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Geht die Fähigkeit Sinnerfassend zu lesen verloren?

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von Reliant, 12 Februar 2008.

  1. Reliant
    Reliant (35)
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    Laut einer neuen Studie sind in der EU 24,1% der Jugendlichen nicht mehr in der Lage Sinnerfassend zu lesen (funktionelle Analphabeten). In Deutschland sind es noch 20% (von 22,6% gefallen) in Österreich 21%.

    Das manche Jugendliche nicht mehr ohne Akronyme schreiben können, sich schwer tun eine 3 nicht als e zu sehen und hinter jedes Wort ein z schreiben müssen, mag noch die Ausnahme sein. Trotzdem kann man aber einen Trend zum Minimalismus in der Sprache feststellen, wobei es nicht mal so schlimm ist das Redewendungen verloren gehen, das ist eine normale Entwicklung, viel schlimmer ist es wenn man in einem Gespräch oder Text Stilmittel wie Ironie oder Sarkasmus nicht mehr versteht, oder gar nicht mehr in der Lage ist den Standpunkt des Diskussionspartners zu verstehen, weswegen man sich unweigerlich im Kreis drehen muss (ich muss ja wenigstens verstehen was der andere sagt um zu antworten, das tun viele nicht mehr).

    Bei Vorträgen und Referaten merkt man oft das es vielen schwer fällt ihr Wissen zu vermitteln, was nicht unbedingt mit mangelnder Intelligenz sondern viel eher mit Mangelnder Sprachlicher Fähigkeit zu tun hat. Man kann den besten Vortrag mit einem Holprigen Sprach Ductus verhauen, aber wie soll man gute Rethorik lernen wenn man nicht richtig lesen kann?

    Aber wer trägt Schuld? Lehrer die so überfordert sind, das sie ihre Schüler nicht mehr begeistern, und noch weniger fordern können? Eltern die permanent Arbeiten müssen und sich keine Zeit für ihre Kinder nehmen können weil sie nach der Arbeit zu fertig sind? Medien die die Komunikation einschränken anstatt zu fördern (sei es Handy Konsole oder PC). Politiker die gar nicht wollen das ihr Volk zu gebildet wird?

    Wie kommt es das funktionelle Analphabeten zwar lesen können, aber keine Verbindung mehr zwischen Worten herstellen können? Im besten Fall so das sie Wort für Wort wahrnehmen, im schlimsten Fall das sie ein Wort zwar lesen können aber schon das keine Assoziation mehr hervorbringt.

    Was muss sich ändern damit die Zahl der Analphabeten auf 15% oder 10% zurückgeht?

    Ist es überhaupt sinnvoll lesen zu können, oder ist es heute eine Kunst die durch ihre Unwichtigkeit im alltäglichen Leben in Vergessenheit gerät, ähnlich dem Feuermachen mit zwei Reibhölzern?
     
    #1
    Reliant, 12 Februar 2008
  2. User 16351
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    vergeben und glücklich
    Zum Thema:

    Ich denke, dass keine Übung mehr in aktiver Kommunikation mehr stattfindet. Diese Übung kann auch nicht vollumfänglich durch elektronischen Hilfsmittel ersetzt werden.
    Der einzig sinnvlle Weg ist daher, die eigenen Kinder vom PC oder der Konsole wegzuzerren und in mit anderen Kindern vor die Tür zu schicken. Während ich in meiner Kindheit nur maximal 20% der Freizeit mit einem Gameboy oder C64 verbracht habe, scheinen das bei den Jugendlichen von Heute 80%+ zu sein.

    Off-Topic:
    Rechtschreibung ist aber auch wichtig.:zwinker:

    Schuld sind die Eltern. Wer mit 5 die erste Playstation bekommt und dann bis zur ersten Pflichtlektüre in der Schule kein Buch anfasst, hat schon verloren.
    Eine gewisse Mitschuld tragen aber auch die Initiatoren der Rechtsschreibreform. Seitdem diese Getrenntschreiberei angefangen hat, darf ich überall Sachen wie "Lieblings Essen", "Telefon Terror", "Sonder Angebot" oder "Glücks Keks" lesen. Ich bekomme jedesmal, wenn ich so einen Dreck sehe, ein echtes Ekelgefühl.:wuerg:

    Zu meinen kulturellen Weltuntergangsphantasien zählt es, dass ich mal in der Position bin, Leute einzustellen und dann nur Bewerbungen mit Rechtschreibfehlern auf meinem Schreibtisch liegen.

