• v69m
    Gast
    0
    8 Juli 2004
    #21
    Jemand ohne Verstand und nur mit Gefühlen wäre ein Tier. Das will ich auch nicht sein.

    Wenn man lang genug über den Verstand nachdenkt, kommt man (zumindest ich) zu den Schluss, dass der Verstand auf einer hohen Reflexionseben mit dem Gefühl (oder bestimmten Gefühlen) identisch ist.
     
  • v69m
    Gast
    0
    8 Juli 2004
    #22
    Mal ne blöde Antwort: Ja, vielleicht sogar in Reinstform :tongue:
     
  • starlight_1987
    Verbringt hier viel Zeit
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    91
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    vergeben und glücklich
    9 Juli 2004
    #23
    Vielleicht solltest du einfach mal aufhören hochgeistige Theorien aufzustellen und anfangen zu leben. Ich meine, klar, Genie und Wahnsinn liegen oft nah beieinander. Du scheinst dich den ganzen Tag über in phantastischen Hypothesen zu verstricken (wie du schon sagtest: "Utopist") und versteckst dich hinter hohlen Phrasen. Du bist mit Sicherheit intelligent und belesen, wahrscheinlich hast du Freud und Jung verschlungen.
    Aber Leben ist nicht theoretisch, und manche noch so logische, verstandsmäßige Vorstellung erweist sich in der Praxis als falsch...
    Mal ganz davon abgesehen, dass du dir mit Vehemenz selbst widersprichst: Anfangs heißt es, Gefühle wären anerzogen, andererseits siehst du gefühlsbetonte Menschen als Tiere... Konsequente Logik, da hat dein Verstand ja Richtungsweisendes ausgebrütet.
    Und natürlich entstehen Bedürfnisse im Wechselspiel miteinander. Denn nicht nur du (Bedürfnis: Hunger) möchtest das Wurstbrötchen vor dir essen, nein, es möchte natürlich rückbezüglich auch von dir gegessen werden... Klingt doch einleuchtend. Manchmal muss man seine Gedanken auch zu Ende denken, besonders, wenn man den ganzen Tag eh nichts anderes macht.
    Von deinen Gedanken wird die Welt nicht besser... Also nehm' sie, wie sie ist, wir leben nun mal nicht in Sir Thomas' Utopia. Du hast schließlich die Wahl, willst du leben mit allen Konsequenzen, willst du fühlen mit allen Konsequenzen - von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt, denn erst unsere Emotionen machen uns lebendig, lassen uns spüren, dass wir leben.
    Oder willst du dein Leben lang nachdenken, die Gefühle ausschalten, in einem lauen Brei aus weder Glücklich-, noch Unglücklichsein herumdümpeln und nebenbei hirnverbrannte Theorien aufstellen, die nichts ausrichten, nichts verändern.
    Hast du dir schon mal überlegt, was von dir bleibt, wenn du mal nicht mehr bist? NICHTS! Du wirst vergessen, dein "Lebenswerk" an verzerrten und wirklichkeitsfernen Vorstellungen wird vergessen, du wirst nichts verändert, geprägt oder weiterentwickelt haben...
    Wenn du doch der große Denker bist, hast du dann den Sinn des Lebens hinterfragt? Siehst du ihn wirklich in deinem "Lebens"-Stil?
    Dein Problem ist nicht Sex oder Scham vor sexuellem Verlangen. Dein Problem ist reine, nackte Angst - Angst vor dem Leben; Angst, davor Gefühle zuzulassen, Fehler zu begehen und dann auf die Schnauze zu fallen. Aber grade das bedeutet es zu leben, zu fühlen...
    Auch ich habe früh bemerkt, dass diese Welt (um bei deinen Worten zu bleiben) ein unmenschlicher Ort ist. Und natürlich steht es dir frei, dich aus ihr zurückzuziehen und irgendwelchen Hirngespinsten nachzuhängen. Nur Erfüllung wirst du auf diese Weise nicht finden. Ich war auch eher introvertiert, einzelgängerisch, las viel und dachte vor allem viel nach und mir ging es dabei weder gut, noch schlecht... aber "so lala" reicht nun einmal nicht. Es ist nicht so, dass ich dann den Verstand völlig abgeschaltet hätte, die Mischung macht's. Heute kann ich von mir behaupten unglaublich glücklich zu sein, weil ich in einer wichtigen Entscheidung meinem Gefühl und nicht meinem Verstand vertraute. Und selbst wenn sich diese Entscheidung im Nachhinein als falsch herausstellen sollte, bleibt mir doch die Erinnerung an eine wunderschöne Zeit.

