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  • Silentvoice
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    in einer Beziehung
    14 Juni 2018
    #1

    Wenn der Jähzorn Oberhand gewinnt

    Hallo,

    eigentlich wende ich mich nicht an solche Foren. Aber irgendwie versprühre ich heute das Bedürfnis mir einfach mal alles von der Seele zu schreiben und die Meinungen und Ansichten von fremden Menschen zu hören bzw. lesen.
    Mein Freund und ich, beide 22, seit fünf Jahre krisenlose Partnerschaft, kennen uns seit der Schulzeit und wohnen seit gut einem Jahr zusammen. Er ist ein sehr liebevoller Mensch, nicht dieser schnulzige Romantiker, sondern dieser „aus dem Herzen und dem Moment heraus“-Typ. Ich kann mich unheimlich auf ihn verlassen, er gibt mir das Gefühl zuhause zu sein. Ich fühle mich wirklich angekommen und das ist für mich auch der Mensch mit dem ich mein Leben teilen will. Jeder Mensch hat Schwächen. Mein Freund hat, ehrlicherweise tatsächlich nicht sehr viele, jedoch eine, die mich, hin und wieder, mal stärker mal weniger stark, aber auch ihn mürben. Er ist an sich ein sehr ausgelassener Mensch, kann aber von dem ein auf den anderen Moment sehr aufgebracht sein. Leidtragende sind dann die Menschen, die ihm in die Quere kommen. Dazu zähl ich auch. Ich bin ein sehr ruhiger, harmoniebedürftiger Mensch, ich wurde so erzogen. Natürlich habe ich auch Tage, wo ich gestresst und genervt bin und mein Nervenkostüm nicht so stark ist wie sonst. Es braucht wirklich lange mich auf die Palme zu bringen. Das schafft eigentlich auch nur absolute menschliche Ungerechtigkeit oder Unehrlichkeit. Dennoch bin ich ein sehr diplomatischer Mensch. Warum ich das erzähle...wie bereits angeschnitten hat mein Freund phasenweise seine Aussetzer. Da wird er gemein und laut, manchmal kommen auch Beleidigungen. Schuld habe, so sagt er das in seinen „Hochphasen“ meistens ich. Es ist auch absolut sinnlos ihm zu diesen Zeitpunkten klarzumachen, dass ein solches Verhalten nicht geht. Positiv daran sehe ich seine Einsichtigkeit. Er ist durchaus nüchtern und rational, sieht sein Verhalten früher oder später kritisch, entschudigt sich ehrlich und aufrichtig. Er wisse, dass er sich manchmal unmöglich benimmt. Erst vor einer Zeit waren wir mit Freunden auf der Kartbahn. Nach dem Rennen rannte er auf mich zu und machte er mich vor allen nieder, dass ich überhaupt nichts von Fairness verstehe, was ich mir einbilde sowas abzuziehen. Zur Erklärung: er konnte mich ein paar Runden nicht überholen. Zum Schluss meinte er noch groß lachend vor den anderen, dass er gefühlt 100 Runden hinter jemanden mit einer derart miserablen Zeit hertuckern musste. Für mich war es ein reinster Kindergarten, ihn hat geärgert, dass ich besser war, ich sah es sportlich. Traurig fand ich eine solche Aktion vor unseren Freunden, die ihm später unfassbar unangenehm war. Er entschuldigte sich für seinen Ausbruch ehrlich und damit war es für mich auch gegessen. Aber es passt einfach ins Muster, wisst ihr. Aktuell bin ich gehandicapt aufgrund eines Bänderrisses. Autofahren ist nur bedingt möglich, weil ich kein sicheres Gefühl im Fuß habe wegen der Schiene usw. Ich stürzte und konnte aufgrund der Sprechzeiten erst am nächsten Tag zum Artzt. Am Abend meines „Unfalls“ hatten wie darüber geredet wie wir das machen, weil ich am Wochenende am Morgen einen Termin hatte, etwa eine halbe Stunde von uns entfernt. Er war wieder sehr aufgebracht, meinte ich solle ihn mit so etwas nicht nerven, wenn ich noch nicht mal wüsste, was los ist (ich hatte schon eine ungefähre Prognose von meinem Arzt am Telefon). Er wäre nicht sonderlich erpicht darauf mich dort hinzufahren, samstags morgens nachdem wir am Vortag auf einem Geburtstag sind etc. Ich solle jemand anders fragen. Vielleicht nur kurz. Ich hole ihn immer wenn er mich fragt, habe ihn schon des öfteren zum Artzt gefahren oder das Angebot gemacht ihn in die Arbeit zu fahren (seine Arbeitsstelle liegt auf einem meiner Wege zur Uni). Eigentlich habe ich im großen und ganzen noch nie eine Bitte ausgeschlagen. Ich meinte dann nur, dass ich ja wirklich so gut wie nie seine Hilfe in Anspruch nehme, weshalb das einmal so ein Problem ist. Kindergarten, du nervst, lass mich in Ruhe. Am nächsten Tag war ich im Krankenhaus. Nach Feierabend kam er nach Hause, öffnete die Tür, ein kurzes Hallo und dann sofort die Frage, ob ich Autofahren kann. Ich war ein bisschen verdutzt und meinte, ob wir vielleicht nicht mal zuerst darüber schnell sprechen können was der Arzt meinte. Ob ihm gerade wirklich nur interessiert, ob ich Autofahren kann und er mir damit nicht helfen muss. Gut, ich denke das war ein Fehler und ihr wisst wie das ausgegangen ist. Der sagte mit einer Kälte in der Stimme, dass ihn tatsächlich gerade nur das interessiert. Wie s mir geht und was der Arzt sagt, das könne man in einer Stunde nach seiner Joggingrunde immer noch besprechen. Zur Info. An meinem Fuß war eine Schiene und neben mir lagen Krücken. Ich weiß, das steht außer Frage, dass ich ihm alles bin, aber nicht egal. Aber was ist das? Was bedeuten so Aktionen mit solchen Reaktionen.

