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  • DemonPassion
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    in einer Beziehung
    5 Oktober 2014
    #1

    Wir wissen nicht, was wir tun sollen

    Hallo liebe Community,

    vielen hier, auch mir, wurde schon sehr gut geholfen und deswegen wende ich mich verzweifelt an euch. Es gibt niemanden sonst, mit dem ich die Geschichte besprechen könnte und langsam weiß ich nicht mehr, was ich tun soll.

    Wie ihr meinen anderen Threads entnehmen könnt, bin ich psychisch angeknackst, womit genau, weiß ich allerdings nicht. Eine Diagnose habe ich bisher nur ein einziges Mal erhalten, vor knapp 9 Jahren, und die war oder ist zumindest heute falsch (Borderlinerin bin ich garantiert nicht). Meine psychische Verfassung ist die Grundlage für viele, viele Probleme, die ich mir teilweise selbst bereite, weswegen es mir wie ein Wunder erscheint, einen wirklich schönen, tollen Partner zu haben. Leider hat diese Medaille zwei Seiten, die uns permanent extrem belastet: Meinen Partner finde ich umwerfend, er sieht wirklich gut aus, ist sehr klug und gebildet, selbstständig, gelassen, optimistisch... Ein echter Traum. Es gibt nichts an ihm, das ich nicht als mindestens grandios bezeichnen würde. Neben ihm fühle ich mich wie ein Haufen Dreck. Ich fühle mich ja so schon, allein aufgrund meiner Existenz, wie ein Haufen Dreck, aber wenn ich allein bin, kann es ab und an doch mal vorkommen, dass ich etwas an mir finde, das nicht ganz so furchtbar ist. Sei es, weil ich einen guten Tag habe, in den Spiegel schaue und heute meine Haare ganz nett finde, oder weil (bitte verurteilt mich nicht dafür, ich weiß auch, dass es ganz schrecklich ist) ich mich durch Vergleiche mit anderen doch nicht ganz so schlecht mache (das sind dann aber Menschen, die sich selbst oder von anderen echt nicht gut darstellen/ dargestellt werden). Dann habe ich zumindest genug Kraft, um ohne größere Zusammenbrüche durch den Tag zu kommen.
    Wenn ich allerdings mit meinem Freund zusammen bin, oder auch nur Kontakt zu ihm habe oder an einem schlechten Tag an ihn denke, kommt wieder diese schwarze Giftmasse in meinem Kopf hoch und ich fühle mich, als wäre ich die Luft nicht wert, die ich atme. Das passiert, weil ich mich mit ihm vergleiche oder mit der Frau, die er meiner Meinung nach haben müsste, die ihm zumindest ebenbürtig ist. Wie ihr gemerkt habt, vergleiche ich mir sehr viel, eigentlich permanent sogar und in den allermeisten Fällen schneide ich in diesen Fällen wirklich, wirklich schlecht ab, um es mal nett zu formulieren. Ich kann es nicht abstellen, auch wenn ich weiß, dass es mir und meiner Verfassung nicht zuträglich ist. Die Meinung anderer ist schon fast mein Lebenselixier, weil meine eigene von mir so dermaßen schlecht ist, dass ich mich aus Strafe selbst verletze und bereits mehrfach versucht habe, mich umzubringen. Ich habe furchtbare Angst, dass ich es irgendwann demnächst noch einmal versuche und diesmal richtig; an guten Tagen verstehe ich diese Angst und will auch nicht sterben, an schlechten Tagen aber (und die sind deutlich häufiger), wird der Wunsch nach meiner Auslöschung fast übermächtig. Ich denke, damit der Menschheit und speziell allen Menschen, die mich kennen lernen mussten, einen Gefallen zu tun, was dazu führt, dass ich mich noch schlechter fühle als sowieso schon, weil ich es nicht schaffe, diesen Gefallen zu tun. An mir selbst sehe ich absolut nichts Gutes, kein bisschen, weder innerlich noch äußerlich. Ich bin nicht einmal Müll, weil Müll irgendwann mal einen Wert hatte, also bin ich Dreck. Kommen zu dieser Grundeinstellung noch Vergleiche dazu, durchschlage ich Rock Bottom und bin irgendwo drunter.
    All diese Negativität ist natürlich nicht zuträglich für meine Beziehung oder meinen Freund. Er weiß nicht, was er tun soll, ich weiß nicht, was ich tun soll. Er sieht sich selbst als nicht so toll, wie ich ihn sehe, im Gegenzug sieht er ja irgendwas an mir, sonst wäre er nicht mit mir zusammen. Das weiß ich auch theoretisch: Wenn ich so absolut bekackt wäre, wie ich denke, wäre er nicht mit mir zusammen. Aber auch da hat sich meine Logik ein perfides Argument einfallen lassen: Am Anfang der Beziehung habe ich ihn gelockt, weil ich da Phasen hatte, wo es mir länger gut ging und wir uns auch nicht so viel gesehen haben wie jetzt (wir führen eine Fernbeziehung über knapp 250km und sehen uns etwa 1-2 Wochen im Monat, oft am Stück) und jetzt, wo er weiß, mit was für einem Haufen Dreck er da zusammen ist, ist er zu höflich, um es zu beenden. Nochmal, das ist die Logik meines Kopfes.
    (Zum Verständnis: Ich teile mich sozusagen in meinen Kopf und mich. Mein Kopf ist mein Feind, der, der mich tot sehen will und alles madig redet. Ich bin die, die versucht, irgendwie aus dieser Sache rauszukommen. Mein Kopf hat nur verdammt viele gute, starke Argumente...)

