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  • hi-wie-gehts
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    20 Juli 2016
    #1

    Schwiegermutter hat Krebs und wohnt bei uns

    Hallo,

    ich merke gerade wie lange es mittlerweile schon her ist, dass ich hier irgendwas geschrieben habe. Das hat einen einfachen Grund: ich war glücklich. Jetzt bin ich es nicht mehr.

    Ich werde etwas ausholen: ich bin seit fast 3 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Wir hatten unsere Höhen und Tiefen, haben aber alle möglichen Tiefen gemeinsam überwunden. Wir dachten bis vor kurzem auch ans Heiraten und auch an Kinder. Nun ja, meine Freundin war und ist nicht immer ein besonders offener und psychisch stabiler Mensch. Beispielsweise erträgt sie es nicht, Filme anzusehen in denen jemand gefoltert wird (für mich absolut verständlich) oder jemand ein Todesurteil bekommt (bspw. Diagnose Lungenkrebs in Breaking Bad). Sie tendiert dazu sich hineinzuversetzen und 1:1 das nachzuempfinden, was Leute in Filmen fühlen. Meiner Meinung nach ist das sogar schon krankhaft unnormal. Bei 'Das Leben des David Gale' ist sie psychisch sogar zusammengebrochen bei der Auflösung der Geschichte und hat stundenlang geweint. Ich bin mir sicher, dass das viel mit ihrer Mütter zu tun hat. Diese ist nämlich äußerst stark depressiv. Was da die Gründe dafür waren weiß ich bis heute noch nicht. Sie war bis vor kurzem in psychischer Behandlung. Auch das hat nichts gebracht, nach zig Sitzungen änderte sich trotzdem nichts und der Therapeut ließ sie dann auch irgendwann gehen, da er offensichtlich nichts mehr machen konnte (die Ratschläge wurden offenbar ignoriert). Sie scheint auch so stark antisozial zu sein, da sie sich im Heimatdorf nicht mal einkaufen gehen traut.

    Zurück zu meiner Freundin. Auch sie hat eine Tendenz zu Depressionen. Man kann ihr das auch irgendwie nicht übel nehmen. Ihre Eltern trennten sich als sie 6 Jahre alt war. Ihr Vater starb 2012 als sie 21 Jahre alt war. Sie hat immer wieder ihre Phasen, bei denen sie sich Vorwürfe macht, sie hätte ihren Vater öfter besuchen sollen. 2014 starb dann auch noch ihre Oma, mit der sie auch jahrelang (und mit ihrer Mutter) zusammengelebt hatte. Naja, letztes Jahr im Oktober sind wir nach dem Studium zusammen in eine andere Stadt gezogen, weil wir beide hier Arbeit gefunden hatten. Bis Mai 2016 lebten wir in einer 1-ZKB Wohnung. Uns ging es wirklich gut und wir waren glücklich. Natürlich gab es auch hier depressive Phasen, da sie sich nun Vorwürfe machte, ihre Mütter alleine zu lassen. Jetzt sind wir hier, haben eine wundervolle 2 Zimmer Wohnung. Hatten unseren Urlaub geplant - wir wollten 2 Wochen wegfahren, diese und nächste Woche. Doch es kam alles anders. Wir haben dann unseren Urlaub nochmal verschoben, da ihre Mütter Schmerzen im Unterleib hatte. Sie wollte verständlicherweise bei ihr sein, da es ihr nicht so gut ging. Im alten Heimatdorf wollte die Mutter aber auch nicht bleiben. Also kam sie zu uns und ging auch hier ins Krankenhaus. Montag dann die Diagnose: Gebährmutterkrebs. Inoperabel.

    In letzter Zeit ist uns einfach viel Scheiße passiert. Mein Opa ist vor 3 Wochen gestorben. Meine Mutter hat sich am Knie verletzt, musste auch operiert werden. Bin wochenlang zwischen Heimatdorf und meinem Wohnort hin und her gependelt. Ab dieser Woche sollte alles besser werden und wir sollten uns von dem ganzen Pech erholen. Gemeinsam Urlaub und ausschlafen. Aber Fehlanzeige.