    Das sind nur Beispiele für seine zwischenzeitlichen Verhaltensweisen mir gegenüber. Ich werde aus dem echt nicht schlau. Dieses von 0 auf 100 schlägt die Laune um, es genügen teilweise schon eine Frage oder eine Aussage von mir, dass er, entschuldigt den Ausdruck, absolut angefucked ist.
    Manchmal verstehe ich das nicht
     
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  • User 133315
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    offene Beziehung
    14 Juni 2018
    #2
    Hast du das gegenüber ihm schon mal angesprochen? Hast du ihn mal gefragt, warum das bei ihm so ist?
     
  • User 96466
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    nicht angegeben
    14 Juni 2018
    #3
    Hat er genügend Selbstreflexion, um zu merken, was ihn triggert?

    Kann er vielleicht sich ne Strategie überlegen, wenn er merkt "es geht wieder los" kurz aus der Situation zu gehen (vielleicht auch tatsächlich rausgehen)?
     
  • User 116134
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    nicht angegeben
    15 Juni 2018
    #4
    Wie häufig passiert das denn in etwa?

    Finde die Idee gut, zu versuchen Trigger zu identifizieren und sich dann eine Strategie zu überlegen. Auch wie du reagieren kannst, je nachdem, was er in dem Moment braucht und was bei ihm ankommt.
     
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  • Fessler
    Öfters im Forum
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    Verheiratet
    15 Juni 2018
    #5
    Sein Verhalten weist Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung auf.
    - Fehlende Empathie
    - hohe Selbsteinschätzung
    - Kritik, Niederlagen und Demütigung (Kartrennen) enden in Wutanfällen.
     
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  • 15 Juni 2018
    #6
    ...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16 Juni 2018
  • User 102673
    Sehr bekannt hier
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    nicht angegeben
    15 Juni 2018
    #7
    Also... :confused:...ich finde mich in gar nicht mal so sehr abgeschwächter Form in Deinem Freund wieder :ups:.

    Ich kann also nur erzählen, wie ich mich verhalte und was ich tue, um diese "Aussetzer" einzudämmen. Ich weiß nicht, ob ich damit helfen kann.
    Ingesamt spielen auch in meinem ganzen Charakter folgende Aspekte eine Rolle: Leistung, Tempo, Kontrolle, Anerkennung, Minderwertigkeitsgefühl/Machtgefühl.

    Es gibt manchmal Sätze oder Teilsätze, die mich triggern, die ich nur auf einem bestimmten "Ohr" höre und dann fällt schon die Klappe und ich kriege einen Tunnelblick, gehe innerlich auf 180, werde schnippisch, möglichst verletzend, kalt.
    Mir persönlich hilft, dann schnurstraks ohne Kommentar erstmal 30 Minuten allein zu sein. Denn in dieser Zeit fährt mein Hirn wieder runter und das Denken ist möglich. Und dann kommen mir auch Ideen, dass jemand (oft mein Mann :grin: der Arme) es vielleicht ganz anders gemeint hat, als ich es verstanden habe.
    Wenn Dir das möglich ist und Dein Mann das auch annehmen möchte, dann ist das vielleicht einen Versuch wert.
    Genau wie bei Deinem Mann habe ich nicht die Möglichkeit, in der Akutsituation selbst nachzudenken. Dann mit mir zu reden, kann man sich schenken.