    Was bleibt dir?
    Denk' (welche Ironie!) darüber nach!
     
  • Einsamer18
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    nicht angegeben
    9 Juli 2004
    #24
    Respekt sehr interessantes Thema !

    Und besonders sehr interessantes Gerede hier !

    -Hab nix mehr hinzuzufügen fühle mich einfach geistig überfordert hier noch einen drauf zu setzen ! -

    Stimme meinem vorredner zu ! :anbeten:
     
  • Tupac
    Tupac (32)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    9 Juli 2004
    #25
    hatte auch einen traum in diesen traum haben ich erfahren können was mir im wahren leben fehlt im leben fehlt es mir
    im traum hab ich es
    das schmerzt total
    man(n) fühlt sich so unbedeutend
     
  • v69m
    Gast
    0
    9 Juli 2004
    #26
    Erst mal vielen Dank für Deinen Beitrag. Es ist schon 15 Jahre her, dass ich das zuletzt in der Deutlichkeit gehört habe.

    Ich müsste also meine Theorien anpassen an die Praxis, d.h. nicht an etwas Naturgegebenes, sondern an etwas Menschengemachtes. Wenn ich in meinem Leben etwas erreicht habe, dann ist es, dass ich mich so wenig wie möglich angepasst habe, das macht mich aus, das bin ich. Über Anpassung habe ich vor ca. 20 Jahren zuerst ausführlich nachgedacht im Zusammenhang mit dem anderen Geschlecht. Ich bin damals zu der Einsicht gelangt, dass das Aufbegehren der Jugend durch den Geschlechtstrieb kanalisiert wird. Ich habe mich nicht zähmen lassen. Z.B. hatte ich mir überlegt, ob ich Werbung für mich machen soll, sprich mich von meiner besten Seite darstellen. Ich habe es nicht gemacht und lehne bis heute Werbung in jeder Form ab. Das bin auch ich.

    Ich glaube wir reden aneinander vorbei. Ich hatte gemeint, dass es naturgegebene Gefühle gibt wie Hunger, und auch anerzogene, wie 'Liebe'. Wenn ich nur meinen Gefühlen folge, dann bin ich ein Tier, das seinem Instinkt folgt (Hunger), oder ein dressiertes Tier ('Liebe', da muss ich allerdings jetzt sagen, was ich damit meine: das Beziehungsdenken im Speziellen).

    Das Wurstbrötchen ist ein gutes Beispiel: Mit einer vegetarischen Erziehung käme ich gar nicht auf die Idee, das zu essen. Mein Bedürfnis nach Wurstbrötchen wächst oder schwindet durch das Wechselspiel mit meinen Mitmenschen (nicht mit dem Brötchen selbst :smile: ). Es gibt allerdings auch Bedürfnisse, die nicht anerzogen sind (Grundbedürfnisse), z.B. das Bedürfnis nach Nahrung allgemein, oder nach Wasser.

    Das nenne ich Resignation.

    Ich habe schon zu viel nachgedacht. So ein normales Leben wäre nicht nur schnell langweilig, sondern ich würde mir wie ein Schauspieler auf einer Bühne mit der Überschrift "Leben" vorkommen. Ich würde mich beobachten und das "Leben" als Illusion entlarven. Ich glaube daran, dass es ein wirkliches Leben hinter den Kulissen gibt, dazu muss man aber die Bühne als solche erkennen und das sogenannte Leben, das ein Kompromiss aus Menschlichkeit und 'wirtschaftlichem Handeln' ist, verweigern.