    Ich fände es z.B. gut, wenn es ein aktivierbares Rechtschreibmodul in Foren gäbe, so dass gerade Jüngere nach dem Verfassen eines Beitrages eine Fehlerstatistik erhielten. Klar gibt es kontextabhängige Schriftsprache (gerade in Multiplayerspielen), aber diese sollte nicht Grundlage des eigenen Sprachverständnisses sein.
     
    #2
    User 16351, 12 Februar 2008
  3. User 12216
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    hö?wat meinst du den damit?ich versteh garnix!:ratlos:

    ne spass mal beiseite!die gründe für die misere sind wohl sehr vielfältig!zum einem wird bedeutend weniger gelesen,zum anderen hat auch das internet(chat,foren) seine schuld daran!

    wenn für viele "chatdeutsch" die normalität darstellt,wie sollen sie dann ein normales buch lesen und verstehen können?
     
    #3
    User 12216, 12 Februar 2008
  4. happy&sad
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    nicht angegeben
    Dass manche Leute eine drei als e verwenden habe ich ja auch schon mitbekommen, aber was soll denn ein z am Ende eines jeden Wortes?

    Ich kenne kaum Leute, die zu dieser Zielgruppe gehören und kann es deswegen aus eigener Erfahrung weder be- noch widerlegen.
    In der Geschichte der Sprache gibt es viele Veränderungen. Die Sprache passt sich immer den Gegebenheiten an, ist ökonomisch. Für die angegebenen Jugendlichen wird die Schriftsprache, die ihnen in der Schule vorgelegt wird, wohl einfach nicht in ihr Leben passen. Sie zu lernen wäre demnach nicht ökonomisch. Wenn diese Zahlen aber wirklich stimmen, finde ich es schon heftig! Immerhin werden diese Jugendlichen irgendwann erwachsen sein (wenn nicht etwas schlimmes dazwischenkommt) und werden in dieser Gesellschaft leben. Ohne ein gewisses Sprachverständnis dürfte das nicht einfach sein...
     
    #4
    happy&sad, 12 Februar 2008
  5. User 12216
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    noch schlimmer ist dieses groß und kleingeschreibe innerhalb eines wortes!da bekomm ich regelmäßig augenkrebs!:kopfschue
     
    #5
    User 12216, 12 Februar 2008
  6. User 64981
    User 64981 (29)
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    Zb. "Ich liebz dir soouuww!"
    oder "Du bist mein Schazzzzz"
    (das darf ich atm alles bei meinem Bruder so lesen...:kopfschue )

    Aber nungut, wer is Schuld..sicherlich das Internet, die mangelnde Aufforderung der Eltern gegenüber ihren Kindern, ein Buch in die Hand zu nehmen, aber auch eben die Einfachheit von Spielekonsolen... kommt bestimmt noch mehr dazu.
    Mit der Rechtschreibung (die eher Falschschreibung heissen müsste) seh ich das nicht so eng. Klar, sie gilt, aber...ernsthaft : Unsere Lehrer konnten nichmal die alte wirklich - und wollten uns dann bei der "Vorreform" schonmal irgendwas erklären, was sie aber kurz vorher im Duden nachgesehn haben, und es dann mit einem "Is das nich logisch?" beendeten... und das war Oberstufe, Gymnasium (wo eh kaum ein Lehrer noch auf die Rechtschreibung achtet - aber dennoch!)

    Aber auch die Tatsache, dass in der Schule auch nicht wirklich auf die einzelnen Schüler eingegangen wird.
    Beispielsweise stand auch mal bei mir unter einer Arbeit "Kernaussage nicht richtig erfasst!".. nungut. Ich weiss aber bis heute nicht, was die Kernaussage dieses Textes ist - wurde nicht erklärt, und nicht nur ich habe das unterm Text stehn gehabt. Man hat sichs dann bei den ganz guten mal angeschaut, wie es hätte aussehn müssen..aber da hätte imho mal n Lehrer sagen müssen "So, Zack, bitte...das isses!"

