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  • VersatileGuy
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    13 Juni 2018
    #1

    Wie geht Zufriedenheit?

    Hallo zusammen :smile:.

    Ausgelöst durch einige Tage Urlaub und einem unbeabsichtigten Aufrufen von Facebook seit Ewigkeiten meines Accounts in der Verdammnis (bei dem mich noch einige ungelesene Nachrichten begrüßt haben) bin ich mal wieder ins Grübeln gekommen.

    Ich habe eigentlich einiges erreicht in meinem Leben, habe viele Möglichkeiten und eine zumindest beruflich und finanziell sichere Zukunft in Aussicht. Mein Ich vor ca. einem Jahr würde nur so staunen. Trotzdem bin ich schnell unzufrieden.

    Ist eines meiner Ziele erreicht oder hatte ich in einem gewissen Sinne Erfolg, dann freue ich mich klar über die Erfolge. Sport, beruflich oder privat. Dennoch bin ich sehr selten wirklich mal zufrieden, da ich immer das nächste Ziel im Visier habe.

    Interessante Feststellung meinerseits: Je mehr Zeit ich habe (sprich: je weniger zu tun), desto eher bin ich auch mal unzufrieden. Abgesehen von Zeiten in denen einen die Arbeit flutet.
    Ich stelle da mal die verallgemeinernde These auf, dass das in meiner Generation mit auch an sozialen Medien liegen kann, in denen jeder vorwiegend positive Aspekte seines oder ihres Lebens präsentiert und herausstellt.

    Was mich nun aber interessiert:

    Was macht euch glücklich und zufrieden? In welchen Lebenslagen wart ihr zuletzt so richtig zufrieden mit euch?


    Allerdings unter einer Bedingung: Das ganze unabhängig von romantischen Beziehungen oder ähnlichen Einflüssen. Die Aussage "Als ich mich frisch in meinen Mann / meine Freundin / XYZ verliebt habe" lasse ich nicht gelten.

    Mir geht es gerade rein um die eigene Zufriedenheit und Lebensqualität, spezifisch auch im Alltag.

    Müsste ich das ganze beantworten sähe das wie folgt aus:

    Zuletzt richtig zufrieden und erfüllt war ich unmittelbar nach dem Abi. Das war bis jetzt vermutlich die geilste Zeit meines Lebens. Man hat massig Zeit, darf endlich allein Auto fahren, hat einen Meilenstein geschafft und einem steht die Welt offen.

    Und zur Zeit ist das ganze etwas vertrackt. Einerseits macht mich mein Sport zufrieden, andererseits bin ich oft nicht so konsequent und produktiv wie ich das gern hätte. Bei der Arbeit, dem Lernen oder der Hausarbeit.

    Alles in allem bin ich gerade für mich ein Bisschen auf der Suche nach Erfüllung.

    Viele Grüße und einen schönen Abend euch! :anbeten:

    VersatileGuy

    Nachtrag: Zufriedenheit verstehe ich hier sehr weit gefasst. Und ein besseres Unterforum als Lifestyle fällt mir gerade auch nicht ein :grin:.
     
  • User 83901
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    13 Juni 2018
    #2
    Ich kann meinen Alltag nicht von meiner Beziehung loslösen, da gemeinsames Leben/Haus/Hobbys.

    Aber für mich sind es auch Kleinigkeiten: nach getaner Arbeit bei einem guten selbstgekochten Abendessen den Stress des Tages abstreife; oder wenn ich am Freitagabend feststelle, dass ich wieder 65 Kilometer geradelt bin in dieser Woche, und das mit zwei hoffnungslos geschrotteten Knien; oder wenn ich an einem verregneten Samstag mit den Kindern in der Küche sitze und in Malbüchern male; wenn meine Kollegin zur Fika aufruft, einfach weil noch Kuchen da ist und weil ein Fika-Päuschen wohl drin sein muss, und wenn wir dann alle schnackend im Pausenraum sitzen und für ein paar Minuten den alltäglichen Wahnsinn vergessen.