    Das mit dem glücklich/unglücklich sein ist bei alten Menschen übrigens nciht mehr so ausgeprägt... ich habe gewissermassen die Jahre 15-75 meines Lebens schon übersprungen.

    Es stimmt, dass meine Theorien wenig Wirkung haben, aber sie aufgeben hiesse mich selbst aufgeben. Das kann ich natürlich nicht ausschliessen, denn auch ich bin nur ein Mensch.

    Ich lebe bewusst als Gast in dieser Gesellschaft. Ich will gar nicht, dass etwas von mir zurückbleibt, ausser ein paar Zeilen Text. Besser wäre natürlich eine andere Gesellschaft, aber da müssen auch andere mitmachen. Das Leben hat keinen Sinn, ausser einfach wirklich zu leben, aber das was heute so genannt wird, ist weit davon entfernt. Es gibt also noch viel zu tun.

    Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren. Die Frage ist aber, wofür man kämpft. Ich will ein anderes, ein wirkliches Leben.

    Sollte ich einmal in die Situation kommen, dass ich am Ende meines Lebens Bilanz zu ziehen habe, werde ich mich darüber freuen, dass ich mir selbst treu geblieben bin, sofern mir das auch weiterhin gelingt.
     
  • SottoVoce
    SottoVoce (37)
    Sehr bekannt hier
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    9 Juli 2004
    #27
    Ich glaube nicht, dass Liebe oder Gefühle (ich meine damit nicht Instinkte, denn Essen und Trinken sind Urinstinkte!) anerzogen sind. Denn dann gäbe das Experiment, bei dem vor einigen hundert Jahren diverse Kinder starben, gar keinen Sinn! Sie sind gestorben, weil sie keine Liebe erfahren haben. Das waren Säuglinge! Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das anerzogen war!

    WAS hast Du denn erreicht? Du bist 35. Du verrennst Dich in Gedankengängen, die allesamt ins Nichts führen. Du fühlst, dass etwas fehlt, dass da irgendwo noch etwas anderes, mehr sein muss. Du hast vielleicht ein ausgewogenes gesellschaftliches Leben und einen Job, den Du magst. Aber Du bist nicht glücklich. Ich frage mich ernsthaft, wieso so ein Leben lebenswert sein sollte!

    Du verwechselst Instinkt (Essen, Trinken, Wärme suchen, wenn es draußen friert) mit Gefühlen, die die Wärme von innen schaffen (Glück, Liebe, das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu können, Geborgenheit). Die negativen Gefühle gibt es eben auch (Trauer, Ärger oder sogar Hass), aber ohne sie gäbe es ihr Gegenteil (die positiven Gefühle) ja auch nicht! Und dem Mensch wurde Vernunft und ein Verstand gegeben, um aus seinen Gefühlen die niederen Triebe herausfiltern zu können. Daran, Gefühle zu haben, ist nichts schlecht oder falsch. Falsch ist es, sie uneingeschränkt auszuleben!

    Niemand hat verlangt, dass Du Dir untreu wirst und auf einmal etwas zu "spielen" beginnst. Um Dein Leben leben zu können, musst Du davon überzeugt sein. Du musst es wollen!

    Jetzt tust Du mir Leid. Du bist vom Kind zum Opa geworden - was meines Erachtens völlig Unsinn ist. Ich stimme starlight in der Hinsicht vollkommen zu, dass Du einfach Angst hast!!!

    Jetzt würde mich wirklich noch interessieren, wie Dein Leben dann aussehen sollte. Ich weiß, dass diese Gesellschaft wirklich nicht das wahre ist, dass verschrobene Ansichten herrschen und dass die Moral und das Verhalten alles andere als astrein sind. ABER Du lebst nun einmal auf dieser Welt. Wenn Du hier nicht sein möchtest, frage ich mich, warum Du es noch bist (sorry, hart aber wahr). Man überlebt (nicht im wörtlichen Sinne) nun einmal nur mit einem gewissen Maß an Anpassung!
     