    Ihre Mutter sucht hier jetzt eine Wohnung, weil sie auch nicht mehr zurück will. Sie ist jetzt schon seit fast 2 Wochen hier. Mir fehlt einfach meine Privatsphäre und ein bisschen Zweisamkeit. Bin ich wirklich so egoistisch und so unfassbar böse, dass ich mir das alles wünsche? Ihre Mutter soll jetzt auch Chemo und Bestrahlung bekommen. Da werde ich auch gar nichts mehr von meiner Freundin haben. Auch steckt die depressive Stimmung einfach so stark an. Ich will dass sich das alles ändert. Manchmal frage ich mich auch, warum ich mir ausgerechnet die eine von vielen Frauen ausgesucht habe, die einfach schon so viel Probleme gehabt hat. Ich fühle mich einfach nur schlecht. Schlecht, weil ich mich wie ein Arschloch fühle. Weil ich ein normales und unbeschwertes Leben haben möchte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20 Juli 2016
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  • Tahini
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    20 Juli 2016
    #2
    Wenn ich hier einen guten Rat geben kann, dann diesen: Oftmals beziehen wir unbewusst das, was um uns herum an Schlimmem geschieht, auf uns selbst. Wir haben dann das Gefuehl, es geschaehe, "weil wir es verdient haben" - auf irgendeine nagende Weise hatte ich zumindest dieses Gefuehl immer. Freiheit erlebte ich, als ich rausfand, dass man sich emotional von allem abkoppeln kann, und auch darf. Man ist niemandem verpflichtet, sich schlecht zu fuehlen. Leider machen gerade empathische Menschen das oft falsch, und begeben sich aus freien Stuecken in emotionale Tiefen, die moeglicherweise dunkler und trauriger sind als die derjenigen, die direkt im Unglueck sitzen. Wir tun das aus Hoeflichkeit, aus Mitgefuehl, aus Angst, als Monster dazustehen... bla. Ich rede hier natuerlich von mir selbst, aber ich bin bestimmt nicht der einzige, auf den das zutrifft.

    Kurzer Sinn, waehrend es einerseits natuerlich richtig ist, seinen Pappenheimern beizustehen, ist es unnoetig, das zu versuchen, indem man seine eigene Psyche freiwillig mit-eintruebt.

    Und man vermeidet das mit dem Mantra "ich werde mein Bestes tun, aber es darf nicht an die Substanz gehen."
     
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    20 Juli 2016
    #3
    Hallo hi_wie_gehts,

    zunächst einmal möchte ich Dir zum Tod Deines Großvaters mein Beileid aussprechen.

    Zu Deiner Frage: Ja, es ist egoistisch und nein, es ist nicht unfassbar böse. Wenn man jemanden sinnvoll unterstützen will, braucht man dafür Kraftreserven. Die wenigsten Menschen können neue Kraft aus der Hingabe für die Unterstützung oder Pflege schöpfen. Die meisten brauchen Auszeiten und Rückzugsmöglichkeiten. Solange Deine Schwiegermutter bei Euch wohnt, ist davon nichts gegeben. Bei einem (größeren) Haus oder einer Wohnung mit Gästezimmer kann man evtl. Möglichkeiten finden, aber in einer 2-Zimmer-Wohnung? Wo soll Deine Freundin mit ihrem Kummer hin? Soll sie zum Weinen buchstäblich in den Keller gehen und Du kommst nach und versuchst sie zwischen Staub, Fahrrädern, Autoreifen und Gerümpel zu trösten? Wo Du doch selber von der Gesamtsituation stark belastet bist und auch keinen Freiraum zu Hause hast? Wer sich kaputtmacht, kann auch nichts mehr geben.

    Einzig bei der Formulierung, dass Du nun "gar nichts mehr von Deiner Freundin hast", möchte ich kritisch einhaken. Du möchtest ein "normales Leben", was verständlich ist, aber leider gehören Tod und Krankheit auch zum normalen Leben dazu. Du solltest Deiner Freundin hier keinen weiteren Druck machen und versuchen, für ihre Situation Verständnis aufzubringen. Daher würde ich, was ihre Zeit betrifft, nicht allzu fordernd auftreten, sondern eher Angebote für gemeinsame Aktivitäten machen. Einerseits kommt sie damit mal raus, anderseits tut ihr Eurer Partnerschaft damit etwas gutes.

    Viele Grüße
    G.G.
     