    Ich habe gelernt Zufriedenheit in den kleinen Dingen zu finden. Ich habe gelernt, das Leben positiver und freundlicher anzugehen, dann wird das schon. Und seit ich lerne, das Leben aktiv zu entschleunigen, bin ich deutlich öfter zufrieden.
     
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  • User 167777
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    13 Juni 2018
    #3
    Mir hat es definitiv geholfen an diversen Punkten im Leben schon "ganz unten" gewesen zu sein. Sei es mental, finanziell oder auch einfach körperlich.

    Davon ab ist mein heutiges Smartphone für mich nichts großartig anderes als ein Telefon. Ich freue mich über die Zusatzfunktionen wie Whatsapp oder die Fotofunktion, aber ich vergesse es nach wie vor in der Wohnung ständig am Körper zu haben. Ich brauche es einfach nicht. Auch TV/Facebook oder ähnliches habe ich nicht. PL ist also mein einziges Laster in dieser Hinsicht :zwinker:

    Das gleiche erkenne ich an meinem Sohn. Sein mit seinen Wünschen gefülltes Kinderzimmer vs. Zimmer enthält nur Bücher und Bastelmaterial. In letzterem Fall wirkt er allgemein ausgeglichener. Und vermisst interessanterweise auch nichts UND hat vor allem keine Langeweile. Das Wort "Langeweile" habe ich das erste Mal von ihm gehört, seit der Vater ihm bei sich einen Zugang zu einem Tablet gewährt hat.

    Ich war zufrieden ohne Partner, ich bin (ein bisschen mehr zufrieden, weil es so schön ist) zufrieden mit Partner.

    Mein Verdienst ist dabei im eher unteren Segment angesiedelt. Ich habe mal einiges mehr verdient, aber wirklich fehlen tut mir tatsächlich nichts. Auch ein Urlaub wäre dieses Jahr machbar, würde ich aber lieber auf das nächste legen, weil wir dieses Jahr nicht gleichzeitig in Urlaub gehen werden können.

    Generell misst sich meine Zufriedenheit nicht in materiellen Dingen.
     
  • VersatileGuy
    Öfters im Forum Themenstarter
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    13 Juni 2018
    #4
    Das würde mich doch weiter interessieren. Wie genau entschleunigst du dein Leben aktiv, und welche positiven Effekte nimmst du dadurch mit?

    Ich denke das ist auch ein guter Punkt. Beziehst du "materielle Dinge" auch auf Hobbies? Oder rein auf Statussymbole etcetera?
     
  • User 69356
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    13 Juni 2018
    #5
    Das kann ich nur unterstreichen. Auf negative Weise sehr einprägsame Ereignisse haben mich für mein Glück sensibilisiert. Will heißen: Ich bin dankbarer geworden für schöne Momente und stufe Erlebnisse auch viel schneller derart positiv ein. Was jetzt natürlich nicht heißen soll, dass ich dir, lieber TS, die Pest an den Hals wünsche.:zwinker: Früher oder später holt einen das Schicksal sowieso ein. Glück ist ein Kontrastgefühl.

    Ansonsten speist sich meine innere Zufriedenheit hauptsächlich aus der Zielstrebigkeit, mit der ich all die Dinge im Leben, die mir wichtig sind (Wohlstand und Besitz zählen nicht wirklich dazu, dafür aber umso mehr Aktivitäten zu finden und aufrecht zu erhalten, die mich erfüllen. Das Erreichen eines Ziels ist toll, aber der Weg dorthin kann es auch sein!) verfolgt habe und weiterhin verfolge sowie dem Versuch, öfter mal innezuhalten und den Moment zu genießen.