  • User 12529
    Echt Schaf
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    in einer Beziehung
    9 Juli 2004
    #28
    instinkte und gefühle sind nicht dasselbe... abgesehen davon sind wir menschen genauso säugetiere wie ein grossteil der tierwelt.
    würde den unterschied zwischen instinkt und gefühlen auch so definieren, wie sotto es getan hat.

    ich glaube, bei dir ist etwas falsch gelaufen.

    ich finde deine theorie -sorry- total krank.

    du machst dir doch selber das leben zur hölle, wenn du keine gefühle zulässt. menschen haben nunmal genauso gefühle und instinkte wie andre säugetiere auch (ich bezweifle, das insekten gefühle haben, aber instinkte haben sie.) instinkte sind lebensnotendig,ohne instinkte würde es keine form von leben mehr geben denke ich (in der pflanzenwelt vielleicht schon noch, weiss jett seber nicht, ob zb blumen ihren blüten wegen nem instinkt öffnen wenn die sonne scheint oder als reflex, oder ob reflexe und instinkte dasselbe sind).
    instinkte sind angeboren. egal ob mensch oder tier-man sucht instinktiv nach nahrung,wärme und licht. ohne dieses würe man sterben. was ist an instinkten so falsch?

    was ist deiner meinung nach an gefühlen so schlimm? nur weil sie verletzlich machen können und man auf die schnauze fliegen KANN? weil man sich gegenüber anderen mehr öffnet?

    warum ist ein leben ohne gefühle zuzulassen deiner theorie nach (wenn ich das richtig verstanden hab) besser als eines, indem gefühle zugelassen werden?

    ich würde nicht mit menschen leben können, die keine gefühle offenbaren geschweige denn zulassen. würde solche menschen nicht als ehrlich gegenüber ihren mitmenschen bezeichnen. sie verstellen sich ja total...

    ich verstehe nicht, wie man ein solches leben wie du es führst als erfüllend bezeichnen kann.
     
  • Sternschnuppe_x
    Benutzer gesperrt
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    Single
    9 Juli 2004
    #29
    Ich hab mir das alles hier jetzt zu einem großen Teil durchgelesen. Und ich respektiere jede Welt- und Lebensauffassung, das muß jeder selbst wissen, wie er leben und glücklich werden möchte.
    Nur - ich finde, man kann es sich auch unnötig schwermachen! Sorry, aber so wirkt das auf mich! Du versuchst, auf Teufel komm raus, "anders" zu sein als alle anderen, und hast damit das Gefühl, ein "besseres", "wertvolleres" Leben zu führen. Für mich klingt das etwas arrogant, allein schon die Tatsache, daß du - teilweise - regelrecht "stolz" darauf zu sein scheinst, noch Jungfrau zu sein (was meiner Meinung nach nichts ist, was einen Menschen ausmacht). Du hast dich meiner Meinung nach so sehr in irgendwelche hochgeistigen Theorien verrannt, daß du vor lauter Heiligenschein das Leben nicht mehr siehst. Manchmal führen Theorien auch einfach NICHT zu Erleuchtung - sondern nur in eine Sackgasse.

    Ist nicht beleidigend gemeint, ist nur meine Meinung, und ich find's einfach schade, daß du nur aus irgendwelchen Idealen heraus bzw. aus irgendeiner Trotzreaktion ("Ich mache diese Welt/Gesellschaft nicht mit!") dein Leben wegwirfst. Denn du kannst mir nicht erzählen, daß du SO glücklich bist!
     
  • User 11753
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    9 Juli 2004
    #30
    Wie kann denn das, was "die Gesellschaft" macht, ein Grund dafür sein, dass dir etwas, was du möchtest, nicht gelingt? Sonst sagst du, du hasst Anpassung, wenn alle etwas SO machen oder SO sehen, siehst DU es mit Fleiß gerade andersherum, und hier lässt du dich von gesellschaftlichen Sichtweisen beeinflussen?

