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  • Art_emis
    Art_emis (32)
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    nicht angegeben
    12 April 2020
    #1

    I am a Survivor? - häusliche Gewalt, wie offen damit umgehen?

    Hallo ihr Lieben,

    ein hier kürzlich verfasster Thread und die viele Zeit (durch Corona) :rolleyes: für Gedankengänge hat mich ein wenig ins Grübeln gebracht und ich möchte meine Gedanken einfach mal heraus schreiben.
    Wie in der Überschrift erkennbar wende ich mich bezüglich "häuslicher Gewalt" an euch, da dies für mich leider kein unbekanntes Thema ist.
    Vorneweg, ich bin nicht mehr davon betroffen, also ich bin raus aus dieser Beziehung und habe das bisher recht gut verarbeitet. Es bleibt zwar ein Teil meiner Lebensgeschichte und wird sicher nie vergessen sein, aber ich denke, dass ich nicht mehr darunter leide.
    Ja es gibt immer mal wieder Flashback-Situationen, wenn ich zum Beispiel in einem Film mit ähnlichen Szenen konfrontiert werde oder auch wenn ich die zurückgeblieben "Narben" an meiner Wohnung/Einrichtung betrachte, doch das ist soweit okay für mich.

    Um auf den Punkt zu kommen, der mich ins Grübeln bringt: meine Verarbeitungsstrategie sieht bisher so aus, dass ich kein großes Thema daraus mache. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die überhaupt wissen, dass ich Gewalt in der Beziehung erfahren habe (jetzt werden es wohl noch ein paar mehr durch den Thread) und im Grunde kennt niemand genauere Details darüber.
    Ich hatte bisher auch kein großes Bedürfnis danach jemanden von meinen Erlebnissen zu berichten, da ich es gewohnt bin Dinge mit mir selbst "auszumachen".
    Allerdings habe ich die letzten Tage etwas intensiver darüber nachgedacht und mich gefragt, ob ich wirklich kein Bedürfnis danach habe oder es andere Gründe gibt, warum ich nicht ausführlicher darüber spreche. Und ja die gibt es scheinbar: zum einen möchte ich nicht, dass meine Freunde, Freund, Familie mich mit anderen Augen betrachten, ich möchte nicht als Opfer wahrgenommen werden. Zudem stellt sich mir auch die Frage, wem ich mich anvertrauen sollte/könnte. Meiner Familie gegenüber möchte ich es keinesfalls.
    Ein anderer Grund ist, dass ich oft denke meine Geschichte ist nicht erwähnenswert. Es gibt so viele Menschen, die viel schlimmeres erleben oder erlebt haben, dagegen sind meine Erlebnisse fast schon "harmlos". Deshalb auch das Fragezeichen in der Überschrift. Als "Survivor" würde ich mich selbst nicht bezeichnen.
    Und zuletzt stellt sich mir die Frage, ob darüber zu sprechen auch tatsächlich einen positiven Effekt hat. Verschaffe ich mir zusätzliche Linderung, wenn ich meine Erlebnisse mal in aller Ausführlichkeit jemandem erörtere oder ist meine bisherige, nicht zu viele Details freigeben Strategie die bessere Variante, mit der ich ja bisher ganz gut gefahren bin?
    Einen Psychologen benötige ich meiner Meinung nicht, da ich wie erwähnt, nicht mehr wirklich darunter leide. Ich kann mein Leben normal führen und bin dadurch nicht beeinträchtigt. Auch eine neue Beziehung konnte ich eingehen. Nur eben der Gedanke alles mal von der Seele zu erzählen, beschäftigt mich derzeit.
    Was denkt ihr denn so darüber?
     
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    nicht angegeben
    13 April 2020
    #2
    Das du aus der Nummer raus bist, ist auf jeden Fall erstmal das wichtigste. Ob es einen positiven Effekt hat, kann dir glaube ich niemand vorweg sagen. Meistens fühlt es sich gut an, wenn man das Gefühl hat, mit einer Sache nicht alleine dazustehen. Geteiltes Leid ist halbes Leid sag man ja. Aber der Volksmund täuscht sich leider manchmal auch.