    Edit: Ein intaktes Beziehungsgefüge ist natürlich unabdingbar, nicht dass hier jemand glaubt, ich käme ohne aus.:zwinker: Und langfristig koppele auch ich meine Zufriedenheit an eine stabile Partnerschaft. Aus eigener Erfahrung muss ich aber trotzdem sagen, dass ich nie, nie wieder mein ganzes Glück von einer einzigen Person abhängig machen werde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14 Juni 2018
  • User 44981
    User 44981 (31)
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    14 Juni 2018
    #6
    Wenn ich temporär so richtig glücklich und zufrieden im hier und jetzt bin, hat das eigentlich immmer mit Kindern und/oder Sport zu tun. Perfekt ist die Kombination aus beidem: Meine ehrenamtliche Tätigkeit als Trainer und Betreuer von Kindern.
     
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  • User 167777
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    14 Juni 2018
    #7
    Ich beziehe das auch auf "mentale" Statussymbole - also auch Hobbies bzw. Zwischenmenschliches. Ich habe nicht den Anspruch an mich "die Beste", "die Schönste", "die Reichste", "die Schnellste", "die Trainierteste"... zu sein.

    Ich bin schon recht ehrgeizig und ziehe auch durch was ich mir vorgenommen habe.

    Du bist noch ein paar Jahre jünger. Für mich habe ich irgendwann - als ich allerdings bereits ein Kind hatte - einfach nur ein einziges Ziel fürs Leben festgelegt: Wenn es denn dann so weit ist zu sterben, dann möchte ich gern sterben können. Weil ich mein Leben gelebt und dazu genutzt habe, meinen lieben etwas zu hinterlassen. Dabei möchte ich mir nicht die Frage stellen, ob ich mich jahrelang mit "Nichtigkeiten" aufgehalten habe, ob ich mich zu wenig mit "meinen" Menschen befasst habe, oder ob ich die "guten Sachen" alle verpasst habe, weil ich bloß irgendwelchen "Statussymbolen" hinterhergerannt bin, um die "Anerkennung" von Wildfremden für eigentlich nichts zu "erbetteln".

    So ergeben sich für mich die Prioritäten der einzelnen Ziele und wenn ein "unwichtiges" Ziel nicht erreicht werden (können) sollte, dann belastet es mich nicht weiter.
     
  • froschteich
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    14 Juni 2018
    #8
    Ich bin ja als Teenager schwer krank geworden und das hat sicher ordentlich an meiner Perspektive gedreht, ich schätze die kleinen Dinge sehr und hab eigentlich so gut wie keine definierten Ziele im Leben, bin auch sonst nicht ehrgeizig.

    Die Beziehung wegzudenken finde ich auch schwer, weil eine gute Beziehung sehr glücklich machen kann und eine schlechte Beziehung sehr belastend ist.
    Auch die Arbeit seh ich so - ich bin wesentlich glücklicher wenn ich eine tolle Arbeit habe zu der ich gerne gehe und wo ich mich Sonntag Abend schon darauf freue meine Kollegen wiederzusehen und meine Sachen zu erledigen.
    Bei beidem braucht man halt viel Glück um es zu finden.

    Ansonsten trägt sicherlich zu meiner Zufriedenheit bei, dass ich einfach loslassen und auch spontan sein kann. Blöder Job? Anstatt mich rumzuquälen such ich mir einen neuen. Blöder Beziehungsbeginn? Dann bin ich halt lieber alleine. Belastende Bekanntschaft? Auf Nimmerwiedersehen. Langeweile im Alltag? Sofort ein Hobby gesucht.
    Wenn man regelmäßig den Hintern hochkriegt bzw. die Chuzpe ansammelt, um sein Leben ein bisschen zu verbessern, dann wird es tatsächlich besser und besser (sofern es keinen Schicksalsschlag gibt)

    Ich kann die Leute absolut nicht verstehen, die lauter unbefriedigende und leicht zu ändernde Störfaktoren in ihrem Leben haben und dann lieber Jahr für Jahr jammern anstatt was zu ändern.

    Zur Beantwortung der Frage: meine glücklichste Zeit (abgesehen von der Zeit als mein Mann endlich nach Österreich ziehen durfte): Mein erster richtiger Job nach der Uni - der war echt großartig und es hat sich so angefühlt als würd ich für Spaß haben bezahlt werden. Dazu die finanzielle Unabhängigkeit, das Leben in einer neuen Stadt - das war eine großartige Zeit.
     