  • Sonata Arctica
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    20 Juli 2016
    #4
    Zunächst mal: Viele Arten von Depressionen brauchen keinen Auslöser, keinen Grund. Das ist dann einfach Hormon- und/oder Neurotransmitterabhängig. Bei euch klingt das für mich nach "normal" traurig. Ebenso, wie die Scheidung der Eltern und eben der Tod geliebter Angehöriger. Zur Depression gehört mehr.
    Daher fehlt mir zum Antworten ein gewisses Maß an Informationen. Was für ein Verhältnis hat deine Freundin zu ihrer Mutter? Ist deine Freundin jemand, der mehr für andere da ist, als für sich selbst? Sieht sie persönlich das als Problem? Ist sie selber in Behandlung.
    Und vom medizinischen Aspekt: Hat ihre Mutter Heilungschancen? Kann der Tumor medikamentös verkleinert werden und ist dann eine OP möglich?

    Bist du selbst depressiv oder weißt du einfach nur nicht, wie du den beiden am besten beistehen kannst, ohne dich selbst aufzuopfern?
     
    • Zustimmung Zustimmung x 1
  • 20 Juli 2016
    #5
    Lieber @hi-wie-gehts ,

    leider kann ich gut nachempfinden, wie es dir geht. Meine Familie ist ebenfalls von Schicksalsschlägen gebeutelt und der letzte zieht sich bis jetzt und wird sich noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte weiterziehen. Fühl dich erstmal gedrückt, ich verstehe, dass es dir in dieser Situation alles andere als gut geht. :knuddel:

    Egoismus ist ein natürlicher Überlebensreflex. In einem gesunden Ausmaß ist daran nichts Verwerfliches zu finden. Wenn ich etwas in meiner eigenen Therapie gelernt habe, dann, dass es zuerst mir selbst gut gehen muss, bevor ich für andere da sein kann. Daher ist es wichtig zu wissen, was einem selbst gut tut, was zum eigenen Wohlbefinden beiträgt.

    Du hast schon identifiziert, dass dir die Privatsphäre fehlt. Gut, dass deine Schwiegermutter bereits nach einer leistbaren Wohnung in eurer Nähe sucht. Unterstütze sie dabei, dann hast du auch selbst wieder einen Teil deiner geliebten Privatsphäre zurück.
     
  • Mirpsel
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    20 Juli 2016
    #6
    Ich kann verstehen, dass du gerne mehr Zweisamkeit hättest und dass dich die Situation belastet auch dadurch, dass jetzt ein weiterer Schicksalsschlag dazukommt. Wäre ich deine Freundin und meine Mutter hätte inoperablen Krebs wäre ich aber vollkommen am Boden zerstört und würde von meinem Freund erwarten, dass er Geduld aufbringt und akzeptiert, dass es mir in dieser Ausnahmesituation schwer fällt für ihn da zu sein so wie er es sich vielleicht wünscht und er seine Bedürfnisse etwas zurückstellen muss, wie das bei deiner Freundin ist weiß ich natürlich nicht. Ich denke auch was du kannst ist ihr Angebote machen etwas zu unternehmen damit sie sich ablenken kann und bei der Wohnungssuche der Mutter helfen, sie will ja selbst nicht dauerhaft bleiben. Will deine Freundin denn überhaupt Nähe im Moment? Da es eine 2 Zimmer Wohnung ist wird die Wohnung ja wahrscheinlich groß genug sein, dass die Mutter ihr eigenes Zimmer zum schlafen hat, dann könnt ihr euch doch auch mal ins Schlafzimmer zurückziehen, Musik anmachen, damit sie euch nicht hört und euch etwas abkapseln wenn sie schläft oder geht das nicht?
     
  • hi-wie-gehts
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    20 Juli 2016
    #7
    Hallo und erstmal vielen Dank für eure Antworten.

    Vorab möchte ich sagen, dass ich mit diesen Gedanken nur dieses Forum belaste und nicht meine Freundin, zu keinem Zeitpunkt. Schon gar nicht ihre Mutter. Im Gegenteil. Ich versuche der starke Part zu sein und ein bisschen Normalität reinzubringen. Auch unterstütze ich sie dabei, eine Wohnung zu finden. Nun, wie in vielen großen bayerischen Großstädten ist die Lage (aber auch ihre finanzielle Lage) nicht besonders vorteilhaft. Es gestaltet sich äußerst schwierig eine passende Wohnung zu finden. Zumal die Mutter so unendlich anstrengend ist, was so etwas angeht. Es darf keine EG Wohnung sein, dann muss sie mitten in der Stadt sein. Dann sollte sie aber doch bitte extrem billig sein. Das geht halt so einfach nicht.