    Deine eigenen Bedürfnisse magst du ja vielleicht in einem gewissen Rahmen noch steuern können (wobei ich eher denke, dass man sich leichter die Erfüllung eines Bedürfnisses versagen als die Entstehung eines Bedürfnisses vermeiden kann), aber umgekehrt funktioniert das ja nun wirklich nicht. Sie soll erst mit dir schlafen wollen, wenn du es auch willst? Wie willst du das denn steuern? Willst du vorher eine Regel aufstellen, nach der das Bedürfnis einer Frau nach Sex mit dir und dein entsprechendes Bedürfnis sich entwickeln soll, und wie willst du sie dazu bringen sich an diese Regel zu halten? (Die Frage nach dem Wieso will ich gar nicht erst stellen ...)

    Welche Bedingungen sind der Umsetzung welcher Ideale hinderlich?
    Ansonsten halte ich es für weitaus wahrscheinlicher, dass an deinen Idealen was Entscheidendes nicht stimmt, wenn die Bedingungen sich gar so hartnäckig weigern, sich ihnen anzupassen.

    Gern geschehen, sind interssante Themen und du bist echt ein harter Brocken :tongue:
     
  • CassieBurns
    Verbringt hier viel Zeit
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    1
    Verheiratet
    9 Juli 2004
    #31
    :grin: Also für mich ist der Fall damit erledigt, ich hatte schon mal ähnliche Themen in einem persönlichen Gespräch mit jemandem wie dir und habe es nicht geschafft, diesen davon zu überzeugen, auch mal Gefühle zuzulassen. :frown:

    Da wird es in einem Forum sicher noch viel weniger möglich sein.
     
  • v69m
    Gast
    0
    10 Juli 2004
    #32
    Ich behaupte ja nicht, dass (jede Form von) Zuneigung anerzogen ist. Mir geht es speziell um den beziehungstechnischen Aspekt von 'Liebe'. Mir ist z.B. völlig unverständlich, wie man einen Vogel lieben kann und ihn in einen Käfig sperrt, statt ihn frei fliegen zu lassen. Auf Menschen übertragen heisst das, sie sind im gleichen Käfig, aber weil sie sich lieben, vergessen sie den Käfig. Sie sind immer noch gefangen, aber fühlen sich frei. Trotz aller Utopien bin ich Realist und möchte lieber frei sein als mich frei zu fühlen.

    Was mich am 'Leben' hält? Der Widerstand gegen das falsche Leben, und nicht die Illusion des richtigen Lebens.

    Das Gefühl der Geborgenheit kenne ich. Wenn ich hilflos im Krankenhaus liege und weiss, dass andere mir Gutes tun wollen, dann ist das ein gutes Gefühl. Aber ich verlasse mich da nicht nur auf mein Gefühl, sondern überlege mir auch, unter welchen Bedingungen die Krankenschwester arbeiten muss, und inwieweit ich ihr vertrauen kann. Das Grundvertrauen, dass sie meine Gesundheit will, stelle ich erst mal nicht in Frage, das ist Gefühlssache.

    Etwas ganz anderes ist das allgemeine Geborgenheitsgefühl in dieser Gesellschaft. Das beruht nicht auf einem Grundvertrauen von Mensch zu Mensch, sondern ist anerzogen. Ich habe dieses Gefühl nicht.

    Auf gesellschaftlicher Ebene sind negative Gefühle z.B. Nationalismus oder Fremdenhass. Nach Deiner Theorie ist nichts schlecht daran, diese Gefühle zu haben, man muss sie nur unterdrücken...

    Ja natürlich passe ich mich an, aber nur insoweit wie es nötig ist und soweit es mein Verstand verantworten kann. Ich kannte Leute, die sich zu sehr auf diese unmenschliche Welt eingelassen haben und dann mit Mitte 30 aus dieser Welt gegangen sind. Auch wenn ich derzeit etwas mutlos bin, das einzige was mich am 'Leben' hält, ist mein Widerstandswille. Ich habe rein probehalber auch schon mal versucht, ein normales, unbekümmertes 'Leben' zu führen, mit normalen Freizeitaktivitäten und so. Das geht auch, solange ich es nur als Schauspielerei betrachte. Aber sobald andere Menschen dabei sind, will ich ihnen nichts vorspielen, und ziehe mich zurück, weil ich ihre Unbekümmertheit nicht teilen kann.