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    14 Juni 2018
    #9
    Die Beziehung kann ich schlecht von der Zufriedenheit trennen, denn Zufriedenheit hängt ja ganz klar mit sozialen Kontakten zusammen.

    Trotzdem für dich ein Beispiel :tongue: :
    Als ich an einem Tag im Mai durch Wind und Regen 20 km weit und 1000 Höhenmeter nach oben mit einem 15kg-Rucksack gewandert bin und auf einmal hoch oben am Grat stand und mir klar wurde, dass ich mir gerade etwas erfüllt habe, was ich schon immer wollte.
    Ich bin allgemein sehr zufrieden mit meinem Leben, doch nur selten zu 100 Prozent. Im Gegensatz zu manchen anderen hier hatte ich noch keine wirklich schlimmen Erlebnisse. Aber mir ist sehr bewusst, wie scheiße es im Leben laufen kann und habe deswegen großen Respekt vor der "Schönheit" des normalen, alltäglichen Lebens.

    Ich kann schon verstehen, wenn Menschen der Abi- oder Studienzeit hinterher trauern und ich kann mich gut an dieses befreite Glücksgefühl von damals erinnern, aber ich bin froh, dass es jetzt wieder ganz anders ist.

    Aber hey, du bist 19, wenn du in der Abi-Zeit so glücklich warst und das so vermisst, dann hast du vielleicht die Freiheit dieser Zeit noch nicht genug ausgekostet. Kündige deinen Job und raus in die Welt mit dir. :zwinker: :smile:
     
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    14 Juni 2018
    #10
    Zufriedenheit geht so:

    Eigene Erwartungen erfuellen. Geht nicht? Erwartungen modifizieren, bis es geht.

    Das erfordert einige Flexibilität, und kann dazu fuehren, dass man sich gehörig ändert. Aber zuguterletzt ist man ja zufrieden, also ist es die Sache wert. Im Umkehrschluss sollte man sich auch mal fragen, wo Unzufriedenheit herkommt - und das ist rein durch unerfuellte Erwartungen. Man kann denen hinterherlaufen, bis man alt wird, oder sich anders orientieren.

    Meine Erwartung mit mitte zwanzig war, eines Tages Rolls Royce zu fahren. Aber die Dinger sind leider völlig unwirtschaftlich, und es wäre finanzieller Selbstmord fuer mich. Also justierte ich diese Erwartung, indem ich mich aufs Wesentliche besonn ("weshalb wuensche ich mir einen Rolls Royce, was kann der?") und Alternativen fand, die ich bezahlen kann. Heute fahre ich ein Auto, das eigentlich so gut wie ein Rolls Royce ist, aber ich kann es mit meinen Mitteln muehelos am Leben erhalten.
     
  • User 67523
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    14 Juni 2018
    #11
    Ich denke, das ist der wichtigste Punkt dieser ganzen Diskussion.
    Es gibt einen Satz in einem Buch (Rolf Dobelli, das gute Leben), (weiches ich übrigens durchaus empfehle!) wo er schreibt, gut durchs Leben zu gehen ist, wie ein Flugzeug zu fliegen: man soll nicht dauernd das Steuer herumreissen, doch man muss ständig kleine Kurskorrekturen vornehmen.

