• Anila23123
    Anila23123 (25)
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    17 März 2019
    #1

    Verlustangst

    Im kürzlich gestarteten Thread zum Thema Eifersucht ("Was ist gut an Eifersucht?") kam immer wieder das Thema Verlustangst auf.
    Deswegen möchte ich hier mal meine Gedanken dazu darlegen. Eure Ansichten interessiert mich natürlich auch. Stimmt ihr meinen Gedankengängen zu oder sehr ihr einige Dinge vielleicht völlig anders?
    Es geht hier also nicht um ein Problem, das mir Sorgen macht oder eine Frage, die ich habe sondern lediglich um den Austausch von Meinungen.

    Ich habe mir einige Gedanken darüber gemacht und deswegen wird das sicher kein ganz kurzer Beitrag.

    In direkter Bezugnahme auf das Thema Eifersucht und besonders auf die Frage ob Eifersucht etwas gutes mit sich bringt und wenn ja in welchem Maß sie positiv ist, habe ich mir besonders die Frage gestellt, inwieweit Verlustangst positiv ist und ob sie ihre Daseinsberechtigung hat.

    An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass es viele Arten von Verlustangst gibt. Z.B. die Angst ein altes oder krankes Familienmitglied zu verlieren.
    Mir geht es hier primär und die Angst einen (neuen) Partner zu verlieren.

    Ob Angst in einer Partnerschaft eine "Daseinberechtugung" hat, lässt sich meiner Meinung nach recht leicht beantworten. Angst ist ein Gefühl, das völlig natürlich ist und das wir nur bedingt kontrollieren und kaum unterdrücken oder ignorieren können. Insofern erübrigt sich die Frage. Berechtigung hin oder her. Wenn wir Angst haben, ist sie da.

    Hat Verlustangst etwas positives?
    Ist die normal oder gar wichtig?
    Ist die ein Zeichen von Liebe?
    "Wenn der Partner mir wichtig ist, dann habe ich natürlich auch Angst ihn zu verlieren" sagen vielleicht einige.
    Vielleicht sehen einige darin auch ein besonders Zeichen der Liebe und in Verlustangst einen Liebesbeweis.
    - Völlig falsch finde ich.

    Verlustangst kann viel eher und schnell zum Liebeskiller werden. Ich glaube das Verlustangst oft aus dem Gefühl resultiert nicht gut genug zu sein, dass sie dem Partner nicht genügen, so wie sie sind und er sie deshalb verlassen könnte.
    Das kann zu bestimmten Verhaltensmustern führen, die letztlich die Angst kompensieren wie etwa:

    1. Das Bedürfnis nach "Sicherheit" , die vom Partner erwartet und gefordert wird durch übermäßige Pünktlichkeit, 100%ige Verlässlichkeit, Liebesbeweise, Treueschwüre etc.

    Den Partner kann das schnell einengen. Er will vielleicht einfach nur das Verliebtsein und die Liebe genießen. Stattdessen ist er ständig damit beschäftigt dir durch Sicherheiten die Ängste zu nehmen.
    Indirekt signalisiert man ihm eine Art Misstrauen. "Ich glaube nicht das du mich liebst. Beweis es mir." Keiner sagt das, aber das Gefühl vermitteltst du. Du hälst dich selbst für unwertig und zweifelst deshalb an der Zuneigung des Partners. Dadurch macht man sich selber weniger Liebenswert, wird also genau das was man nicht sein möchte.

    2. Andersrum geht es genauso. Du forderst keine Liebesbeweise sondern versucht ihm welche abzuringen durch das, was du tust. Geschenke, Gefallen und Überraschungen im Übermaß.

    Wenn du versuchst es ihm um jeden Preis recht zu machen, ist das oft zu viel. Der Parner liebt dich um deiner selbst Willen nicht wegen deiner Leistungsbereitschaft. Er will vielleicht gar nicht, dass du das alles tust. Dem Partner Freuden machen ist gut aber Überhäufung erdrückt ihn. Das ist u.U. mehr als er ertragen kann und im Prinzip eine Art Manipulation die er merkt. Das treibt ihn weg.