    Bei der ganzen Sache fällt mir auch ein, dass vor Kurzem im Shortnewsletter ein interessanter Bericht drin war: Ein CDU Politiker (bin zu faul jetz danach zu schauen..) wollte, dass die Kinder nichtmehr so viel Hausaufgaben aufbekommen, und die wenigen, die sie noch bekommen, in der Schule machen können, damit sie mittags mehr Freizeit haben.
    Dass man aber erst vor kurzem das Schulsystem von 13 auf 12 Jahre zum Abitur geändert hat, und der Stoff aber der gleiche bleibt... nein, das war nicht der Fehler. Lieber kürzen wir Hausaufgaben...und wozu warn nochmal Hausaufgaben gut? Jaa, für einen selbst, zum Lernen, aber nich für den Lehrer! (speziell in den unteren Klassen werden sie doch noch gemacht, in der Oberstufe kannte man das Wort "Hausaufgabe" kaum noch - warn dann "Kurz-vor-der-ersten-Stunde" Aufgaben oder "HabIchNOchNeFreistundeAhjaGutDaPasstMatheNOchRein"-Hausaufgaben..:zwinker: )
     
    #6
    User 64981, 12 Februar 2008
  7. happy&sad
    happy&sad (33)
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    nicht angegeben
    Da ich selten chatte, sondern fast nur in Foren unterwegs bin erlebe ich wohl nicht ganz so viele Ausartungen :grin: .
    Jeder kann sich mal verschreiben, oder erwischt beim schnellen Tippen eine falsche Taste, aber wenn sich jemand absichtlich eine falsche Rechtschreibung angewöhnt nervt mich das schon ziemlich.
    Solche Sachen wie 'kuhl', 'scheizze' und ähnliches :wuerg: .
     
    #7
    happy&sad, 12 Februar 2008
  8. Reliant
    Reliant (35)
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    vergeben und glücklich
    Off-Topic:
    Nun ich kann wenigstens auf meine Legasthenie verweisen, weswegen meine Rechtschreibung mieß ist.
    Und auch bei einer Bewerbung schau ich eher auf Stil und Ausdruckskraft als auf die Rechtschreibung, da ich die gesamte Sprache für wesentlich wichtiger erachte als das Element der Rechtschreibung. Für das eine kann man Wörterbücher oder Rechtschreibprogramme heranziehen, das andere muss man können.


    Das es eine eigene Sprache in MMOs gibt ist klar, wer da nicht versteht was LFM, LFG , OOC, HLP M8 usw. heißt ist arm dran. Aber auch dort geht die Tendenz wieder zu Ausgeschriebenen Worten, alleine weil das Verhalten der "Akronymisierer" Teilweise genauso unausgereift wie ihre Sprache ist. Ich spiele ja selber, genauso wie meine Freundin, und laut ihrer Englischlehrerin hat sich seit dem sie spielt ihr Englisch wesentlich verbessert. Es ist also eine Frage wie man Medien einsetzt.
    Und ich gebe zu das ich damals vor Urzeiten, um halb 5 in der Früh aufgestanden bin um noch ein wenig Indiana Jones and the Fate of Atlantis zu spielen bevor ich in die Schule musste, ich also durchaus ein Zocker war, aber genauso an anderen Tagen bis 3 in der Früh ein Buch gelesen habe weils mich so gefesselt hat.

    Es sind also nicht nur die zur verfügung stehenden Medien schuld, sondern die Art wie sie genutzt werden.
    Wenn man heute sagt ein Spiel ist weniger Kulturgut als ein Buch hat man eine Entwicklung verpasst, denn in beidem kann eine Botschaft stecken, beides kann die Phantasie anregen und beides die Sprache fördern, WENN der betreffende Konsument es will.

    Das Verhalten der Eltern denke ich beeinflusst die Entwicklung der Kinder da genauso. In meiner Familie wars zB immer so das ich nie um ein Buch bitten musste, oder es mir zum Geburtstag schenken lassen musste, Bücher waren immer genauso etwas wie Kleidung oder Nahrung, eine Notwendigkeit. Wenn ich grad kein Buch hatte das mich interessierte bin ich halt in die Buchhandlung gegangen und hab eines auf mein Konto schreiben lassen. Ich muss aber dazu sagen das wir eine Buchhändler und Verleger Familie sind und so natürlich einen anderen Zugang haben, und ich es auch anders vorgelebt bekommen habe, da meine Eltern ebenso viel gelesen haben, auch nach dem anstrengendsten und längsten Arbeitstag.

    Wie Sprache Pervertiert wird um "Cool" zu sein verdeutliche ich mal an der Entwicklung meines Lieblingsunwortes.