    Zudem, für mich gilt auch: mich einfach zufrieden fühlen versuchen, funktioniert recht gut.
    Dazu noch gut schlafen, viel Zeit draussen verbringen (Berge!, aber auch Wald), und das Resultat ist gut :smile:
     
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  • Nevery
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    14 Juni 2018
    #12
    meine zufriedenheit hängt maßgeblich von meiner arbeit ab. sprich: bin ich selber glücklich mit meiner arbeit, ist der kunde begeistert, habe ich erfolgserlebnisse - dann bin ich wirklich zufrieden. ist es zumindest "ok" gelaufen, dann bin ich auch noch zufrieden. ist es scheisse gelaufen (was gott sei dank schon ewig nicht mehr vorkam) bin ich unzufrieden, verärgert, gereizt.

    ansonsten gibt es noch punkte, die mir eine art "innerer zufriedenheit und ruhe" bescheren - das sind kleine dinge im alltag, häufig auf wetter bezogen: in dichtem nebel stehen und die blüten des pflaumenbaums bewundern, das gesicht in den aufkommenden wind und regen halten nachdem mich sonne und hitze stundenlang gefoltert haben.

    und: ich kann mit ereignissen zufrieden sein, die sich so abgespielt haben, wie ich es für optimal halte (s.u.).

    soziale kontakte spielen da bei mir weniger eine rolle, die wirken sich auf "glücklich" oder "traurig" aus, aber das empfinde ich als abgekoppelt von "zufriedenheit". beispiel: ich war sehr traurig, als unsere hündin vor einer weile gestorben ist - aber sehr zufrieden, dass sie es ohne zu leiden und ohne nachhilfe geschafft hat, umgeben von ihren menschen, schnell und friedlich.
     
  • Horst K.
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    14 Juni 2018
    #13
    Hi,

    je mehr ich über diese einfache Frage nachdenke, desto weniger einfach und desto komplexer wird sie. Vielleicht hilft es, zwischen "Zufriedenheit im Großen" und "Zufriedenheit im Kleinen" zu unterscheiden. Und einfach mal bei Wikipedia zu schauen:

    "Zufriedenheit ist gemäß dem Bedeutungswörterbuch des Duden:
    a) innerlich ausgeglichen zu sein und nichts anderes zu verlangen, als man hat;
    b) mit den gegebenen Verhältnissen, Leistungen oder ähnlichem einverstanden zu sein, nichts auszusetzen zu haben"
    Wenn ich jetzt das, was ich mit "Zufriedenheit im Großen" beschreibe, mit a) ins Verhältnis setze, "nichts anderes verlangen, als man hat": kannst, ja darfst Du da mit Deinen 19 Jahren überhaupt zufrieden sein?

    Du hast einiges in Aussicht, musst bzw. willst es aber noch erreichen. Bist im ersten Studienjahr, wohnst noch bei Deinen Eltern(?) wenn ich Deine Threads richtig in Erinnerung habe. Du gehst doch gerade erst duch die Tür in die große, weite Erwachsenenwelt da wäre - bei Deinen Ambitionen, die Deine Threads ausstrahlen - Zufriedenheit doch schon fast fatal? Du wirst und Du sollest Deinen Weg ehrgeizig weiter gehen, eine tiefe "Zufriedenheit im Großen" würde Dich da mehr behindern, als Dir helfen.

    Und dann gibt es die Zufriedenheit im Kleinen, da bin ich ganz bei meinen Vorposterinnen Hryna und Spiralnudel, das können Momente, Sekunden, Minuten oder auch ein paar Stunden sein. Für mich zum Beispiel:

    - morgens um halb sieben auf dem Weg zur Arbeit im Sonnenschein durch grüne Wiesen und Felder zu fahren (ganz dumpf mit dem Auto, mit dem Fahrrad ist's zu weit)
    - mit der ersten Tasse Kaffee am Wochenende in der Sonne zu sitzen und die kühle Morgenluft zu genießen
    - nach einem langen Arbeitstag bei einem leckeren, selbstgekochen Essen und einem Glas Wein zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen
    - mit alten oder neuen Freunden an einem Tisch zu sitzen und über Gott und die Welt zu plaudern
    - mit einem Stück Speck und einem Stück Käse auf einem frisch erklommenen Berg zu sitzen und die manchmal unfassbare Schönheit der Welt zu bewundern
    - meine Partnerin anzuschauen und festzustellen, dass ich nach 20 Jahren Alltag mit all seinen Holprigkeiten immer noch eine tiefe Zuneigung zu ihr empfinde, die jede Alltagsreiberei überdeckt und überdauert
    - kleine Kinder anzusehen, wie sie mit Urvertrauen die Welt entdecken
    - große Kinder anzusehen (sorry, aber das zieht sich in meiner Empfindung durchaus bis in Dein Alter), wie sie ihren Weg gehen, zu Erwachsenen werden, auf meine Kommunikationsebene kommen
    - to be endless continued...

