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    offene Beziehung
    25 Mai 2020
    #1

    Was bedeutet für euch Geborgenheit?

    Hallo ihr Lieben :rose:
    ich habe mich in letzter Zeit viel mit der Frage beschäftigt, was für mich eigentlich Geborgenheit bedeutet.

    Ich habe dieses Jahr ein paar Dinge durchmachen müssen, die mir mal wieder den Boden unter den Füßen weggerissen haben und episodenhaft die Depressionen wieder hochkommen lassen haben (die Trennung von meinem Exfreund, mein Pferd/mein Pflegehund/mein Hamster sind gestorben, großer Streit mit meiner besten Freundin, Kontaktabbruch zu einem guten Kumpel/F+) . Ebenso kam das Craving wieder hoch, aber da bleibe ich nun schon seit 3 Jahren standhaft. Vor allem seit ich in meinem Beruf als Sozialarbeiterin arbeite, steht es für mich außer Frage noch einmal aus den „falschen“ Gründen zu trinken. Das könnte ich mit mir niemals vereinbaren, somit gibt mir das ganz viel Kraft. So kommen wir aber auch langsam schon zu meiner Frage. Der Alk war ~ 3 Jahre ein wichtiger Faktor, der mir „Geborgenheit“ vorgetäuscht hat, wenn ich mein Leben nicht mehr ausgehalten habe. Nur für Sekunden natürlich, was darauf jedes Mal folgte (Suizidgedanken, Dissoziation ect) kann man sich denken.. nichts Gutes.

    Nun gibt es ein paar Faktoren in meinem Leben, die mir Stabilität geben. Diese Dinge habe ich mir die letzten (5) Jahre aufgebaut. Mein eigenes Leben, in dem meine Familie und meine Vergangenheit keinen Platz mehr haben. Das wäre meine Beziehung, meine Tiere, mein Freundeskreis, meine Wohnung, mein Auto und mein Job. Dieses Leben, welches ich mittlerweile führe, das hätte ich mir früher nie erträumen können. Dass man (zu jemandem) nach Hause kommen kann und sich dort sicher fühlen kann, dass man man selbst sein kann und all die Dinge, Menschen und Tiere um sich herum haben kann, die einem wichtig sind. Eine Wohnung, in der ich mich sicher fühlen kann, Menschen um mich herum, dir mir in der Regel nicht wehtun und ein Job, der mir Spaß macht, in dem ich gut bin und der mich erfüllt. Eine Zukunft auf die ich mich freue – früher undenkbar. Nun ist das Leben aber trotz allem nicht immer rosarot und Schicksalsschläge gehören dazu. Leider komme ich mit diesen nach wie vor gar nicht klar und die Einsamkeit holt mich stärker als normal ein...

    Stärker als normal, weil ich mich immer einsam fühle. Schon mein ganzes Leben lang. Ich kann mir nicht vorstellen wie es anders sein kann. Das ist so ein permanentes Gefühl, dass mich durch jeden Tag und viele viele Nächte begleitet und das nur mal kurz verschwindet, wenn ich mein Pferd umarme oder in den Armen einer Person liege, die ich liebe.
    Jetzt kann man sich fragen sind Einsamkeit und Geborgenheit Gegensätze? Vermutlich kann man das so nicht sagen, fragt man 100 Leute werden sie auch 100 Antworten geben, was für sie sowohl Einsamkeit als auch Geborgenheit bedeutet.

    Bloß glaube ich Geborgenheit „falsch“ zu fühlen (ja ich weiß, jedes Gefühl hat seine Berechtigung). Ich verbinde Geborgenheit ganz stark mit Männern. Tatsächlich habe ich glaube ich noch nie im Zusammensein mit einer Frau Geborgenheit empfunden. Na ja vielleicht ganz im Ansatz bei meiner Oma mütterlicherseits, aber auch das nie „ausreichend“ - begrenzt durch seelische Verletzungen. Eine Umarmung von meinen Eltern hat bei mir noch nie ein Gefühl von Geborgenheit ausgelöst. Bei meiner Mutter war es immer ein Gefühl von „ich beschütze sie/ich bin für sie da“, bei meinem Vater war es immer eine kurze oberflächliche Umarmung, von wegen „ist ja meine Tochter, das macht man halt so“. Noch so eine Verknüpfung bei mir zwischen Geborgenheit und „sich beschützt fühlen“. Hat das noch jemand so?

    Zu der Beziehung zu meinen Eltern muss ich vielleicht erklären, dass meine Eltern mich nie beschützt haben, nie für mich da waren. Ich habe 20 Jahre geprägt von extremen psychischen Missbrauch und psychischer Misshandlung durch meine Eltern und meinen Stiefvater durchgemacht. Meine Oma und meine Stiefmutter waren zwar nicht „Täterinnen“, haben aber eben auch nicht wirklich was dagegen getan. Meine Großeltern väterlicherseits waren wenn es drauf an kam auch „auf der Seite“ meines Vaters. Mein Opa mütterlicherseits war toll, der ist aber leider gestorben als ich 5 war. Ich hab damals gesagt, dass ich zu ihm in den Himmel will...

    Mein Opa väterlicherseits ist kurz darauf auch gestorben. Er war oft aggressiv. Als ich älter wurde erfuhr ich, dass das wohl so war, weil er alkoholabhängig war. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meiner Mutter als ich ein Kind war, als ich sie fragte, was das für eine Hautveränderung auf meinem Oberschenkel sei. Sie sagte da hätte mein Opa seine Zigarre ausgedrückt. Als ich sie viel später noch einmal danach fragte stritt sie alles ab. Keine Ahnung vielleicht habe ich mir das auch eingebildet, ich weiß es nicht..

    Aber ich werde nie vergessen als mein Vater mir nach dem Tod von meinem Opa an den Kopf knallte, dass ich mal mit in den Urlaub (der kurz zuvor stattfand) hätte fahren sollen, dann hätte ich nochmal eine schöne Zeit mit meinem Opa haben können. Ich war nicht mitgefahren, weil mein 6 jähriges Ich in Stress pur ausartete bei dem Gedanken zwei Wochen mit meinem Vater am Stück verbringen zu müssen. Mein Vater war immer sehr arrogant, immer sehr darauf bedacht, wie er (und sein Kind) nach außen wirkt (ich wohlerzogen, gute Noten ect). Gleichzeitig hat er mir nie das Gefühl gegeben sich für mich und das was mich beschäftigt zu interessieren. Daher habe ich ihm eigentlich nie etwas persönliches erzählt. Wusste er aber doch etwas, hat er das für sich genutzt, um mich damit zu verletzen. Auch vor anderen hat er mich regelmäßig bloßgestellt. Beispielsweise, wenn mir ein Missgeschick passiert ist, hat er alle Leute drumherum darauf hingewiesen und mich ausgelacht und allen klargemacht wie dumm seine Tochter doch sei. Ernst genommen hat er mich auch nie, wenn ich mal angedeutet habe, dass ich wegen irgendetwas verunsichert bin, hat er das ins Lächerliche gezogen, ich solle mich nicht so anstellen, wie kann man vor so etwas Angst haben. Ich war dementsprechend immer extrem auf der Hut bloß nichts „falsches“ zu sagen und habe allgemein sehr wenig geredet. Meist habe ich mich mit einem Buch zurückgezogen, wenn ich bei ihm war.
    Als ich 12 war wurde meine Halbschwester geboren. Zu ihr habe ich eine sehr gute Beziehung. Zu meinem Vater habe ich jetzt seit 7 Jahren keinen Kontakt mehr. Um studieren und meinen Traumjob als Sozialarbeiterin machen zu können, musste ich ihn auf Unterhalt verklagen, weil er meinte er hätte genug für mich gezahlt. Meine Mutter hatte kein Geld.