    Lange Rede kurzer Sinn: Wie ihr euch vorstellen könnt, ist es auf Dauer äußerst belastend für alle Beteiligten, permanent auf so viel Widerstand zu treffen. Widerstand von meinem Freund, der mir sehr oft (manchmal schon, aber das ist eine andere Geschichte) in meinen Argumenten gegen mich widerspricht; Widerstand von mir gegen eine glückliche Beziehung, weil ich finde, er verdient etwas Besseres als mich. Eigentlich finde ich es nicht nur, es ist meine tiefste Überzeugung. Wir wissen beide weder ein noch aus, denken beide über Trennung nach, wollen es beide nicht wirklich. Sowohl er als auch ich haben das Gefühl, nicht gut für den anderen zu sein, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Wir wollen heute Abend noch einmal miteinander reden, aber ich weiß nicht, ob ich das kann. Das passiert öfter: dass ich einfach nicht mit ihm reden kann. Ich ertrage es nicht, den Mund aufzumachen und seine Zeit mit meinen immergleichen, langweiligen Worten zu verschwenden (so sieht er das nicht, sagt er mir).

    Ich würde einfach gerne eure Einschätzung der Sache hören; einfach gerne wissen, was Unbeteiligte dazu sagen. Mein Freund und ich stecken sprichwörtlich schon so tief in dieser Scheiße, dass wir uns nicht mehr bewegen können. Vielleicht habt ihr einen Gedanken, einen Anstoß, irgendwas, womit man nochmal arbeiten könnte. Danke, dass ihr euch meine Geschichte durchgelesen habt, auch wenn es noch so viel mehr gibt was dazu gehört; für Fragen bin ich immer offen.

    PS: Die Randdaten von uns beiden - er ist 24 und selbstständiger Journalist, ich bin 23 und arbeite im Augenblick in Teilzeit in einer Bäckerei, um ein bisschen Geld bis zum nächstjährigen Ausbildungsbeginn reinzuholen (so ist zumindest der Plan). Auf der Suche nach Hilfe bin ich schon sehr lange, aber bisher ist mir keine zuteil geworden. Kein Psychologe hat Platz und wenn, dann nur mit Wartezeiten von einem Jahr, in der psychiatrischen Anstalt wurden mir nur meine "gelegentlichen Suizidgedanken" attestiert (wobei ich ganz deutlich gesagt habe, dass ich schon morgens mit dem Gedanken aufwache), Medikamente bekomme ich dementsprechend auch keine. Der Antrag für einen privat arbeitenden Therapeuten, der von der KK übernommen wird, rattert durch die Mühlen der Bürokratie und meine Hoffnung schwindet, bis zu meinem Umzug Anfang Mai überhaupt etwas zu bekommen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.
     