    Das du nicht als Opfer wahrgenommen werden möchtest ist verständlich. Aber letztlich ist es paradox dass du dann darüber grübelst ob du mit jemanden darüber sprechen kannst oder solltest. Wenn du das nicht intuitiv sofort beantworten kannst, dann heißt es, dass er dich bis jetzt eingeschüchtert hat. Oder das du dich für die Übergriffe schämst. Egal ob du dich entscheidest damit an andere heranzutreten - wichtig ist auch (und vor allem) dass du dich nicht selbst über die Opferrolle definierst. Die Story muss sein: Er hat sich mir gegenüber übel verhalten und ich habe die Konsequenzen daraus gezogen. Jetzt gehe ich meinen eigenen Weg alleine weiter und was passiert ist, ist jetzt passiert. Aber eben auch vorbei. Wenn du das wirklich annimmst, dann kannst du das auch beiläufig erwähnen: Im Stil von: "Du, es gab damals auch tätliche Übergriffe. Aber ist jetzt auch egal, aus der Nummer bin ich draußen." Die Frage ist halt, ob du das wirklich soweit hinter dir lassen kannst. Klar, sowas verletzt einen. Nicht nur körperlich. Und man kommt immer wieder ins Grübeln und fragt sich "warum ich" oder "was wäre wenn" oder "hätte ich doch..." Auch das ist okay.
     
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  • Art_emis
    Art_emis (32)
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    13 April 2020
    #3
    inwiefern ist das paradox?

    Scham ist natürlich nach wie vor vorhanden, aber die hält mich eigentlich nicht zurück.

    Genau so habe ich das ja bereits din paar ausgewählten Personen gegenüber erwähnt. Nur war meine Frage ja eher, ob ich diesen Leuten gegenüber auch mal die Details erwähnen soll. Also ganz explizit erzählen, was passiert ist, wie es dazu kam und was für Folgen es mit sich brachte....
     
  • Beastie
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    13 April 2020
    #4
    Möchtest du das denn?
    Ich denke nicht, dass sie dich explizit fragen werden. Denn bisher hast du ja wahrscheinlich den Eindruck erweckt, eher nicht darüber reden zu wollen.

    Hast du mal über eine Therapie nachgedacht? Da kannst du ja auch reden. Und da merkst du ja sicherlich, wie das so für dich ist.
     
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    13 April 2020
    #5
    Verstehe ich das richtig, dass Dein aktueller Partner nichts davon weiß? Deine Familie auch nicht?
    Ich finde den Gedanken, dass Du befürchtest, nach einer "Beichte" von den Dir wichtigen und nahestehenden Menschen anders behandelt zu werden, recht naheliegend und verstehe auch, dass Du das gar nicht möchtest. Da ist bestimmt Richtiges in diesem Gedanken.

    Ich sehe das ähnlich wie Beastie : Du könntest einen Therapeuten als Versuchsballon nehmen, wie sich das anfühlt, darüber zu reden. Es ihm/ihr auch direkt beim Kennenlerngespräch so sagen. Dass es Dir erst einmal gar nicht darum geht, therapiert zu werden, sondern auszutesten, was mit Dir passiert, wenn Du es jemandem mitteilst. Da eignet sich einfach eine neutrale und ausgebildete Person am Besten für. Du kannst so etwas ja jederzeit abbrechen oder, wenn es sich so entwickelt, auch irgendwann Antworten von ihm/ihr erbitten. Einen Versuch wäre es wert und ich fände es auch legitim, niemandem davon zu erzählen, auch Deinem Partner nicht.
     
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    13 April 2020
    #6
    Der innere Frieden mit sich selbst ist ganz wichtig denke ich.

    Viele die etwas Schlimmes in ihrem Leben erlebt haben entscheiden sich das Anderen mitzuteilen, damit denen rechtzeitig die Augen geöffnet werden und meistens profitieren dann beide Seiten davon. Dem Erzählenden geht es besser durch Mitteilen und indirekter Hilfe und den Zuhörern, falls selbst betroffen oder gefährdet, werden Lösungen aufgezeigt aus einem bestehenden Dilemma auszubrechen bzw. auch zur Prävention gar nicht erst in irgendetwas (tiefer) reinzurutschen.

    Gewalt ist immer keine Lappalie.
    Verstehe es aber auch gut, wenn man nichts sagt. Es ist eben eine Hemmschwelle da, mit welcher nur gewisse Personen auch richtig umzugehen wissen. Mehr ins Detail zu gehen heißt auch sich praktisch dem Gegenüber nackt zu machen. Genau genommen musst du selbst für dich die Entscheidung treffen, wem du dich öffnest oder öffnen willst - auch kein Therapeut wird dich hierzu drängen.