    Es ist eine Wohnung ohne richtige Türen, das Wohnzimmer (wo sie schläft) ist durch eine Schiebetür zum Schlafzimmer getrennt. Privatsphäre absolut gleich null. Auch habe ich mehrmals vorgeschlagen, dass wir zu zweit was machen. Aus schlechtem Gewissen kann sie ihre Mutter aber nicht alleine lassen.

    Ich würde mich selbst auch nicht als depressiv bezeichnen, aber sowas geht - wie ihr auch sagt - schon sehr an die Substanz. Ich habe heute auch mit meinem Chef geredet. Ich kann die restlichen zwei Wochen Urlaub doch zur Arbeit gehen. Dann habe ich dort wenigstens meine 'Privatsphäre'. Den ganzen Tag hier rumsitzen geht einfach nicht.

    Übrigens: Heilungschancen gibt es laut Onkologen nicht.
     
  • User 158340
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    21 Juli 2016
    #8
    Ich will jetzt nicht herzlos klingen, aber wenn sie keine Heilungschance hat, wäre dann ein Hospiz nicht besser als eine neue Wohnung? Wenn der Krebs schon inoperabel ist und ebenfalls keinerlei Heilungschancen bestehen, dann muss er ja schon wirklich weit sein mit Metastasenbildung etc.. Das klingt jetzt sehr herzlos, aber wie lang hat sie denn realistischerweise noch zu leben? Und denkt ihr denn, dass ihr für die Sterbebegleitung einer ohnehin schon psychisch angeknacksten Frau selber geeignet seid, das durchzustehen?
    Ich will dir da keinen Rat geben - wenngleich in meiner Familie mehrere Personen an unterschiedlichen Krebsarten gestorben sind und es daher für mich auch wahrscheinlich ist, mal an sowas draufzugehen - aber ich für mich könnte mir schöneres vorstellen als mir die letzten 2 - 3 Monate meines Lebens eine neue Bude einzurichten und mir wegen der starken Chemo die Seele aus dem Leib zu kotzen und sämtliche Haare zu verlieren.
     
  • User 157424
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    21 Juli 2016
    #9
    Das ist ja ganz schön verzwickt, das tut mir leid für dich.

    Gäbe es denn die Chance, dass deine Freundin und ihre Mutter gemeinsam in Urlaub fahren? Das könnte eine nette Erinnerung für deine Freundin sein und dir eine kleine Verschnaufpause einrichten.

    Zum Wohnung suchen: das ist in solchen Städten ein echt heikles Thema. Da musst du ihr wohl immer wieder vorführen, was sie sich leisten kann und was ihre Traumwohnung kosten würde, und zwar an konkreten Beispielen. Und wenn man zwei, drei Massenbesichtigungen hinter sich hat, verliert man auch schnell einige Sonderwünsche.

    Und wenn ihr doch in Zweisamkeit seid: auch du darfst deine Gefühle aussprechen, dich schwach zeigen. Ewig verdrängen funktioniert nicht, dann gehst du auch irgendwann auf dem Zahnfleisch. Wie schläfst du? Bist du im Gedankenkarussell drin? Denke immer auch an dich, du kannst deine Freundin schlecht unterstützen, wenn du irgendwann zusammen brichst.

    Und die Situation ist ja zeitlich begrenzt, sie wird nicht ewig bei euch wohnen. Es hilft, das ab und zu in den Kopf rein zu holen.
     
  • User 114808
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    21 Juli 2016
    #10
    Weiter oben schriebst du inoperabel aber Chemo und Bestrahlung. Was denn nun? Falls unheilbar - weshalb tut man sich die "Behandlung" dann noch an?
    Hat sie überhaupt noch genug Zeit, um eine Wohnung zu suchen und die Kraft, einen Haushalt zu führen? Gibt es Familie, die euch unterstützen kann?

    Die Situation zu Dritt wird für euch auf Dauer untragbar sein. Wäre es eine Alternative, dass ihr euch alle gemeinsam eine neue Wohnung sucht? Privatsphäre für euch und deine Freundin muss ihre Mutter nicht alleine lassen.
     