    1. To beat someone in a activity.
    2. To totally massacre someone at an activity.
    3. To Own something

    1337 (Hacker Langauge) to Own

    Originated when alot of Computer nerds miss spelled ownz.

    1. Buddy, I pwnzed this kid at NHL 2004

    2. ! Pwnz j00 n;99uh (Sadly this is the language they resort too)

    3. I own a PlayStation 2. It Pwnz!!

    Schriftlich versteht man das ja noch, aber es gibt leute die das laut aussprechen ohne rot zu werden.

    Und zu sagen das die Entwicklung und Vereinfachung der Sprache Ökonomisch ist, mag zwar stimmen, allerdings sind Slangs der diversen Subkulturen nicht allgemeines Sprachgut, SMS Stil wird (hoffentlich) nie ein anerkannter Stil, und so bringt diese Sprache dem Einzelnen nicht viel fürs Leben ausserhalb seiner Subkultur, und er wird Schwierigkeiten bekommen wenn sein Bewerbungsschreiben auf Good'n'evils Schreibtisch landet.
     
    #8
    Reliant, 12 Februar 2008
  9. User 16351
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    vergeben und glücklich
    Off-Topic:

    Das wird nicht nur bei mir so sein!:zwinker:
    Zum besseren Verständnis meiner Position bezüglich der Rechtschreibung:
    Ich nehme eher zehn Legastheniker, als einen Bewerber, der sich seine sprachliche Unfähigkeit selbst "antrainiert" hat.
    Ignoranz gegenüber Sprache empfinde ich als ziemlich negative Einstellung.
     
    #9
    User 16351, 12 Februar 2008
  10. Flowerlady
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    Na, "PlayaZ" und "GangstaZ" kommunizieren nunmal mit cooleren Rechtschreibungs- und Grammatikkreationen :zwinker:



    Ich persönlich habe als Kind viel Zeit hinter Büchern verbracht. 1 bis 2 Jugendbücher pro Woche waren keine Seltenheit. Dabei hab ich mit 11 auch Bücher verschlungen, die im Unterricht der 8./9. Klasse (Hauptschule) dran gewesen wären ("Die Welle", "Die letzten Kinder von Schewenborn"). Gleichzeitig habe ich aber auch gern an Spielekonsolen gesessen (allerdings mit Freunden dabenen :zwinker: ) Später habe ich sehr viel gechattet (und bin auch jetzt noch viel zu viel online), aber ich behaupte einfach mal, meinen Wortschatz und mein Sprachgefühl erhalten zu können :zwinker:

    Trotzdem bemerke auch ich das oft bei anderen (sowohl bei jüngeren als auch bei gleichaltrigen). Es besteht kein Interesse, Bücher zu lesen (oder wenigstens Zeitschriften, wenn man sich mehr für Wissenschaftliches als für irgendwelche geschichten interessiert). Und selbst in Chats nimmt die Kommunikation rapide ab... warum auch ganze Sätze schreiben? Mehr als ein kurzer Satz ist ja auch zu anstengend zu lesen :ratlos: Auf ganze Gespräche einlassen geht nicht, dafür müsste man sich konzentrieren... :eek:
    Ironie und Sarkasmus kommen je nach Gesellschaftsschicht und Freundeskreis tatsächlich nicht vor. Ganz traurig ist da das Beispiel eines Mitschülers, in den ich in der 5. Klasse verschossen war. Wir haben uns im Unterricht mit ironischen und sarkastischen Kommentaren bombardiert (soweit das 11-jährige tun :zwinker: ). Er kam dann aus Faulheit und wegen familiärer Probleme auf die Hauptschule und kam dort mit seinen Mitschülern nicht klar, weil ihn niemand verstanden hat. "Hä, meinst Du das jetzt ernst?!"
    Und irgendwann hat er sich dann halt auch angepasst :kopfschue


    Achja... die selbe Person hat mich dann irgendwann Jahre später mal nach dem Rezept für "Erdbeerbohle" gefragt... google konnte da nicht helfen (heute kann es das :grin: ). Er hat sich bedankt, als ich ein Rezept für ErdbeerBOWLE rausgesucht habe... ich weiß nicht, ob er seinen Fehler selber erkannt und sich dafür geschämt hat
     
    #10
    Flowerlady, 12 Februar 2008
  11. User 44981
    User 44981 (29)
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    Diese Zahlen sind schon ziemlich erschreckend, allerdings für mich nicht besonders überraschend (auch wenn ich nicht damit gerechnet hätte, dass sie wirklich so hoch sind).