    Wenn du dein Erlebtes mit dir vereinbaren kannst, dann würde ich es an deiner Stelle dabei belassen. Wenn es dich aber weiterhin belastet, erzähl es jemandem, dem du nach eigener Einschätzung dahingehend vertraust oder sogar jemandem einfühlsamen Fremdes (wie hier z. B. einer neutralen Person). Dann merkst du auch, ob es dir gut damit geht und es dich sogar noch bereichert.
     
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    13 April 2020
    #7
    Zwei Dinge fallen mir in deinem Eingangspost direkt auf.

    Das sind Dinge die man jetzt als "stark" definieren könnte. Du bist raus, es belastet dich nicht mehr,du leidest nicht mehr, du machst sowas mit dir selbst aus. Powerfrau.

    Und das wiederum zeigt, einen Teil... Vielleicht hinter der Fassade. Du möchtest nicht schwach sein, niemand soll es wissen. Es gibt schlimmeres und das was du erlebt hast.... Du bist nicht so wichtig.

    Ich bin keine Therapeutin und kann nur mutmaßen, aber das springt einen irgendwie direkt an und deshalb bin ich ganz bei Mark11. Einfach mal antesten, wie es sich anfühlt, darüber zu sprechen, mit jemandem der professionell ausgebildet ist und der dir vielleicht helfen kann, das ganze besser zu reflektieren.

    Es hat jemand dir gegenüber eine massive Grenzüberschreitung begangen. Du bist physisch und psychisch verletzt worden. Da ist es erstmal egal, wie es anderen ergangen ist oder ergeht. Dir ist etwas schlimmes widerfahren, an dem du nicht Schuld bist.
    Das erkennen ist eines, das verarbeiten etwas anderes, es anzunehmen und darauf aufzubauen auch im Hinblick auf folgende Beziehungen, ist vermutlich der schwerste Teil.

    Nimm es mir nicht böse, aber dein aktueller Partner weiß davon nichts, dass ist für mich eigentlich schon ein bedenkliches Zeichen.... Ja... Das sind so meine Gedanken dazu.
     
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    13 April 2020
    #8
    Das kann ich sehr gut verstehen.
    Gibt es in deinem Leben denn jemandem dem du es wirklich mitteilen möchtest?
    Wie wir in dem anderen Thread ja schon geschrieben haben ist Scham das man, obwohl man doch ein gefestigtes Leben hatte, in diese Situation der Häuslichen Gewalt überhaupt rein gerutscht ist. Aber ich habe die Erfahrung gemacht das man danach nicht komisch und als Opfer angeschaut wird wenn man sich jemandem Anvertraut.
    Allerdings habe ich mich damals direkt jemandem anvertraut, vieleicht war das wichtig für mich, damit gerade diese bestimmte Situation mein Leben nicht negativ beeinträchtigt hat. Ich bin der Meinung es hilft einem darüber zu reden, die Situation zu reflektieren. Das geht aber nur mit Personen die nicht zu dramatischen Ausbrüchen neigen. Denn ich glaube, du möchtest ja eben genau das nicht, das du danach mitleidig angeschaut wirst. Die Hemmschwelle zu einem Therapeuten zu gehen ist finde ich immer recht groß und dafür denkt man oft, so schlimm war es ja nicht, deine Gedankengänge dazu verstehe ich.
    Aber mit jemandem reden bedeutet ja keine Schwäche und zeigt doch das du dir selbst wichtig bist.
     
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    13 April 2020
    #9
    Ich kann das sehr gut verstehen und auch nachvollziehen. Ich hab auch schon einige Sachen in meiner damaligen Partnerschaft diesbezüglich erlebt. Ich denke, man durchlebt als betroffene in solchen Situationen mehrere Phasen und Abschnitte.

    Vorab:
    Wir waren sehr früh füreinander versprochen und ich hab ihn mit 19 dann geheiratet. Er war zu dem Zeitpunkt 22. 9 Jahre lief alles sehr gut, nur im letzten Jahr hat er sich verändert.