    Meine Mutter war schon immer eine sehr unselbstständige, regelmäßig depressive und von ihren Männern abhängige Person. Sie hat mich alleine großgezogen und ständig irgendwelche Kerle angeschleppt. Sie hat immer behauptet, ich würde vorgehen und wenn es mir mit einer ihrer Beziehungen nicht gut ginge, würde sie Schluss machen. Später hat sich gezeigt, dass das eine Lüge war. Auf jeden Fall war ich von Klein auf Beziehungsratgeberin und Seelenmülleimer (Freunde hatte sie nie), habe Dinge in der Wohnung repariert (wenn sie gerade keinen Mann dafür verfügbar hatte), ihr was von meinem gesparten Taschengeld geliehen, wenn sie mal wieder am Ende des Monats kein Geld für uns hatte, weil sie sich lieber eine neue Handtasche gekauft hat und habe ihr eine Ansage gemacht, wenn sie einen Job gekündigt hat, ohne eine neue Stelle zu haben. Man bedenke das ging im frühen Grundschulalter los.

    Das Schlimmste für mich war damals die Trennung von einem Mann, mit dem sie tatsächlich 6 Jahre zusammen war. Der Mann war der einzige, der jemals irgendwie ein Papa Gefühl bei mir ausgelöst hat. Ich würde sagen er ist der einzige Mensch der mir jemals ohne sexuellen Kontext (dazu später) Geborgenheit gegeben hat. Diese Zeit war verdammt hart, ich konnte mich weder von ihm noch von meinen „Stiefgeschwistern“ verabschieden. Meine Mutter hat sich getrennt, konnte die Trennung dann aber nicht alleine durchziehen. Ich war damals 11, mir gings scheiße, weil ich die einzige Familie, die ich jemals hatte, verloren hatte und ich rannte täglich abwechselnd zum Telefon, um dem Mann klarzumachen, dass die Trennung endgültig ist (weil meine Mutter nicht drangehen konnte) und ins Bad, auf dessen Boden meine Mutter heulend saß. Dass es mir damals selbst nicht gut ging, wusste ich zu dem Zeitpunkt gar nicht. Ich hatte einfach keine Möglichkeit irgendetwas zu fühlen. Ich schätze kurz danach fingen dann die Depressionen an.

    Mit 14 (Mobbing in der Schule, Haustiere gestorben, Reitbeteiligung verloren) hatte ich zum ersten Mal Suizidgedanken.
    Als ich 17 war zogen wir mit meinem aktuellen Stiefvater zusammen. Ab dem Zeitpunkt lief ich regelmäßig weg und übernachtete bei Freunden, manchmal auch bei meiner Oma. Ich musste die 12. wiederholen, weil ich meist morgens vor der Schule schon weinte und nicht zur Schule gehen konnte. Nach der Schule bin ich direkt eingeschlafen und konnte nicht lernen oder Hausaufgaben machen, weil ich nachts nie schlafen konnte. Ich war schwer depressiv, hatte konkrete Suizidgedanken und trank fast jeden Tag. Alkohol hatten wir immer im Haus, meine Mutter und mein Stiefvater tranken gerne mal (mein Vater im übrigen auch). Tagsüber war ich meist im Stall (wenn ich die Kraft dazu hatte) oder schloss mich in mein Zimmer ein. Weihnachten 2013 verbrachte ich saufend alleine in meinem Zimmer eingeschlossen.

    Ich konnte mich in meinem „Zuhause“ nicht frei bewegen, weil ich Angst vor meinem Stiefvater hatte. Er war genauso unberechenbar wie meine Eltern, nur dabei auch aggressiv. Er ist regelmäßig ausgeflippt und hat mich wegen Kleinigkeiten bedroht (beispielsweise habe ich vergessen das Fenster zuzumachen). Er hat mir täglich zu verstehen gegeben, dass ich dort nicht erwünscht bin. Als er mich (betrunken) geschubst und gedroht hat mich zu schlagen bin ich gegangen und nie wiedergekommen. Ich habe in der Nacht noch die wichtigsten Sachen gepackt. Meine Mutter kam erst noch hinterher. Als ich ihr mitteilte, dass ich nun nach 3 Jahren mit diesem Mann in einem Haus an einem Punkt angekommen war, an dem ich nicht mehr konnte und ich den Kontakt abbrechen würde, wenn sie sich nicht von ihm trennt, hat sie mich damit erpresst, dass sie sich umbringt, wenn ich sie vor die Wahl stelle. Ich bin ihr hinterher gerannt und habe den Kontakt nicht abgebrochen. Als mein Stiefvater arbeiten war habe ich noch den Rest meiner Sachen geholt und bin 250km weit weg zu meinem Freund gezogen. Zu meiner Mutter habe ich seitdem aber nur noch sehr reduzierten Kontakt.

    Dies nun so kurz es ging zu meiner Geschichte. Nachdem mein Ex Stiefpapa „weg“ war, hat mir zum ersten Mal Aquarium so richtig Geborgenheit gegeben. Bei meinem ersten Freund habe ich noch den Fehler gemacht, mich vollständig anzupassen und ihm permanent gefallen zu wollen, weil ich das halt so kannte, dass man das bei Männern so machen muss. In der Beziehung war auch kein Vertrauen da. Glücklicherweise ist mir das nur einmal passiert und ich habe direkt daraus gelernt. In dieser Intensität wie bei Aquarium habe ich Geborgenheit sonst auch noch nie empfunden. Ich denke das kommt einfach daher, dass es dafür ein Maß an Vertrauen braucht, dass ich in vielen Jahren Beziehung zu ihm aufbaut habe. Ich vertraue keinem Menschen auf der Welt so sehr wie ihm.

    In der Gegenwart von Freuden fühle ich mich natürlich auch wohl und bei guten Freunden kann ich auch so sein, wie ich wirklich bin. Trotzdem empfinde ich da keine Geborgenheit. Die gibt es halt bei mir tatsächlich nur bei Männern.

    Jetzt kommt das verstörende dabei. Ich empfinde schon ein gewisses Maß an Geborgenheit, wenn ich merke, der Kerl steht auf mich, der findet mich heiß/nett/geil. Dafür muss ICH ihn nichtmal attraktiv finden. Ich denke das ist auch der Grund dafür, warum ich vielleicht manchmal leider Männern Hoffnungen mache, obwohl ich gar nichts von ihnen will. Aber dieses Gefühl, das will ich nicht „aufgeben“. Wenn ich ebenfalls auf ihn stehe ist das Gefühl von Geborgenheit natürlich noch viel stärker, kommt man sich näher noch stärker und je mehr Vertrauen da ist umso stärker. Aber es hat immer irgendwo was mit „attraktiv finden“ zu tun. Entweder eben beidseitig oder nur von der Seite des Mannes aus. Das ist das was ich meine, dass ich glaube da ist in meinem Kopf eine falsche Verknüpfung.

    Klar, dass was meine Eltern mir nie gegeben haben, dass suche ich bei irgendwelchen Kerlen. Und das wird mir natürlich kein Mann der Welt geben können und auch keine 10 Männer. Das was in meiner Kindheit falsch gelaufen ist, das ist einfach vorbei. Das ist mir klar. Aber es NERVT mich einfach so unglaublich. Ich will mich nicht zu Männern „hingezogen“ fühlen, Geborgenheit empfinden, wenn ich eigentlich gar nichts von denen will. Und vor allem bin ich dann fürchte ich auch egoistisch, obwohl ich das sonst nie bin. Ich bin in allen anderen Lebensbereichen immer die letzte an die ich denke (ja ich weiß, auch nicht gut, übe ich aber in der Therapie). Aber wenn ich auf jemanden stehe und er auf mich, dann bin ich so süchtig nach diesem Gefühl, danach was mir das gibt, dass ich mir selbst nicht vertraue wie weit ich da gehen würde.
    In dem Moment ist vielleicht nicht alles vergessen, aber es fällt mir extrem schwer daran zu denken, ob ich damit vielleicht gerade meinen Freund (polyamore Beziehung) verletze oder ob der andere Typ eigentlich in einer monogamen Beziehung ist. In dem Moment zählt nur dieses Gefühl und ich hasse mich dafür.