    In einer Welt wie ich sie mir wünsche gibt es diese Unbekümmertheit, weil der ständige Grund zur Besorgnis fehlt. (Ich würde jetzt meine Identät preisgeben, wenn ich mehr über diesen Grund sagen würde. Ich bitte um Verständnis, dass ich das nicht tue.)
     
  • v69m
    Gast
    0
    10 Juli 2004
    #33
    Ich kann Dich beruhigen, ich bin im Alltag ein ganz Netter. Aber sobald es ums Nachdenken geht, bin ich ein Brite, der in Deutschland Auto fährt, also ein Geisterfahrer :smile:

    An Instinkten ist nichts falsch, denn die Situationen, die sie auslösen, sind ja steuerbar. (Wenn z.B. der Tötungsinstinkt spontan ausbrechen würde, fände ich das allerdings schlimm.)

    An Gefühlen ist auch nichts schlimm, solange sie mit dem Verstand einhergehen. Wenn der Verstand fehlt, werden die Gefühlen von anderen erzeugt, z.B. von Werbefachleuten, die sich ihres Verstandes bedienen, um bei Dir Gefühle und Bedüfnisse zu wecken. Diese Manipulation finde ich schlimm.

    Du hast mich falsch verstanden. Ich will Verstand und Gefühle zusammenbringen. Dann könnte man sagen, es gibt weder Verstand noch Gefühle, oder man könnte sagen es gibt beides, aber in Wirklichkeit gibt es nur noch eins, wie immer man es nennt.

    Wenn ich Gefühle ausdrücken würde, die mein Verstand schon als falsch erkannt hat, dann würde ich mich verstellen.
     
  • v69m
    Gast
    0
    10 Juli 2004
    #34
    Auf meine Jungfräulichkeit bin ich keineswegs stolz. Allerdings auf das, was damit zusammenhängt: Ich habe mich nie mehr als objektiv nötig verbogen, in eine Rolle eingefügt, Werbung für mich gemacht, ... Stolz ist im übrigen ein Ausdruck, der falsche Assoziationen weckt. Ich sollte besser sagen, ich habe meine Selbstachtung nicht verloren.
     
  • Kater Brumm
    Verbringt hier viel Zeit
    133
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    0
    vergeben und glücklich
    10 Juli 2004
    #35
    Zurück zu Deinem Traum: In meinen Augen signalisiert er die Peinlichkeit/Schuldgefühle, die Du gegenüber Dir selbst hast, weil Du Dir selber nicht eingestehst, ein sexuelles Wesen zu sein. Mir scheint, Du lebst in einem selbst (von Deinem Verstand) gebauten Käfig. Du solltest ernsthaft mal eine Therapie erwägen. Das soll kein Angriff sein, das meine ich ernst.
     
  • v69m
    Gast
    0
    10 Juli 2004
    #36
    Es gelingt mir erst dann, eine andere Position zu entwickeln, wenn ich sie artikulieren kann. In Bezug auf Liebe und Sex ist das doppelt schwer, weil diese Thema einerseits immer noch tabuisiert wird, und weil ich als jemand, der auf dem Gebiet keine Erfahrung hat, gar nicht ernst genommen werde, oder noch schlimmer: mit mir stimmt etwas nicht, ich bin krank (s.o.). Da ich über diese Thema also kaum rede, bin ich der gängigen Meinung ausgeliefert.

    Nach meiner Theorie entwickelt sich das Bedürfnis nach Intimität mit einer Person nur in dem Masse, wie man die Persönlichkeit kennenlernt, also schrittweise. Das Kennenlernen des Körpers ist ein Teil der Intimität. Die einzige Regel, die dazu nötig ist, ist die Achtung vor der Persönlichkeit des anderen.
    Mit einer Frau, die mich nicht kennt, würde ich nicht schlafen wollen, denn wenn sie mich danach erst kennenlernen würde, würde sie womöglich geschockt sein.

    Es sind gesellschaftliche Bedingungen, die sind leider ziemlich hartnäckig. Und es sind ideale von einer anderen, menschlichen Gesellschaft.