  • Turmspringer1991
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    Verheiratet
    5 Oktober 2014
    #2
    Liebe Themenstarterin,

    zunächst einmal möchte ich mich für Deinen Bericht und Deinen Mut bedanken, etwas aus Deinem Leben zu erzählen, was für Dich und Deinen Partner extrem belastend ist. An Deinen Erzählungen und Ausführungen merke ich, dass Du von Dir selbst und Deinem eigenen Leben keine hohe Wertschätzung hast.

    Ohne, dass ich Dich jetzt genau kenne und Deine Lebensumstände weiß, glaub ich aber sagen zu dürfen, dass Menschen, die in solchen exestientiellen Schwierigkeiten stecken, diese Last schon lange mit sich herum tragen. Und mit "schon lange" ist gemeint, dass es bis in die früheste Kindheit zurück reicht.

    Um Deinen Problemen und deren Ursachen auf den Grund zu gehen, ist es daher notwendig zu wissen, wie Du aufgewachsen bist, was für eine Kindheit Du hattest, ob Du vielleicht negative sexuelle Erfahrungen (Vergewaltigungen) gehabt hast usw. Eine solche Therapie dauert, wenn man sie richtig durchführt, im Mininum 5 Jahre und schließt auch stationäre Aufenthalte ein. Deshalb bekommt Du bei Deiner Diagnose nicht sofort einen Termin bei einem Pyscholgen. Ich schaue aber mal, wie weit ich Dir helfen kann, denn Du brauchst mehr als dringend Hilfe, Du bist für mich schon nicht mehr selbstmordgefährend, sondern Du stehst schon kurz davor, aus Deinem Leben zu scheiden.

    Um Dich mal aufzurichten, wollte ich Dich mal fragen, ob Du Dich in Deinem Leben bisher bis zurück in die Kindheit an Erlebnisse oder Punkte erinnerst, die positiv waren und seien sie noch so klein und unbedeutend. Schreibe diese Punkte mal auf z. B. erster gemeinsamer Urlaub mit den Eltern wo, wie lange? Die beste Note in der Schule - in welchem Fach, wann bei welchem Lehrer. Schwimmen gelernt - wo mit welchem Lehrer. Schreib einfach mal diese positive Punkte aus Deinem Leben auf.

    Dann schreibst auf ein anderes Blatt die Punkte auf, die negativ in Deinem Leben gelaufen sind. Dazu gehören auch Bestrafungen in der Kindheit, Prügel, Mobbing, Verlassen werden von früheren Partnerschaften.

    Wenn Du dies gemacht hast, dann nehme den Zettel wo die positiven Sachen drauf stehen und hängen ihn an den Spiegel in Deinem Badezimmer. Jeden Morgen beim Aufstehen kannst Du ihn sehen. Das Wichtigste aber ist: Mache das, was auf dem Zettel steht, mit Deinem Freund. Beispiel: Du warst als Kind mit den Eltern im Urlaub in Italien am Strand. Versuche Dich zu erinnern wo das war, vielleicht gibt es Bilder von damals. Dann sucht diesen Ort im Internet und fahrt dorthin und wenn es nur für eine Woche ist. Auch wenn es dort wahrscheinlich nicht mehr so aussehen wird wie früher, aber alleine dass Du und Dein Partner an dem Ort seid, wo Du positive Kindheitserinnerungen hast, kann bestärkend für Euch beide sein.

    Oder Du nimmst ein Hobby raus, was Du damals als Kind gemacht hast z. B. Radfahren, Schwimmen oder so. Nimm Deinen Partner mit an der Hand. Er soll und muss Dich begleiten, damit Du wieder neuen Lebensmut bekommst.

    Dies kann ein erster Schritt in die Richtung sein, aber Du solltest Dich auf jeden Fall darum bemühen, in eine professionelle Therapie zu kommen. Dein Partner kann Dich unterstützen, es sollte es sogar. Wie eingangs erwähnt, ist es bei Deinem Krankheitsbild nicht mit ein paar Sitzungen getan, sondern es wird Jahre dauern, bis diese negativen Gedanken und diese Minderwertigkeitsgefühle, die Du selber gegenüber Dir hast, überwunden sein.

    Ich wünsche Dir und Deinem Partner alles Gute, mach es ihm zu Liebe, denn er liebt Dich. Bei Fragen oder so darfst Du gerne antworten.
     