    Das zweite ist, dass ich momentan wieder Gespräche mit einer Therapeutin habe, und wir versuchen, die konkreten Situationen nachzuzeichnen und ich soll möglichst genau versuchen zu benennen, warum mich was so verletzt hat. Ich schalte dann entsprechend reflexartig in einen Panikmodus um, in diesem kann ich nur "Angriff" oder "Flucht".
    Und dieses wiederholte Durchdenken und sich-klar-machen, dass Dinge vielleicht auch anders gesehen werden können, das geht hoffentlich mal in Fleisch und Blut über, sodass ich in den konkreten Situationen irgendwie mit Ach und Krach auf diese Metaebene komme, die zumindest schlimmeres verhindert.
    Momentan ist der "Notausgang", dass ich mich 5 Minuten zurückziehen darf. Mein Mann ist nämlich der "ich muss alles jetzt sofort ausdiskutieren-Typ". Explosives Gemisch :ninja:.
     
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  • User 108114
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    15 Juni 2018
    #8
    Off-Topic:
    Ungefähr so?

    Wer denn noch? :eek:
     
  • Silentvoice
    Ist noch neu hier Themenstarter
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    in einer Beziehung
    15 Juni 2018
    #9
    Ja, natürlich. Ich habe schon so gut wie jede Strategie durch und möchte trotzdem gerne endlich irgendwie hinter die Fassade blicken. Ich habe ihm schon während seiner Ausbrüche gesagt, dass es mich verletzt, weshalb er so ist, ihm ruhig und besonnen erklärt, dass ein solches Verhalten nicht geht. Unmöglich in diesem Moment sich friedlich zu unterhalten. Ich habe es auch schon nachher probiert als er einsichtig war. Manchmal stimmt er mir zu, aber manchmal gibt es auch so Tage wo es dann heißt, prinzipiell habe ich recht, aber es liegt eigentlich an mir, weil ich...
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 15 Juni 2018 ---

    Er sagt selber, er versucht es, aber wenn es ihn „überkommt“, dann gibt es kein zurück
    --- Beitrag wurde zusammengefügt, 15 Juni 2018 ---
    Dankeschön. Das passiert in etwa einmal in der Woche.
     
  • Nevery
    Planet-Liebe ist Startseite
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    in einer Beziehung
    15 Juni 2018
    #10
    ich auch - bzw. mein früheres ich.

    mir hat zu der zeit baldrian enorm geholfen, das hat diesen hochflammenden, unlöschbaren gehirnbrand zu einem netten kleinen lagerfeuer reduziert. diese gefühle waren immernoch da, aber soweit unter kontrolle, dass ich mich davon nicht mehr habe hinreissen lassen müssen.

    langfristig hab ich dann gelernt, schon die anfänge davon zu erkennen und unter kontrolle zu kriegen - was mir früher wöchentlich passiert ist, passiert heute nurnoch alle paar monate. GANZ unter kontolle habe ichs nach wie vor nicht, leider, aber... damit kann man eher leben.
     
  • User 165615
    Öfters im Forum
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    vergeben und glücklich
    15 Juni 2018
    #11
    Narzistische Persönlichkeitsstörung? Warum weisen wir den Jungen nicht gleich in die Klapse, weil er nicht gesellschaftlich Kompatibel ist?

    Ich halte es für falsch, wenn der Jung drehen will ihn daran zu hindern. Warum auch? Macht er Sachen kaputt? Dann verlässt man halt den Raum, wenn es einen zu bunt wird. Ich kann deinen Freund schon irgendwo verstehen, ich bin auch recht jähzornig. Ich muss dann im Moment einfach frei drehen und der Zorn richtet sich nicht unmittelbar an die Person. Würde jetzt jemand versuchen mich mit Rationalität dazu bringen zu wollen von der Emotionalität herunter zu kommen, ja dann würde er es wohl auch abbekommen.