    Normal bin ich was diese Persönlichkeitsentwicklung angeht sehr weit gekommen. Mittlerweile finde ich mich in der Regel okay, ab und zu mag ich mich sogar mal und ich glaube mittlerweile an mich und daran, dass es Bereiche gibt in denen ich wirklich gut bin. Das war früher undenkbar, früher habe ich mich gehasst. Früher habe ich mich als krank und anders als alle anderen bezeichnet. Jup ich bin sicher anders als manche andere, aber das hat seine Gründe und das ist auch völlig okay so :smile: Ich bin selbstbewusster geworden und habe sehr viel weniger soziale Ängste. Aber dieser Punkt, dieser Teil Egoismus von mir, der macht mich ziemlich fertig und ich weiß einfach nicht, wie ich daran arbeiten kann.

    Also was ist für euch Geborgenheit? Gibt es da bei euch einen Zusammenhang mit Einsamkeit oder einen mit „sich beschützt fühlen“? Und wie kann man in diesem Zusammenhang mit Egoismus umgehen?
    Danke fürs Lesen!:rose:
     
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    25 Mai 2020
    #2
    Sun am See Respekt :smile: Weiter machen und nach vorne schauen.
     
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    25 Mai 2020
    #3
    Eine wirklich sehr bewegende Lebensgeschichte und ich kann dir da sehr vieles Nachempfinden.
    Geborgenheit ist für mich ein ganz wichtiges Gefühl, da ich es in meinem Leben auch viel zu selten zu spüren bekommen habe oder wenn es mal da war, mir schnell wieder verloren ging/genommen wurde. Immer wenn ich danach gefragt werde, was mir z.B. in einer Beziehung wichtig ist, sage ich als erstes "Geborgenheit". Und Geborgenheit ist für mich immer ganz eng verknüpft mit Zuverlässigkeit und Beständigkeit. Bei Menschen von denen ich weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann, bei denen fühle ich mich auch immer ein Stück weit geborgen. Ich habe da zum einen meinen Vater, der für mich durchs Feuer gehen würde, der mir alle Fehler verzeiht und mich nie hängen lassen würde. Außerdem habe ich eine gute Freundin, auch sie gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit, da ich weiß ihr kann ich alles erzählen ohne dass sie mich deswegen bewertet oder gar verurteilt. Bei meinem Freund fühle ich mich auch irgendwie geborgen, einfach weil er mich wertschätzt, aber bei ihm ist das Gefühl noch nicht so ausgeprägt, da er sich erst noch "beweisen" muss was die Beständigkeit anbelangt.
    Wie ich Geborgenheit empfinde ist wohl mit einem Gefühl von Freiheit zu vergleichen, wenn ich in der Gegenwart von jemanden einfach komplett ich selbst sein kann, nicht nachdenken muss was ich sage oder tue, wenn ich mich auch mal völlig daneben oder verrückt benehmen kann, lachen oder weinen oder mich auskotzen kann, ohne dabei Missachtung oder Scham oder derartiges zu empfinden, dann fühle ich mich auch geborgen.
     
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    25 Mai 2020
    #4
    Du hast mich mit deiner Frage echt ein bisschen zum nachdenken gebracht.
    Erstmal meinen Respekt dafür, wie du es geschafft hast dein Leben in so einen positiven und schönen Weg zu lenken, das schafft nicht jeder und darauf kannst du echt stolz sein.
    Für mich hat Geborgenheit sehr viel mit sich beschützt fühlen zu tun, die anderen Aspekte kann ich da gerade nicht so einordnen. Geborgenheut bedeutet für mich sich sicher zu fühlen, sich fallen lassen zu können und einfach man selbst sein können. Um mich bei einer Person geborgen zu fühlen, brauche ich das sichere Gefühl, dass mich die Person niemals absichtlich verletzten würde und mich in jeder Situation auffangen würde. Ich glaube, dass sich Geborgenheit so wie auch Vertrauen mit der Zeit aufbaut und immer stärker wird. Geborgenheit verbinde ich persönlich aber auch mit Körperlicher und emotionaler Nähe.
    Bei Personen, die mich aber in der Vergangenheit verletzt, enttäuscht oder so haben, kann und möchte ich glaube ich keine Geborgenheit mehr spüren, da dies für mich ein sehr wichtiges Gut ist.
    Es gibt glaube ich erst zwei Menschen in meinem Leben, wo ich wirklich sagen würde, dass ich mich bei denen geborgen gefühlt habe/ mich geborgen fühle. Das ist einmal mein Freund und meine ehemalige beste Freundin, aber dass ist auch ne komplexere Geschichte.
     
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    25 Mai 2020
    #5
    Puh! Ja, erstmal auch Respekt, dass Du das hier so offen, und gleichermaßen gefühlvoll wie reflektiert erzählst! Danke dafür!
    Und: solche Geschichten machen mich immer erst einmal nur sprachlos.

    Daher möchte ich eigentlich auch gar nichts dazu sagen (ich würde auch keine richtigen Worte finden), sondern nur Deine Frage beantworten, wie das bei mir mit Geborgenheit ist.
    Denn bei mir ist es komplett anders. Bei mir ist Geborgenheit im Normalfall verbunden mit Alleinsein und einer örtlichen Gegebenheit. Bis ich mich bei einer Person geborgen fühlen kann, muss sehr sehr viel Zeit vergehen. Und wenn ich so zurück denke, ist es mein bester Freund, es war meine Omi und es war meine Ex-Frau. Sonst niemand.
    Ich habe glücklicherweise nicht ansatzweise in Kindheit und Jugend das erleben müssen, was Du erlebt hast. Was Menschen Dir angetan haben. Aber ich hatte schlicht lieblose Eltern. Die nie einen Draht zu mir und meinem Inneren hatten und ich mich ihnen nie öffnen wollte und konnte. Dementsprechend fehlte mir diese Urgeborgenheit, die Kinder oft bei ihren Eltern beschreiben. Seitdem ich 12,13 war, hatte ich nur einen Wunsch: ausziehen. Ich habe sogar mein Taschengeld und Job-Verdienste dafür gespart, die ganzen Jahre, bis ich raus konnte.
    Das erste Mal echte Geborgenheit habe ich in meiner ersten Nacht alleine in meinem möblierten Tiefparterre-Minizimmer gespürt. Klein, billig, aber meins. Und niemand, der mir quer kommen konnte.
    Das ist irgendwie auch so geblieben die ganzen Jahre. Auch deswegen ist mir eine schöne, wohnliche, gemütliche Wohnung wichtig, weil sie mein - gefühlt - einziger Rückzugsort ist, an dem ich wirklich nur ich sein kann.

    Ein "sich beschützt fühlen" habe ich nicht. Ich habe eher Probleme, mich von lieben Menschen beschützen zu lassen. Vielleicht, weil eher ich für andere da war als anders herum. Aber vielleicht ist das auch ein Selbstbild, das falsch ist, keine Ahnung.

    Hmm. Über Egoismus habe ich in diesem Zusammenhang noch nicht nachgedacht. Es könnte schon egoistisch rüber kommen, wenn mir meine ich-Zeit wichtiger ist als Zeit mit Partner oder Freund. Aber das hat, glaube ich, bei mir auch nichts mit Geborgenheit oder der Suche danach zu tun.

    Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich...:ashamed:
     
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    25 Mai 2020
    #6
    Es tut mir wirklich leid, was dir passiert ist und ich möchte dir meinen vollsten Respekt aussprechen, dass du das hier so öffentlich und sachlich schildern kannst. Dazu gehört eine Menge Mut, Selbstbewusstsein und auch Selbstreflexion. :smile:

    Mir fehlen dafür ebenfalls die Worte und es macht mich wirklich sprachlos. :schuettel: Geborgenheit ist meiner Meinung nach ein Gefühl, welches sich durch (Ur)vertrauen entwickelt. Das Vertrauen erlernt man für gewöhnlich in der frühen Kindheit. Du hast vermutlich leider nicht erlebt. Das erste Mal richtiges Vertrauen hattest du daher vermutlich mit einem Mann und assoziierst damit das Gefühl der Geborgenheit mit sexuellen, Gefühl bei Männern. Ist dieses Gefühl der Geborgenheit der Grund für eure polyamore Beziehung? Ich möchte da aber auch gar nicht weiter interpretieren. Das steht mir nicht zu, dazu habe ich keine Fachkenntnisse und das ist auch in meinen Augen ein Fall für eine Therapie. Das waren nur die ersten Gedanken die mir dazu kamen.