  • hi-wie-gehts
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    21 Juli 2016
    #11
    Hallo. Zu den Heilungschancen: gestern hatte sie noch ein CT des Oberkörperbereichs. Die Ergebnisse des CT werden ihr wahrscheinlich morgen mitgeteilt. Der Onkologe hat Chemo und Bestrahlung als mögliche weitere Schritte deklariert. Er hat auch gesagt, dass sie sich überlegen sollen, wie lange sie das noch machen wollen würde. Die zwei sind beide so, dass sie lieber erstmal nichts wissen wollen. Deshalb kann ich nicht sagen, wie viel Zeit ihr noch bleibt.

    Heute waren meine Freundin und ich mal ein bisschen alleine und sind dann auch zum Ikea gefahren. Bis auf die ersten 30min war das Thema aber nur noch die Krankheit ihrer Mutter. War aber erstmal auf jeden Fall ganz schön.

    Auch das mit dem Urlaub hat meine Freundin von sich aus heute angesprochen. Ich gehe davon aus dass sie das in naher Zukunft wirklich tun werden.

    Was mich auch einfach so wütend macht, ist dass die Mutter noch 2 Brüder hat und diese aber sich offensichtlich nicht um sie kümmern wollen. Der eine lebt 400km weiter weg, hat keine Kinder und ist auch schon in der Rente. Aber kerngesund und körperlich fitter als ich. Der bietet sich nicht mal an. Stattdessen wird lediglich die Tochter mit den ganzen Arztbesuchen belastet. Das ärgert mich.
     
  • User 158340
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    22 Juli 2016
    #12
    Ich verstehe, dass dich eure Situation so nervt und dass das sehr belastend ist. Aber Geschwister sind auch keine Fachleute für Krebserkrankungen und wenn da das Verhältnis ähnlich ist wie zur Dorfgemeinschaft, warum sollte er sich da gerade jetzt anbieten? Das ist ja doch durchaus normal, dass sich bei sowas erstmal Ehegatten und Kinder kümmern und erst danach weitere Verwandtschaft, auch Geschwister.

    Das wird deine Schwigermutter und deine Freundin zwar sehr belasten, aber die sollten sich ganz, ganz dringend die Prognose sagen lassen. Oder aufschreiben lassen, in einen Briefumschlag stecken und man macht den abends nach einer Flasche Wein gemeinsam auf, um sich dem zu stellen. Denn weggucken und ncihts wissen wollen ist bei Krebs leider keine Option.

    Wie gesagt, in meiner Familie sind insgesamt 4 Personen an verschiedenen Krebsarten gestorben, und wenn ich da eines sicher weiß, dann: Es wird immer schlimmer. Eine Chemo tut körperlich weh. Da muss schon ein Mensch mit guten Heilungschancen ordentlich kämpfen, das durchzustehen. Bei jemandem mit ausgeprägtem Fluchtreflex seh ich da ehrlich gesagt sehr wenig Sinn. Aber das blöde ist: Der Krebs an und für sich tut auch weh. Durch die Schmerzen hat sie es ja überhaupt erst bemerkt. Und das wird auch schlimmer. Da braucht sie Medikamente, und zwar nicht nur 'ne Aspirin.
    Wenn ihr das wirklich daheim durchstehen wollt - ob sie jetzt ne eigene Wohnung hat oder ihr zu dritt eine größere oder wie auch immer - dann kümmert euch schnellstmöglich um einen Pflegedienst. Jemand, der auch weiß, wann, wie oft und wie viel Schmerzmittel er geben kann und darf. Auch würde ich dazu raten, in irgendeiner Form Hilfe für eure Psyche zu holen. Ob das jetzt die örtliche Selbsthilfegruppe für Krebskranke (oder die für Angehörige von Krebskranken) oder ein Psychologe ist, ist dabei eigentlich fast schon egal. Aber holt euch Hilfe. Jemanden, der da zuhört und der das nachempfinden kann und beraten kann. Mach dir klar, dass deine Freundin ihrer Mutter grade beim Sterben zugucken darf. Das steckt man auch ohne depressive Veranlagung nicht mal einfach so weg. Da gehen auch "gesunde" Menschen dann zu Selbsthilfegruppen etc., weil das einer oder zwei Leute alleine gar nicht auffangen können. Das kannst auch du nicht allein. Das merkst du ja auch selber mit dem ganzen stress. Also selbst wenn die beiden Damen nicht wollen, dann such wenigstens du dir Hilfe.