    An dieser Stelle mal allen an der Diskussion Beteiligten herzlichen Dank. Es tut mir gut, darüber zu reden, weil ich das sonst nicht kann.

    @Kater Brumm
    Danke, aber wie CassieBurns schon sagte, das würde bei mir nichts nützen. Das ist so, als ob mir jemand eine Gehirnwäsche verpassen wollte.
     
  • User 11753
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    nicht angegeben
    10 Juli 2004
    #37
    Was meinst du damit, sich zu sehr auf diese unmenschliche Welt eingelassen? "Die Welt" kann sowieso kein einzelner von uns auch nur irgendwie verändern, aber in deiner persönlichen Umwelt kannst du sehr wohl was dazu beitragen, dass die ein "menschliches" Gesicht bekommt. Sich "zu sehr auf diese unmenschliche Welt einlassen und dann betrübt aus dieser Welt scheiden" - weil die sich nicht auf dich einlassen will? - ist mir einfach zu wehleidig.

    Das wär für mich kein Grund zum Leben, jedenfalls nicht auf Dauer. Gerade der "Widerstandswille" braucht doch Nahrung, sonst fällt er irgendwann in sich zusammen.

    Versteh ich dass du deine Identität nicht preisgeben willst, aber wahrscheinlich ist genau dieser Grund zur Besorgnis der Punkt an dem du ansetzen musst und vielleicht der einzige an dem du ansetzen kannst. Sich einfach nur eine Welt in Unbekümmertheit zu wünschen bringt dich nicht weiter, das wäre naiv.

    Aber in diesem Sinne deine Achtung zu erringen, ist für jede Frau komplett unmöglich (sie darf zB nicht religiös sein, muss für deine "feministischen" Ansichten empfänglich sein, und muss auch sonst 100% geistig mit dir übereinstimmen).

    Leider bleibt deine Aussage über die hinderlichen gesellschaftlichen Bedingungen (sicher aus Anonymitätsgründen) zu abstrakt, um sich darüber zu unterhalten. Ich finde das Scheitern an gesellschaftlichen Bedingungen jedenfalls nicht zwangsläufig. OK, wenn dein Gesicht wegen einem Unfall total entstellt ist, wenn du an einen Rollstuhl gefesselt oder blind bist, wenn du dich alleine um ein kleines Kind kümmern musst, wenn du arbeitslos bist, uswusw, dann hast du es schwerer als andere. Aber ich kenne Menschen, die es mit ihrer Einstellung auch in solchen Situationen schaffen, ein zufriedenes Leben mit einer positiven Grundstimmung zu führen. DAS ist die Kunst, nicht das Sichauflehnen gegen Dinge die man durch Protest ganz sicher nicht verändern wird.

    Was ist denn dein Anliegen dabei, wenn du dich mit uns über diese Themen unterhältst?
     
  • CassieBurns
    Verbringt hier viel Zeit
    998
    121
    1
    Verheiratet
    10 Juli 2004
    #38
    Also wenn ich mal ne These aufstellen darf, er möchte sich über seine Gedanken und Gefühle klar werden, aber deshalb seine grundsätzliche Geisteshaltung nicht aufgeben. Das finde ich auch völlig in Ordnung, man sollte niemanden zwingen zu saufen, rauchen oder ficken. :grin:
     
  • v69m
    Gast
    0
    10 Juli 2004
    #39
    Mir auch, ich bleibe da, aber bleibe auf Distanz. Ich könnte z.B. nicht die Nachrichten anschauen und sagen: "Ja, das ist meine Welt." Ich weise die Verantwortung für das, was geschieht von mir, ich lasse mich nicht darauf ein. Wenn man im Kleinen etwas verbessert, beruhigt das nur das eigene Gewissen und vermittelt den Beteiligten im persönlichen Umfeld den Eindruck, dass die Welt so schlecht ja gar nicht ist. - Sie ist es aber.
    Ich habe im Laufe der Jahre auch herausgefunden, wie wirkliche Veränderung auch im Kleinen möglich ist, kann dazu aber :bandit: leider hier nichts sagen, ohne meine Identität preiszugeben.