    Geborgenheit habe ich von Grund auf von meinen Eltern erfahren. Es ist für mich definitiv ein Gefühl von Heimat und blindem Vertrauen. Mittlerweile erfahre ich Geborgenheit in meiner langjährigen Beziehung, das hat aber lange gedauert. Es ist für mich kein Gefühl, welches sich schnell einstellt, sondern ist für mich immer mit sehr starkem Vertrauen verknüpft.

    Geborgenheit ist für mich immer ein "sich beschützt fühlen". Das hängt unmittelbar zusammen.

    Egoismus bringe ich gar nicht damit in Verbindung. Ich verstehe auch nicht, wie du das genau meinst.
     
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    25 Mai 2020
    #7
    Sun am See eine wichtige Frage, die du da stellst. Danke dafür.

    Wie du ja weißt, habe ich Ähnliches hinter mir. Nicht dasselbe, klar, aber ich erkenne Vieles wieder. Die Vernachlässigung, die Unzuverlässigkeit und Unberechenbarkeit, die Gefahr sich zu öffnen und "Schwäche" zu zeigen, weil man sonst bloßgestellt und ausgelacht wird. Die viel zu große Verantwortung als Kind. Plus Schläge. Auch kenne ich die beständige Einsamkeit.

    Aus dieser Erfahrung heraus und da du so gut für dich selbst sorgst und so stabile Beziehungen in deinem Leben hast, bin ich ziemlich zuversichtlich dass du lernen kannst, Geborgenheit in einem gewissen Maß auch von anderen Menschen als (potentiellen) Beziehungspartnern zuzulassen.

    Ich selbst führe mehrere langjährige, teilweise jahrzehntelange Freundschaften. Trotzdem konnte ich diese wertvollen Freundschaften oft nicht richtig sehen, richtig an mich ranlassen und glauben, dass mich da ein paar Menschen ziemlich lieb haben. Seit etwa 2 Jahren arbeite ich bewusst dran, mir vor Augen zu führen, für wen ich so alles dankbar sein kann in meinem Leben. Und ich öffne mich gezielt, wo ich rational weiß, dass ich das kann - aber bisher halt oft zu ängstlich dafür war.
    Das hat meine bestehenden Freundschaften unheimlich intensiviert und neuere Freundschaften richtig wachsen lassen. Ich fühle mich mit diesen Freund*innen geborgener als früher.

    Trotzdem ist es so, dass Geborgenheit für mich etwas ist, dass erst mit der Zeit kommt. Ich muss jemanden schon eine Weile kennen, bevor ich das Gefühl habe, voll ich selbst sein zu können. Bei mir macht das diese gemeinsame Geschichte irgendwie. Wenn wir gemeinsam ganz viel erlebt haben und die Person mich in unzähligen Situationen erlebt hat und ich sie. Wenn wir quasi schon Insiderwitze haben. Wenn im aktuellen, schönen Moment miteinander noch vorherige, gemeinsame Momente nachschwingen.
    Und, anders als Mark11, erlebe ich Geborgenheit ausschließlich mit anderen. Ich kann mir das selbst wohl noch nicht so geben, realisiere ich da. Zufriedenheit schaffe ich mit mir selbst, aber das ist anders für mich. Wobei bestimmte Orte auch eine gewisse Geborgenheit schenken können.

    Du bist übrigens nicht allein damit, an Flirts festzuhalten, obwohl du nicht interessiert bist. Das machen doch sehr viele Menschen. Wichtiger, als dich dafür fertig zu machen, finde ich, nach Motiven dafür zu suchen. Zum Beispiel: Menschen mit normalen Eltern hatten von der Aufmerksamkeit, wie es sie in dieser Intensität ansonsten nur noch in der Kennenlernphase gibt, als Kinder viel, viel mehr. Babies bekommen sooo viel Zuwendung und Nähe.
    Vielleicht musst du Schritt für Schritt lernen, diese Aufmerksamkeit in dir und in Freundschaften zu finden? Ist jetzt nur eine Überlegung, gibt sicher noch mehr Möglichkeiten.
    Ich wünsche dir da jedenfalls alles Gute dabei :knuddel:
     
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    25 Mai 2020
    #8
    Ich hätte gar nicht gedacht, dass so viele diesen mega langen Text überhaupt lesen :seenoevil: Erst einmal danke euch! Ich werde nach und nach darauf eingehen.
     
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    25 Mai 2020
    #9
    Sun am See erst einmal vielen Dank für den Einblick in deine emotionale Welt und die Erfahrung die du gemacht hast und leider mit zu machen gezwungen warst. Respekt an deine Entwicklung :smile:.
    Ich möchte es Mark11 aber gleich tun und deine Frage beantworten, weil es mir so geht wie Ihm.

    Geborgenheit ist für mich vieles und wenige zu gleich. Heißt ich brauche nicht viel um mich geborgen zu fühlen.
    Geborgenheit habe ich bspw. wenn ich mit meiner Partnerin einfach nur zusammen auf der Couch oder in ihrem Arm liege. Einfach dieses Gefühl zu haben da ist jemand für einen da, egal ob ich grade gute oder schlecht Laune habe.

    Geborgenheit ist für mich zum Beispiel aber auch einfach bei den Kaninchen im Stall zu sitzen, zu sehen und zu spüren, wie sie neugierig an einem herumklettern oder sich einfach in der Nähe hinlegen. Dieser Moment, wenn die Welt in Ordnung ist.

    Geborgenheit ist aber für mich auch, wenn ich mit der Mannschaft in der Kabine stehe kurz bevor es los geht oder auch wenn auf dem Feld gekämpft wird. Dieses Gefühl der Gemeinschaft.

    Geborgenheit bedeutet für mich aber auch durch den Wald zu joggen und die Tiere zu hören und ein Gefühl der Harmonie zu genießen :smile:.

    Geborgenheit ist für mich ein Gefühl der Sicherheit, Entspannung aber auch des Wissens, da ist jemand dem du nicht egal bist bzw der grade nur da ist weil er seinen Nutzen aus deiner Anwesenheit hat.
     
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    25 Mai 2020
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    Du beeindruckst mich immer wieder und ich kann an der Stelle gerade nicht mehr sagen als das - Danke dass du das mit uns teilst - in mir regt das ganz viele Gefühle und das erlebe ich als sehr wertvoll :herz:
     
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    25 Mai 2020
    #11
    Ein bisschen Egoismus braucht jeder Mensch. Sonst ginge er kaputt. :knuddel:

    Ich habe gar keine Verträge mit Gefühlen wie Einsamkeit oder Geborgenheit. Am ehesten würde ich wohl sagen, dass mein bester Freund mir "Geborgenheit" geschenkt hat. Also eine Art Gefühl, dass wirklich "alles" vollkommen gleichgültig was, völlig in Ordnung geht und immer okay ist. Das finde ich bis heute sehr stark - bin selbst aber eben nicht so. Es gibt (viele) Dinge, die für mich persönlich gar nicht in Ordnung gehen. Egal, ob Freundschaft, Partnerschaft, Elternschaft.

    Ich habe mich im Leben noch nicht "einsam" gefühlt. Aber auch nicht dezidiert "Geborgen". Bislang gab es für mich immer irgendwo "zwei Seiten der Medaille". Im Nachhinein betrachtet würde ich aber wohl sagen können, dass ich mich in Gegenwart meines besten Freundes "geborgen" gefühlt habe.

    Von meinem Partner erwarte ich "Zuverlässigkeit". Was sicherlich in Teilen mit "Geborgenheit" einhergeht. Trotzdem kann ich das für mich gar nicht so genau beziffern.

    Du hast bislang einen ganz tollen Weg hingelegt und kannst stolz auf Dich sein :rose:

    Vielleicht kannst Du versuchen, diese Gefühle der Einsamkeit oder den Mangel an Geborgenheit genauer zu analysieren, um festzustellen, dass es sich faktisch vielleicht ganz anders gestaltet?
     
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    26 Mai 2020
    #12
    Danke dir das mache ich!