    Aber wenn es wirklich so schlimm steht, wie es sich hier im Thread für mich liest, dann würde ich wirklich dazu raten, euch ein schönes Hospiz zu suchen. Viele, gerade von der Caritas betriebene Hospize sind auch weitestgehend kostenfrei (da zahlt man üblicherweise nur einen Beitrag zur Verpflegung). Und da sind Fachleute am Ort, die sich damit auskennen und helfen können.
     
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  • hi-wie-gehts
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    22 Juli 2016
    #13
    Vielen Dank erstmal. Ihr habt mir schon sehr geholfen.

    Meiner Meinung nach hast du Recht mit dem Hospiz, jedoch trau ich mich gar nicht, das meiner Freundin überhaupt vorzuschlagen. Ich weiß, dass sie das vermutlich nicht will. Ich habe heute aus dem nichts mal den Vorschlag gemacht, eine gemeinsame Wohnung zu suchen. Wäre sogar eine 4 Zimmer Wohnung direkt im identischen Gebäude nebenan frei. Das will sie aber auch nicht.

    Abgesehen von dem ganzen Stress der Wohnungssuche waren sie heute für die Ergebnisse des CTs beim Hausarzt. Anscheinend gab es da gute Neuigkeiten, der Krebs hat anscheinend keine Metastasen gebildet. Aber die Lymphknoten sind befallen. Weißt du zufällig was das bedeutet? Der Hausarzt zeigte sich anscheinend auch überrascht, warum keine OP zur Entferung der Gebährmutter vorgeschlagen bzw. möglich wäre. Donnerstag haben sie dann den nächsten Termin im KH.
     
  • User 158340
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    22 Juli 2016
    #14
    Eigentlich kenn ich da nur entweder - oder. Wenn die Lymphknoten befallen sind, dann sind das Metastasen - halt eben im Lymphsystem und nicht in anderen Organen. Allerdings ist Lymphdrüsenkrebs (oder eben Metastasenbildung dort) eine der Krebsarten, die relativ gut behandelbar noch sind und die 5-Jahres-Überlebenschance (die man bei Krebs bei Behandlungen üblicherweise angibt) bei... ich glaub 80 % oder so. Auf jeden Fall gut, wenn man da eine Chemo macht.

    Wenn der Krebs aber keine Metastasen ansonsten gebildet hat und wirklich nur in der Gebärmutter sitzt, versteh ich ehrlich gesagt auch nicht, was daran inoperabel dann ist. Die Gebärmutter inkl. Eierstöcke etc. sind ja kein überlebenswichtiges Organ und jetzt nicht so mit Nervenzellen oder Schlagadern gespickt, dass die Operation nicht ratsam wäre. Aber naja, ich bin auch kein Onkologe.

    Irgendwas passt da bei den Angaben auf jeden Fall noch nicht so ganz zusammen. Ich nehme am ehesten mal an, dass deine Schwiegermutter da das ein oder andere durcheinander bringt (ist bei der Diagnose ja auch nur menschlich) und das wohl falsch widergegeben hat. Wenn bislang "nur" Gebärmutter und Lymphen befallen sind in überschaubarem Maß, dann macht die Chemo und Bestrahlung nämlich auch wieder Sinn. (Wobei da wirklich die Frage offen bleibt, warum man die Gebärmutter dann nicht im ganzen entfernt. Okay, Hormonersatztherapie ist auch nicht lustig, aber immer noch besser als Krebs.)
     
  • hi-wie-gehts
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    22 Juli 2016
    #15
    Entschuldige bitte, aber wenn ich ehrlich bin ist das Gottseidank meine erste 'Erfahrung' mit Krebs. Es tut mir wirklich leid, dass du schon so viele Fälle erlebt hast. Aber ich danke dir, dass du dich mit 'unserem' Fall auseinandersetzt.

    Ich versuche jetzt zumindest das wiederzugeben, was mir gesagt wurde. Vielleicht habe ich das mit den Metastasen falsch verstanden.