    Mit zunehmendem Lebensalter scheint mir diese "Zufriedenheit im Kleinen" bedeutender zu werden. Das kann manchmal wirklich nur ein Augenblick sein, eine Zehntelsekunde, in der mich diese "Zufriedenheit im Kleinen" durchflutet, dieser Augenblick kann mich dann aber einen ganzen Tag glücklich machen. "Glück" und "Zufriedenheit" kkommen sich da ganz nah.

    Wichtig finde ich, dass wir - zumindest solange es uns so gut geht, wie Du es für Dich andeutest und wie es für mich der Fall ist - dafür Dankbarkeit bewahren, das nicht als selbstverständlich ansehen. Wir gehören zu den ganz Priviligierten dieser Welt, leben hier in Mitteleuropa im Frieden und in der (zumindest meiner Meinung nach) besten aller bisher erprobten Staatsformen, Du "hast viele Möglichkeiten und eine zumindest beruflich und finanziell sichere Zukunft in Aussicht", ich bin gesund, beruflich und finanziell gesichert. Wenn wir nicht vergessen, dass das alles andere als selbstverständlich ist, sondern neben persönlicher Bemühung auch mit ganz viel Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort dieser Welt mit dem richtigen Genmaterial geboren zu sein und an den richtigen Stellen des Lebens instinktiv richtig abgebogen zu sein, dann klappt das auch mit der Zufriedenheit. Das passt dann ganz gut zu der oben zitierten Zufriedenheitsdefinition laut Duden / Wikipedia unter b).

    Der obigen Aufzählung kann ich guten Gewissens hinzufügen (auch das muss nicht jeder so sehen)

    - das Gefühl haben, seine etwas komplexen und wirren Gedanken halbwegs strukturiert in diesem Beitrag zusammengefasst zu haben
     
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  • VersatileGuy
    Öfters im Forum Themenstarter
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    14 Juni 2018
    #14
    Das habe ich tatsächlich noch nie so betrachtet! Noch nicht im ersten Studienjahr, zur Zeit Zivi. Der mir wirklich sehr gut gefällt.

    So weit über den Tellerrand habe ich noch nie blicken können wie seit meinem FSJ.

    Das denke ich mir auch manchmal. Auf Dauer ist das aber auch nicht wirklich etwas für mich. Ich bewundere Menschen die das können und tun, so ein Freigeist schlummert aber vermutlich nicht in mir. Oder ich habe ihn noch nicht entdeckt?

    Raus in die Welt werde ich auch während meines Studiums kommen. Ich habe die Möglichkeit insgesamt 6 Monate im Ausland zu sein. 3 Monate Hochschule und 3 Monate in Tochtergesellschaften meiner zukünftigen Firma.

    Beim arbeiten ist mir inzwischen auch eini aufgefallen. Die für Ihr Alter fittesten (~100 Jahre alt und immer noch ohne Hilfe allein daheim, inklusive Einkaufen mit dem Auto etc) sind allesamt sehr fröhliche, reflektierte und dankbare Menschen.

    Sich in Dankbarkeit zu üben wäre vermutlich ein Anfang :smile:.
     
  • User 91095
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    14 Juni 2018
    #15
    Einerseits ist es wichtig, dass man weiß, was einen zufrieden macht, andererseits ist das auch ein bisschen Typsache.

    Manche müssen permanent Zielen hinterherstreben und mindestens semigestresst sein um zufrieden zu sein. Andere sind zufrieden, wenn nicht viel los ist.