    Das kann ich auch so für mich übernehmen.
    Das finde ich interessant, das habe ich irgendwie nicht so. Diese Zuverlässigkeit und Beständigkeit erzeugt bei mir Vertrauen (beispielsweise so sein zu können wie ich bin) und eine gewisse Stabilität, dass ich die Person nicht so schnell verlieren werde. Das habe ich auch in guten Freundschaften. Geborgenheit empfinde ich dadurch trotzdem nicht. "Nur" Vertrautheit und ein "sich wohlfühlen". Geborgenheit ist für mich irgendwie noch anders und scheinbar noch wichtiger.

    Wobei mir natürlich ein Flirt nicht wichtiger als eine gute Freundin ist. Die Geborgenheit bei einem Flirt ist auch eine gänzlich andere als in Anwesenheit meines Freundes (letztere logischerweise viel viel tiefer).
    Danke dir für den Einblick. So kann ich auch nur bei ganz ganz wenigen Menschen sein. Aber da gibt es glücklicherweise ein paar (jahrelange) Freunde bei denen das der Fall ist :whoot:

    Vielen Dank, das ist lieb von dir! :smile: Auch dieses "auf mich stolz sein" habe ich erst im vergangenen Jahr angegangen zu lernen. Da gab es so einen Schlüsselmoment für mich, auf einmal konnte ich dieses Gefühl erahnen. Vorher kannte ich das nicht.

    Das stimmt, das ist bei mir auch so.
    Dann bin ich ja nicht alleine damit. Was mir gerade dazu einfällt wo du es schreibst: Dass ich in Freundschaften niiiie Geborgenheit empfinde stimmt so auch nicht. Wenn mich eine gute Freundin umarmt empfinde ich in dem Moment auch kurz Geborgenheit.
    Der Unterschied zur Beziehung ist bei mir vielleicht, dass sich mein Partner nur in der Nähe befinden muss und ich schon Geborgenheit empfinde. Da spielt aber auch wieder dieses beschützt fühlen mit rein. Je mehr ich darauf vertraue, dass er da ist, wenn ich ihn brauche und dass er mich nicht allein lässt, wenn irgendetwas ist, desto mehr fühle ich mich in seiner Nähe geborgen. Desto mehr habe ich das Gefühl egal was kommt, mir kann nichts passieren.
    Das habe ich mit Freunden aber gar nicht. Auch wenn die natürlich auch da sind, wenn es mir nicht gut geht. Aber das "reicht" irgendwie nicht.

    Vielen Dank! :smile: Das war tatsächlich gar nicht so ganz einfach, weil mich ja doch einige Leute hier (persönlich) kennen und der Text schon sehr persönlich ist:seenoevil: Aber irgendwie hat mich das jetzt schon so lange beschäftigt, dass ich mal mehrere Meinungen hören wollte. In der Therapie habe ich das auch schon mal besprochen.

    Spannend, dass das so unterschiedlich sein kann! :smile:
    Das tut mir leid :frown: Dann ist auch das total nachvollziehbar was du beschreibst.

    Auch das kann ich nachvollziehen. So ein bisschen hatte ich das, als ich mein erstes Auto bekam. Einfach die Freiheit zu haben vor allem davon fahren zu können, wenn einem alles zu viel wird. Ich wollte sogar mal in meinem kleinen Clio pennen, weil ich nicht mehr nach Hause wollte. Eine Freundin hat mich dann aber doch überredet zu ihr zu kommen :seenoevil:
    Auch das mit der Wohnung hatte ich später. Zuerst bin ich noch in Aquariums Kinderzimmer bei seinen Eltern eingezogen. Als wir 2018 dann in unsere erste eigene Wohnung zogen hatte ich das erste Mal das Gefühl ein richtiges Zuhause zu haben :love: Leider stellte sich nach ein paar Monaten heraus, dass ich mich dort doch gar nicht so sicher fühlen konnte, aber das ist eine andere lange Geschichte.
    Unsere jetzige Wohnung ist perfekt :herz: Und nur für uns. Endlich ein Ort bei dem ich die Tür zumachen kann und durchatmen kann. Hier kann mir nichts mehr passieren. Und wir haben es uns hier richtig richtig schön gemacht :smile:

    Das sehe ich also genauso!

    Nee das finde ich eigentlich nicht egoistisch. Da hat einfach jeder ein unterschiedlich stark ausgeprägtes Bedürfnis nach.
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 25 Mai 2020 ---
    Vielen Dank dir! :smile:

    Ja das denke ich auch. Urvertrauen (in die Welt) habe ich defintiv nicht. Ich bin bei neuen Leuten immer erst einmal auf der Hut. Auch Freunden habe ich viele Dinge erst nach Jahren (oder nie) erzählt. Ich glaube Urvertrauen habe ich das erste Mal mit ca. 16/17 ergegoogelt (da habe ich versucht herauszufinden was mit mir los ist..) und dachte mir so "ach kacke nö das haste nicht" :grin:

    Das habe ich auch so schon mal überlegt. Gut möglich, dass das dabei eine große Rolle spielt.

    Auch darüber habe ich mir bereits sehr sehr viele Gedanken gemacht. Vor allem als ich einmal fast Aquarium und einmal tatsächlich Anfang des Jahres meinen Exfreund verloren habe, weil sie sich keine polyamore Beziehung (mehr) vorstellen konnten. Ich weiß nicht wie oft ich mir die Frage gestellt habe, ob ich ihm die Beziehung hätte bieten können, die er sich gewünscht hätte, wenn ich weniger "kaputt" wäre (meine Worte!). Ich weiß es nicht. Vielleicht ja, vielleicht nein. Vielleicht hätte ich mich auch gar nicht in ihn verliebt, wenn ich diese Geschichte nicht hätte. Keine Ahnung, ich habe irgendwann für mich beschlossen, dass es mir egal ist wo das herkommt, solange ich mit dieser Lebensweise glücklich bin.

    Ich war Ende 2013 bis Frühsommer 2015 in Therapie, Anfang 2019 in der Klinik und seitdem wieder in ambulanter Therapie. Und ich bin froh, dass ich eine tolle Therapeutin gefunden habe, der ich vertrauen kann. Und ich bin froh, dass sie nicht versucht zu Tode zu analysieren in wen ich mich warum verliebe. Das spielt für mich auch nicht DIE Rolle.
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 26 Mai 2020 ---
    Ja das ist bei mir auch so. Nur hat es bei mir nicht immer etwas mit Vertrauen zu tun. Einen neuen Flirt vertraue ich ja nicht gleich.

    Mit Egoismus meinte ich den Teil, dass ich zu wenig Rücksicht auf meine Mitmenschen nehme, wenn ich Geborgebheit empfinde. Wenn ich mich bei jemandem geborgen fühle, aber nicht auf ihn stehe und ihm dadurch aber Hoffnungen mache. Oder ich stehe auf jemanden und er auf mich und weil ich mich geborgen fühle ignoriere ich (eine Weile), dass er vielleicht eine Freundin hat die das absolut nicht gut fände oder dass mein Freund gegen Aktion/Typ XY etwas hätte.
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 26 Mai 2020 ---
    :knuddel:

    Ich frage mich auch manchmal wie ich das eigentlich geschafft habe. Aber ich hatte irgendwie das Glück (meistens) tolle Freunde zu haben und wenn es mal nicht die richtigen Freunde waren, habe ich es (jaa manchmal erst nach Jahren aber zumindest habe ich es) erkannt und einen Schlussstrich gezogen. Auch, dass ich direkt nach der ersten Beziehung gelernt habe, dass es doof ist sich emotional so abhängig zu machen und ausgeglichene Beziehungen viel entspannter sind, finde ich ziemlich cool :smile: Nicht so wie meine Mutter..
    Das ist aber optimistisch. Das wäre natürlich wünschenswert.

    Darf ich fragen WIE genau du daran arbeitest?

    Das ist wohl wahr :seenoevil:

    Sehe guter Ansatz, danke dir dafür. Dass das mit Aufmerksamkeit zu tun hat war mir klar, aber so bewusst habe ich mir das noch nie gemacht.
    Im Endeffekt weiß ich halt, dass mich sehr viele Männer attraktiv finden und da fühlt man sich natürlich geil :link: Aber gleichzeitig reduziere ich mich selbst da sehr auf meinen Körper und das was ich so erstmal von mir zeige und denke immer direkt "wenn der wüsste wie kaputt ich bin, dann würde er mich nicht mehr so toll finden." Ich denke daher ist bisher auch immer nur was daraus geworden, wenn ich nicht auf eine Beziehung/F+/whatever aus war und ich mehr ehrlich von mir gezeigt habe..