    Die Fakten sind folgende: Der Onkologe im Klinikum hat nach der ersten OP (Rausschneiden einiger Tumore) festgestellt, dass diese bösartig sind. Er hat ihr nicht viel Hoffnungen gemacht und gesagt: 'Ihr solltet euch eine möglichst schöne Zeit machen.' Er vermutete zu diesem Zeitpunkt (Montag) dass auch andere Organe befallen sind und durch die vielen Tumore wäre eine Hysterektomie keine Option. Eine Chemotherapie und Bestrahlung wären hingegen eine Option, von welcher er sich aber anscheinend nicht viel erhoffte. Denn er sagte, sie sollte sich überlegen, wie lange sie das überhaupt machen wollen würde. Am Mittwoch war dann das CT, heute bekam der Hausarzt die Ergebnisse. Dieser erkannte, dass abgesehen von den Lymphknoten keine weiteren Organe befallen waren. Zudem zeigte er sich verwundert, warum der Onkologe keine Hysterektomie durchführen wollte. Der nächste Termin im KH ist nun am folgenden Donnerstag.

    Das sind auf jeden Fall die Fakten, die mir so mitgeteilt worden sind.
     
  • User 158340
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    23 Juli 2016
    #16
    Es gibt nichts zu entschuldigen. Und wenn ich die Wahl hätte, hätte ich auch lieber eine gesündere Verwandtschaft :smile:

    Und jetzt mit der Erklärung macht das auch wieder mehr Sinn. Hm... ich will jetzt weder vorschnell Hoffnungen verbreiten noch Angst machen. Aber wenn wirklich nur die Gebärmutter betroffen ist, könnte es sein, dass mit dem Entfernen und anschließender Chemo/Bestrahlung für das Lymphsystem das Ganze noch "gut" ausgeht. Also dass deine Schwiegermutter euch noch ein Weilchen erhalten bleiben könnte.
    Allerdings solltet ihr auch für diesen Fall da schauen, ob ihr eine Unterstützung findet, denn eine Chemo ist wirklich kein Zuckerschlecken. Da werden ja sehr starke Medikamente mit sehr starken Nebenwirkungen verabreicht, und je länger das dauert, umso anstrengender wird das ganze. Am Anfang ist es meistens "nur", dass man sich andauernd übergeben muss wegen der Medikamente, später kommen halt dann die Nebenwirkungen vom Übergeben noch dazu. Also Gewichtsverlust, Schlappheit, Haarausfall... Wie gesagt, da muss man ordentlich kämpfen, und das wird für die Familie sehr schwer. Ihr könnt nicht euren Haushalt und den der Mutter gleichzeitig voll führen mit zwei Wohnungen, ihr könnt euch ja auch nicht zerreißen. Und dann noch euch adäquat um eine kranke, leidende Person kümmern.
    Wartet vielleicht erstmal den Donnerstag ab, was da jetzt endgültig rauskommt. Entscheidet euch, was gemacht werden soll und wie weit ihr (also vor allem die Schwiegermutter) gehen wollt. Und je nachdem, wie der Weg aussieht, kümmert euch um Hilfe. Fragt beispielsweise bei der Krankenkasse nach, ob der Mutter eine Haushaltshilfe zusteht. Oder bei der Pflegeversicherung, was euch da zusteht. (Und wenn die euch irgendwie belabern, dass ihr, wenn ihr das selber macht, soundsoviel Euro kriegt: Ihr wollt lieber eine Pflegehilfe :zwinker: )
    Und wirklich mein ganz dringender Rat: Guckt wirklich, ob es bei euch Selbsthilfegruppen oder ähnliches für Angehörige von Krebskranken gibt. Das hilft so viel, wenn man sich da mit Leuten austauschen kann, die ähnliches erleben, die wissen, wovon man redet, und die da auch richtig zuhören, die das Auf und ab von Hoffnung und Angst kennen... das hilft echt.
     