    Für mich selber war es am Anfang eher das „geschockt“ sein und eine Art Verdrängung. Man fängt ja von vorne herein schon an, sich selber zu hinterfragen, ob und was man falsch gemacht hat. Ich wusste bis dato nicht, das er so Impulsiv ausflippen kann. Er hatte sich im Nachhinein auch entschuldigt, ihm sei die Hand ausgerutscht. Tief in mir, hatte ich aber schon den ersten seelischen Schaden genommen.

    Ich hab immer wieder unterschwellig daran denken müssen. ich hab ihn einfach mit anderen Augen gesehen. Er hat mich in der Phase eigentlich sehr gut unterstützt. Zumindest am Anfang. Beim nächsten Mal, hat er aber alles wieder vergessen. Ich hab noch nie in meinem Leben so eine geklatscht bekommen. Das war für mich die Realisierungsphase. Ich hab einen aggressiven Mann. Ich hatte über ne Woche ein blaues Jochbein. Ich wollte weg, aber wohin?

    So richtig drüber reden konnte ich nicht, mit wem? Freunde, Bekannte? Ich wollte auch wie du Art_emis nicht anders betrachtet werden, wusste durch die Cousine meiner Freundin aber, auch sie bekommt zuhause was ab. Ich hab in der Zeit viel und oft nachgedacht.

    Dann hat er angefangen mich zu betrügen. Und ich war von ihm zum zweiten Mal frisch schwanger zu dem Zeitpunkt. Ich wusste alles. Ich war so wütend. Aber ich hab mich zusammengerissen. Im Nachhinein ein Fehler. Ich hab es ihm nur gleich getan. Warum sollte ich denn verzichten und warten, wenn er durch Betten springt? Hatte in der Zeit einige Affären. Unsere einzige Verbindung waren die Kinder. Aber deren Erziehung hat ihn genau so wenig interessiert. Ich war völlig allein damit.

    Ich hab mich dann ermutigt und mich vor gut 3 Jahren getrennt. Mein zweites Kind war wenige Monate alt...Ich bin weg. Mit den Kids in eine andere Stadt. Einfach so. Die Kids hab ich zum ersten Mal damals bei meinen Eltern untergebracht.

    Dann kam mein Absturz:
    Ich habe in der versuchten Selbstverarbeitungsphase echt viel Mist gemacht. Ich hab angefangen den seelischen Schmerz zu verdrängen. Getrunken, geraucht...Job? Welcher Job... Ich brauchte Geld. Therapie? Undenkbar. Ich hab echt hartes Zeug genommen, hab mich heimlich Prostituiert, meinen Körper angeboten, in einer anderen Stadt. Jeden Tag. Das ging ca. 2-3 Monate gut, danach war ich am Ende. Körperlich, seelisch. War kurz in einem kleinen Club an der Bar angestellt. Der Chef war ein Arsch. Bezahlung? Höchstens das Trinkgeld. Eigentlich wollte ich nicht mehr. Hab angefangen mich selber fertig zu machen. Angstzustände, Panikattacken, geregeltes Leben? Undenkbar. Ich hab starke Depressionen bekommen, unter denen ich bis heute leide.

    Dann hab morgens auf dem Weg nach Hause einen Sozialarbeiter an der Bahnstation getroffen. Im Nachhinein mein Retter. Wir haben uns direkt super verstanden. Er hat mich schnell vermittelt und mich in einer Praxis vorgestellt. Die haben mich sofort stationär in eine Psychiatrie gebracht und dort konnte mir echt gut und schnell geholfen werden.

    Ich hab mich echt schnell erholt. Danach ging es mir kurz richtig gut. Hab meine Kids wiederbekommen. Aber der Alltag als Alleinerziehende Mama mit zwei kleinen Kindern ist echt anstrengend. Zu anstrengend. Ich war maßlos überfordert. Meine Eltern sind eingesprungen und kümmern sich nebenbei um beide.

    Hab ab und zu auch noch ein paar Flashbacks und Depriphasen. Bin zwischenzeitlich noch mal stationär aufgenommen worden. Hab dadurch im Winter letzen Jahres meinen Job im Einzelhandel verloren. Eigentlich hab ich jetzt noch mal in eine Tages-Therapie gesollt, aber wegen Corona muss ich warten. Bin aber im Austausch mit meinem Therapeuten. Mir geht’s soweit aber ganz gut, die Medikamente die ich seit einem halben Jahr nehme hauen nur ordentlich rein.