  • DemonPassion
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    in einer Beziehung
    5 Oktober 2014
    #3
    Vielen Dank @Turmspringer1991 für deine ausführliche und einfühlsame Antwort. Ich erzähle zu jedem Punkt etwas, was vielleicht erklärt, wieso das alles überhaupt so festfahren konnte.
    Wir fangen bei meiner Mutter an. Sie ist auffallend psychisch krank geworden, als ich 11 war. Auch vorher gab es schon Anzeichen (ich durfte nie mit anderen spielen, nie jemanden einladen, Kindergeburtstage gab es nicht und auch keine kindgerechte Förderung, sogar medizinische Hilfe wurde mir teilweise verweigert, wenn auch nicht in lebensbedrohlichen Situationen), aber so richtig wurde es erst, als sie ihren damaligen Job beendet hat. Es war wohl so, dass sie mit ihrem Chef eine Affäre hatte, er sie abgesägt und beleidigt hat und das den Anstoß für eine paranoide Schizophrenie und manische Depressionen gegeben hat (alles so attestiert und ich kann aus eigener leidvoller Erfahrung zustimmen). Bevor meine Eltern sich getrennt haben, als ich 14 war, hat meine Mutter mich geschlagen, eingesperrt, isoliert, versucht zu vergiften und mir jeden Tag mehrmals gesagt, dass ich nicht lebens- und liebenswert bin und sie mich besser abgetrieben hätte. Ich bin dann bei der Trennung mit zu meinem alkoholkranken Vater gezogen, der sich teilweise wochenlang irgendwo hin verpisst hat, von der Polizei nach Hause gebracht wurde, jeden Tag betrunken war und sich nicht im Mindestens um das gekümmert hat, was sich seine Tochter nennt. Dass er mich missbraucht hat, als ich 5,6 Jahre alt war, weiß er inzwischen gar nicht mehr. Als ich 16 war, bin ich zum Jugendamt gegangen und habe versucht, auszuziehen, allerdings waren die Umstände eher... bescheiden und so habe ich mich entschieden, lieber bei meinem Vater zu bleiben, bei dem ich wenigstens meine Ruhe hatte, wenn er irgendwo saufen war oder geschlafen hat (er hat mich auch nach meiner Kindheitsphase zum Glück nie mehr angerührt). Rausgeschmissen hat er mich dann mit 19, was er bis heute dementiert und ich bin ausgezogen. An meinem Abiball war er nicht da, er weiß auch nicht mehr, wann ich Geburtstag habe oder was ich studiert habe. Es ist nicht alles schlecht an ihm, er ist toll, wenn er nüchtern ist. Wenn.
    In der Schule wurde ich aufgrund meines SVV und meiner Selbstmordgedanken geschnitten, was sich erst mit einem Umzug in eine völlig andere Gegend langsam gebessert hat, als wir dann alle älter wurden und die anderen langsam ein Verständnis für psychische Krankheiten entwickelt haben. Es war nicht alles schlimm und grausam, aber sehr viel.
    Mein allererster Partner hat mich benutzt und betrogen, meine erste wirklich große Liebe hat mich ignoriert.

    Das ist eine gute Idee, auch wenn die Liste wohl sehr kurz wird. Es gab sicherlich auch schöne Momente, aber ehrlich gesagt erinnere ich mich an sehr wenig.

    Ich würde unheimlich gerne nach Amsterdam, weil ich mit diesem Ort sehr viel Liebe verbinde, allerdings lebe ich unter dem Existenzminimum und kann nach dem Abzug von Miete, Lebensmitteln und dem Aufrechterhalten der Fernbeziehung nicht wirklich was zur Seite legen.

    Das ist der nächste Punkt: Er soll und muss in meinen Augen gar nichts. Ich fühle mich wie ein Tor, das ihm den Weg zu einem glücklichen, ausgefüllten Leben mit einer harmonischen, schönen und normalen Beziehung versperrt. Ich habe das Gefühl, ihn für alles und jeden Weitere zu versauen und ihn mit meiner Negativität in den Abgrund zu reißen.