  • User 37188
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    30 Juli 2016
    #17
    Wie geht es euch denn inzwischen? Hat der Termin am Donnerstag etwas Neues ergeben? Für die Zukunft vielleicht noch ein Tipp, sofern du dort erwünscht bist und das selbst auch möchtest - kannst du zu den Terminen mitgehen? Denn wenn deine Freundin und ihre Mutter eher die Vogel-Strauß-Taktik wählen, bleiben letztlich sehr viele Fragen unbeantwortet. Jemand, der etwas distanzierter da rangehen kann und etwas nüchterner ist, könnte hier vielleicht die nötigen Fragen stellen wie "Was bedeutet das?"
    Ganz ehrlich, von den Diagnosen vorher hätte ich -insbesondere aus zweiter Hand- genau gar nichts verstanden und das macht es unheimlich schwer, die weiteren Schritte zu planen.

    Drücke euch auf jeden Fall die Daumen für alles, was auch immer da kommen möge! :knuddel:
     
  • hi-wie-gehts
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    5 August 2016
    #18
    Hallo. Vielen Dank für eure Anteilnahme an unserem Schicksal.

    Gerne halte ich euch auf dem Laufenden.

    Vor dem Termin an jenem Donnerstag wurde sie angerufen und zu einem weiteren CT eingeladen. Sie hatten den falschen Bereich bzw. nicht alles gescannt. Nun ja, es ist rausgekommen, dass auch die Lunge befallen ist. Die Schritte sind nun die selben. Diese Woche war ihr Bruder bei den Terminen dabei. Er ist ein Mensch, der wirklich alles äußerst nüchtern betrachtet. Heute ist auch die Schwiegermutter mal konkreter geworden. Der Arzt hat gesagt, dass sie noch 'einige Jahre' zu leben hätte. Meine Freundin ist nun wieder dementsprechend traurig. Was ich gut finde ist, dass sie sich jetzt beide dazu entschlossen haben, gemeinsam zu einer Therapiestunde bei einem Psychologen gehen.

    Meine Freundin tut mir auch so unendlich leid. Sie sagt immer, dass sie einfach außer ihre Mütter sonst keinen mehr hat. Natürlich hat sie mich noch und das sage ich ihr auch immer wieder. Ich hoffe, dass sie da durchkommt. Denn letztendlich ist es so und man muss es nehmen wie es kommt. Auch wenn es unendlich unfair ist.
     
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    9 August 2016
    #19
    Hallo nochmal. Ich möchte euch weiterhin gerne auf dem Laufenden halten.

    Vergangenen Sonntag waren wir in der Notfallklinik des örtlichen Krankenhauses. Meine Schwiegermutter hatte massive Schwierigkeiten beim Atmen an diesem Tag. Nach einem EKG und einem Gespräch mit einem Internisten gab es Verdacht auf Vorzeichen eines Herzinfarkts. Sie behielten sie bis gestern zur Überwachung dort. Im Endeffekt kam aber dabei nichts raus, der Verdacht war also unbegründet. Nun ja, gestern hatte sie noch das Gespräch zur Bestrahlung, meine Freundin aR auch mit ihr dort. Danach bei der Rückfahrt hatte meine Freundin einen psychischen Zusammenbruch (später stellte sich heraus, dass sie hyperventiliert hat) und wurde mit dem Krankenwagen in ebendiese Notfallklinik eingeliefert. Als ich den Anruf von ihrer Mutter bekommen habe, bin ich selbstverständlich sofort hingefahren.

    Dort hatte sie endlich ein sehr aufklärendes Gespräch mit einem Psychiater und ihrer Mutter. Der Psychiater hat ihr nun auch weitere Anlaufstellen genannt und für den Fall der Fälle ihrem Hausarzt Tabletten für sie empfohlen.

    Gerade habe ich eine SMS bekommen, wie das heutige Gespräch zur Chemotherapie verlaufen ist. Auf die Frage, ob es noch Sinn macht, eine Behandlung durchführen zu lassen, meinte der Onkologe, dass es die Entscheidung der Mutter sei. Als diese dann nicht gewusst habe, was zu tun ist, hatte der Arzt gemeint, dass sie es zumindest 4 Wochen probieren sollte und falls es nicht geht, die Behandlung abbrechen und in eine Palliativstation gehen sollte. Meiner Meinung nach sieht auch die Behandlung nicht sehr vielversprechend aus.

    Ich wünsche mir wirklich so sehr, dass meine Freundin da durchkommt. Ich hab echt das Gefühl, dass sie aus dem Loch (auch bei Tod der Mutter) nicht wirklich rauskommt. Wie ihr seht, sieht es bei uns zur Zeit unendlich schrecklich aus.
     

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