    Letzens hat er sich noch mal gemeldet. Bisher hab ich immer geblockt. Er hat mich aber in einer für mich offenen Phase erreicht. Er hat sich entschuldigt. Er war in Therapie. Schließlich waren wir 10 Jahre verheiratet...Wir haben geschrieben. Wir haben uns auch getroffen, aber unsere Ansichten sind dann doch zu unterschiedlich geworden. Wir haben per WhatsApp Kontakt. Die Kids sind zufrieden.

    Sorry, jetzt hab ich mich auch noch ausgekotzt hier.. :ashamed::seenoevil:

    zurück zu dir Art_emis :
    Die Idee von Mark11 Und Beastie finde ich großartig. Das solltest du mal ausprobieren! Quatsch alles von deiner Seele. Danach geht’s dir besser.

    alles gute für dich :herz:
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 April 2020
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    #10
    Off-Topic:

    Liebe, Art_emis, nur kurz von mir: Sei stolz auf dich!
    Ich bewundere dich dafür, dass du den Ausweg gefunden hast. Meine Mutter hat es nie gepackt und so etwas belastet auch immer die nachfolgenden Generationen.
     
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    13 April 2020
    #11
    Ich hatte nie Gewalt in einer Beziehung (defacto hatte ich nur 2), aber physische sowie psychische Gewalt von meiner Familie über Jahre hinweg.

    Mein Partner weiß davon, auch die Details, was mir angetan wurde. Für ihn kein Problem und er behandelt mich auch nicht anders. Er spricht auch nicht darüber, nur wenn ich das Bedürfnis habe hört er zu und stärkt mich.

    Gegenüber andere sag ich von mir aus nichts, wieso auch? Bei Nachfrage antworte ich kurz und bündig. Ich hab kein Problem da ehrlich zu antworten. Ich würde aber niemanden einfach so jedes Detail sagen, geht sie ja prinzipiell nichts an.

    Ich habe es wortwörtlich überlebt. Und ja, ich finde Gewalt ist schlimm, egal in welcher Form. Es geht immer schlimmer, aber es macht die Tat selber nicht weniger schlimm.
     
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    13 April 2020
    #12
    Wie gut ich dich verstehen kann.
    Aus genau den gleichen Gründen habe auch ich meiner Familie nie etwas von dem erzählt was ich erlebt habe. Angst das Opfer zu sein, Scham das es überhaupt passiert ist und auch weil ich es niemandem zumuten wollte.
    Außer IHM weiß sonst nur mein Mann und mein Ex davon.
    Allerdings hat auch das lange gedauert bis ich ihm wirklich alles erzählen konnte.

    Hast du es mal mit aufschreiben versucht? So habe ich irgendwann angefangen. Habe alles aufgeschrieben. Weg geworfen, irgendwann nochmal neu geschrieben. Selbst durchgelesen, immer wieder.
    Im letzten Jahr dann habe ich es zum ersten Mal meinem Mann zum lesen gegeben.
    Therapie hab ich versucht, hat mir selbst nicht so viel gebracht.
    Aber das muss bei dir ja nicht auch so sein.
    Und ich finde die Idee den Therapeuten mal als Testperson zu nutzen auch wirklich gut.
    Du merkst ja dann ob es dir gut tut darüber zu reden. Dann könntest du es ausweiten und noch einer anderen Person deines Vertrauens davon erzählen.

    Also nach meiner persönlichen Erfahrung, die ja nicht für andere gelten muss, kann man sich extrem gut einreden das alles ok sei und man drüber hinweg ist.
    Dann braucht nur einmal der falsche Trigger zu kommen und das wars dann.

    Probier einfach verschiedene Optionen aus. Du merkst ganz schnell was gut ist und was nicht.
     
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  • Art_emis
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    13 April 2020
    #13
    Oh, so viele Antworten... da möchte ich erst mal Danke sagen für soviel Feedback und all die positiven Worte von euch :herz:
    hts87 es ist toll, dass du so detailliert von deiner Erfahrung erzählst und es ist überhaupt nicht schlimm, dass du meinen Thread zum Auskotzen nimmst. "Break the Silence" ist ein sehr wichtiger Teil beim Thema Gewalt und jeder der möchte, darf sich hier öffnen. Es ist schließlich ein Thema, dass viele betrifft.
    Auch euch anderen vielen Dank und ein großes Lob, dass ihr eure Erfahrungen hier so offen mitteilt.
    Ich habe alle eure Beiträge sehr aufmerksam gelesen und nehme jeden Rat dankend an.
    Ich versuche mal so gut es geht noch offene Fragen zu klären

    Das ist richtig, meine Familie weiß nichts davon. Sie kennen meinen Ex und auch seine hitzköpfige Art, aber von den körperlichen Übergriffen wissen sie nichts.
    Es ja so, dass ich wie hts87 auch noch Kontakt zu meinen Ex habe, da er der Vater meines Kindes ist.