    Ich habe alles getan, was in meiner Macht steht, um an eine Therapie zu kommen, aber ich bin, wie in der Psychiatrie attestiert wurde, nicht krank genug. Ich kann arbeiten, ohne viel auszufallen. Ich lag nicht die letzte Zeit in einem Krankenhaus, weil ich mir die Pulsadern aufgeschnitten habe. Ich habe das Gefühl, solange ich nicht im Sterben liege, passiert nichts, weil meine persönliche Gesundheit einfach nicht wichtig genug ist. Allein zahlen kann ich, wie erwähnt, nicht.

    Vielen Dank.
     
  • User 12529
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    5 Oktober 2014
    #4
    Hast du die Hausärzte in deinem Ort mal mit deiner Problematik aufgesucht? Die wissen in der Regel auch, wo sowas wie Notfallsprechstunden bei Therapeuten/Kliniken oä. sind in der Umgebung, die dir zumindest fürs erste weiterhelfen könnten. Möglicherweise können sie dich auch direkt in eine Therapie vermitteln oder dafür sorgen, dass die Wartzeiten verkürzt werden könnten.
    Vielleicht kann dir einer der Hausärzte auch Medikamente verschreiben, die zuindest die Zeit zur festen Therapie überbrücken könnten.

    Erzählst du den bisherigen Therapeuten oä das so, wie du es uns erzählt hast, also inklusive deiner Vergangenheit und den nahezu täglichen Wunsch zu sterben?
     
  • User 4590
    User 4590 (34)
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    5 Oktober 2014
    #5
    Geh zum nächsten Hausarzt und sag, dass du akut suizidgefährdet bist und bereits mehrere Suizidversuche hinter dir hast - dann muss dir geholfen werden, und zwar gleich, nicht erst in einem Jahr.
     
  • DemonPassion
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    in einer Beziehung
    5 Oktober 2014
    #6
    Ja, mein Hausarzt weiß von meiner Verfassung. Er sieht sich aber selbst nicht in der Lage, mir Medikamente zu verschreiben, denn er sagt, dass ist ein viel zu kompliziertes Gebiet, als dass er als Laie in solchen Dingen da herantrauen würde. Er hat mich auch an die Psychiatrie überwiesen, die mich allerdings abgewiesen haben. Direkt in eine Therapie vermittelt werden kann ich nicht, da ich laut offizieller Seite nicht akut selbstmordbedroht bin und zu klar denke. Sprich, ich verstehe, was mit mir passiert, erkenne meine Probleme und kann alles reflektieren, und deswegen bin ich nicht krank genug für Notfallmaßnahmen. Ich habe auch keinen bisherigen Therapeuten. Das letzte Mal in einer Therapie war ich als Jugendliche, da wurde das alles auf die Pubertät geschoben.

    Bin ich ja nicht, ich traue mich ja nicht. Ich will sterben und das alles nicht ertragen, aber ich traue mich nicht und es gibt Tage, an denen ich es ja nicht will. Das ist den Zuständigen zu widersprüchlich.


    Vielen Dank für eure Antworten. Es ist mir bewusst, dass ich Hilfe brauche, deswegen soll es in diesem Thread auch nicht primär darum gehen. Ich erhoffe mir hier einen Rat, wie ich mit meiner Beziehung und meinem Freund umgehen soll oder ob es nicht doch besser, sich zu trennen, weil ich wirklich das Gefühl habe, ihn mit meiner Negativität komplett zu versauen. Ich habe Angst, zukünftige Beziehungen von ihm mit meiner Art zu manipulieren. Das alles dementiert er zwar und wir haben auch eine sehr offene Kommunikation über unsere Probleme, aber ich habe einfach Angst, dass er nicht erkennt, was ich ihm da eigentlich wirklich antue. Was würdet ihr ihm denn raten, hätte er den Thread eröffnet?
     
  • User 12529
    Echt Schaf
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    in einer Beziehung
    5 Oktober 2014
    #7
    Dass er dich dazu bewegen soll, schellstmöglich in Therapie zu gehen. Auch, dass er unbedint darauf achten muss und sich bewusst machen muss, dass er nicht dein Therapeut ist und sein sollte und auf sich aufpassen soll, dass es ihn selbst nicht beeinträchtigt.