    In der Schule (Gymnasium) und in meinem Privaten Umfeld sind mir auch schon einige Leute aufgefallen, die Probleme haben, den Sinn eines Textes zu erfassen, der nicht gerade in völlig normaler Alltagssprache geschrieben ist und deren Wortschatz wirklich bemitleidenswert ist, bzw. ist.
    Viele Leute haben sprachliche und rhetorische Probleme, sachlich zu diskutieren und zu argumentieren, oder anderen Leuten Dinge zu erklären.
    Interessanterweise habe ih an der Uni noch keine Leute mit solchen Problemen kennen gelernt, obwohl ich nichts studiere, wo Sprache wirklich wichtig ist.

    Ich selbst habe schon seit meiner Kindheit einen überdurchschnittlichen Wortschatz (zumindest haben das meine Lehrer und meine Eltern gesagt).
    Die hauptgründe dafür werden wohl sein, dass ich immer viele Bücher gelesen habe (das hat allerdings in letzter Zeit nachgelassen), sehr früh mit der täglichen Zeitungslektüre begonnen habe und dabei nie vor den anspruchsvolleren Artikeln (Politik und Wirtschaft) zurückgeschreckt bin und auch fast immer irgendwelche Zeitschriften abonniert habe (anfangs Kinderzeitschriften, später vor allem PC-Zeitschriften).
    Ein weiterer großer Vorteil war, dass sich meine Eltern intensiv um mich gekümmert haben und sich viel mit mir unterhalten haben, anstatt mich vor den Fernseher zu setzen.

    Hauptgründe für die vielen Leute mit mangelnder Sprachkompetenz sind meiner meinung nach die Folgenden:
    - Kinder lesen zu wenig (Ob Bücher, oder Zeitschriften ist völlig egal... sogar Comics sind immer noch besser, als nichts!)
    - Kinder sitzen zu viel vor dem Fernseher, wo man nun wirklich überhaupt nichts lesen muss, sondern nur berieselt wird (was übrigends auch der Phantasie und Vorstellungskraft immens schadet)
    - Kinder sitzen zu viel am PC (wobei man hier immerhin noch lesen muss... allerdings sind gedruckte Texte meistens viel besser, da sie im Normalfall sorgfältiger geschrieben wurden, was Wortwahl, Rechtschreibung, Grammatik und Stilmittel anbelangt)
    - Es etabliert sich immer mehr eine furchtbare Chat- und SMS-Sprache (Abkürzungen, bewusst falsche Schreibweise, 1337, möglichst einfacher, kurzer Satzbau, etc.), die auch schon Eingang in die gesprochene Sprache findet
    - Kinder und Jugendliche führen zu wenig Gespräche und Diskussionen, die über alltägliche, banale Dinge hinaus gehen (hier sehe ich vor allem die Eltern, in der Pflicht, sich um ihre Kinder zu kümmern, anstatt sie vor den Fernseher oder den PC zu setzen, aber auch in der Schule wären solche Gespräche durchaus möglich)
    - Ausländische Akzente werden teilweise zur Szenesprache (z.B. "Dönerdeutsch" à la Mundstuhl) und werden auch von Leuten gesprochen, die eigentlich richtig Deutsch sprechen könnten (Das soll keineswegs heißen, dass ich etwas gegen ausländische Akzente habe... ich habe nur etwas dagegen, wen ausländische Akzente als Szenesprache missbraucht werden)

    Diese Entwicklung zu weniger Sprachkompetenz sehe ich mit großer Sorge.
    Ich kann hier die Unternehmen gut verstehen, die keine Azubis einstellen, die kein richtiges Deutsch können.

    Ich frage mich ernsthaft, wie solche Leute im späteren (Berufs) Leben erfolgreich sein wollen und habe auch die Befürchtung, dass diese mangelhafte Sprachkompetenz irgendwann Alltag wird, was dem Ende von schöner Sprache und anspruchsvoller gleich kommt.