    Meinem Freund gegenüber habe ich schon geäußert, dass es negative Erlebnisse gab, aber mehr wollte ich ihm dazu einfach noch nicht sagen. So lange sind wir noch nicht zusammen, dass ich gleich mit dem großen Hammer heraus platzen wollte.

    Ich denke es wäre mir wichtig, mich meinem Freund irgendwann mitzuteilen, da ich vor ihm keine Geheimnisse haben möchte. Und bei meiner sehr guten Freundin, habe ich öfter mal daran gedacht es zur Sprache zu bringen. Ihr erzähle ich sonst auch alles. Aber damit hab ich mich immer zurück gehalten. Warum, weiß ich gar nicht so recht.

    Da hast du ganz recht. Ich weiß nur nicht wie ich da am besten umdenken kann. Ich beschäftige mich ja allgemein viel mit dem Thema der häuslichen Gewalt und möchte mich da auch aktiv engagieren, dadurch lese ich eben vieles wo ich mich vergleiche und denke, da hätte ich ja noch einigermaßen Glück gehabt. Schließlich musste ich nie ins Krankenhaus und wurde auch nicht tagtäglich geprügelt.

    Diese Idee hatte ich tatsächlich schon und finde es gut, dass du es nochmal ansprichst. Vielleicht sollte ich das tatsächlich einfach mal tun. Hast du alles auf einmal aufgeschrieben oder immer wieder, wenn eine Erinnerung hochkam. Ich habe halt teilweise auch Erinnerungslücken, wo ich nicht mehr weiß, was vorangegangen war.

    Das ist auch ein bisschen die Sorge, die bei mir nun aufgekommen ist. Ich würde es denn Menschen, denen ich mich mal anvertraue lieber kontrolliert erzählen und nicht aus einer unerwartet emotionalen Situation heraus.

    Die Mehrheit hier scheint mir ja doch zu einer therapeutischen Unterstützung zu raten, es ist nur leider so schwer einen guten Therapeuten zu finden. Ich war während der "Gewaltbeziehung" schon in Therapie, aber konnte mich damals nur ganz schwer richtig aussprechen, aber das lag vielleicht auch daran, dass es zu dem Zeitpunkt noch so aktuell war. Ich werde auf jeden Fall mal nochmal darüber nachdenken.
    Mich würde auch noch interessieren, ob jemand von den Betroffenen hier es mal mit so einer Art Selbsthilfegruppe versucht hat? So dass man einfach mal erzählt ohne, dass hinterher eine Wertung oder Beurteilung statt findet?!
     
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    13 April 2020
    #14
    nein, aber das wäre eigentlich sogar keine schlechte Idee. Gibt ja einige Anlaufstellen der Caritas oder von sonstigen Anbietern. Findest in deiner Nähe bestimmt schnell was. Und die können zur Not bestimmt noch an Therapeuten oder Ähnliches verweisen.
     
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    13 April 2020
    #15
    Ich finde es echt unschön, dass die Opferrolle teilweise so stigmatisiert wird, dass man sich wohl dafür schämen muss, einmal Opfer gewesen zu sein.
    Die Beleidigung "Du Opfer!" treibt das auf die Spitze. Wenn ich das höre, werde ich richtig wütend.

    Das Wesen der Opferrolle ist es doch gerade, nicht für die erlittenen Dinge verantwortlich zu sein. Aber dafür ist es oft eine große Leistung und ein Zeichen von Kraft, Stärke, Durchhaltevermögen, Resilienz, usw., wenn man es geschafft hat, aus dieser Opferrolle rauszukommen. - Insbesondere, wenn es nicht um eine einmalige Tat geht, sondern um etwas, das länger andauert.