    Auch, dass er versuchen sollte, dir immer wieder klarzumachen, wie toll du bist und wie toll du für ihn bist - allerdings wird das bei deiner Erkrankung vermutlich nicht von alleine fruchten.
    Rational betrachtet ist dir ja klar, dass er dich toll etc findet, allerdings kommt es (noch) nicht richtig in dir an, weil du eben dieses Selbstbild von dir hast etc.

    Off-Topic:
    Hast du mit eine anderem Hausarzt über deine Geschichte und deine Probleme geredet? Möglicherweise kann der mehr tun.
    Hast du die "Diagnose", dass du quasi zu klar bist für akuten Therapiebedarf "nur" von einem Theraeuten(team) oder auch schon eine Zweiteinschätzung (oder Dritteinschätzung) bekommen?
    Haben die Leute dir Anlaufstellen/Optionen für die Übergangszeit mitgeteilt?

    Die "Notfallsprechstunden" sind in meiner Heimatregion und im Uniort wöchentliche Angebote an einem Tag, man kann einfach so ohne Termin vorbeikommen.

    Gibt es in deiner Stadt sowas wie psychosziale Beratungsstellen, also nicht "richtige" Therapiestellen, sondern in erster Linie eher Anlaufstellen? Kann mir gut vorstellen, dass die dir gut Tipps geben könnten, mit denen du deine Probleme vlt schonmal ewas in den Griff bekommen kannst und vor allem, dass sie vielleicht noch den ein oder anderen Tipp haben bzw vlt was wissen, mit dem du eher in Therapie kannst, als dein Hausarzt oder die bisherigen Therapeuten (?, die, die dich als "zu klar" für kute Therapiebearf einschätzen).
     
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  • huhngesicht
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    5 Oktober 2014
    #8
    Also die naheliegende Punkte, dass Du eine Therapie brauchst, vermutlich medikamentoes aufgrund einer Depression eingestellt werden musst (ist ja gruselig, dass Du keine therapeutische Hilfe bekommst) ist ja klar. Daneben gibt es einen Trick, der vielleicht funktioniert, um Ratio und Emotio zumindest halbwegs in Einklang zu bringen. Es steht schon im Grundgesetz, dass die Wuerde des Menschen unantastbar ist. Du bist weder Dreck noch Gold. Du bist per Defintion eigentlich wertfrei. Aus dieser Situation heraus darfst (und sollst) Du in Wuerde leben (das erwartet die Gesellschaft von Dir). Das galt fuer Adolf Hitler wie fuer Mutter Theresa und gilt auch fuer Dich, die Du vermutlich "ganz normal" bist. Vergleiche Dich nicht und bewerte Dich nicht jenseits eines Kontextes. Dein Freund ist anzunehmend ein Kontext, aber es ist seine Entscheidung, ob er Dich lieben will oder nicht (nicht Deine). Selbst wenn er der kluegste und erfolgreichste Adonis unter der Sonne sein sollte und Du eine haessliche Hohlbirne, ist das kein Grund, dass Du Vergleiche ziehst. Du bist ein Mensch mit Wuerde und wenn er eine Partnerschaft mit Dir wuenscht, kannst Du das erfreut annehmen oder auch ablehnen, wenn Du ihn nicht willst. Du bist ein existenzberechtigtes Individuum (gleich wie toll oder scheisse Du bist), von dem man nur erwartet, dass es bestmoeglich existiert.
     
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  • Starla
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    5 Oktober 2014
    #9
    Die Frage ist: Würde er einen solchen Thread überhaupt eröffnen? Ich schließe mich huhngesicht an: Es ist die Entscheidung Deines Freundes, Dich zu lieben und mit Dir zusammen zu sein. Selbst wenn Du es (noch! :smile:) nicht nachvollziehen kannst, das ist ein Satz, mit dem Du Dein Gedankenkarussel stoppen solltest.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass das bald mit Deinem Therapieplatz klappt. Allerdings ist mit Selbstmordgedanken nicht zu spaßen und auch ich rate Dir dazu, nochmal zu Deinem Hausarzt zu gehen und um Hilfe zu bitten.
     