    @Monchichi87
    Dieser Politiker war der Baden-Württembergische Ministerpräsident Öttinger.
    Er ist mit seinen (absolut idiotischen) Ideen auf die (berechtigte) Kritik von Eltern, Lehrern und Schülern eingegangen, dass die zeitliche Belastung durch das achtjährige Gymnasium (G8) sehr hoch ist.
    Allerdings wird jedem klar sein, dass sein Vorschlag, bei den Naturwissenschaften Unterrichtszeit zu kürzen keineswegs sinnvoll ist.
    Ob man seinen Vorschlag, die "Hausaufgaben" während der Schulzeit durchzuführen, gut findet, ist eine andere Sache... Wenn man sich die Ganztagesschulen in anderen Ländern (die dort nicht mit dem Grundsatz, dass es nicht mehr kosten darf, als eine "Halbtagesschule", wie in Deutschland betrieben werden) ansieht, ist die Idee aber gar nicht so abwegig.
    Auch über den Sinn von verpflichtenden Hausaufgaben (insbesondere in der Oberstufe) kann man geteilter Meinung sein.
    Ich habe z.B. die Mathe- Hausaufgaben konzequent ignoriert, weil ich im Unterricht schon alles so gut verstanden habe, dass weiteres Üben einfach sinnlos war.
     
    #11
    User 44981, 12 Februar 2008
  12. musicus
    musicus (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    in einer Beziehung
    ...die Fähigkeit zum Schreiben vielleicht auch!
    Beim ersten Überfliegen deines Textes habe ich nicht weniger als 18 (achtzehn!) Orthographie- und Interpunktionsfehler gezählt - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
    Zufall...?
     
    #12
    musicus, 12 Februar 2008
  13. Reliant
    Reliant (35)
    Sehr bekannt hier Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    Nope, ich hab schon auf meine Leghastenie verwiesen, und die Fähigkeit Orthographie und Interpunktion anzuwenden hat sich im Wesentlichen nicht verändert, und wird auch immer mehr als unwichtig erachtet. Ich bin trotz meiner Rechtschreibschwäche sowohl im Akademischen als auch im Beruflichen Leben sehr gut zurecht gekommen, also erspar mir die Klugscheißerei.
     
    #13
    Reliant, 12 Februar 2008
  14. User 65313
    User 65313 (28)
    Toto-Champ 2008
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    Verlobt
    Off-Topic:
    Hat nich ganz so viel mit dem Thema zu tun, aber ich hab da mal ne Frage - diese Sache mit dem e und der 3. Mir passiert das des Öfteren mal beim tippen, bisher hab ich das immer für eine blöde Marotte gehalten (übrigens hab ich auch Probleme bei der 2 und dem S). Ich hab gar nicht gewusst, dass das auch andere haben, kann mir da einer mehr drüber sagen?
    Abgesehen davon - aber was hat das mit der Fähigkeit, sinnerfassend zu lesen zu tun? :eek: Im Lesen bin ich nämlich eigentlich ziemlich gut :zwinker:
     
    #14
    User 65313, 12 Februar 2008
  15. Flowerlady
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    1
    vergeben und glücklich
    Off-Topic:

    Das was Du hast ist eine Marotte, das was hier gemeint ist, ist Leetspeak
    -> http://de.wikipedia.org/wiki/Leetspeak
    Leetspeak ist grob gesagt eine Chat-Sprache (oder Schreibweise)


    Ich hab früher handschriftlich oft versehentlich ein "d" zum "g" gemacht, also "ung" statt "und" geschrieben (und andersrum bei Wörtern, die auf "-ung" endeten ein "d" am Ende). Angst gemacht hat's mir erst, als mir das beim Tippen dann auch passiert ist :grin:
     
    #15
    Flowerlady, 12 Februar 2008
  16. User 65313
    User 65313 (28)
    Toto-Champ 2008
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    Verlobt
    Off-Topic:
    Hm... aber ich mach das ja nicht mit Absicht. Ich hab das schon vor Jahren gemacht, als ich Leetspeak noch gar nicht kannte (jetzt wo dus sagst fällts mir nämlich auch auf^^). Ich hab schon Öfters einfach so getippt und mir fiel erst beim drüberlesen auf, dass ich anstatt nem E eine 3 geschrieben hatte (und zwar bewusst und nicht vertippt, auch wenns so nah beieinander liegt :zwinker: ).:engel:
     
    #16
    User 65313, 12 Februar 2008
  17. Drachengirlie
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Dieses Problem merke ich auch immer mehr. Wir sind zwar hörgeschädigt, aber trotzdem gibt es genug Punkte, besonders in der gymnasialen Oberstufe, wo man dann denken muss: Nee, dass kann doch nicht sein, warum wird DAS ständig falsch geschrieben??