    Letztendlich kann Jeder zum Opfer werden. - Sei es von häuslicher Gewalt, sexueller Gewalt, Mobbing, Gewalt oder Vernachlässigung durch die Eltern, oder sonst irgendwas.

    Auch ich war mal in der Opferrolle. Über den Großteil meiner Schulzeit hinweg wurde ich von Mitschülern massiv gehänselt. Vermutlich könnte man schon von Mobbing sprechen. Aber ich habe es geschafft, aus der Situation rauszukommen, sowie einiges daraus zu lernen und für die Zukunft mitzunehmen. Ich kann definitiv sagen, dass ich das alles hinter mir gelassen und überstanden habe.
    Ich gehe mit meinen Erfahrungen und Erlebnissen nicht hausieren. Aber ich schäme mich auch nicht dafür. Wenn es sich ergibt, habe ich kein Problem, davon zu erzählen. Wenn es jemandem ähnlich geht, wie mir damals und ihm ihm vielleicht mit meinen Erfahrungen helfen kann, bin ich auch dazu sehr gerne bereit. Und selbst den Leuten, die mich früher gehänselt haben, kann ich (vermutlich auch, weil ich mich nicht dafür schäme) erhobenen Hauptes und auf gleicher Augenhöhe gegenübertreten. - Nicht dass ich sie unbedingt sehen will. Aber wenn man sich mal über den Weg läuft (was bei alten Mitschülern durchaus passiert, wenn man noch immer in der gleichen Gegend wohnt), gehen wir uns nicht aus dem Weg, sondenr können uns grüßen und auch einige Worte wechseln. Und auch sie sehen mir da nicht mehr als das Opfer, das ich früher war, sondern einfach als ehemaligen Mitschüler.

    Und ich kenne auch einige andere Menschen, die in ihrem Leben schon in irgendeiner Form in der Opferrolle waren und die da rausgekommen sind. Ich erlebe diese Menschen nicht als "Oper" (im Sinne dieses unsäglichen Schimpfwortes), sondern oft als starke Persönlichkeiten, die vielleicht durch die verganenen Erlebnisse und Erfahrungen ein paar wunde Punkte haben. Von diesen Erlebnissen zu wissen, kann hilfreich sein, um diese wunden Punkte zu erkennen und sensibel darauf reagieren zu können. (Aber natürlich kann es von irgendwelchen Idioten auch genutzt werden, um an genau diesen wunden Punkten anzugreifen. Diese Gefahr möchte ich nicht verschweigen.)


    Von daher möchte ich dir, Art_emis auch überhaupt keinen Rat geben, wie du dich nun konkret verhalten sollst. Du musst letztendlich wissen, was sich für dich gut anfühlt.
    Nur eins möchte ich dir mitgeben: Schäme dich nicht dafür!
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 April 2020
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    13 April 2020
    #16
    Nein. Die erste Version war noch sehr ungenau und lückenhaft.
    Mit der Zeit wurde das immer präziser. Ich hab da aber immer Tage, manchmal Wochen dran geschrieben. Auf einmal wäre weder zeitlich noch emotional gegangen.

    Wieder nein.
    Ich hab ja eine andere Art von Gewalt erfahren müssen als du.
    Die Umstände haben es mir irgendwie immer schwer gemacht.
    Ich war mir nie sicher ob ich es ertragen könnte mir die Geschichten anderer anzuhören. So von Angesicht zu Angesicht.
    Mir wurde das aber auch schon öfter nahe gelegt und ich überlege immer noch ob ich es nicht doch irgendwann einmal tun sollte.
     
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    13 April 2020
    #17
    Es kann aber auch vorkommen, dass jemand, bei allem Wohlwollen, nicht adäquat darauf reagieren kann, und das kann eine Beziehung durchaus belasten. Wenn auch nicht in der gleichen Situation, aber ich habe das schon von beiden Seiten erlebt, ich war sowohl Opfer, als auch jemand, dem man sich anvertraut hat.
    Ich glaube, das ist, was Art_emis hiermit meint
    dass wenn die Leute Bescheid wissen, aber nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, dann machen sie sich zu viele Gedanken, wie sie das heikle Thema umgehen können, um das Opfer (und sich selbst) nicht in eine unangenehme Situation zu bringen. Das kann eine unangenehme Spannung in der Beziehung erzeugen, die man nicht hat, wenn man sich nicht offenbart. Das muss man als Opfer abwägen, womit man besser umgehen kann, damit oder mit der Möglichkeit, dass der wunde Punkt aus unwissenheit getroffen wird.
     