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  • User 4590
    User 4590 (34)
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    5 Oktober 2014
    #10
    Genau deswegen mein Rat - du brauchst definitiv Hilfe, und wenn dir diese bislang verweigert wird, weil man deine Probleme als nicht ernst genug erachtet, dann musst du sie eben "ernst genug" schildern, damit man dir endlich hilft. Lass das "ich traue mich nicht" und "es gibt Tage, da will ich das nicht" weg und sag nur "ich will sterben und habe es bereits mehrmals versucht, ich brauche Hilfe, und zwar jetzt". Ärzte brauchen meist klare, deutliche Ansagen, um zu begreifen, dass der Patient wirklich Leidensdruck hat und nicht vielleicht irgendwann mal Hilfe braucht, sondern jetzt und hier.

    Und so hart das jetzt klingen mag, aber die Arbeit an deiner Beziehung kommt m. E. erst danach; dass du in Therapie kommst, sollte deine Priorität Nr. 1 sein, das ist die Voraussetzung, um andere Baustellen in deinem Leben in den Griff kriegen zu können, dazu zählt dann auch dein Freund. Hätte dein Freund hier gepostet, wäre das auch mein Rat an ihn: Schau, dass deine Freundin in Therapie kommt, alles andere kann man dann angehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5 Oktober 2014
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  • Starla
    Gast
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    5 Oktober 2014
    #11
    Wenn es Deinem Hausarzt zu kompliziert ist, dann soll er Dich an einen Facharzt überweisen. Darauf kannst Du auf jeden Fall bestehen.

    Wieso hat Dich die Psychiatrie denn abgelehnt? Selbst wenn keine akute Selbstmordgefährdung vorliegt (dann _müssten_ sie Dich sofort aufnehmen), wäre in absehbarer Zeit ein regulärer Platz frei.
     
  • DemonPassion
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    5 Oktober 2014
    #12
    Genau so ist es und genau das tut er. Er verwendet sehr viel Energie darauf, mir irgendwie bewusst machen zu wollen, dass ich in seinen Augen die Beste bin. Er bittet mich auch immer wieder, die Krankenkasse, Therapeuten, Ärzte, einfach jeden anzurufen. Sogar bei der Stadtmission hat er angerufen um zu fragen, was er tun kann und was ich tun kann. Auf der einen Seite ehrt es ich wahnsinnig, dass er so viel tut, auf der anderen ist es mir schrecklich unangenehm, dass er so viel Zeit für einen Menschen wie mich aufbringen muss. Ich komme überhaupt nicht damit klar, wenn andere mir etwas Gutes tun wollen, weil ich ständig denke, ich verdiene es nicht (übrigens auch hier...).

    Off-Topic:
    Ich muss jetzt den Hausarzt wechseln, weil mein voriger leider verstorben ist. Im Augenblick sind die anderen Ärzte etwas mit dem Andrang überfordert, weshalb ich etwas länger warten muss, um mit jemand anderen sprechen zu können. Die Einschätzung, dass ich "zu gesund" bin, habe ich von der Oberärztin der Psychiatrie bekommen; mit einem anderen Facharzt konnte ich bisher nicht sprechen. Das Einzige, was ich bekommen habe, ist eine Liste mit Therapeuten, die ich entweder schon alle durchtelefoniert habe oder nicht bezahlen kann. Soweit ich weiß, gibt es bei im Umkreis nur Angebote für Süchtige und deren Angehörige sowie für akut Suizidgefährdete oder von Armut betroffene Menschen. Da ich mich selber nicht als akut suizidgefährdet einschätzen würde (weil eben zuviel Angst), würde ich mich auch nicht trauen, dorthin zu gehen, weil ich jemanden einen wichtigen Platz wegnehmen könnte.


    Lustigerweise hat mich das mit der hässlichen Hohlbirne ehrlich zum Lachen gebracht :smile: Ich habe vorhin mit einer Dame der Telefonseelsorge telefoniert, die hat mir fast das Gleiche gesagt wie du. Mein Problem ist, dass ich zu allem immer eine rationale und zufriedenstellende Antwort brauche und die kann mir mein Freund auf die Frage, weshalb er gerade mich hat und keine schlanke, langhaarige Brünette, nicht so geben, dass ich sie verstehe. Deswegen fällt es mir schwer, positive Entscheidungen ihm zu überlassen, während ich eine negative (in diesem Fall Trennung) sofort annehmen würde. Mehr oder weniger wünsche ich mir ja für ihn, dass er erkennt, wie hoffnungslos bescheuert ich bin, damit er sich endlich in Ruhe von mir trennen kann.