    3. Und damit schlage ich direkt die Brücke: Eifersucht. Aus lauter Angst, du könntest nicht attraktiv/ gut genug sein, reagierst du eifersüchtig bei jeglichem Kontakt den er mit dem anderen Geschlecht hat und machst möglicherweise direkt eine Szene mit Vorwürfen.

    Solche Beschuldigungen lösen beim Partner schlechte Gefühle aus. Und die Quelle ist nicht nicht der Kontakt sondern du. Er wird sich also eher von dir entfernen als Kontakte nicht weiter zu unterhalten. Außerdem: Wenn er es wollen würde, würden Eifersucht und Vorwürfe ihn nicht davon abhalten untreu zu sein. Nichts was du tust wird ihn abhalten zu tun was er möchte. Das ist aber meist eh nicht der Fall.

    Schaffst du solche Sitationen treibst du deinen Partner nur von dir weg. Er verlässt dich und du fühlst dich in deiner Angst bestätigt. Deine Verlustangst wird so zur selbsterfüllenden Prophezeiung.
    Das kann soweit führen, dass du dich aus Angst jemanden zu verlieren gar nicht erst auf jemanden einlässt.

    Die Frage ist: Wie kann man Verlustangst überhaupt überwinden?

    Dazu müsste man den Ursprung herausfinden.
    Ich bin keine Psychologin, glaube aber, dass dieser wie so häufig in der Kindheit liegt. Traumatische Ereignisse und Erlebisse wie z.B. die Befürchtung von den Eltern im Stich gelassen zu werden oder tatsächlich verlassen zu werden.
    Das bedeutet, dass die Verlustangst, die man auf den Partner projiziert, gar nichts mit ihm zu tun hat.
    Sicher kann so etwas auch durch Missverständnisse und falsch Schlussfolgerungen eines Kindes kommen. Traumata entstehen ja nicht immer durch schlimme Ereignisse die tatsächlich eintreten.
    Das zu bewerkstelligen bzw. aufzuarbeiten wäre dann wichtig. Ist Verlustangst krankhaft, hilft vielleicht eine Therapie.

    Es mag auch helfen sich ein paar Dinge klar zu machen.
    - Man kann einen Partner in dem Sinne nicht wirklich verlieren. Er gehört einem nich.
    - Er ist ein freier Mensch, mit eigenem Leben und eigenen Willen.
    - Du bist es ebenfalls und in keinem Abhängigkeitsverhältnis. Du bist nicht auf ihn angewiesen.
    - Dein Partner ist nicht nur da um sich um dich zu kümmern und dir zu geben, was du vielleicht von Eltern nicht bekommen hast.

    Sich das klar zu machen ist wichtig.
    Wenn du von ihm erwartest, dass er sich so verhält wie du es willst, ist das der Moment wo du von der Liebe in die Angst wechselst. Und damit in das Besitzergreifen, in die Manipulation und das Wegtreiben des Partners von dir.

    Vielleicht glaubt man unterbewusst, dass wenn der Partner einem "gehört", man alles richtig macht und sicher sein kann, dass er einen nicht verlassen wird, dass es einem dann besser geht.
    Das ist ein Trugschluss und es ist keine Liebe. Im Gegenteil.Womit die Ausgansfrage im Prinzip schon geklärt ist.
    Ich glaube je mehr Angst du empfindest, desto weniger Liebe ist im Spiel.

    Nochmal: Der Partner gehört einem nicht. Wenn du ihn lieben möchtest und geliebt werden möchtest, dann liebe. (Dazu verweise ich mal auf meinen Beitrag im Thread: "Was ist Liebe")

    Bin gespannt auf andere Meinungen.
     
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  • User 167777
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    17 März 2019
    #2
    Verlustangst in der von der beschriebenen Form kenne ich persönlich von mir so nicht.