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    13 April 2020
    #18
    banane0815 es ist durchaus sehr schade, dass die Opferrolle immer so negativ behaftet ist, selbst wenn man längst kein Opfer mehr ist.
    Schön zu hören, dass auch du dies hinter dir lassen konntest und damit so souverän umgehen kannst.
    Auch wenn du keinen Rat geben möchtest, sind deine Worte doch von Bedeutung.

    mrc ich glaube du hast es gut auf den Punkt gebracht. Man kann nie genau wissen, wie andere darauf reagieren und wie sie damit umgehen, wenn ihnen so etwas anvertraut wird. Ich möchte eben keinesfalls darauf reduziert werden und mein Handeln und mein Wesen sollen nicht ständig analysiert werden.

    Ok, danke. Das ist sehr hilfreich und ein guter Ansatz, wie ich das zunächst einmal angehen könnte.

    Das ist klar eine Herausforderung, ich denke aber ich könnte damit ganz gut umgehen. Ich war ja auch noch nie bei einer Selbsthilfegruppe, aber Gruppentherapie ist mir bekannt, das kommt dem ja sehr nahe und da ist es ja auch so, dass man jederzeit den Raum verlassen darf ohne dass wer böse ist.
     
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    13 April 2020
    #19
    Ich persönlich denke, dass man erst dann völlig fertig ist, wenn man praktisch beim "Kaffeekränzchen" darüber quasseln könnte, ohne dass es einen in irgendeiner Form belastet.

    Mit meinem Mann habe ich das Thema Gewalt in mehreren Etappen detailliert aufgerollt. So klar und detailliert habe ich mich in 15 Jahren davor nicht damit beschäftigt. Er war aber auch "stark" und ehrlich. Er wollte alles wissen, sagte gleichzeitig, dass er das in seiner Vorstellungskraft nicht nachempfinden könne. Dass er sauer sei auf solche "Menschen" und sich keine Vorstellung davon machen könne, wie sich das für mich angefühlt haben mag. Dass er hoffe, mit nicht zu nahe getreten zu sein und dankbar sei über das Gespräch, da sich doch ein paar Missverständnisse zwischen uns dadurch aufklärten. Ich war zu der Zeit so weit, dass es mir wenig (aber auch nicht absolut gar nichts) ausgemacht hat. Es war gar nicht leicht, Details abzurufen, die mein Unterbewusstsein eigentlich immer schön im Dunkeln gelassen hatte.

    Es hat unsere Beziehung ein Stück weit gestärkt. Ich bin aber auch grundsätzlich kein "kleines Mäuschen"/"Opfertyp". Ich wurde in aller Regel als stark und gerne als stärker als ich mich selbst wahrnahm wahrgenommen.

    Wenn Du kein Typ für die "klassische Opferrolle" bist, würde ich mir um Stigmatisierung dieser Art überhaupt keine Sorgen machen.
     
  • Funksoulbrother
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    14 April 2020
    #20
    Ich bin kein Psychologe (und ringe gerade selbst mit den "Dämonen" meiner Vergangenheit). Was Profis zu deinen Fragen sagen würden, weiß ich nicht.

    Aus meiner Perspektive denke ich, dass jeder Umgang mit deinen Erlebnissen richtig bzw. gut ist, der sich - wrnn du aufmerksam in dich gehst - für dich richtig bzw. gur anfühlt. Das sind auch keine Grundsatzentscheidungen. Möglicherweise ist der von dir gewählte Umgang für einen gewissen (längeren oder kürzeren) Zeitraum stimmig, aber in der Zukunft willst du möglicherweise irgendwann anders damit umgehen. Dann änderst du nach Bedarf deinen Umgang damit.

    Zwei Dinge halte ich da immer für wichtig.
    Erstens: Sei ehrlich zu dir selbst in deinen Bedürfnissen, sonst schadest du dir irgendwann selbst.
    Zweitens: Nimm keine falsche Rücksicht auf andere, auch deine schlimmsten Erlebnisse haben ein Recht auf ihren Raum. Verstecke deine Geschichte nicht, wenn du es nicht willst. Willst du sie - um deiner selbst Willen(!) - verstecken, dann tu es.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14 April 2020
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