    Möglich. Schickst du mir das 10 Schritte Rezept :tongue:
    Nein, danke dir erst einmal!
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 26 Mai 2020 ---
    Vielen Dank! :smile:

    Süß :smile: Bei meinen Kleintieren ist das für mich eher was entspanntes, auch glückliches wenn mir die Meeris aus der Hand fressen oder der Hamster auf mir rumklettert. Richtig Geborgenheit empfinde ich da aber nicht. Allerdings empfinde ich die, wenn ich mein Pferd oder einen besonderen Lieblingshund umarme :love: Das ist definitiv Geborgenheit. Wenn auch eine andere als die Menschliche. Vor ein paar Tagen habe ich mein Pony auch noch wieder mit all meinen Sorgen zugequatscht. Er wirkte freundlich interessiert :grin:

    Auch dir vielen Dank für den Einblick! In der Natur fühle ich mich wohl, kann ein bisschen zur Ruhe kommen. Vor allem zwischen meinen Terminen mit den Familien auf der Arbeit tut mir eine Pause in der Natur (und eine Runde PME) total gut. Das baue ich bewusst ein. Geborgenheit gibt mir das aber nicht.
    Am ehesten kommt es ohne menschlichen oder tierischen Einfluss noch an Geborgenheit heran, in meinem Bett zu liegen, eingekuschelt in eine Decke, mit Wärmekissen am Körper und einer leckeren Tasse Tee in der Hand.
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 26 Mai 2020 ---
    Das kann wohl sein, ich hätte ihn nur gerne an einer Stelle, an der er weder meine, noch eine andere Beziehung gefährdet:seenoevil:
    In anderen Bereichen könnte ich sicherlich ein wenig Egoismus gebrauchen, bis ich da an mich denke bin ich schon zusammengeklappt :upsidedown:

    Das heißt du hast es so empfunden, dass er dir Geborgenheit gegeben hat, aber du konntest/wolltest das nicht zurückgeben?

    Vielen Dank! :smile:

    Was meinst du mit ganz anders gestaltet?
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 26 Mai 2020 ---
    Echt, wieso denn das? :ashamed::seenoevil:
    Vielen Dank!
     
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    26 Mai 2020
    #13
    Wow! Angesichts deiner extrem beeindruckenden Geschichte traue ich mich kaum, hier etwas zu schreiben.
    Beim Lesen musste ich teilweise mit den Tränen kämpfen. - Und das passiert mir wirklich nur sehr selten. Was du alles schon mitmachen musstest, was du dir auf dieser Basis aufgebaut hast und wie reflektiert du damit umgehst, verdient wirklich meinen allergrößten Respekt! :anbeten:

    Und ich würde dich gerade gerne in den Arm nehmen. :knuddel: - Einfach so. Aber selbst wenn ich es könnte, wäre ich wohl nicht wirklich der richtige Mensch, um deinen Horizont in Sachen Geborgenheit zu erweitern, weil ich ein Mann bin und dich auch durchaus als nicht ganz unattraktiv wahrnehme... :ashamed: (Auch wenn diese Wahrnehmung bei meinem Wusch, dich in den Arm zu nehmen, echt keine Rolle spielt.)


    Aber ich wage es, trotz meiner viel harmloseren Lebensgeschichte auch etwas über meine persönlichen Situation in Sachen Einsamkeit und Geborgenheit zu schreiben, da mich dieses Thema sowieso beschäftigt und mich dein Thread nochmal zum Nachdenken aregt.
    Auch für mich ist Einsamkeit ein fast dauerhaftes Gefühl. Manchmal belastet es mich ganz akut. Oft ist es nur so als dumpfes Gefühl im Hintergrund präsent (mal mehr, mal weniger) und nur ganz selten wird es auch mal für eine gewisse Zeit von schönen Situationen komplett verdrängt.

    Familiäre Probleme kenne ich glücklicherweise so gut wie überhaupt nicht. Meine Eltern sind super und ich verstehe mich sehr gut mit ihnen. Aber trotzdem sind sie nicht unbedingt die Menschen, bei denen ich ein total kuscheliges Gefühl von Geborgenheit habe. Und auch der Rest der Familie ist großteils total in Ordnung.
    Aber Geborgenheit habe ich wohl vor Allem bei meinem Opa verspürt, wenn ich mit ihm auf den Sofa saß und mit ihm einfach über alles reden konnte. Es war schön, ihn 20 Jahre lang als den besten Opa überhaupt zu haben. Aber es hätten gerne auch noch mehr, als 20 Jahre sein dürfen.

    In der Schule war ich immer ein Außenseiter, wurde lange Zeit gehänselt, oder vielleicht sogar gemobbt und konnte mich nur mit einigen anderen Außenseitern anfreunden, die - genau wie ich - nie so richtig dazugehört haben. (Was diese tollen Menschen nicht abwerten soll.) Erst in der Oberstufe wurde es besser. Da war ich dann zumindest ein akzeptierter und respektierter Außenseiter.
    An der Uni war es schon besser. Da wurde ich nie ausgegrenzt, oder nicht akzeptiert, sondern habe mich immer gut mit meinen Kommilitonen verstanden. Aber ich habe zu weit entfernt gewohnt, um beim Studentenleben so richtig dabei zu sein.

    Mein erster Sportverein hat mich durch die Schulzeit gerettet. Da war ich vielleicht nicht immer mittendrin, aber habe schon dazu gehört und wurde immer akzeptiert und respektiert. Aber auch da gab es nicht dieses große Gefühl von Geborgenheit, sondern es war eher eine nette, angenehme Zweckgemeinschaft, in der es mehr um den Sport an sich, als um eine enge Gemeinschaft ging.
    Einen Einblick in eine richtig schöne, herzliche Gemeinschaft, in der man sich geborgen fühlen kann und wo alle bedingungslos füreinander da sind, habe ich dann durch einen befreundeten, über 500km entfernten Sportverein bekommen. Bis heute habe ich keine andere Gemeinschaft erlebt, in der ich quasi von Anfang an das Gefühl hatte, ich selbst sein zu können, niemandem etwas beweisen zu müssen und genaus so gemocht und akzeptiert zu werden, wei ich bin. - Und das, obwohl ich nicht mal richtig dazugehört habe, sondern nur so was, wie Freund und Gast oder Gastgeber war.
    (Die Vereinsgründerin, die einen ganz großen Anteil an all dieser tollen Gemeinschaft hatte, ist vor einer Weile viel zu früh gestorben. Das kann ich immer noch nicht richtig fassen. :cry:)

    Mein Wechsel in meinen zweiten Sportverein war ein absoluter Glückgriff. Das ist schon viel mehr eine tolle Gemeinschaft, als nur eine sportliche Zweckgemeinschaft. Leider musste ich den Sport nach einiger Zeit aufgeben und bin jetzt nur noch gelegentlich im Verein dabei. Trotzdem gehöre ich dazu und fühle mich dort pudelwohl... aber auch das ist noch nicht dieses richtig kuschelige Gefühl von Geborgenheit.

    Und auch mit meinen Freunden fühle ich mich zwar total wohl, aber nicht richtig geborgen. Da fehlt irgendwie normalerweise dieses warme, kuschelige Gefühl.
    Nur als eine gute Freundin für mich da war, als mein Opa gestorben ist und meinte, ich könne mich wirklich jederzeit bei ihr melden, fühlte ich mich schon irgendwie geborgen.
    Und bei der Partnersuche war ich auch noch nicht erfolgreich, weshalb ich auch noch nie eine Partnerin hatte, bei der ich mich vielleicht hätte geborgen fühlen können.