    Ich würde mich auch fragen, warum zur Hölle will das ein Mensch? Lass das Kind in dem Moment doch bocken, rummaulen und weiß der Henker. Das ist nach einigen Minuten vorbei und dann geht es halt normal weiter. Anstatt da einfach ein Drama draus zu machen und zu versuchen die Person in der Persönlichkeit zu verändern, würde ich eher damit anfangen mich zu fragen was ich ertragen kann und was nicht. Wird der Punkt überschritten muss man sich trennen aber daraus doch jetzt bitte kein partnerschaftliches Drama machen.

    Wenn ich mir vorstelle, ich und meine Partnerin würden uns immer für Voll nehmen und das Gemaule persönlich nehmen, wir wären wohl schon längst getrennt. Ich halte Jähzorn nicht unmittelbar für etwas schlimmes, was man unter allen Umständen in seiner Persönlichkeit streichen muss. Leben und Leben lassen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 Juni 2018
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  • Fessler
    Öfters im Forum
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    Verheiratet
    15 Juni 2018
    #12
    Der Jähzorn ist das eine, die fehlende Empathie das andere. Ich sehe da schon einen gewissen Zusammenhang.

    Du hast einen geschienten Fuss und Krücken und er zeigt null Mitgefühl. Stattdessen fragt er dich, ob du Autofahren kannst und geht Joggen. Hauptsache er kann sein Ding durchziehen und weil du ihn dafür kritisierst folgt der nächste Wutanfall.

    Das ist für mich schon etwas mehr als leicht reizbar.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16 Juni 2018
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  • User 165615
    Öfters im Forum
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    vergeben und glücklich
    15 Juni 2018
    #13
    Dass die TS in ihren Schilderungen natürlich völlig Wertfrei ist, liegt ja quasi auf der Hand...

    Genauso gut könnte man sagen, das der Jähzorn das Resultat ist, das er abgegessen und genervt in der Beziehung ist. Was dann die mangelnde Empathie erklären würde. Letztlich nur Vermutungen.
     
  • User 102673
    Sehr bekannt hier
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    nicht angegeben
    15 Juni 2018
    #14
    Da ist was dran. Ich habe mir schon mehrmals innerlich gewünscht, mein Mann würde sagen: "Nun halt mal die Klappe, oder geh woanders stänkern."
    Die Energie muss raus, und dann ist gut, das stimmt. Für mich fühlt es sich auch so an. Es ist nie beziehungsgefährdend, wie sehr ich auch herumgiften kann.

    ALLERDINGS - meistens ist doch ein lebendes Gegenüber ein gefundenes Fressen, seine Aggression auszuleben. Vor allem, wenn es emotional reagiert und man merkt, dass man irgendwas in seiner Wut "bewirken" konnte. Und bei uns z.B. geht es meinem Partner dann ganz schön nahe und verletzt ihn. Im Gegensatz zu mir selbst nimmt er mich nämlich ernst. Ich glaube auch, dass der Partner der TS ganz bewusst "empathielos" war, weil er eigentlich genau weiß, wie sehr einen so ein Verhalten verletzt. Das könnte ich sein. Der wusste das.

    Man kann seinen Partner aber nicht ändern. Und die Frage ist, Silentvoice, kannst Du Deinen Partner so annehmen, wie er ist? Ihr solltet über seine Triggerpunkte sprechen, evtl. kannst auch Du in Deinem Verhalten etwas ändern, von dem Du noch nicht weißt, dass es ihn triggert. Er ist nicht per se bösartig oder krank, Du bist nicht per se unschuldig/das Opfer.

    Ganz umprogrammieren kann man sich nicht. So muss z.B. mein Mann einfach auch lernen und kapieren, dass mein Gezicke und Ausrasten eigentlich bedeutungslos ist, und muss sein entstehendes Gefühl manchmal einfach aushalten. Aber ich muss auch überlegen, ob es das wirklich jedesmal wert ist, ihn diesem Gezeter auszusetzen.
     
  • User 165615
    Öfters im Forum
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    vergeben und glücklich
    15 Juni 2018
    #15
    Richtig, innerhalb der Partnerschaft muss man ja aber nicht das Opfer sein. Man hat ja die Wahl auch einfach zu gehen oder den Partner aus dem Raum zu jagen, für eine gewisse Zeit.

    Es macht ja keinen Sinn, am Ort der Tat zu bleiben und drauf zu hoffen, dass Derjenige schon begreifen wird. Nein, wird er nicht und will er in dem Moment auch nicht.
     
    • Interessant Interessant x 1

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