    Zum Beispiel schäme ich mich immer mehr dafür, dass meine Klassenkameradin und auch Freundin beim Schreiben von Folien die Groß- und Rechtsschreibung nicht beherrscht. Bei ganz einfachen Wörtern. Sie schreibt zum Beispiel, "wörter" "folien" "Malen" "Spielen". Also irgendwie alles verkehrt herum.

    Ich will jetzt nicht sagen, dass mein Deutsch supertoll ist. Ich weiß, dass ich selber auch Macken habe. Aber solche Sachen bringen mich dann doch zum Nachdenken. Oder auch eine andere Klassenkameradin kann die Artikel einfach nicht beherrschen. Sie macht sie partout falsch...

    Naja...

    LG,
    Drache
     
    #17
    Drachengirlie, 12 Februar 2008
  18. User 42447
    User 42447 (31)
    Meistens hier zu finden
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    206
    nicht angegeben
    Hm, aber meint ihr wirklich, dass das z.b. "früher" alles besser war und es jetzt eher zu einer rückentwicklung in sachen kommunikationsfähigkeit und sprachlicher kompetenz kommt?
    Ich weiß nicht.
    Ich kann mir nicht vorstellen,dass z.b. kinder vor 20 jahren viel besser texte erfassen, interpretieren und auswerten konnten und es nun durch die heutigen gegebenheiten zu einer sprachlichen verkrüppelung kommen soll.

    Auf den jugend- und chatsprachen würde ich jetzt nicht unbedingt herumhacken, denn eine "eigene" und abgegrenzte sprache war ja schon immer ein merkmal für diverse jugendgruppen. Wie gut oder schlecht man nun die heutige sms oder chatsprache findet, sei mal dahingestellt.
    Ist der nötige intellekt vorhanden, weiß man aber auch, dass man in formellen angelegenheiten nicht in chat- oder alltagssprache schreibt. Sowas ist auch immer sache der allgemeinen fertig- und fähigkeiten, sowie des intellekts und lässt sich meiner meinung nach nicht nur auf einen bereich (wie hier der sprachliche) begrenzen.
    Fehlt es in diesem bereich, gibt es wohl meist auch mängel in einem anderen.
     
    #18
    User 42447, 13 Februar 2008
  19. Reliant
    Reliant (35)
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    vergeben und glücklich
    Nun, ich lese recht häufig davon das Schulen sich gezwungen sehen Kindern zu erlauben im SMS Stil Schularbeiten zu schreiben. Also Kurze Hauptsätze ohne Sprachliche Finesse.

    Früher wars insofern anders, als das man zwar nicht soviele Möglichkeiten der Komunikation hatte, also weder Handy, Chat noch Forum, dafür aber aktiv Komunizieren musste. Sei es weil ein Elternteil daheimblieb um mit dem Kind zu reden, oder ihm Vorzulesen, oder weil man Freunde treffen musste und mit ihnen redete. Wenn man bedenkt das heute Menschen per Chat oder SMS Streitigkeiten austragen, Schlussmachen oder sich ihre Gefühle gestehen, dann merkt man schon das da was Falsch läuft.
    Ich hab zB von der ersten Liebe an Liebesbriefe geschrieben, und egal was daraus geworden ist, die haben sich viele aufgehoben und manch eine spricht mich heute noch drauf an. Ob das bei einem Liebesschwur SMS wohl auch so ist?

    Es war vor zwanzig Jahren wohl eher so, das war die Analphabeten Rate höher war, die der Funktionellen Analphabeten aber geringer. Und der große Unterschied ist der, das Analphabeten leicht lesen lernen können, Funktionelle Analphabeten sich aber wesentlich schwerer tun.

    Das die Intelligenz auch damit zu tun hat, ist sowieso klar. Je schärfer der Verstand desto besser auch die Sprachlichen Werkzeuge.

    Es hat sicher zu allen Zeiten eigene Jugendslangs gegeben, aber das führte nie soweit das die Komunikationsfähigkeit dadurch verloren ging. Ganz schlimm merkt man es wenn die Menschen nicht mehr lachen können sondern nur noch ein LOL gesprochen kommt.
     
    #19
    Reliant, 13 Februar 2008
  20. Flowerlady
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    Off-Topic:

    Und als Antwort kommt dann: "ROFL, Du hast LOL gesagt!!!"
    :grin:
     
    #20
    Flowerlady, 13 Februar 2008

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