    Ich persönlich bin zufrieden, wenn mein Leben unkompliziert und gleichzeitig voller Möglichkeiten ist, mit denen ich mich beschäftigen kann. Ich bin recht freiheitsliebend. Wenn ich das Gefühl habe eingesperrt zu sein (das kann auch ein gefestigter Berufsweg ohne viele Alternativen sein, oder eine Beziehung), geht die Zufriedenheit flöten. Außerdem tun mir gute, verlässliche Verhältnisse zu anderen optimistischen Leuten gut (diese Verhältnisse machen mich dann auch glücklich, selbst wenn ich mal nicht zufrieden bin). Ich glaube übrigens nicht, dass es mir besonders schlecht gehen muss, damit ich mich gut fühlen kann. Die Zeiten in meinem Leben, in denen ich mich schlecht gefühlt habe, haben eigentlich nichts bewirkt, außer, dass ich jetzt eher weiß, wie ich das vermeiden kann. Allerdings bin ich immer schon jemand gewesen, der sein Dasein auf der Erde wertgeschätzt hat und die Umstände seines Lebens als privilegiert betrachtet hat.

    Da du 19 bist und dir grad fad ist, denke ich eigentlich nicht, dass du dein Leben entschleunigen musst. Ich denke eher, du bist in einem Trott, der dich nicht genug inspiriert und fordert. Dir fehlt eher ein Ziel, auf das zu hinarbeiten kannst, oder neue Dinge, die du erleben kannst. Als ich in deinem Alter war, hab ich soviel verschiedenes gemacht, wie mir möglich war (ok, ehrlich gesagt mach ich das immer noch :zwinker: ). Das hat mich sehr erfüllt. Ich würde sagen, meine Zeit von 18-23 war ziemlich gut. Ich war neugierig und wissbegierig und hatte die Möglichkeiten, diese Bedürfnisse auch zu befriedigen. Gleichzeitig habe ich viele sehr nette Menschen kennengelernt, die mich dabei begleitet oder unterstützt haben. Es war eine schöne Zeit :smile:
     
  • User 102673
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    nicht angegeben
    14 Juni 2018
    #16
    Also ich habe festgestellt, dass das Lebensalter, wie Horst K. auch andeutet, etwas mit meiner inneren Zufriedenheit zu tun hat. Ich habe inneren "Frieden" mit mir, stelle mich und mein Tun nicht mehr unentwegt in Frage, vergleiche nicht.

    Mit ist es für mich egal, was andere haben und ob sie damit zufrieden sind. Wenn ich es ihnen gleichtue, bedeutet es nicht, dass ich dann auch zufrieden sein werde.

    Das ist ein grundsätzliches Gefühl, das sich irgendwie mit der Zeit eingeschlichen hat. Das hängt auch bei mir mit Erlebnissen zusammen, die mich gelehrt haben, dass mein Leben, so wie es jetzt ist, nicht selbstverständlich ist und anders sein könnte. Ich habe sicher eine andere Definition von "schlimm", als andere in meinem Umfeld.
    Immer kommt mir, ebenfalls in Anlehnung an das von Horst K. Gesagte, der Spruch von Goethe in den Sinn: Frei ist, wer will, was er muss.

    Ich habe mir für mich wichtige Säulen im Leben erarbeitet. Alles andere ist Beiwerk. Und alles, was mit diesen Säulen einhergeht, kann ich insgesamt, unterm Strich - und wenn noch so doofe Tage dabei sind - mit Vergnügen und einer großen Erfüllung bewältigen. Das sind ungezählte Überstunden bei der Arbeit, und randvollgekackte Windeln meiner Kinder, und selbst ein Streit mit meinem Mann sagt mir: wie gut - er ist hier, bei mir. Und keine der aufgezählten Sachen (schon gar keine vollgeschissene Windel) bringt mich irgendwie mit mir selbst ins Wanken.

    Aber inwieweit ich das bewusst herbeigeführt habe, das weiß ich nicht.
     
