir nicht sagen. Eigener Frust? Ich würde sagen eher weniger.

    Genervt zu sein würde es eher treffen.

    Meine ich garnicht. Mit vielen dieser Leute habe ich nichts mehr gemein. Die, die geblieben sind ticken da aber durchaus ähnlich wie ich.

    Und das hat mich gerade zum Nachdenken angeregt. Ich habe das Gefühl, das trifft den Nagel gerade auf den Kopf. Mir fehlt gerade die Zeit für einen längeren Beitrag, deshalb fasse ich mich kurz.

    Dass ich mir etwas beweisen will kann gut sein. Wenn ich etwas zurück denke, finde ich das hier und da wieder. Zum Beispiel mag ich Sportarten, bei denen man sich selbst fordert mehr als Teamsportarten.
    Irgendwie dränge ich zur Zeit darauf, mich zu optimieren.

    Sei es beim Sport, beruflich, etc. Ich treibe mich gerade wirklich an.
    Am besten, ich schalte mal einen Gang zurück. Da kommt der Frühling gerade recht.

    Danke für die Beiträge, auf die ich jetzt gerade nicht eingegangen bin.

    Rückblickend liest sich der Beitrag wirklich abgehoben.
    Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich irgendwo vermutlich etwas unsicher, und will mir deshalb etwas beweisen.

    Wobei ich sonst eher das Gegenteil von mir behaupten würde.

    So betrachtet ist der Thread wirklich aus Genervtheit (gibt's das Wort?) entstanden gestern, das mit dem Rassismus wollte ich garnicht so anreißen.
     
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    7 April 2018
    #12
    VersatileGuy für mich denkst du einfach etwas arg in schubladen - und das ist dein gutes recht in deinem jungen alter, denn schubladendenken macht das leben, was grade in dieser umbruchzeit sowieso scheisse kompliziert ist, wenigstens etwas einfacher.

    der punkt ist: andere mögen anders sein, dinge anders machen als du es für gut und richtig hälst, aber sie sind deswegen nicht zwingend besser oder schlechter. ich kann nicht behaupten, dass ich da nicht selber noch drauf reinfalle :zwinker:, aber diesen gedanken hin und wieder mal hervorzuholen tut durchaus gut - nämlich im miteinander mit anderen menschen.


    vorhin erst wieder stand ich mit einem jungen mann an einer bushaltestelle - und der hat sich die zeit damit vertrieben, ameisen totzutreten. ich dachte so "du beschissenes kleines arschloch!" - denn für mich ist jemand, der aus spaß andere lebewesen quält oder tötet, genau das - und hätt ihm am liebsten eine gescheuert, eben aus meinem urteil heraus. aus "du bist schlecht, du hast es nicht anders verdient!".

    stattdessen hab ich ihn angelächelt und meinte "kann ich dich mal was fragen?" - "klar?" - "würde es dir spaß machen, wenn ich dich tottreten würde?" - große augen: "nein!" - "und warum machst du das dann mit den ameisen? denen macht das auch keinen spaß." - "oh..." - und er schaute betreten und ließ es tunlichst sein, achtete dann sogar drauf nicht auf die ameisenstraße zu treten.


    der vergleich den ich damit ziehen will: das schubladendenken, das unterteilen und gut und schlecht, ja, das macht das leben einfacher - auf den ersten blick. wenn man es sich aber leisten kann sollte man schon schauen, auch einen blick drüber hinaus zu werfen und zu verstehen, dass andere menschen einfach andere blickwinkel haben, vielleicht nicht alles so arrogant oder scheisse gemeint ist, wie es wirkt.

    vermutlich hat der junge mann nie dadrüber nachgedacht, dass ameisen auch lebewesen sind - und vermutlich hätte ich ihn mit genügend gewalt daran hindern können, damit in meinem beisein weiterzumachen, aber mit sicherheit hätte er später voller frust und wut an die situation gedacht und es noch viel mehr getan. das wäre entgegen meinem ziel gewesen.


    genauso ists eben auch im menschlichen umgang generell: wenn man das gegenüber einfach mal als mensch sieht, nicht schon urteilt bevor man ihn kennt oder mal nachgefragt hat, dann macht das das leben für alle beteiligten angenehmer - und es führt viel öfter zum ziel.

    nehmen wir dein beispiel:
    aus deinem kommentar spricht etwas wie verachtung - und das kann ich auf den ersten blick sehr gut verstehen, ist auch meine erste reaktion. aber: hast du sie mal gefragt, warum sie das getan hat? vielleicht hatte sie gute gründe, die du nicht kennst. vielleicht hat sie einfach nicht drüber nachgedacht und könnte einen gedanklichen anstubser brauchen - menschen entwickeln sich auch nicht von alleine.


    vielleicht, ganz vielleicht, müsstest du "freundin" jetzt nicht in anführungsstrichen schreiben, wenn du nicht geurteilt sondern gefragt hättest.
    mit sicherheit aber wärest du weniger genervt und angepisst über deine mitmenschen, wenn du weniger urteilen und in schubladen stecken würdest. du musst deswegen ja nicht jeden gern haben - das ist ohnehin unmöglich - aber es macht das leben letztlich etwas angenehmer und einfacher :smile:

    durch das urteilen macht man es sich selber unmöglich, das gegenüber vielleicht doch zu verstehen - nicht zwingend die meinung zu teilen, aber wenigstens zu verstehen - und ständig so viel "angepisstheit" mit sich rumzutragen tut einem selber auch nicht gut.
     
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