    Nein, er würde so einen Thread nicht eröffnen, weil er, wie er sagt, weiß, dass er mich will. Gleichzeitig weiß er aber nicht, wie lange er es noch mit mir aushalten kann, wenn ich so bleibe, wie ich jetzt bin. Darum ist meine Frage ja, ob es Sinn macht, ihm diese Entscheidung abzunehmen und die Trennung auszuführen. Die einhellige Meinung bisher ist Nein, auch wenn ich immer noch nicht verstehe, wieso. Im Vergleich BIN ich einfach schlechter als Frauen, die er haben sollte und könnte, WIESO also nimmt er mich?
    Meine Selbstmordgedanken nehme ich übrigens selbst nicht mehr so ernst, weil ich sie einfach ständig habe. Vielleicht ist das mein Fehler.

    Ist es denn seine überhaupt nur partiell seine Aufgabe, mich in Therapie zu bringen? Er tut sehr viel, aber ich fühle mich schlecht deswegen, weil ich dahingehend nicht seine Kräfte beanspruchen will.

    Danke für eure vielen klugen Beiträge.
     
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  • User 12529
    Echt Schaf
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    5 Oktober 2014
    #13
    Er will die anderen Frauen nicht, sondern dich. Und du willst ihn. Er wäre dämlich, wenn er dich unter diesen Grundumständen nicht nehmen würde.
     
  • User 4590
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    5 Oktober 2014
    #14
    Es ist nicht seine Aufgabe im Sinne von "dazu verpflichtet sein", sondern es ist eine freiwillige Unterstützung, etwas, das man für seinen Partner tut, weil man möchte, dass es ihm besser geht.

    Ich meinte das aber auch nicht so, dass sich dein Freund jetzt um deinen Therapieplatz kümmern soll, ich wollte nur auf die Frage antworten, welchen Rat ich ihm geben würde, wenn er hier gepostet hätte: Zuerst musst du in Therapie, dann kommt der Rest.
     
  • huhngesicht
    Benutzer gesperrt
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    5 Oktober 2014
    #15
    Weil Du egoistisch bist. Du stellst Dein Leid in den Mittelpunkt Eurer Beziehung. Ich bin kein Psychologe, aber vermutlich leidest Du unter einer mittelschweren Depression. Da koennte auch eine Selbsthilfegruppe (gibt es wie Sand am Meer) erstmal helfen (zu sehen, wie beschissen es anderen geht, kann erleichternd sein). Kurzfristig musst Du aus dem Teufelskreis des "Sichbewertens" raus. Du bist. Selbst wenn Dein Freund Jessica Alba haben koennte und Du pummelig und blond ist, will er nun einmal Dich. Dafuer gibt es keine rationale Erklaerung. Sollte er Dich nicht mehr wollen, laege es es nicht an Deinem Aussehen, sondern an Deiner destruktiven Einstellung zu Dir selbst. Ueberwinde diese, indem Du Dich nicht bewertest, dann machst Du das groesste Geschenk an Deinen Freund. Mittelfristig benoetigst Du eine Therapie und vermutlich eine medikamentoese Behandlung. Verlassen - kann er Dich immer noch. Umbringen - kannst Du Dich immer noch (auch wenn das schon ethisch obsolet ist). Du brauchst eine Moeglichkeit, um aus dem Druck der Gefuehle von Minderwertigkeit und Schuld rauszukommen. Das geht, wenn Du Deinen Wert nicht mehr als relevant rational akzeptierst (das ist er faktisch auch nicht und hier hast Du Deine Antwort).
     
  • DemonPassion
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    in einer Beziehung
    5 Oktober 2014
    #16
    Du hast absolut Recht, ich bin egoistisch. Ich denke immer nur an mich und nerve andere damit. Es geht so vielen Menschen so viel schlechter und hier bin und stehle allen die Zeit.

    Der Thread kann dann zu, es tut mir leid, euch belästigt zu haben.
     

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    die Fummelkiste