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    14 Juni 2018
    #17
    Fünf gerade sein lassen, ist da das Stichwort. Die Wäsche ist noch nicht gewaschen, der Rasen nicht gemäht? Es gibt Pommes mit (Vego-)Würstchen? Kein Problem. Man kann Sachen auch mal liegen lassen.

    Man kann auch einfach mal auf dem Heimweg anhalten, vom Fahrrad steigen und einen Moment in den Himmel schauen. Oder zum Waldrand. Die Vögel beobachten. Dann langsam weiter. Die Welt geht nicht unter, nur weil ich mich nicht abhetze.

    Oder Samstagmorgen die Kinder fernsehen lassen und dösen/kuscheln/einfach nur existieren.

    Mit 19 hätte ich all das nicht gekonnt, da war ich immer in Bewegung, in ständigem Streben. Heute brauche ich das, bremsen können, ruhen. Und kann das auch endlich.
     
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    14 Juni 2018
    #18
    Es wäre ja, genau genommen, bedauerlich, wenn Du mit 19 bereits zufrieden wärst.
    Schliesslich gibt es so vieles zu evaluieren, probezufahren, durchzuwalgen... ich wäre recht unzufrieden, wenn ich zu jung zu zufrieden wäre.
    :ratlos:
    Denn die ganzen interessanten Justierungen, etc., könnten dann nicht mehr geschehen.

    Andererseits ist es wohl was anderes, ungluecklich zu sein.
    Das wuensche ich natuerlich niemandem. Und das kann einen auch im jungen Alter erwischen.
     
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    14 Juni 2018
    #19
    Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich bin nicht großartig unglücklich.
    Eher etwas leer.

    Das trifft es vermutlich ganz gut. Momentan unterfordert mich mein FSJ doch ziemlich. Mit der Zeit hat man eben doch schon viel gesehen und erlebt, und es kommen nur noch ganz selten neue Situationen hinzu, mit denen man umzugehen lernen muss.

    Obwohl ich eigentlich sehr wohl gerade ein Ziel habe. Zumindest beim Sport. Das aktiv darauf hin arbeiten gestaltet sich nur sehr zeitintensiv und fordert Geduld.

    Highlight meines Tages (das mich in diesem Sinne heute richtig zufrieden macht):
    Beim Sport gingen die Klimmzüge heute gefühlt super leicht, ich habe direkt mal zwei mehr geschafft. Dazu mich mit einem netten Kerl beim Sport unterhalten können, über das Training.

    Darüber freue ich mich gerade wie ein Schneekönig. Das sind Dinge die mich zur Zeit erfüllen und mich noch weiter motivieren.

    Da ist was dran. Wenn ich jetzt schon mit mir soweit zufrieden wäre, würde ich mich nicht weiter entwickeln können. Und der Gedanke daran ist schon grausam :grin:. Was würde mich denn dann dazu bringen irgendwann endlich von zu Hause auszuziehen?

    Oder neues zu wagen.
     
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    14 Juni 2018
    #20
    ich lasse jetzt mal gezielt meinen partner und meine tochter weg die mich natürlich glücklich und zufrieden machen.

    was macht mich zufrieden :
    - wenn ich meine wohnung schritt für schritt so ausstatte wie ich es mir in meinen gedanken ausmale (auf einmal geht finanziell nicht)
    - wenn ich erfolgreich eine lohnerhöhung ausgehandelt habe geld kann auch beruhigen
    - wenn ich im wakeboarden weiter komme
    - meine spinnenphobie mehr oder weniger besiegt habe (halte nun vogelspinnen)
    - jedes kg was ich abnehme macht mich glücklich (derzeitiges gewicht 72-75 kg)
    - einfach mal genießen,sonnenuntergang, strand, lagerfeuer, tanzen im schwarzlicht
    - wenn mir ein selbstgekochtes essen sehr gut gelingt (daher meine vielen kgs :grin:)
    - abends im bett liegen und mich nach nun 2 jahren immernoch über meinen allerersten flachbild tv freuen
     

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