    Ich habe gekämpft und meine Identität preisgegeben, allerdings meine heilige. Und ich habe verloren. Bisher jedenfalls. Ich habe irgendwann beschlossen, nicht mehr der heilige Märtyrer zu sein, der ich zeitweise tatsächlich war. Jetzt bin ich kein Märtyrer mehr, aber immer noch heilig. (Ich habe diese Märtyrer-Rolle sozusagen beerdigt, aber tote Märtyrer sind ja bekanntlich erst recht heilig. :smile: )

    Es geht mir ja nicht um die Übereinstimmung von statischen Ansichten, sondern um die Offenheit für einen Lernprozess: Beim Kennenlernen des Gegenübers lernt man, warum sie/er so denkt. Solange beide für alle Menschen das Beste wollen, wird sich zeigen, was richtig ist. (Die Punkte, in denen das Beste Geschmackssache ist, können strittig bleiben.)
    Diese Offenheit ist bei jungen Menschen schon selten, im Alter noch seltener.

    Mit widrigen persönlichen Lebensbedingungen oder gar materiellem Elend habe ich zum Glück nicht zu kämpfen, insofern geht es mir eigentlich recht gut. Und doch lebe ich in geistig-emotionalem Elend, nicht weil ich es mir selber so ausgesucht hätte, sondern weil es allen in dieser Gesellschaft so geht, selbst wenn ihnen das gar nicht bewusst wird.
    Solange sich die Menschen dieses Elend nicht eingestehen, wird sich daran auch nichts ändern.

    Reflexion schadet nie. Und für diese Themen hab ich sonst niemand, mit dem ich relativ unvoreingenommen darüber sprechen könnte. (Und einen Anlass hab ich auch, mehr als einen.)
     
  • User 11753
    Verbringt hier viel Zeit
    385
    101
    0
    nicht angegeben
    11 Juli 2004
    #40
    Irgendwie scheint jede Aussage, die die Unterhaltung hier ein wenig weiterbringen würde, mit der Preisgabe deiner Identität zu tun zu haben. Deinem Hang zum Theoretisieren mag das ja entgegen kommen, aber ich glaube, da wird sich die Unterhaltung bald im Kreise drehen :rolleyes2

    Was nützt dir (und anderen) das, vor dem TV zu hocken und über den Satz "Die Welt [was ist DAS eigentlich, "die Welt"?] ist schlecht/ die Welt ist schlecht" zu meditieren? Mag ja sein dass DU nicht dafür verantwortlich bist, dass irgendwo 1000e von km weit weg sich andere Menschen totschießen. Also, dann schau auf das, wofür DU verantwortlich bist. Wenn man im Kleinen was verbessert, beruhigt das in der Tat das Gewissen, und zwar völlig zu recht.

    Der Unterschied zwischen heilig sein und Märtyrer sein ist mir nicht klar. Klingt so als hättest du früher (nach deinen Prinzipien) gehandelt, und nun tust du nicht mal das.

    Das heißt, die Person, die du lieben könntest, müsste sich nicht nur an demselben Ausgangspunkt befinden wie du, sondern sich auch noch absolut parallel zu dir entwickeln? Stell ich mir als ziemlich schwierig vor.

    Das beste für alle Menschen? Das geht nicht. Was für den einen gut ist, kann für den anderen schlecht sein. Was deiner Meinung nach für X das Beste ist, kann aus der Sicht von X von Übel sein. Abgesehen davon dass du "alle Menschen" gar nicht kennst, also gar nicht wissen kannst was für sie das Beste ist. Und was das Beste ist, ist immer Geschmacksache, also wirst du dich mit jemandem, der auch "das Beste" will, ständig darüber streiten.

    Ich finde, dass ALLE in geistig-emotionalem Elend - wie definiert sich das? - leben und bloß zu blöd dazu sind, das zu erkennen, ist eine äußerst anmaßende Behauptung.

    (Aber über den sprichst du natürlich nicht, gell? :zwinker: )
     

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