    Das was ich als "Verlustangst" bezeichne, ist die Angst vor tatsächlichem, plötzlichen Verlust durch Tod. Die - weil ich weiß, dass sie tatsächlich oft übertrieben ist - mache ich mit mir selbst aus, bzw. bitte meinen Partner beispielsweise "vorsichtig" zu fahren (was ich aber auch schon getan habe, als mein Freund noch lebte). Worin sie begründet ist, weiß ich ziemlich genau. Ich habe meinen langjährigen besten, viel zu jungen, Freund plötzlich durch Herzinfarkt verloren.

    Genauso habe ich allerdings starke Verlustangst meines eigenen Lebens durch plötzliche Umstände - auch die ist nicht unbegründet und ergibt sich aus einem brutalen Übergriff auf meine Person in der Jugend.

    Beides zeigt mir, dass ich gerne lebe - auch wenn es nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen ist - und mir mein Leben und das meiner Lieben wichtig ist.
     
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    18 März 2019
    #3
    Verlieren kann man nur, was man besitzt. Den Partner besitzt man nicht, deshalb kann man ihn ja nicht verlieren - also ist Angst unbegründet.
    Beendet der Partner die Beziehung bzw lässt sich auf Seitensprünge ein, bedeutet es aber nicht nur Verlust sondern auch Verletzung, Trauer, Schmerz, Enttäuschung usw.
    Geht man in eine Beziehung, weil man diesen Menschen z B unbedingt als Partner haben möchte und verschiedene Tricks auf bieten musste, um das Ziel zu erreichen, in der Biografie gemogelt und diese kräftig geschönt hat etc, hat man im Hinterstübchen eventuell eine weitere mögliche Ursache für Angst geschaffen, dass sich möglicherweise der Partner nach dem Auffliegen wieder abwendet, trotz Gegensätze versucht, den Partner nach den eigenen Vorstellungen um zu erziehen, usw.

    Hat man z B Familie mit Kindern, gemeinsam finanzielle Investitionen getätigt, ist nicht nur der Wegfall des Partners Angst verursachend, sondern auch die möglichen Belastungen die zu erwarten sind.

    Bei bestem und größtem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sollte es trotzdem klar sein, dass es irgendwo einen Menschen gibt, der für den Partner attraktiver ist, als man selbst.
    Irgendein gescheiter Mensch hat einmal den Spruch getätigt, nur dumme Menschen haben keine Angst.
    Angst in der Beziehung sollte uns sensibilisieren, alles zu vermeiden und unterlassen, was diese gefährdet - funktioniert m E aber nur, wenn man ehrlich und offen miteinander umgeht.
     
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    18 März 2019
    #4
    Ich denke, wer schon mal Menschen verloren hat, durch Tod oder geistige Krankheiten (die sind zwar noch präsent, aber nicht mehr da), der kann Verlustängste nachvollziehen.

    Für mich ist es ein Prozess zu akzeptieren, dass alles vergänglich ist und man den Zustand geniesst, solange er währt. Das hat aber viel mit der inneren Reife und damit oft auch mit dem Alter zu tun.

    Und es gibt viele Menschen, die einfach nicht alleine sein können. Die brauchen den Partner "vorallem", weil sie nciht alleine sein wollen. Dies hat aber wenig mit Liebe zu tun, also mit Angst vor der Einsamkeit. Und ich kann es verstehen.....
    alleine sein, ist nicht immer angenehm, aber für mich viel besser, wie mit dem falschen Partner zusammen zu sein. Aber so hat jeder seine eigene Geschichte, seine eigenen Schwachpunkte und die eigenen Präferenzen.
     
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    Darwinist (27)
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    18 März 2019
    #5
    Für mich stellt sich das ganze so dar: um Angst zu haben, etwas zu verlieren, muss man dieses etwas doch zunächst einmal besitzen. Und daher frage ich mich, kann man überhaupt einen anderen Menschen besitzen?