    Letztendlich habe ich Geborgenheit also nur in homöopathischen Dosen erlebt, während ich schon viel häufiger Ausgrenzung, oder die Rolle als Außenseiter erlebt habe, oder zumindest irgendwie nicht so richtig dazu gehört habe.
    Es kann auch gut sein, dass ich an manchen dieser Dinge nicht ganz unschuldig bin, weil es mir oft schwer fällt, mich zu öffnen, Schwäche zu zeigen und Hilfe und Zuspruch anzunehmen. Vermutlich gibt es einige Menschen, bei denen ich das problemlos tun könnte, ohne befürchten zu müssen, dass das irgendwelche negative Konsequenzen hat. Es gibt sogar einige Leute, die ganz toll reagiert haben, wenn ich das mal getan habe. Und trotzdem schaffe ich das nur ganz selten.
    Dafür bin ich gerne für andere Menschen da und helfe ihnen. - Einfach so, weil ich es kann, ohne mir davon irgendwas zu versprechen, oder eine Gegenleistung zu erwarten.



    So richtig schlau werde ich aus der ganzen Sache auch nicht. Ich habe kein tolles Fazit oder so. Ich weiß nur, dass ich dieses Gefühl der Einsamkeit und fehlenden Geborgenheit selbst ziemlich gut kenne. :ratlos:

    Der Definition von Geborgenheit von Art_emis kann ich mich durchaus anschließen:
    Ich selbst sein können, das tun können, was ich will, genau so gemocht und geschätzt werden, wie ich bin und gleichzeitig bedingungslos füreinander da sein. Das macht Geborgenheit für mich aus.

    Alleine kann ich mich nicht geborgen fühlen. Das geht nur mit einem anderen Menschen, oder in einer Gruppe.
     
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    26 Mai 2020
    #14
    Ich denke auch, dass ich Geborgenheit nicht in einem Mass kenne, wie es in Westeuropa als etwa die Norm angesehen wird. (Ich finde es immer wichtig, sich solche Sachen in Relation anzusehen: Verglichen mit einem 14jaehrigen unbegleiteten Boots-Fluechtling habe ich natuerlich sehr viel Geborgenheit erleben duerfen.)
    Die Gruende sind klar ganz anders als bei Dir - Alkohol hat bei uns ueberhaupt keine Rolle gespielt, es gab ueberhaupt keinen Alkohol im Haus, niemand hat je getrunken. Dafuer hatten meine Eltern ein extremes Leistungsdenken und sehr, sehr hohe Ansprueche, und wenn man denen nicht entsprach, sorgten sie sehr aktiv dafuer, dass es einem nicht gut geht. Wir durften zum Beispiel auch keine Mitschueler besuchen, das haette uns von den Bestnoten als Ziel nur abgelenkt.
    Das hatte einige Aspekte von Psychoterror, noch staerker bei meiner Schwester, da sie partout nicht studieren gehen wollte.

    Seinen Hintergrund (egal, ob Deiner, meiner oder einen anderen) kriegt man nur sehr schwierig aus sich raus - auch ueber Jahrzehnte, doch Distanz und der Versuch, sich selbst zu finden und so zu leben, wie man es moechte, koennen helfen. Ich bin sicher etwas entspannter geworden als frueher, aber alle meine Stresswerte sind nach wie vor sehr hoch. Und ein Kind im "hang loose" Stil zu erziehen, wuerde ich wirklich nicht schaffen.

    Wenn ich etwas erreicht habe, fuehle ich mich schon zufrieden, bis sehr zufrieden oder auch stolz. Aber ich merke immer wieder, dass ich viel tue, um irgendwie auch akzeptiert zu werden - ich denke sogar, viel von meiner Kraft, um einfach noch einen Schritt weiterzugehen, noch etwas laenger durchzubeissen, kommt auch daher. Das ist zwar auch positiv, aber nicht nur.

    Aber eben - geborgen fuehle ich mich nicht. Ich fuehle mich eher immer etwas unruhig, mache selten wirklich Pausen, da ich irgendwie finde, das macht man nicht, und ab und zu habe ich dann einen "Einbruch", wo's nicht mehr geht. Dann kommen ein paar total energielose Tage, und dann geht's wieder weiter.

    Manchmal wuenschte ich schon, dass es etwas anders waere, doch dann denke ich mir auch, dass gar nicht alles schlecht ist, und ich mit einem anderen Hintergrund vielleicht auch nicht besser dastehen wuerde.

    Ist ein schwieriges Thema.
     
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    26 Mai 2020
    #15
    Glaube mir: Du kannst total stolz auf dich sein. Was du alles in deinem Leben schon erlebt und überlebt hast, ohne komplett daran zu zerbrechen, und aus welchen Dingen du dich schon rausgekämpft hast, ist eine unglaubliche Leistung, zu der sicherlich nur ganz wenige Menschen fähig sind.


    Ich habe in meinem Leben schon einige Menschen kennengelernt, die in jungen Jahren einige richtig unschöne Dinge erlebt haben (nicht unbedingt in einem Umfang, wie du, aber trotzdem ziemlich heftige Dinge) und die nicht daran zerbrochen sind, sondern die sich durch- und rausgekämpft haben.
    Diese Menschen habe ich häufig als ziemlich reife, reflektierte, starke, aber auch sensible Persönlichkeiten kennengelernt, die mich im positiven Sinne beeindruckt haben. - Und du bist da keine Ausnahme (soweit ich mir dieses Urteil nur aufgrund meines Eindrucks aus dem Forum erlauben kann).
     
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    26 Mai 2020
    #16
    Diese Gefühle kenne ich exakt genauso.
    Auch wenn sich unsere Erfahrungen unterscheiden, die Ängste und andere Gefühle sind doch fast gleich.
    Beim lesen solcher Geschichten erkenne ich immer unheimlich viele Parallelen.
    Mich macht es auch immer sehr traurig, wie vielen es so geht :frown:

    Zum Thema:
    Geborgenheit ist schwierig zu definieren, finde ich.
    Für mich persönlich hat es überhaupt nichts mit "beschützt werden" zu tun, sondern mit "sich zu Hause fühlen, sich gehen lassen, so sein wie man will, akzeptiert werden."
    Dieses Gefühl habe ich nicht nur bei einem Partner sondern auch bei sehr engen Freunden, meinen Kindern und natürlich auch Tieren.
    Ich glaube in der Hinsicht tickst du sehr ähnlich wie ich Sun am See
    Ich suche auch immer Trost und Nähe bei meinen Tieren. Deshalb könnte ich nie ohne.
    Tiere nehmen dich so, wie du bist. Ohne wenn und aber. Ohne Abwertung, Beleidigung, Verletzung...
    Wenn man genau hinschaut und sich traut, findet man auch Menschen (Freunde/Partner), die genauso wertvoll sind.
    Dazu gehört aber eine große Portion Vertrauen und sehr viel Zeit und Mut das überhaupt zuzulassen.
    Das ist für Menschen, wie uns, sehr schwer.
    Bei mir ist es oft so, das winzig kleine Verletzungen, die für "normale" Menschen kein Problem darstellen, mich in ein ganz tiefes Loch voller Zweifel und Selbstvorwürfe reißen.
    Das ist etwas, was ich anscheinend sehr früh gelernt habe... wenn etwas passiert, egal was, ICH bin schuld.

    Auch das mit der Einsamkeit kenne ich.
    Ich vermute es hat damit zu tun, das niemand außer dir diese Erfahrungen gemacht hat- selbst wenn es sehr ähnlich ist, es kann sich doch niemand zu 100% in dich hineinversetzen. Man versteht sich ja manchmal selber nicht, wie soll es dann ein anderer tun?
    Wie soll jemand anderes verstehen, warum man sich gerade so verhält, wie man es tut, weil eine Situation gerade zB einen Flashback auslöst....
    Und damit fühlt man sich dann einsam.

    Und ich weiß aus eigener Erfahrung, das sensible Menschen einfach immer alles zerdenken.
    Das nervt mich an mir selbst oft.
    In guten Zeiten habe ich das nicht, aber wenn mich was aus der Bahn wirft, dann kann ich damit einfach nicht aufhören und das ist so anstrengend.
    Das kennst du sicher auch.