    Wenn man eine Beziehung mit einem anderen Menschen eingeht, ist es (oder sollte es zumindest sein) eine freiwillige Entscheidung, mit dieser anderen Person gemeinsam sein Leben zu teilen, etwas von seiner Gefühlswelt, von seiner Liebe und Zuneigung aus freien Stücken abzugeben. Aber all das passiert freiwillig und man bleibt immer noch ein eigenständiger Mensch. Darum bin ich der Meinung, dass man niemals einen Partner oder eine Partnerin besitzen kann, weil man von diesem oder dieser stets nur so viel bekommt wie er oder sie bereit ist abzugeben. Niemand besitzt in einer Beziehung den anderen, wie kann man also auf den wahnwitzigen Gedanken kommen, über den oder die andere(n) verfügen zu können und Besitzansprüche zu erheben? Wie soll man also Verlustangst gegenüber etwas haben, was man doch gar nicht besitzen kann?

    Besitzansprüche oder damit verbundene Verlustängste sind in meinen Augen Gift für jede Beziehung. Auf lange Sicht kann es miteinander nur funktionieren, wenn man akzeptiert, dass eine Beziehung nichts daran ändert, dass der oder die andere weiterhin ein eigenständiger Mensch bleibt, der seinen Freiraum benötigt und selbstbestimmt leben möchte. Was nicht heißt, dass ich nicht die Auffassung vertrete, dass Eifersucht stets pathologisch ist. Evolutionär hat Eifersucht sehr wohl einen Sinn. Aber vielleicht, wenn ich Zeit und Muße habe, schreibe ich dazu in den entsprechenden Thread noch etwas.
     
  • Anila23123
    Anila23123 (25)
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    18 März 2019
    #6
    Das entspricht ja dem was ich sage...

     
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    18 März 2019
    #7
    Ich würde auch Verlustangst nicht gleich mit Besitzansprüchen gleichsetzen. Ich kann auch Angst haben jemanden zu verlieren, der mir wichtig ist, ohne ihn besitzen zu wollen.
     
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    18 März 2019
    #8
    Verlustangst, als ein Symptom von Eifersucht habe ich nicht.
    Aber als mein Mann eine OP mit Vollnarkose hatte, war mir schon mulmig. Klar, ich bin finanziell schon arg abhängig von meinem Mann. Und das verursacht schon etwas Sorge, sollte meinem Mann etwas passieren.
     
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  • Anila23123
    Anila23123 (25)
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    18 März 2019
    #9
    Ich glaube es ist auch eher andersrum und Eifersucht kann ein "Symptom" von Verlustangst sein.
    Wie im Ausgangsbeitrag erwähnt.
     
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  • User 162074
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    19 März 2019
    #10
    Ich finde das Verlustangst auch nicht das passende Wort ist. Es ist eher die Angst verlassen zu werden und alleine dazustehen. Natürlich ist Angst nie rational und Verlustangst (so wie man es nennt), ist auch eher eine übermäßige Angst, die jegliche Funktion verloren hat. Denn Angst an sich ist ein wichtiger Begleiter im Leben, den man niemals ignorieren sollte. Ich denke das Eifersucht in Maßen eine Äußerung, dieser normalen Angst verlassen zu werden, ist. Denn durch diese Angst oder Sorge, die auf kommt, denkt man darüber nach was für Gründe der Partner haben könnte und ob diese Sorgen begründet sind. Meist ist sowas in Beginn der Beziehung so. Ist Eifersucht jedoch nicht nur eine stille Erinnerung sondern im Vordergrund präsent, spielt da mehr als nur normale Sorge eine Rolle mMn und kann auf Dauer die Beziehung belasten.

    Was ich gerne noch hinzufügen will zum Eingangspost, den ich schon sehr treffend finde. Die Angst verlassen zu werden, kann sich durch Kontrolle und Eifersucht etc. äußern ist jedoch nur eine Variante. Eine andere ist, dass Personen es gar nicht erst soweit kommen lassen. Sprich, den Gegenüber so auf (emotionalen) Abstand halten und oft selbst das ganze beenden bevor es eigentlich erst ernst werden könnte.

    Wichtig ist vor allem zu sagen, dass Personen die unter solchen Ängsten leiden oft gar nicht wissen, dass sie das tun.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19 März 2019

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