    Total vom Thema abgedriftet :grin:
     
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    26 Mai 2020
    #17
    Das ist eine Frage. Da muss ich abschreiben :grin:

    Nee quatsch. Geborgen fühl ich mich eigentlich bei jedem Menschen den ich kenne und entsprechend gern habe. Ich suche Nähe und fühle mich dort angenommen und geborgen.
    Vorausgesetzt ich mag die Menschen und kenne sie.
    Ich kann auch halbwegs fremde mögen oder Menschen, mit denen ich nicht häufig zu tun habe, aber geborgen fühle ich mich dort nicht. Erst recht nicht bei fremden Männern. Da bewirkt die beschriebene Aufmerksamkeit eher Rückzug und Flucht. Ich mag weiche Menschen, die nicht Vollgas geradeaus fahren,damit kann ich nicht umgehen.

    Ansonsten mag ich die Geborgenheit meiner Wohnung, meiner weichen Bettdecke, des warmen Hundes, des Stalls, des Hauses meiner Eltern.

    Ach Sun am See, ich bin nicht gut in sowas, aber fühl dich einfach mal von Herzen gedrückt. :herz::knuddel:
     
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    26 Mai 2020
    #18
    Off-Topic:
    Bei allem Negativen, von dem hier erzählt wird: was für ein schöner, ehrlicher, rücksichtsvoller Thread!


    Liebe Sun, Du hast mich mit diesem Thema wirklich "erwischt". Auch, weil es gerade für mich im Moment so schwer ist, wieder irgendwie eine Mitte zu finden, Ruhe und Gelassenheit und damit auch einen Weg, wieder Geborgenheit zu fühlen.
    Daher habe ich letzte Nacht noch lange darüber nachdenken müssen und mir ist dann klar geworden, dass es auch für mich noch eine andere Geborgenheit gab. Und zwar doch durch einen Menschen und nicht durch eine Örtlichkeit und Alleinsein.
    Dieser Mensch ist vor einigen Jahren regelrecht in mein Leben geknallt und hat mir quasi vom ersten Tag an ein unglaubliches Vertrautheitsgefühl gegeben. Eben genau nicht das, was ich zuvor geschrieben habe. Es war so schnell da, dass ich das erst gar nicht realisiert habe.

    Dieser Mensch hat es geschafft, dass ich das erste Mal in meinem Leben einfach meinen Kopf in ihren Schoss legen und mir über den Kopf streicheln lassen konnte. Einfach so, ohne zu denken, ob ich das einfach so machen lassen "darf", ohne zu überlegen, wie ich mich 'revanchiere' oder was ich "machen" sollte. Dieser Moment war, glaube ich, mehr Geborgenheit, als alles Andere, was ich bis dato erlebt habe. Aber er war eben auch so viel mehr, dass das Geborgenheitsgefühl nur eins von mehreren Gefühlen war. Und es war eben nicht eine Örtlichkeit oder das Alleinsein im Sinne von "nur ich sein". Daher hatte ich das gestern gar nicht erwähnt.
    Aber es geht also auch für mich, dass alleine ein Mensch mir absolute Geborgenheit geben kann. Bisher ist es aber nur einem "gelungen".

    Sorry, dass ich nochmal so lange von mir erzählt habe! :ashamed:
     
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    in einer Beziehung
    26 Mai 2020
    #19
    Eine sehr bewegende Geschichte. Auch ich kann keine Geborgenheit zu meinen Eltern empfinden. Zu meiner Mutter ein wenig, aber zu meinem Stiefvater habe ich kein Gefühl. Es gab nie väterliche Liebe, Anerkennung und Schutz..nur Angst etwas falsch zu machen, Kritik etc. Als ich 5 war hatte ich nachts einen Alptraum. Meine Eltern waren bei Freunden (das haben sie damals öfters gemacht und es gab nie Probleme), ich stand heulend im Treppenhaus und eine Nachbarin nahm mich auf.
    Als sie später wieder weg gehen wollten hatte ich Angst vor dem Alleinsein, Angst vor der Dunkelheit. Im letzten Moment rannte ich immer zur Tür und meine Mutter musste dann da bleiben. Es gab von ihm immer nur schimpfe: "Ich mache das nicht mehr lange mit mein Fräulein." Ich fühlte mich damals so allein.
    Meine Mutter kann sich nicht erinnern und meinte: nein so waren wir nicht - dann wären wir ja Rabeneltern gewesen. Sie meint es nicht böse..vermutlich verdrängt/vergessen.

    Die Angst vor der Dunkelheit kam mit 20 wieder als meine Oma starb und generalisierte auf andere Lebensbereiche. Hier half mir eine Therapie.

    Geborgenheit fand ich bei meinen Großeltern und im Malen und Träumen und ich wollte oft so gern in der heilen Trickfilmwelt leben. Da waren Drama, aber auch Liebe.

    "Ich hab dich lieb" kann ich zu meinen Kindern problemlos sagen..aber bei meiner Mutter oder auch bei Freunden fällt es mir nicht so leicht...ich spüre da eine Art Blockade..auch wenn ich es fühle..aber das schreiben oder aussprechen bereitet mir manchmal Probleme.
    Auf partnerschaftlicher Ebene funktioniert es.

    Auch emotionale Abhängigkeit war ein Thema. Und ich bin, was meine Gefühle in Beziehungen angeht immer noch oft unsicher: Fühlst du jetzt richtig oder übertrieben, aufgrund früherer Verletzungen.
    Mein Therapeut sagt ich werde immer etwas mehr Bestätigung brauchen.Liebevolle Worte sind meine Schwäche und schon so mancher Kerl konnte mich damit fangen. Heute achte ich mehr auf die Taten. Lob und Anerkennung sind dennoch meine Liebessprache geblieben.

    Mein jetziger Partner und ich hatten im ersten Jahr eine unglaublich intensive Nähe. Als er in seine Krise stürzte, änderte sich vieles, da er den Kopf nicht mehr so frei hatte für die Beziehung. Für mich war das eine totale Katastrophe und ich konnte nicht erwachsen damit umgehen (auch getriggert von alten Erfahrungen). Auch jetzt habe ich noch Probleme zu vertrauen. Schaue manchmal zu sehr auf Details als auf das große Ganze.
    In mir ist eine tiefe Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und ich versuche sie mir selbst zu geben..durch Hobbies, Freunde..versuche mich nicht zu sehr abhängig zu machen von meinem Partner. Aber er ist , neben meinen Kindern, ein starker Bezugspunkt. Geborgenheit entsteht auch bei mir durch Vertrauen, körperliche und emotionale Nähe. Grenzen setzen und einem Mann nicht alles recht zu machen musste ich erst lernen.

    Ich habe Angst vor Kontrollverlust..das ist wohl meine größte Baustelle^^
     
    Zuletzt bearbeitet: 26 Mai 2020
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    26 Mai 2020
    #20
    Geborgenheit hat für mich viel mit emotionaler Sicherheit zu tun.
    Vor einigen Wochen hatten wir im engsten Freundeskreis einen schweren "Schicksalsschlag", der seines Gleichen sucht. Da ist ein Loch in unserem Leben und unseren Seelen, dass sich wohl nie wieder ganz schließen lässt.

    Ich trage generell mein Herz auf der Zunge (und auf der Tatstatur) und habe da gemerkt, dass es Menschen gibt, bei denen ich das ganz natürliche Bedürfnis habe ihnen davon zu erzählen und mich emotional anzulehnen.
    Ich habe mich natürlich erstmal bei meinem Mann ausgeheult (oder nein, eher "angeheult", ausgeheult habe ich mich bis heute nicht). Und danach hatte ich das Bedürfnis meine Eltern anzurufen, meine besten Freundinnen, meine großen Cousins. Wir haben lange, lange geredet, gechattet, Sprachnachrichten hin und her geschickt. Mir wurde zugehört, man hat mich gestützt, war mit mir traurig und bestürzt, man schrieb mir Karten, fragte wie es mir geht, machte mir Mut und war einfach da - wenn auch physisch.
    Wenn ich irgendetwas "Gutes" aus dem "Vorfall" ziehen kann, dann dass ich eben dieses feste, krisensichere Netzwerk habe. Da sind Menschen, die fangen mich, wenn ich stürze. Diese Stütze gibt Kraft. Und diese Mischung aus Gefühl und Menschen, das ist meine Geborgenheit.
     
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